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Neid und Missgunst, Schadenfreude in Partnerschaften

GravDrakula

Guten Morgen,
ich knabbere noch immer an einer gescheiterten Beziehung, die letztes Jahr in die Brüche ging und etwa 2 Jahre andauerte.

Ich habe vor etwa drei Jahren eine Frau kennengelernt. Sie hatte von Haus aus Geld, einen guten Job mit vielen Privilegien. Ich hingegen bin im Einzelhandel mit ziemlich miesen Arbeitszeiten konfrontiert gewesen und der Verdienst war moderat. Zu Anfang der Beziehung empfand ich das als kein Problem, fand es sogar entspannt, dass ich niemanden aushalten muss und dass das alles gut läuft.

Doch immer wieder gegen "Halbzeit" der Beziehung empfand ich unterschwellige Arroganz. Das fing mit der Reparatur meines Wagens an, als ich mir zum ersten Mal den Spruch gefangen habe, wieso ich mir kein anständiges Auto kaufe. Dass ich keine 20.000 Euro rum liegen habe, war das andere Thema. Wieso ich nicht privat versichert sei, wieso ich dies und das nicht habe.

Und irgendwann merkte ich auch in mir "Neid", der vorher in der Form nicht da war, je mehr unterschwellig ich mit den Differenzen konfrontiert wurde, desto mehr fielen sie mir auf und mir fiel umso mehr auf, was ich hatte und nicht hatte.

Das zog sich dann irgendwann weiter, aber immer nur unterschwellig, wochenlang nichts, dann mal wiederl Wieso dieses und jenes.

Als dann Corona kam spitzte sich das noch mehr zu, bis ich die Beziehung im März noch beendete.

Ich frage mich, ob ich zu empfindlich bin, ob ich mir das einbilde und Äußerungen mir zu nahe gehen oder ich frage mich, ob meine Wut über diese Äußerungen gerechtfertigt sind, denn ich ärgere mich noch heute darüber, und - egal ob gerechtfertigt oder nicht- die Wut ist ja da, sie ist ja real.

Also ich bin auch etwas ratlos, wieso ich überhaupt "Neid" empfinde, denn Außenstehende hätten vermutlich meine Gesamtsituation als entspannter betrachtet als ihre.

Und trotzdem, vielleicht schreibt ja einer ein paar Zeilen dazu. .

16.09.2020 08:41 • #1


Nopain


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Eine Verständnisfrage. Die Frau von der du erzählst, ist die von der du dich im letzten Jahr getrennt hattest oder im März?

16.09.2020 08:44 • #2



Neid und Missgunst, Schadenfreude in Partnerschaften

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Nopain


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Und zum Thema. Fühlt sich das wirklich wie Neid für dich an oder hast du dich abgewertet gefühlt? Macht ja schon einen Unterschied

16.09.2020 08:48 • x 3 #3


Clara1111

Clara1111


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Guten Morgen Drakula, bist Du Dir sicher, dass es bei Dir Neid war?
Zu Anfang hattest Du geschrieben, jetzt war es eine Frau, die Du nicht " aushalten" musstest...

Vielleicht bist Du ja mit ihrer finanziellen Situation nicht so ganz klar gekommen?

16.09.2020 08:52 • x 1 #4


GravDrakula


Danke für den Hinweis, ist etwas chaotisch formuliert. Die Beziehung ging letztes Jahr inhaltlich will ich mal sagen in die Brüche, zog sich dann noch etwas auf "wir versuchen es weiter" Basis und März war dann der Ofen aus, Kontakt ist seither abgebrochen.

Bezüglich Neid und Abwertung:

Ich glaube solange unsere Beziehung gut lief, habe ich es sogar eher entspannend empfunden, dass sie keinerlei Probleme hat und dass bei ihr alles super rund läuft und sie keinerlei Hilfe von mir benötigt etc. Das kannte ich auch anders. Ich glaube ein echtes Thema entwickelte sich draus, als es zu kriseln begann. Es fing damit an, dass mein Wagen einen Defekt hatte und ich mit normalen "Alltagsproblemen" zu tun hatte, auf die ich Unverständnis erntete, ich glaube das war der Einstieg, dass ich nicht sagen konnte "Komm, weg damit, her mit was Neuem". Und ab da wurde ich glaube ich sensibler gegenüber "Spitzen" und "Sprüchen". Mal eben beim Arzt ein MRT - Wartezeit X Wochen, für Privatpatienten gern mal Termine Samstags, "Tja, das ist schlecht, wenn man kein Privatpatient ist", also das fing gegen die Zeit an, als wir immer mal normale Beziehungsdiskussionen hatten, wie sie jeder so hat und spitzte sich in meiner Wahrnehmung zu. "Ja, das ist natürlich ein Problem, den Geburtstag daheim zu feiern, wenn man nur so eine kleine Wohnung hat".

Ich glaube ehrlich gesagt, es ist unerheblich, ob es so war oder nicht so war, entscheidend ist doch irgendwie, wie es empfunden wird, oder sehe ich das falsch?

16.09.2020 08:59 • x 2 #5


bardon


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Meiner Erfahrung nach ist es grundsätzlich ein Problem, wenn 2 Partner sehr unterschiedliche Jobs haben, mit unterschiedlichem Verständnis zueinander. Deswegen findet man auch oft Konstellationen, dass beide in einer Behörde arbeiten oder dass beide selbständig sind oder so etwas.

Denn wenn der eine die Lage des anderen und auch die Probleme (die sie definitiv auch hat, vielleicht nicht bekannt waren) nicht kennt, kann das über kurz oder lang zum Problem werden.

Schau dir die Trennungsraten in Jobs an, die Schichtdienst haben, wenn der andere keinen Schichtdienst hat, habe neulich mit einer Kollegin darüber gesprochen, ihr Mann ist in der Produktion, verdient erheblich weniger als sie und jetzt kommt der Schichtdienst dazu, 3 Schichtbetrieb, den sie nicht mit machen will, soll er sich was anderes suchen, der gute Mann gerät also unter Druck.

Ist leider nicht ungewöhnlich, weshalb ich mir in meinem "hohen" Alter von fast 40 inzwischen auch die Umstände ansehe, die heute eben anders sind als mit 20.

Wer gut verdient, hat ein gewisses Level und herabwürdigt schnell einmal etwas, was er nicht kennt. Der geht dann halt nicht zum Discounter, sondern woanders hin und wer nicht von "unten" kommt oder nie unten war, der versteht vieles nicht und wenn du da immer wieder erklären musst und dann ggf. das Verständnis trotzdem nicht da ist, kann sehr kompliziert werden.

16.09.2020 09:02 • x 3 #6


Emma75

Emma75


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Ich gebe @bardon Recht, finde aber auch, dass Deine Exfreundin recht unsensibel in ihren Bemerkungen war. Ich kann es aus der Warte Deiner ExFreundin beschreiben. Bei mir kamen aber die Sprüche eben vom sehr viel schlechter verdienenden Partner. Dinge wie 'ach die Dame kauft wieder Bio - unsereins ist eben nicht mit dem goldenen Löffel im A. aufgewachsen' hab ich mir auch schon angehört. Aber ich war auch schon unsensibel ohne es zu merken. Beschrieb irgendein schönes Restaurant und fragte unbedarft, ob er schon mal da war und die Antwort war 'Du kapierst auch nicht, dass es Menschen gibt, die sich so was nicht leisten können'.
Ein solches Gefälle in einer Beziehung ist immer schwierig - gesellschaftlich nochmal mehr, wenn die Frau die bessere Verdienerin ist. Was musste ich mir anhören, als ich meinem Exfreund zum Geburtstag eine Reise geschenkt habe, oder ihn einfach nur schön zum Essen eingeladen habe. Das war teilweise schon frech (vom Umfeld - er hat sich einfach gefreut).
Aber wenn man über diesen Aspekt offen miteinander sprechen kann, sehe ich das als lösbares Problem - also musst Du nicht nur noch nach Frauen schauen, die den gleichen beruflichen Status haben wie Du.

16.09.2020 09:20 • x 4 #7


bardon


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Es ist leider so, gut verdienende Frauen haben es nicht unbedingt einfach, was das betrifft, denn in der heutigen Zeit ist es nunmal so, wer erfolgreich im Berufsleben ist oder irgendwo in einem Bereich arbeitet, gut verdient, der hat eben nunmal mehr Geld. Persönlich muss ich allerdings zugeben, gab es häufig Situationen, in denen mich das auch genervt hat, als einer meiner Ex Freundinnen erheblich besser verdient hatte, wohlbemerkt auch mehr Stress hatte, das sind Dinge, die blendet man dann oft aus, mehr Druck als ich und auch mehr Risiko - es gibt immer 2 Seiten der Medaille, aber es ist schon sehr eklig, wenn so ein Thema erst einmal in einer Beziehung Raum einnimmt, dann stimmt es oft schon nicht und es wird erfahrungsgemäß zum Dauerproblem.

Denn niemand mietet sich eine kleinere, schlechtere Wohnung an, nur um dem Partner nicht das Gefühl zu geben, über ihm zu stehen.

16.09.2020 09:26 • x 1 #8


Emma75

Emma75


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Zitat von bardon:
Denn niemand mietet sich eine kleinere, schlechtere Wohnung an, nur um dem Partner nicht das Gefühl zu geben, über ihm zu stehen.

Wenn die Beziehung langfristig angelegt ist, dann ist es für mich normal, dass der/die besser Verdienende auch den größeren Teil der Kosten z.B. für eine gemeinsame Wohnung oder gemeinsame Urlaube übernimmt. Es ist ja echt selten, dass Paare genau gleich verdienen.
Ich habe mal ein Interview mit einer Chefärztin gesehen, deren Mann Fernfahrer war und sehr viel weniger verdient hat als sie. Am Anfang der Ehe haben die beiden immer Camping-Urlaub gemacht, obwohl beide lieber in Hotels gefahren wären, nur damit der Mann sich nicht 'aushalten' lassen muss. Irgendwann haben sie sich ausgesprochen und machen jetzt seit vielen Jahren schöne Urlaube in Hotels, die sie bezahlt. Und beide sind zufrieden damit.

16.09.2020 09:37 • x 1 #9


Dracarys


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Das Ganze steht und fällt mit der Wertung.
Viel Geld= gut, wenig Geld=schlecht.
Könnte man sich davon frei machen, wäre der Satz "Ich habe nicht die nötigen Mittel dazu" ähnlich wertfrei wie "ich bin Linkshänder". Das ist natürlich völlig utopisch, natürlich werten wir.

Geld ist nicht nur Geld.
Es ist ein Spiegel für sehr viele Dinge, nicht zuletzt für Erfolg, Glück und Fleiss, alles äußerst positiv Dinge. Auch Macht ist ein weiterer Faktor, der mit dem "schnöden" Geld einhergeht.

Und genau da hakt es dann oft, denn Menschen sind keine Heilige, und außerdem ist der Mund oft schneller als der Verstand.
"Trophy Wifes" leben sehr gerne (und gut) mit reichen Kerlen, aber die bezahlen auch deren Autos und Versicherungen, garantiert (-:

Monetäre Gefälle in Partnerschaften sind....kritisch.
"Dumme" Sprüche, unsensible Kommentare, etc., all das höhlt das Macht-Gleichgewicht oft aus.
Das geht in beide Richtungen.
"Oha, die vierten roten Prada-Sandalen? Naja, in Afrika sterben Kinder.."
Da Geld unsere Art zu leben bestimmt, kann man das nicht als Bagatelle abtun.
Ich verstehe sehr gut, dass Beziehungen daran scheitern können.

Neid ist ein unschönes Gefühl, vielleicht ist es eher ein Bedauern, dass gewisse Dinge halt nicht gemeinsam gehen?

16.09.2020 11:04 • #10


Blanca

Blanca


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Zitat von GravDrakula:
Das fing mit der Reparatur meines Wagens an, als ich mir zum ersten Mal den Spruch gefangen habe, wieso ich mir kein anständiges Auto kaufe. Dass ich keine 20.000 Euro rum liegen habe, war das andere Thema. Wieso ich nicht privat versichert sei, wieso ich dies und das nicht habe.

Dein vorhandenes Auto ist also "unanständig"?
Trotz Festbeziehung war der Dame nicht klar, daß Du keine 20k herumliegen hast - ein Schicksal, daß Du übrigens mit einem Großteil der deutschen Bevölkerung zu teilen hast - ebenso wie die gesetzliche Krankenversicherung oder den Umstand, daß man nicht alles haben kann?

Zitat von GravDrakula:
Ich frage mich, ob ich zu empfindlich bin, ob ich mir das einbilde und Äußerungen mir zu nahe gehen oder ich frage mich, ob meine Wut über diese Äußerungen gerechtfertigt sind

Nein, das hast Du schon völlig richtig gepeilt und ich kann Deine Empörung auch sehr gut nachvollziehen.
Wundern tut mich allenfalls, daß Du es mit so einer borniert-arroganten Tussi überhaupt eine ganze Strecke lang ausgehalten hast...

Preisfragen:
Kann sie sich nicht mal 'nen Millionär als Freund suchen, statt jemand aus der unteren deutschen Mittelschicht?
Wieso hat sie es denn nötig, sich bei der Partnerwahl nach "unten" zu orientieren (rein finanziell, versteht sich), statt sich 'nen anständigen Dandy zu suchen, der mindestens so großkotzig ist wie sie, hm?
Wieso ist sie denn nicht solidarisch genug, sich gesetzlich zu versichern wie die meisten anderen Bürger auch?
Daß man gepflegte, weltgewandte, gutsituierte Herren nicht an jeder Kneipe um die Ecke findet ist ein anderes Thema...

Tja Lady... so ein Pech aber auch!

16.09.2020 22:20 • x 1 #11


CaveCanem

CaveCanem


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Zitat von GravDrakula:
Ja, das ist natürlich ein Problem, den Geburtstag daheim zu feiern, wenn man nur so eine kleine Wohnung hat".


Auch hier.... hast Du mal überlegt, ob Dir Narzissmus begegnet sein kann?

Das sind klare Abwertungen.

Eines materialistisch eingestellten Menschen. Doof in Beziehungen.

17.09.2020 04:48 • #12


bardon


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Ich habe 2 Typus Menschen erlebt, die so sind.

Typus 1 ist schon immer so gewesen, Narzissmus, andere Selbstwertstörungen
Typus 2 ist häufig so veranlagt, hat es aber nicht zum Ausdruck gebracht und zum Ausdruck kam es dann, wo die Beziehung langsam aber stetig dem Ende zu ging, und plötzlich kamen, so sagt man ja oft, die wahren Züge zum Vorschein.

Menschen, die andere abwerten aufgrund von Kleidung, Auto und Co. haben häufig überhaupt keine Inhalte und sind abgrundtief langweilig. Themen sind oft: Materielle Dinge, Job und Konsum. Über viel mehr kann man sich oft nicht austauschen.

Leider lässt es sich nicht immer rational erklären, wieso man mit so einem Menschen trotzdem eine ganze Weile zusammen ist, aber es sind oft Gefühle im Spiel, die diese Thematik eine Zeit ausblenden und dann später unterdrücken.

Eine Freundin sagte mir mal, "Menschen ändern sich nicht", irgendwie komme ich oft darauf zurück, weshalb zum Beispiel bei essentiellen Problemen zwischenmenschlicher Art eine Neuauflage, also ein zweiter Versuch, irgendwie kaum sinnvoll ist.

17.09.2020 10:56 • x 2 #13


Bumich

Bumich


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Zitat von GravDrakula:
Ich frage mich, ob ich zu empfindlich bin, ob ich mir das einbilde und Äußerungen mir zu nahe gehen oder ich frage mich, ob meine Wut über diese Äußerungen gerechtfertigt sind, denn ich ärgere mich noch heute darüber, und - egal ob gerechtfertigt oder nicht- die Wut ist ja da, sie ist ja real.



Das hättest du dir vorher überlegen sollen. Also bevor du handelst. Ich würde sagen, deine Wut ist nicht gerechtfertigt.

Zitat von GravDrakula:
Ich glaube ehrlich gesagt, es ist unerheblich, ob es so war oder nicht so war, entscheidend ist doch irgendwie, wie es empfunden wird, oder sehe ich das falsch?


Ja das siehst du falsch. Total falsch. Entscheidend ist das was ist und nicht das was wir empfinden. Neid ist ein unstimmiger Geisteszustand. Nicht mehr und nicht weniger.

Ab Minute 12.40

19.09.2020 12:36 • #14



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