KPeter
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deine strukturierte Schilderung der Vorkommnisse rund um die Trennung hat mich sehr beeindruckt. Da ich aber bereits Hunderte von Trennungen begleitet habe, war ich von Anfang an skeptisch, als er die Begründungen für die Trennung präsentierte. Denn bei all den mit bekannten Trennungen gab es nur eine einzige, in der ein Mann sich getrennt hat, ohne das eine andere Frau im Spiel war. Und das waren gesundheitliche Gründe, das Paar hat später auch wieder zueinander gefunden. Ich kenne also sehr viele „Trennungen aus Vernunftgründen“ durch Frauen, aber bisher keine einzige solche durch Männer. Und erwartungsgemäß tauchte dann am Schluss doch noch die andere Frau auf.
Zitat:>>Nach dem Urlaub war ich stark belastet durch Krankheit in der Familie und er war im Job stark gestresst, da er versucht hatte eine Beförderung durchzubekommen was sich über Monate hinzog. Dann kam es bei meinem Mann zu einem inneren Zusammenbruch. In diesem Zusammenhang begann er eine Einzeltherapie. Eine gemeinsame Paartherapie lehnte er ab.<<
Mir stellt sich das so dar, dass ihm in dieser Zeit, in der jeder seine eigenen Probleme lösen musste, die andere Frau begegnete. Sie war offen für ihn und seine Probleme, zugewandt und emotional sehr nah. Das brachte ihn in eine geradezu verzweifelte Situation, die er alleine nicht lösen konnte. Darum suchte er professionelle Hilfe, aber natürlich nicht als Paartherapie, denn er musste dort ja seine persönliche Gefühlswelt offen schildern können.
Zitat:Im Zuge seiner Therapie teilte er mir später mit, dass ihm dort eine ungleiche Dynamik zwischen uns bewusst geworden sei. Diese habe er rückblickend als problematisch erlebt und für sich als nicht lösbar eingestuft
Der Therapeut hat möglicherweise mit ihm gemeinsam nach Gründen gesucht, warum er die Nähe einer anderen Frau gesucht hat und aus welchem „Zustand eurer Beziehung“ heraus er das getan hat. Ein Therapeut bewertet nicht moralisch, sondern er sucht nach Ursachen. Dein Mann hat nun alles willkommen geheißen, was ihm dabei geholfen hat, sich weniger schuldig zu fühlen. Denn man fühlt sich gar nicht gut, wenn man sich fremd verliebt hat. Diese Sammlung von Gründen, die sich nach und nach aus den Therapiestunden ergeben hat, hat er dann dir im Gesamtpaket vor die Füße gelegt. Er hat damit einen großen Teil der Verantwortung für den Zustand eurer Ehe an dich delegieren können. Und ich bin sicher, dass er sich das selber jetzt auch genau so glaubt.
Auch ich weiß, dass Paare für den Zustand eiern Beziehung vor der Trennung eine gemeinsame Verantwortung tragen, aber eine neue Verliebtheit verändert alles. Und da ist dann Schluss mit der „gemeinsamen Verantwortung“, denn ER hat das zugelassen. Und wer im Nachhinein nach Gründen sucht, um sich weniger verantwortlich zu fühlen, der findet diese Gründe auch.
Zitat:>>Außerdem hat er mich plötzlich mit massiven Vorwürfen überrollt was in den letzten Jahren alles falsch zwischen uns gelaufen sei und womit ich ihn zu stark belastet hätte. Er hatte aber all die Jahre nie etwas darüber erwähnt… daraufhin bin ich zusammengebrochen und konnte kaum noch einen klaren Gedanken fassen. <<
Das zeigt, wie erfolgreich er damit war, einen großen Teil an dich zu delegieren. Nun liegt es bei dir, einerseits die wahrscheinlichen Gründe für sein Verhalten herauszufinden. Und andererseits ist deine wichtigste Aufgabe jetzt, DICH zu schützen und DIR soviel Gutes zu tun wie eben möglich. Alles, was dein Mann dazu beiträgt, ist für dich nicht hilfreich sondern schädlich. Denn es lässt außer Acht, dass er dich verlassen hat und dafür nicht die Verantwortung übernehmen möchte.
Zitat:>>Ich erlebe die Trennung als abrupt und schwer nachvollziehbar, insbesondere da mir wesentliche Informationen (monatelanger emotionaler Rückzug, Fremdgehen, seine Bewertung der Beziehungsdynamik) erst nach der Trennung bzw. über Dritte bekannt wurden.<<
Sein Trennungswunsch ist nur dann schwer nachvollziehbar, wenn man die Fakten zugrunde legt, die er dir nun präsentiert, um sich nicht schuldig fühlen zu müssen. Aber es geht mir gar nicht um Schuld, sondern darum, dass er eine neue Beziehung angefangen und dich verlassen hat. das allein zählt zunächst. Alles andere kommt danach.
Zitat:>>ich finde es so schrecklich wie er jetzt alles abwertet. Er war davor das komplette Gegenteil und hat alles glorifiziert<<
Ja, das ist rücksichtslos, vereinfachend und als probates Mittel gegen seine Schuldgefühle zu bewerten. Ich wünsche dir, dass du das einordnen kannst und nicht mehr gegen dich verwenden musst.
Zitat:>>noch das mit der anderen Person war in der Endphase als schon alles sch. war.. aber da waren wir noch nicht getrennt<<
Du wirst es nicht herausfinden, wann die neue Beziehung begann. Das beginnt ja oft schleichend, weil die andere Frau sich ihm zugewandt hat, für ihn da war und bei ihm Saiten zum Klingen gebracht hat, die er nicht mehr kannte. Das war zunächst nicht öffentlich und der Zeitpunkt kann nicht mehr herausgefunden werden. Dann aber brach das Chaos erst recht für ihn aus, denn er war völlig zerrissen und kannte keine Lösung. So fühlt man sich, wenn man sich fremdverliebt. Das alles wurde in die Therapie mitgenommen und dort fanden sich dann im Nachhinein Gründe, die ihm logisch erscheinen und die er dir genannt hat. so meine Vermutung.
Richte jetzt bitte alle Aufmerksamkeit auf dich und deine Zukunft. Akzeptiere, dass die ohne ihn stattfinden wird, aber glaube nicht alles, was er dir als Gründe nennt. Alles Gute dabei!