Soulie
Gast
Oh man. nun habe ich endlich eine passende Community gefunden! Einige Artikel habe ich mir schon durchgelesen, aber selten passt ja etwas genau auf die eigene Situation. Daher hier mein eigenes Post, in der Hoffnung, Antworten zu finden.
Mein "Freund" und ich sind seit guten 5,5 Jahren zusammen. Der Anfang war sehr holprig, denn ich war zu dem Zeitpunkt in einer 7 jährigen Beziehung. Ich kam nichts ganz los und fuhr leicht zweigleisig. mein Freund verzieh mir den Betrug innerhalb der ersten Monate unserer Beziehung und ich war fortan treu, wie es sich gehört. Natürlich belastete es dennoch die Beziehung und es folgten viele Streits aus Nichtigkeiten.
Die folgenden 4 Jahre waren geprägt von vielen schönen Stunden, zahlreichen Streits und einigen ausgesprochenen "endgültigen" Trennungen. 2015 verschwand er für eine Woche zu seiner Mutter und nannte das ganze Rückwirkend nicht eine Trennung sondern so etwas wie einen Lerneffekt für mich.
Ich muss dazu sagen, dass ich Borderliner bin und er es nicht immer leicht hatte. seine "erzieherischen Maßnahmen" waren teilweise sehr nötig. Seit circa Mitte/Ende 2018 läuft es viel besser. Ich stand kurz vor dem Abschluss meiner Ausbildung und fand einen schmalen Weg zu mir selbst. Streits kamen noch öfter vor, aber man redete im Anschluss ausführlich drüber und brachte es aus der Welt.
Richtig heftig wurde es dann, wenn ich hysterisch wurde. anfing Dinge kaputt zu machen oder mich selbst zu schlagen.
Er wurde dann genauso handgreiflich. Auch er trägt eine Wut in sich. Borderline läge bei ihm ebenfalls Nahe, narzisstische Züge hat er in jedem Fall.
Vor drei Monaten war der letzte so heftige und eskalierende Streit. Er sprach eine Woche lang kein Wort oder zumindest kein nettes mit mir und ignorierte mich weitesgehend.
Am Sonntag, die Woche darauf kam er dann nach einer Party nach Hause und wir sprachen uns aus.
Er sagte eingangs noch, er kann das nicht mehr usw. wie es so oft schon der Fall war.
Am Ende unseres sehr langen Gespräches betonte er, dass er zwar eine Trennung aussprach, diese aber so nicht meinte. Er wollte mir weh tun und mich quasi "erziehen" (hallo roter Faden). Die darauffolgenden drei Monate waren die fast schönsten unserer Beziehung.
Es gab Streit, wie bei jedem normalen Paar. Und das für fünf Minuten. in 3 Monaten nur 2 Mal. ich war glücklich.
Bis zum Freitag den 01. November 2019.
Ich kam von der Arbeit nach Hause, war richtig sch. drauf und hab es an ihm ausgelassen. Eines führte zum anderen, ich wurde hysterisch und er handgreiflich. Einer der Nachbarn hat wohl sogar die Polizei gerufen, ich habe jedoch nicht mit denen gesprochen (war spazieren).
Die folgenden Tage ging er mir gänzlich aus dem Weg. Am Montag fragte er, ob ich noch Geld hätte, schon welches bekommen habe und wie wir das mit dem essen machen.
Er klang neutral. Dienstag fasste ich mir ein Herz. als er von der Berufsschule nach Hause kam, nahm ich ihn in den Arm. Bzw. versuchte es. Er wollte nicht und erklärte:
"Nur weil ich versuche, den Haushalt noch zu führen, heißt das nicht, dass wieder alles paletti ist. Ich will das immer noch nicht!"
Dazu kam "wir versuchen den Haushalt jetzt noch zusammen zu machen und dann ist irgendwann gut."
Daraufhin folgten gefühlte 5 Minuten Monolg meinerseits, dass er doch auch das gute sehen sollte etc. Seine Kernaussage war jedoch, wir wären nicht kompatibel. Als es ihm genug war, machte er mir die Tür vor der Nase zu und die Musik an.
Mittwoch. haben wir "Smalltalk" gehalten.
(Dazu sei gesagt, dass wir seit wir zusammen sind gemeinsam THC konsumieren. Das ist ihm schon eine Weile ein Dorn im Auge. ich kam aber nie von los)
Er fragte, ob noch was da ist etc. Naja das ganze schon in einem sehr freundlichen Tonfall.
Dann habe ich gekocht. ihm abschließend gesagt, dass in der Küche was steht, wenn er will. Er hat sich verwundert bedankt und kurze Zeit später was geholt. Als er fertig war kam er ins Wohnzimmer, bedankte sich erneut und sagte, dass es sehr lecker war. Ich war gerade am Zeichnen und er fragte recht interessiert. Haben dann circa 2 Minuten sehr freundlich gesprochen.
Auch hier sei angemerkt. im Alltag sitze ich sonst gelangweilt auf der Couch und weiß nichts mit mir anzufangen. Erst nach Streits bzw nach DIESEM Streit gucke ich mal auf mich und meine Bedürfnisse.
Donnerstag.
Habe ich mein Ding gemacht (wie Musik zu hören), kein Essen und bin iwann schlafen. Kann sein, dass wir wegen des THCs nochmal kurz small Talk hatten aber ich weiß es nicht.
Freitag.
Die Tage verschwimmen.
Ohja. ich hatte ihm einen Brief geschrieben.
Kein Flehen, keine Bekundungen, nur wie es in mir aussieht und dass er mir dennoch sehr fehlt. Hatte ihm den morgens vor der Arbeit auf den Schreibtisch gelegt. Als ich nach Hause kam, war er baden und ich nutze die Gelegenheit, suchte den Brief. Dieser liegt nun in der obersten Schublade seines Schreibtisches. Immerhin nicht im Müll.
Auch an diesem Tag hielten wir kurz sehr netten Smalltalk, man lief sich minimal über den Weg.
Samstag. also gestern.
Hat er bis irgendwann um 16 Uhr geschlafen.
Er hat derzeit Urlaub, schreibt am 18.11. seine Abschlussprüfung. Naja die Zeit wird zum zocken genutzt, WoW classic hat so seinen Suchtfaktor.
Ich war bis 19 Uhr weg, spazieren und einkaufen. Als ich wieder kam rauchte er gerade einen und spielte natürlich.
Ich ging baden, guckte was im TV und machte essen. Er bekam wieder was. das gleiche Szenario wie am Mittwoch. Auch gestern kam er im Anschluss und sagte, dass es sehr lecker war. Da ich meinen Laptop auf dem Schoss hatte fragte er, was ich spiele.
Ich musste husten. sagte dann "WoW".
"Achsoo. Viel Spaß
(Ich spiele eigentlich ab und an das normale Wow, kein classic. Habe mich aber gestern auch für classic entschieden. - weiß er aber nicht.)
Sonntag. heute.
Kam er um 07:30 auch mal ins Bett.
Ich sitze nun auf der Couch und zerdenke wieder einmal alles. Seine freundliche Art macht mich stutzig. Will er mich nur testen und gucken ob die Ruhe anhält oder ist er für sich echt durch damit? Am 30.11. War alles so mega schön. von jetzt auf gleich soll das anders sein? Das geht bei ihm nur, wenn er furchtbar sauer ist, aber dann ist er auch nicht so "nett".
Grau konnte er noch nie, nur schwarz und weiß.
Finanziell wäre es für ihn derzeit alleine schwierig und seine Prüfung steht bevor. das sind für mich so Punkte wo ich denke. naja dann ist er eben einfach nett bis ich ausziehe.
Ausziehen. darüber wurde noch gar nicht wirklich gesprochen. Außer mit seinen zwei kurzen Aussagen über die Haushaltsführung.
Klar. ihr kennt ihn nicht, aber über Meinungen und Einschätzungen bin ich sehr dankbar.
Ps. Belehrungen oder das Nahelegen einer Beendigung meinerseits brauche ich nicht. mir ist durchaus bewusst, dass er kein Engel ist. Aber auch BL oder Menschen mit narzisstischen Zügen sind es wert geliebt zu werden. Er ist ja kein gefühlskaltes A-loch. Sondern ein Mensch, der eine dicke und große Mauer hochzieht, wenn er sich verletzt fühlt.
Ich bin da keinen Deut besser.