Elena86
Gast
meine Geschichte ist eine etwas längere - aber ich versuche mich hier kurz zu fassen
Ich habe einen Freund, wir sind seit 11 Jahren zusammen und wir führen übereinstimmend eine offene Beziehung. Ich bin 32 Jahre alt und habe vor drei Jahren einen Mann kennengelernt (er ist jetzt 54). Ursprünglich sollte es nur um das Eine gehen, allerdings haben wir uns sehr gut verstanden, haben viel geschrieben, uns ausgetauscht und auch wenn wir es beide eigentlich nicht wollten, ist alles emotional viel enger geworden, als erwartet. Nach einem dreiviertel Jahr meinte er sogar, er hätte nicht gedacht, dass er jemals wieder solche Gefühle haben würde, er hätte gedacht, er sei "emotional erkaltet".
Er ist auch schon 11 Jahre in einer Beziehung und geht mit mir fremd (als ich das erfahren hab, war ich irgendwie schon zu tief drin. ). Für uns beide war von Anfang an ausgeschlossen, zusammen zu kommen (wegen des Alters, des sozialen Umfeldes usw.). Ich habe auch schon vorgeschlagen, nur Freunde zu sein und es seiner Partnerin zu sagen. Die verbietet ihm aber schon so mit Frauen befreundet zu sein oder näheren Kontakt, wodurch das natürlich hinfällig ist. Sie ist allgemein super eifersüchtig, ruft mehrfach im Tagesverlauf an, stellt oft Testfragen oder sagt ihm erst kurz vorher, wenn sie bspw. verreisen möchte, damit er nicht planen kann. Er sagt aber, dass er ansonsten sehr zufrieden sei mit ihr und das würde ich ihm auch wünschen.
Nach dem ersten Jahr hat er dann seinen Traumjob verloren. Er war Manager und hat damals sehr gut verdient (davon hab ich aber nie profitiert!). Da er seinen Lebensstandard unbedingt aufrecht erhalten wollte/ musste, seine studierende Tochter unterstützen und seine Ex-Frau mit mehreren Tausend Euro im Monat ausbezahlen musste, hat er direkt eine ähnliche Manager-Stelle angenommen. Meinem Eindruck nach war er aber so ziemlich überfordert, ist viel gependelt und wir hatten wesentlich seltener Kontakt. Auch da seine Lebensgefährtin ihn ja sehr kontrolliert. Den Job hat er dann letzten Sommer nach einem Jahr wieder verloren und versucht sich seitdem mit verschiedenen Standbeinen etwas Neues aufzubauen.
Er meinte kürzlich zu mir, dass sein Geld nur noch bis zum Sommer 2019 reichen würde (da er auch einiges durch schlecht gelaufene Geschäfte letztes Jahr zusätzlich verloren hat). Auch seine aktuellen Beschäftigungen erscheinen mir nicht so, als könnte er damit so viel wie zuvor als Top-Manager, verdienen. Ihm droht also der Verlust seiner (sehr überteurten) Wohnung, des sozialen Standes usw.
Ich verstehe das alles und habe ihm Unterstützung angeboten und dass er sich jederzeit melden kann. Aktuell sehen wir uns nur noch so alle 3-4 Wochen und das auch nur für wenige Stunden. Das liegt wohl zum einen an der Arbeit und auf der anderen Seite an der Partnerin. Dann hatte er Anfang Januar auch noch eine kleine Fuß-OP und konnte nicht raus. Wir haben uns dann mehrfach verabredet bei ihm und jedes Mal war etwas anderes: Die Partnerin war verreist und hat ihre Tochter spontan für den ganzen Tag vorbeigeschickt, ein anderes mal, ist hat sie spontan Home Office gemacht oder hat eine Reise wegen schlechten Wetters abgesagt. Als wir uns dann nach 5 Wochen das erste Mal wiedergesehen haben, hat er mich wirklich lange gedrückt, gar nicht mehr losgelassen und gesagt, dass er mich vermisst hätte.
Er schrieb vor ein paar Tagen, als ich meinte, dass ich ein schlechtes Gefühl hätte, da wir kaum noch Kontakt haben, dass er mich "sehr lieb" hätte, dass er sich jetzt aber sehr fokussieren müsste, damit er alles schafft. Das verstehe ich ja und ich mache keinen Druck (mehr), hab mir vorgenommen mich nicht mehr zu melden.
Mich macht das alles nur sehr traurig, da ich Angst habe, es entwickelt sich alles auseinander. Mir ist er einfach so wichtig geworden - als Freund (trotz des Altersunterschieds). Ich unterhalte mich gern mit ihm, wir machen Witze, tauschen uns aus und haben uns auch Dinge erzählt, die sonst keiner oder kaum einer weiß. Es ist klar, dass wir beide in unseren Beziehungen bleiben. Ich liebe meinen Freund, habe ihn aber auch sehr lieb gewonnen.
Diese ganze Nähe und das Austauschen gehen unter diesen Umständen und seit einiger Zeit natürlich kaum mehr. Nachfragen von ihm kommen nicht. Wenn ich schreibe, antwortet er nur kurz. Wenn ich ihn um einen Rat oder Hilfe frage, antwortet er wenigstens normal. Weihnachten und Neujahr habe ich initiativ geschrieben.
Ich möchte einfach nicht, dass sich alles auseinander entwickelt, wenn wir über Monate so wenig Kontakt haben. Meldet er sich wegen seiner Lebenssituation nicht mehr bei mir oder denkt er nicht mal mehr an mich im Alltag?!
Was sagt ihr dazu? Ich würde mich sehr über eure Einschätzung freuen
Elena