Zitat von alex38:Aber dann ertappe ich mich in letzter Zeit immer wieder dabei, dass ich grundlos mies drauf bin. Vor allem am Wochenende...
Sinnlose Fragen nach dem Sinn von allen möglichen Dingen gehen mir dann häufiger durch den Kopf:
- Wozu so viel Zeit für Sport verschwenden?
- Wozu soviel Reisen? Eigentlich ist es eh fast überall ähnlich!
- Macht meine Arbeit überhaupt Sinn? Was erreiche ich damit, außer das ich Geld verdiene?
- Sogar: Macht Meeresschutz sinn?
Oh Gott, schon beim Schreiben merke ich, dass ich mich wohl eher in einem Midlife-Crisis-Forum anmelden muss!?
Lieber Alex,
für mich sind das ganz und gar nicht sinnlose Fragen, ganz im Gegenteil. Du merkst, dass du eigentlich alles erreicht hast, wovon Menschen so träumen. Du solltest eigentlich wunschlos glücklich sein. Wunschlos bist du ja auch, aber glücklich nicht so richtig... Wahrscheinlich deshalb, weil wir Menschen nicht auf dieser Erde sind, um zwischen Punkt A (Geburt) und Punkt B (Tod) die kürzeste und geradlinigste Strecke zu nehmen. Wir sind hier, um uns zu erfahren. So begreife ich den Sinn des Lebens. Ob du auf einem guten Weg bist, sagt dir dein Gefühl. Wenn du dich also leer fühlst und in den Dingen, die du erfolgreich tust, keinen richtigen Sinn mehr siehst...dann geh weiter in die Tiefe. Welche Werte sind es zum Beispiel, die dir wichtig sind? Wenn man sich für den Meeresschutz einsetzt, dann kann das eine oberflächliche Lifestyle-Sache sein, ähnlich der ganzen Charity-Geschichten (was ich nicht abwerten will, denn es ist immer gut, wenn geholfen wird, aus welchen Motiven auch immer...), aber du scheinst deine eigenen Motive zu hinterfragen, du willst den Dingen auf den Grund gehen, du fragst nach ihrem Sinn. Du fragst damit nach dem wahren Wert der Meere und seiner Bewohner und willst nicht einfach etwas nachplappern...das ist doch gut! Ich lese da heraus, dass du authentisch sein willst und dich fragst, ob dir das wirklich wichtig ist. Mit diesen Fragen gehst du den Dingen auf den Grund.
Wir Menschen sind Körper, Geist und Seele. Wenn wir dauerhaft eine Dimension vernachlässigen, bekommen wir das auf vielerlei Arten zu spüren. Manchmal durch eine Krankheit, manchmal durch das Gefühl der Leere, die aber absolut nichts Schlechtes ist. Das ist wie bei Kindern, die über Langeweile klagen. Sie entpuppt sich als Segen, wenn man Kindern diese Langeweile lässt, denn sie setzt kreative Kräfte frei. Genauso ist Leere ein Segen, auch wenn sie sich mitunter furchtbar anfühlt...
Was du jetzt machst, ist, dich durch einen Nebenkriegsschauplatz mit deiner ehemaligen Affäre von dieser Leere abzulenken. Du projizierst viel in diese Frau hinein...wie wäre dein Leben verlaufen? Würde es sich vielleicht sogar satter und zufriedener anfühlen?
Niemand kann dir diese Frage beantworten, die Wahrscheinlichkeit, dass du heute in derselben Weise Silvia vermissen würdest, hättest du damals Nadja gewählt, ist recht hoch, oder?
Ich würde an deiner Stelle bei den Sinnfragen, die du dir stellst, bleiben. Was ist mir wichtig? Welche Werte halte ich in meiner Firma hoch? Bin ich authentisch? Ich bin erfolgreich, aber möchte ich das alles überhaupt noch? Was kann ich der Welt zurückgeben? Was will ich noch schaffen? Was sind meine Leidenschaften? ...deine Fragen können auch ganz andere sein...
Spüre dem nach und lies vielleicht etwas, das deinen Geist und deine Seele anspricht. Es gibt unendlich viel Literatur zu allen Themen. Schau mal, bei welchen Themen du in Resonanz gehst, dem folgst du einfach.
Liebe Grüße