Papa4Five
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ich setze mich heute mal hier hin um Euch meine Geschichte zu erzählen. Ich bin 43J., meine Frau ist 40J. Unsere Kinder sind 13 (M), 12 (J), 9(M) und die Zwillinge (beide Jungs) sind 4. Vor knapp 5 Wochen eröffnete uns meine Frau, das sie sich neu verliebt habe und ein intimes Verhältniss zu einem Mann 500Km entfernt angegangen hat, den sie 2mal im Monat trifft.
Aber der Reihe nach. Alles begann vor 25 Jahren. Erste echte Jungendliebe. Erster Sex. Romantik, Kerzen, Räucherstäbchen, Stefan Sulke, Udo Lindenberg und Nena Musik. Knutschen, Kuscheln bis, ja bis was eigentlich? Irgend etwas lief falsch. Nach einem Jahr kam ihr erster Seitensprung, wieder Versöhnung, kurze Trennung, Schwangerschafts-Abbruch, Bundeswehr, entgültige Trennung. Was ich so emotionslos schreibe, ist und war natürlich ganz anders. Himmel und Hölle nah bei einander. Aber wir waren ein Team. Nur glaube ich heute, haben wir uns gegenseitig nie genug um den anderen gekümmert. Unsere Liebe war sehr tief und offen, aber dennoch hat jeder den anderen nicht bis ins tiefste verstanden. Die echte Fürsorge, die Gedanken auf den Partner richten, seine waren Wünsche richtig äussern und die des anderen verstehen, funktionierte nicht so richtig. Dennoch war dieses tiefe Gefühl der Liebe da, nur mit dem umsetzen happerte es.
Naja, nach der Trennung war ich dann 13 Jahre lang solo. Hatte kein echtes Problem damit, hatte ich doch das Gefühl der Liebe bereits tief im Herzen.
Vor 10 Jahren kam sie wieder auf mich zu. Sie war verheiratet und hatte zwei süße Kinder. Wir begannen uns zu schreiben, vertelefonierten hunderte von DM und kamen uns näher. Sie warf ihren Mann aus dem Haus, ich zog ein.
Das war für mich und sie die schönste Zeit unseres Lebens. Sanfte Musik, Küssen bis es uns beinahe ... nah ihr wisst schon. Liebesbriefe, kleine Nachrichten und Aufmerksamkeiten waren an der Tagesordnung.
Dann verbockte ich es zum erstenmal und nicht zum letzten mal wie ich jetzt weiß.
An meinem Geburtstag, war ich auf der Heimfahrt als ich sie anrief, das ich erst bei meinen Eltern zum Kaffee vorfahren würde. Sie sagte dann könne ich gleich da bleiben. Paff, ich konnte es nicht verstehen, heute weiß ich es besser. Sie war zwar von mir schwanger, aber das hatte nicht viel damit zu tun, sie hatte sich einfach auf mich gefreut, hatte Vorbereitungen getroffen und ich Torffkopp bin nicht zuerst zu ihr gefahren. Ich ging den Tag logisch an und nicht Gefühlstechnisch, ich habe sie enttäuscht und verletzt.
Wir trafen uns zwar weiterhin jeden Tag, aber erst nach der Geburt unserer Tochter zog ich wieder bei ihr ein. Aber heute denke ich, das die Beziehung einen Knacks hatte. Ich verdrängte es, erkannte nicht ihre wahren Bedürfnisse und dennoch machten wir beide weiter. Wir haben es beide wahrlich ernst gemeint, waren auch das Dream Team, haben uns hohe Ziele gesteckt und sie erreicht, aber ich habe nicht die Tiefe der Gefühle, der Liebe zu mir erkannt. Ich habe meinen Partner nicht erforscht, meine Gedanken auf sie gerichtet. Ich habe mich nicht drum gekümmert wie Frauen und Männer wirklich denken, fühlen und handeln. Ich war zu sehr mit mir selber beschäftigt.
Das ist so komplex und doch so einfach, man muß es nur wissen, man muß sich damit beschäfftigen, sich und den Partner erforschen. (Späte Einsicht)
Ok, der Rest nun etwas mehr im Schnelldurchlauf.
Ich adoptierte die Kinder aus erster Ehe, wir heirateten (Sehr romantisch im Western Stil), Neubau, Umzug, die Zwillinge kamen, ich ließ mich steriliesieren. Alle Ziele erreicht.
Es kam wie es kam.
Wir kümmerten uns beide im die Dinge des Lebens, Kinder Windeln, Hausausbau, Beruf. Klar waren auch die kleine Nettigkeiten noch da, Blumen, Briefchen, Nachrichten, Küsschen, aber jeder war mehr mit sich selber beschäfftigt. ich werfe keinem einen konkreten Fehler vor, wir begannen uns auseinander zu leben.
Heute weiß ich etwas über Mid Life Crisis, wie man damit umgeht, sie erkennt. Das ist ja keine Krankheit, sondern eine Weiter Entwicklung. Und sie war nicht das Problem. Wir verhielten uns so typisch für Mann und Frau, die es nicht verstehen ihre Bedürfnisse dem anderen mitzuteilen, bzw die des anderen zu ergründen. Wir waren mit uns selbst beschäftigt, erwarteten eine Änderung des anderen, redeten zwar über unsere Probleme und zumindestens ich erkannte nicht was wirklich los war. Ich z.B. erwartete Sachen die ich selber nicht in Lage war zu geben. Wenn man die Grundbedürfnisse des anderen kennt, sie erfüllt, werden die eigenen automatisch vom Partner befriedigt werden. So einfach und doch so schwer.
Ich weiß das ich mit meiner Lehrnphase noch lange nicht am Ende bin, aber ich kümmere mich jetzt um mich, um sie, um uns und natürlich die Kinder.
Das heißt nicht, das ich jetzt, wo sie ihr neues Glück sucht und vielleicht auch schon gefunden hat, mich jetzt hinsetze und jammere, sie an die Kette lege oder übertriebene Liebesbekundungen loslasse, mich besaufe, vom Dach springe oder sonstiges mache. Ich werde mit ihr reden, schliesslich wohnen wir noch zusammen, ihr Zeit geben, aber auch mein Leben weiter entwickeln. Sie und ich müssen unsere Mitte finden und wenn dort Platz ist für eine gemeinsame Zukunft, dann ist auch Platz zum Verzeihen, Verstehen.
Das hört sich nun alles sehr Emotionslos an, aber jeder der hier im Forum liest und schreibt, kennt die gewaltigen Gefühle die eine Trennung mit sich bringt.
Wut, Eifersucht, Neid, Haß, Hoffnung, Liebe, zitternde Knie, Übelkeit, ich mache alle durch, jeden Tag, jede Minute, jeden Schritt, jeden Atemzug. Ihr kennt das besser als alle anderen und Euch brauche ich nichts darüber erzählen, aber es ist nicht ihre Schuld.
Ich arbeite erst seid 5 Wochen daran und bin noch lange nicht am Ende oder habe die Erleuchtung, nur beschäftige ich mich damit, gehe in die Tiefe, erkenne Einflüsse aus Kindheit, Familie, Umfeld, Unterschiede bei Mann und Frau, Kinder, Gefühle, Bedürfnisse. Ich bin ein Schwamm der aufsaugt, der lernt, erkennt. Vielleicht zu spät, vielleicht aber auch nicht. Das wird erst die Zukunft zeigen. Tage, Woche Monate oder Jahre werden dahin gehen, aber wir werden uns weiter ändern, uns weiterentwickeln, jeder für sich und vielleicht zusammen.
Ich begebe mich auf den Weg von Schwarz/Weiß zu Farbe.
Ich grüße Euch alle, habt Mut und haltet den Kopf hoch,
ich würde mich über viele Kommentare freuen,
auch über Kritik
bis später
Papa4Five