Lavina99
Gast
ich muss mir mal meine Ängste von der Seele schreiben. Ich habe das Gefühl, ich bin ein schrecklicher und egoistischer Mensch und weiß gerade nicht, wie ich mit der Situation umgehen soll...
Ich bin mit meinem Mann seit 12 Jahren zusammen, fast 9 Jahre davon verheiratet. Wir sind 30 Jahre alt und haben 3 Kinder. Wir haben alles etwas anders aufgezogen, also direkt nach dem Abi habe ich zwei Kids bekommen, dann eine Ausbildung gemacht und nach dem dritten Kind habe ich mich nochmal umstrukturiert und angefangen zu studieren. Ich habe gerade meine Bachelorarbeit abgegeben und möchte nun noch den Master machen. Mein Mann hat in den ersten Jahren eine Ausbildung gemacht und ebenfalls danach noch studiert, er hat nun den Master fast fertig. Neben dem Studium hat er immer gearbeitet. Trotzdem war es finanziell natürlich nie leicht und wir mussten immer viel rechnen. Ich hatte immer den Traum von einem Haus und Hund und wollte ein nettes beschauliches Leben. Wir wohnen in der Großstadt und mittlerweile ist mir auch klar, dass es kein Sinn mehr macht, noch weg zu ziehen und in ein paar Jahren alleine in einem Haus zu sitzen wenn die Kids ausgezogen sind (der Große ist 10 Jahre alt). Trotzdem hatte ich immer die Hoffnung, dass jetzt, wo mein Mann endlich fertig ist, alles etwas leichter wird und Berg auf geht. Mein Musterstudium ist etwas, was ich noch für mich machen möchte, trotzdem werde ich mir nebenbei einen Job suchen.
Mein Mann und ich haben in den letzten Jahren wirklich viel Stress gehabt, sowohl beruflich (neben Studium) als auch Privat (unsere Beziehung stand auf der Kippe), haben uns aber immer wieder zusammen gerauft. Wir lieben uns beide wirklich sehr und wollen zusammen alt werden. Aber der Blick auf die Zukunft scheint momentan so gar nicht kompatibel!
Mein Mann möchte etwas machen, wo er hinter stehen kann, etwas das ihm Spaß macht, evtl möchte er sich selbstständig machen. Das bedeutet erstmal, dass gute Verdienstmöglichkeiten für ihn in den Hintergrund rutschen. Er sagt, er möchte sich selbst treu bleiben und neben der Verantwortung die er für seine Familie hat, auch die Verantwortung seiner Moral gegenüber nicht vergessen. Das ist alles völlig legitim, jedoch bedeutet das im Klartext, dass er wahrscheinlich noch ein Semester hinten ran hängen muss um diese Zeit für seine mögliche Selbstständigkeit und eine Jobsuche die mit seinen Wertvorstellungen (Naturschutz, Tierschutz, keine großen Konzerne usw.) einher geht zu nutzen. Mein Studium ist nun erstmal beendet und ich bewerbe mich auf Stellen, jedoch hatte ich so gehofft, dass wenigstens das Finanzielle erst einmal abgedeckt ist und es ruhiger wird, wenn er eine Stelle hat. Dass ich erstmal in Ruhe meinen Master machen kann. Er hat die Möglichkeit einen guten Job über einen Freund von uns zu bekommen, der immerhin so gut bezahlt ist, dass es in nächster Zeit, solange ich noch studiere, keine Finanziellen Probleme gäbe. Jedoch ist dieser Job nicht wirklich das, was er machen möchte und hat nichts damit zu tun, dass er seine Träume verwirklicht. Ich habe ihm dann vorgeschlagen, dass er diesen Job doch erstmal annehmen könnte und wenn sich alles beruhigt hat, ich fertig bin mit dem Studium, er dann weiter sehen kann, dann seine Selbstständigkeit in Angriff nehmen kann, oder sich anderweitig verwirklichen kann. Ich möchte so gerne ein bisschen mehr Ruhe und geregelte Lebensverhältnisse. Wir träumen seit Jahren davon umzuziehen, aber das ist finanziell momentan nicht drin.
Mein Mann spricht nun davon, dass er unsicher ist, ob unsere Zukunftspläne überhaupt noch vereinbar sind, er sagt, er ist nicht sicher, ob er meine Erwartungen erfüllen kann, seine Erwartungen an seine Zukunft und an sich selbst, sieht er als nicht flexibel an und er hat das Gefühl, aufpassen zu müssen, dass er sich nicht selbst aufgibt.
Ich träume nicht von Reichtum und es ist mir auch egal, was für ein Auto wir fahren, aber ich habe trotzdem die Erwartung, dass ich meinen Kindern ein geregeltes Leben bieten kann, mit ihnen in den Urlaub fahren kann, nicht jedes Mal zu Weihnachten überlegen zu müssen, wie wir das Geld für Geschenke zusammen bekommen, eine Wohnung zu haben in der ich mich wohl fühle und bestenfalls Eltern zu sein, die nicht beide 40 Stunden arbeiten müssen um über die Runden zu kommen und dafür die Kinder nicht mehr zu sehen. Das war schon immer mein Ziel und ich habe das Gefühl, dass jetzt, wo sein Studium dem Ende entgegen geht, er einknickt und nicht mehr mit mir an einem Strang zieht. Die Dinge,bei denen ich dachte, dass wir sie beide wollen, jetzt nur noch meine Pläne sind und er es sich anders überlegt.
Wenn ich ihn einfach machen lasse, was bedeutet das denn dann für mich? Kann ich dann überhaupt noch meinen Master machen? Wahrscheinlich muss ich mir doch dann einen Job suchen um wenigstens ein festes sicheres Gehalt zu haben. Die Situation überfordert mich gerade sehr. Ich habe Angst davor, dass wenn ich weiterhin versuche, eine Lösung für uns beide zu finden, mit der wir beide zufrieden sind, ich ihn dann verliere und er mich verlässt weil er sonst nicht "er selbst" sein kann. Und wenn ich ihn einfach machen lasse und je nachdem wie er es macht dann mein Studium doch an den Nagel hänge, dann werde ich wohl mein Leben lang unglücklich werden... ok, das sollte jetzt nicht so theatralisch rüber kommen...
es wären also noch zwei weitere Jahre in denen wir jeden Cent wohl überlegt ausgeben müssten... Ach mensch, ich dachte einfach es wird endlich leichter. Unsere Familien warten auch darauf, dass wir endlich mal vorwärts kommen und die Jahre des Studierens endlich Früchte tragen... Da dreht sich mir auch wieder der Magen um, wenn ich nur daran denke auch dort noch erklären zu müssen, warum es immer noch nicht besser wird...
Was haltet ihr von der Situation? Soll ich ihn einfach weiterhin auf seinem Weg zur Selbstverwirklichung unterstützen und hoffen, dass es irgendwann ruhiger wird?