Nordwind39
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ich bin 39 Jahre alt und hätte ehrlich gesagt nie gedacht, dass ich mich irgendwann in einem Trennungsforum wiederfinden würde. Aber momentan bin ich an einem Punkt in meinem Leben angekommen, an dem ich einfach nicht mehr so richtig weiß, wohin mit meinen Gedanken und Gefühlen.
Vielleicht hilft es mir, meine Geschichte einmal aufzuschreiben und mich mit Menschen auszutauschen, die etwas Ähnliches erlebt haben.
Ich habe mich vor Kurzem von meiner Partnerin getrennt, beziehungsweise hat sie die Beziehung beendet. Wir haben einen gemeinsamen Sohn, der drei Jahre alt ist. Außerdem habe ich einen zehenjährigen Sohn aus einer früheren Beziehung.
Meine Partnerin war für mich nicht einfach nur meine Freundin. Sie war meine Familie, mein Zuhause und der Mensch, mit dem ich mir meine Zukunft vorgestellt habe. Und genau diese Zukunft ist jetzt plötzlich weg.
Wie es zu unserer Trennung gekommen ist
Ein ganz wesentlicher Punkt in unserer Beziehung war die schwierige Situation mit meinem älteren Sohn und dessen Mutter.
Seit Jahren gibt es zwischen seiner Mutter und mir erhebliche Konflikte. Es geht um Umgangsregelungen, Erziehung, schulische Angelegenheiten, psychologische Betreuung und immer wieder um Entscheidungen, bei denen ich mich als Vater nicht ausreichend einbezogen fühle.
Es gab und gibt gerichtliche Auseinandersetzungen, Kontakte mit dem Jugendamt und Gespräche mit verschiedenen Fachstellen. Immer wieder entstehen neue Probleme, neue Vorwürfe und neue Situationen, die geklärt werden müssen.
Ich möchte hier gar nicht im Einzelnen über die Mutter meines älteren Sohnes urteilen. Natürlich habe ich meine Sicht auf die Dinge, und die ist geprägt von vielen Jahren voller Enttäuschungen und Konflikte.
Was ich aber sagen kann: Diese Situation kostet mich unglaublich viel Kraft.
Ich versuche, für meinen Sohn da zu sein, seine Interessen zu vertreten und ihm ein guter Vater zu sein. Gleichzeitig habe ich oft das Gefühl, ständig kämpfen zu müssen. Um Informationen, um Mitspracherecht und manchmal einfach darum, als Vater ernst genommen zu werden.
Und leider bleibt so etwas nicht vor der Tür stehen, wenn man nach Hause kommt.
Die Belastung für unsere Beziehung
Meine Partnerin hat diese Auseinandersetzungen über lange Zeit miterlebt. Sie hat mich unterstützt, war selbst eine wichtige Bezugsperson für meinen älteren Sohn und musste mit ansehen, wie viel Kraft mich diese Konflikte kosten.
Aber natürlich hat das auch unsere Beziehung belastet.
Wenn ständig neue Probleme entstehen, wenn das Telefon klingelt und schon wieder irgendetwas passiert ist, wenn man gedanklich nie wirklich zur Ruhe kommt, dann bleibt irgendwann immer weniger Platz für das, was eine Beziehung eigentlich ausmachen sollte.
Für gemeinsame Zeit, Unbeschwertheit, Nähe und einfach dafür, miteinander glücklich zu sein.
Ich denke heute viel darüber nach, was ich anders hätte machen können. Ob ich mich zu sehr von den Konflikten habe vereinnahmen lassen. Ob ich zu wenig darauf geachtet habe, wie es meiner Partnerin damit geht. Ob ich früher hätte erkennen müssen, dass wir uns als Paar immer weiter verlieren.
Gleichzeitig frage ich mich aber auch, wie ich es hätte anders machen sollen. Ich kann meinen älteren Sohn schließlich nicht einfach aus meinem Leben ausklammern. Ich bin sein Vater und trage Verantwortung für ihn.
Und genau in diesem Zwiespalt stecke ich bis heute.
Dann kam die Trennung
Irgendwann hat meine Partnerin gesagt, dass es vorbei ist.
Für sie war diese Entscheidung offenbar so weit gereift, dass sie unsere Beziehung nicht mehr fortsetzen wollte. Für mich hingegen ist damit eine Welt zusammengebrochen. Besonders schwer ist für mich, weil ich sie noch immer liebe.
Ich kann meine Gefühle nicht einfach abschalten, nur weil unsere Beziehung offiziell beendet ist. Ich vermisse sie, unsere Nähe, unsere Gespräche und dieses selbstverständliche Gefühl, zusammenzugehören.
Ich habe sie auch gefragt, ob es irgendwann vielleicht noch einmal eine Chance für uns geben könnte.
Ihre Antwort war, dass sie es nicht weiß.
Und dieses Nichtwissen ist manchmal fast schlimmer als eine klare Absage.
Denn irgendwo bleibt dadurch ein kleiner Funken Hoffnung. Gleichzeitig weiß ich, dass ich mein Leben nicht auf eine Möglichkeit ausrichten kann, von der niemand weiß, ob sie jemals eintreten wird.
Unsere Wohnsituation – bewusst nah beieinander und trotzdem getrennt
Nach der Trennung stand ich auch vor der Frage, wo ich künftig wohnen soll.
Ich habe mich nach Wohnungen umgesehen, aber in der näheren Umgebung ist praktisch nichts Passendes zu finden. Natürlich könnte ich weiter wegziehen, aber genau das möchte ich meinem dreijährigen Sohn eigentlich nicht zumuten.
Deshalb bin ich vorübergehend zu meinen Eltern gezogen. Ich bewohne dort das Dachgeschoss und habe mehr oder weniger eine eigene kleine Wohnung.
Meine ehemalige Partnerin wohnt mit unserem Sohn nur etwa 20 Meter entfernt. Wir sind also inzwischen praktisch Nachbarn. Das ist eine ganz bewusste Entscheidung gewesen.
Mir ist unglaublich wichtig, dass unser Sohn trotz der Trennung möglichst viel Normalität behalten kann. Er soll nicht das Gefühl haben, dass sein Papa plötzlich aus seinem Alltag verschwunden ist.
Wenn er bei mir schlafen möchte, dann soll das möglich sein. Wenn seine Mama arbeiten muss oder etwas zu erledigen hat, kann ich ihn unkompliziert zu mir holen. Wenn er einfach ein paar Stunden mit mir verbringen möchte, muss dafür nicht erst eine aufwendige Planung stattfinden. Und genauso soll es umgekehrt funktionieren.
Wenn er bei mir ist und plötzlich sagt, dass er zu seiner Mama möchte, dann können wir diesen Wunsch unmittelbar erfüllen. Und wenn er bei seiner Mama ist und zu mir möchte, genauso. Ich glaube ihr versteht was uns wichtig ist.
Natürlich hat diese Entscheidung aber auch eine andere Seite.
Ich bin 39 Jahre alt. Ich stehe seit vielen Jahren im Berufsleben, verdiene mein eigenes Geld und war es gewohnt, mein Leben selbstständig zu gestalten.
Und ganz offen gesagt: Mit 39 möchte ich eigentlich nicht wieder bei meinen Eltern wohnen.
Auch wenn ich dort meinen eigenen Bereich habe und meine Eltern mich unterstützen, ist es trotzdem etwas anderes, als eine wirklich eigene Wohnung zu haben.
Manchmal fühlt es sich an, als hätte ich durch die Trennung nicht nur meine Partnerin und unser gemeinsames Familienleben verloren, sondern auch ein Stück meiner eigenen Selbstständigkeit.
Ich würde gerne wieder etwas Eigenes aufbauen, einen Ort haben, an dem ich mich wirklich zu Hause fühle und an dem ich auch irgendwann wieder nach vorne schauen kann.
Aber im Moment würde das bedeuten, möglicherweise deutlich weiter von meinem Sohn entfernt zu wohnen.
Und damit würde ich genau das verlieren, was ich unbedingt erhalten möchte: die Möglichkeit, ganz selbstverständlich Teil seines Alltags zu sein. Also stelle ich meine eigenen Wünsche erst einmal hinten an.
Vielleicht finde ich irgendwann doch noch eine passende Wohnung in unmittelbarer Nähe.
Aber momentan ist es für mich der beste Kompromiss, auch wenn er emotional nicht immer leicht auszuhalten ist.
Das Schwierige ist, dass wir uns weiterhin ständig sehen
Durch diese Wohnsituation und unseren gemeinsamen Sohn haben wir natürlich weiterhin sehr viel Kontakt.
Wir sehen uns beinahe täglich, organisieren die Betreuung und versuchen, als Eltern miteinander umzugehen.
Unser Kleiner übernachtet auch regelmäßig bei mir, insbesondere wenn seine Mutter Nachtschicht hat. Ich bringe ihn morgens in den Kindergarten und versuche, ihm so viel Normalität wie möglich zu geben.
Einerseits bin ich unglaublich dankbar dafür, dass ich meinen Sohn so oft sehen kann.
Andererseits macht es die Trennung emotional wahnsinnig schwierig.
Denn ich sehe die Frau, die ich liebe, immer wieder. Wir sprechen miteinander, wir kümmern uns um unser Kind und für kurze Momente fühlt sich manches fast so an wie früher. Aber eben nur fast.
Danach kommt wieder dieses Bewusstsein, dass wir kein Paar mehr sind.
Dass ich sie nicht einfach in den Arm nehmen kann, wie ich es früher getan habe. Dass die gemeinsame Zukunft, die für mich selbstverständlich war, plötzlich nicht mehr existiert.
Und dadurch, dass wir so nah beieinander wohnen, gibt es auch kaum eine Möglichkeit, wirklich Abstand zu gewinnen.
Ich kann und möchte den Kontakt nicht einfach abbrechen. Dafür ist mir unser Sohn viel zu wichtig.
Aber ich merke, dass genau diese Nähe es mir unglaublich schwer macht, die Trennung emotional zu verarbeiten.
Manchmal habe ich das Gefühl, zwischen zwei Dingen entscheiden zu müssen, die mir beide unglaublich wichtig sind: möglichst viel für meinen Sohn da zu sein und gleichzeitig irgendwie selbst wieder auf die Beine zu kommen.
Und die Probleme hören trotzdem nicht auf
Was mich zusätzlich belastet, ist, dass die Konflikte rund um meinen älteren Sohn natürlich nicht mit der Trennung verschwunden sind.
Ganz aktuell gibt es wieder neue Schwierigkeiten, diesmal im schulischen und erzieherischen Bereich.
Ich habe erfahren, dass bereits verschiedene Gespräche und Schritte mit Schule, Betreuung, Jugendamt und psychologischer Begleitung im Raum stehen beziehungsweise eingeleitet wurden, ohne dass ich als Vater rechtzeitig darüber informiert oder einbezogen wurde.
Wieder stehe ich vor der Situation, Dinge aufarbeiten zu müssen, von denen ich eigentlich längst hätte wissen sollen.
Wieder muss ich mich damit auseinandersetzen, wie ich für meinen Sohn einstehen kann, ohne dass der Konflikt zwischen seinen Eltern noch weiter eskaliert.
Und während ich versuche, mit dem Verlust meiner Partnerschaft zurechtzukommen, läuft dieser ganze andere Kampf einfach weiter.
Manchmal frage ich mich wirklich, woher ich die Kraft dafür noch nehmen soll.
Wie es mir momentan geht
Ich merke, dass mich die gesamte Situation inzwischen auch gesundheitlich und psychisch belastet.
Ich schlafe schlecht, werde nachts immer wieder wach und habe häufig das Gefühl, dass mein Kopf überhaupt nicht mehr abschalten kann.
Ich habe mir mittlerweile auch psychologische Unterstützung gesucht, weil ich merke, dass ich das alles nicht dauerhaft allein bewältigen kann.
Was mir besonders schwerfällt, ist dieses Gefühl, so vieles verloren zu haben, obwohl die Menschen, die mir wichtig sind, teilweise noch direkt in meiner Nähe sind.
Ich sehe meinen kleinen Sohn, ich sehe meine ehemalige Partnerin, und trotzdem fehlt mir das Familienleben, das wir einmal hatten. Ich vermisse nicht nur einen Menschen. Ich vermisse das Gefühl, irgendwo wirklich angekommen zu sein.
Und manchmal erwische ich mich dabei, wie ich gedanklich immer wieder zurückgehe und überlege, an welchem Punkt wir vielleicht noch etwas hätten verändern können.
Ob es wirklich so weit hätte kommen müssen.
Ob wir irgendwann wieder zueinanderfinden könnten.
Oder ob ich lernen muss, eine Zukunft zu akzeptieren, die ich mir so niemals gewünscht habe.
Warum ich hier schreibe
Ich erwarte nicht, dass mir jemand eine Lösung für all diese Probleme geben kann.
Vielleicht möchte ich einfach mit Menschen sprechen, die verstehen, wie sich eine solche Trennung anfühlt.
Mit Menschen, die ebenfalls noch Gefühle für ihren ehemaligen Partner haben, obwohl die Beziehung vorbei ist.
Die wissen, wie schwierig es ist, loszulassen, wenn man durch gemeinsame Kinder weiterhin eng miteinander verbunden bleibt.
Und vielleicht auch mit Menschen, die erlebt haben, wie äußere Belastungen und Konflikte eine eigentlich schöne Beziehung nach und nach kaputtmachen können.
Mich würde interessieren, wie andere mit dieser Mischung aus Trauer, Hoffnung, Sehnsucht und dem ganz normalen Alltag umgehen.
Wie schafft man es, emotional Abstand zu gewinnen, wenn man sich ständig sieht?
Wie hört man auf, sich immer wieder zu fragen, ob es vielleicht doch noch eine zweite Chance gibt?
Und wie findet man irgendwann wieder zu sich selbst zurück, wenn man so lange nur versucht hat, für alle anderen da zu sein?
Ich weiß, dass ich weiterleben, arbeiten und vor allem für meine beiden Kinder da sein muss und möchte.
Aber ich würde mir wünschen, irgendwann morgens wieder aufzuwachen, ohne dass mein erster Gedanke die Trennung ist.
Und vielleicht irgendwann wieder das Gefühl zu haben, dass das Leben nicht nur aus Problemen besteht, die irgendwie bewältigt werden müssen.
Danke an alle, die sich die Zeit genommen haben, meine Geschichte zu lesen.
Es ist etwas länger geworden, aber vielleicht war es auch einfach nötig, das alles einmal loszuwerden.
Liebe Grüße