Nordlicht88
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Anfang des Jahres hatten meine Frau und ich schon einmal ein Gespräch darüber, ob sie noch glücklich ist und wie eine Trennung mit unserem fünfjährigen Sohn aussehen könnte. Kurz danach kam sie aber wieder zu mir, sagte, sie wisse selbst nicht, was mit ihr los sei, und entschuldigte sich. Danach habe ich mir noch mehr Mühe gegeben und eigentlich hatte ich das Gefühl, dass wir wieder ziemlich gute Partner waren.
Unser großes Problem ist momentan Zeit. Sie macht eine Weiterbildung, ich arbeite Vollzeit, am Haus gibt es noch viel zu tun und unser Sohn braucht sehr viel Aufmerksamkeit. Großeltern als Unterstützung haben wir praktisch nicht. Früher sind wir viel gereist, haben fast alles zusammen gemacht und über alles gesprochen. Heute haben wir kaum noch Zeit miteinander.
Vor einigen Wochen kam dann plötzlich: „Ich bin nicht mehr glücklich mit dir und möchte mich trennen.“
Danach begann ein ziemliches Hin und Her. Einmal kam sie weinend zu mir, umarmte mich und sagte: du hast jemand Besseren verdient. Ich bin daraufhin ein paar Tage zu einem Freund gefahren, um nachzudenken.
Als ich zurückkam, sagte sie mir, dass ich gut aussehe, wir waren zusammen Eis essen und sie meinte plötzlich, sie wisse gar nicht mehr, was sie will. Als sie mich gesehen habe, seien wieder alte Gefühle gekommen und sie wolle unsere Ehe eigentlich nicht einfach wegwerfen.
Kurz darauf erfuhr ich nebenbei, dass sie schon einen Termin bei einer Anwältin vereinbart hatte. Dann plötzlich eine Wohnungsbesichtigung. Innerhalb von zwei Tagen war gefühlt schon alles organisiert, ohne dass wir vorher wirklich darüber gesprochen hatten. Durch einen versehentlich geschickten Screenshot sah ich außerdem einen Text mit „Ich suche eine Wohnung für mich und meinen Sohn“. Das hat mich ziemlich getroffen, weil wir nie besprochen hatten, dass unser Sohn einfach mit ihr auszieht. Sie sagte anschließend, sie habe gedacht, ich würde sie aus dem Haus schicken. was ich niemals tun würde.
Generell erkenne ich sie momentan teilweise nicht wieder. Mal ist sie sehr niedergeschlagen und gereizt, hat kaum Geduld mit unserem Sohn, ein paar Stunden später ist sie wieder total nett zu mir und wir lachen miteinander. Ich habe vorgeschlagen, dass sie sich Hilfe holt oder dass wir gemeinsam zu einer Beratung gehen, aber dazu kann sie sich bisher nicht wirklich durchringen.
Gleichzeitig verbringt sie inzwischen sehr viel Zeit mit Freunden beim Zocken und hat auch schon mehrmals bei einem männlichen Freund übernachtet. Sie sagt, zwischen ihnen sei nichts und er sei einfach jemand, bei dem sie abschalten und reden könne. Ich war in unserer Beziehung eigentlich nie eifersüchtig und habe ihr immer vertraut. Jetzt merke ich aber, dass dieses Vertrauen ziemlich gelitten hat. Ich weiß nicht, ob wirklich etwas passiert ist, aber allein die Situation fühlt sich für mich schon falsch an.
Vor ein paar Tagen sagte sie im Streit sogar, ich sei zu 80 % schuld, dass unsere Beziehung jetzt an diesem Punkt sei. Das hat mich ziemlich überrascht.
Ich sage nicht, dass ich keine Fehler gemacht habe. Natürlich habe ich welche gemacht und wenn ich etwas verbockt habe, habe ich mich auch entschuldigt. Aber wir streiten eigentlich selten. Ich kümmere mich viel um unseren Sohn, koche, putze, erledige Dinge im Haushalt und versuche, für meine Familie da zu sein. Deshalb verstehe ich diese 80 % einfach nicht.
Sie sagt selbst, dass sie mich noch liebt und attraktiv findet, aber eben nicht mehr so wie früher. Und genau da verstehe ich nicht, warum wir nicht versuchen, wieder mehr Zeit miteinander zu verbringen. Ich habe zum Beispiel angeboten, einen Babysitter zu organisieren. Ihre Antwort war eher: „Ja, vielleicht, weiß ich nicht.“
Inzwischen zweifle ich dadurch an unserer ganzen Vergangenheit. Hat sie mich früher wirklich geliebt? Oder war ich einfach der zuverlässige Mann, die sichere und einfache Wahl? Habe ich vielleicht zu viel gegeben oder Dinge übersehen?
Wir haben uns erstmal Zeit gegeben, um herauszufinden, wie es weitergeht. Aber dieses ständige Hin und Her macht mich fertig. Mal bin ich sauer, mal traurig und an anderen Tagen geht es mir erstaunlich gut.
Wenn sie mich wirklich nicht mehr liebt, tut das weh, aber damit könnte ich irgendwann umgehen. Was mich viel mehr belastet, ist diese Ungewissheit: Einen Tag fühlt es sich an, als wären wir wieder ein Paar, und am nächsten Tag möchte sie möglichst weit weg.
Vielleicht war jemand schon einmal in einer ähnlichen Situation. Mich würde besonders interessieren, ob ihr irgendwann verstanden habt, was euer eigener Anteil an der Trennung war und wie ihr mit diesem ständigen Wechsel zwischen Hoffnung und Loslassen umgegangen seid.