Sabotiere mich oft selbst Geht es jemandem ähnlich?

Traurig321

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Hallo zusammen,

ich (männlich, 30 Jahre alt) stecke gerade in einer Krise, bin tieftraurig und möchte mir das gerade von der Seele schreiben. Vielleicht gibt es ja auch jemanden mit ähnlichen Erfahrungen, Ratschlägen oder aufmunternden Worten.

Ich bin oder war mit meiner Freundin jetzt ein Jahr zusammen. Wir lernten uns sehr unerwartet kennen in einer Zeit in der ich dachte ich müsse erstmal alleine sein um mein Leben in den Griff zu kriegen. Dann lernten wir uns kennen und verliebten uns sehr schnell in einander. Es hat halt einfach gepasst, gleichzeitig sehnten wir uns bestimmt auch beide sehr nach Nähe und Geborgenheit. Für mich war es ganz anders als sonst, denn es war das erste Mal dass es gleich gegenseitig war und ich hatte schnell so etwas wie ganz unaufgeregte und klare Gefühle und Gedanken (Werde mal mit dem Studium fertig, damit das eine Chance mit Euch hat) die mir auch viel Kraft gaben. Wir hatten eine sehr schöne Zeit, es hat aber auch immer wieder geknallt wenn wir wohl realisiert haben dass wir uns doch noch nicht so gut kennen wie wir wohl dachten oder es uns wünschten. Wir beide haben Probleme zu vertrauen und auch immer wieder Probleme weggekuschelt als sie zu klären und daran zusammen zu wachsen.Für mich ist es so, dass ich mich oftmals in Beziehungen verliere und mir dort gute Gefühle hole, mein restliches Leben etwas schleifen lasse und mich selber in eine Abhängigkeit begebe. Ich bin jetzt seit 4 Jahren in Therapie, habe mich sehr entwickelt und weiss das zumindest kognitiv. Ich erlebe dann die Beziehung neben dem Schönen auch sehr als Druck, denn ich meine schnell Erwartungen entsprechen zu müssen, fühle Druck und habe Angst nicht gut genug zu sein. Ihr geht es ähnlich, allerdings stellt sie eher sehr hohe Erwartungen und kann aus Unsicherheit selber sehr viel Druck machen.

Es fing vor ca. 5 Monaten an, dass ich in Momenten, in denen ich mich sehr klein, minderwertig, traurig und einsam fühlte anfing online mit anderen Frauen zu schreiben und es dann gleich wieder abzubrechen. Das Gefühl ist wie eine Leere die mir die Luft zuschnürt und kaum auszuhalten. In meiner Fantasie sehnte ich mich nach Verständnis und Geborgenheit, in den Arm genommen zu werden und mich zu öffnen, zu zeigen wie ich eben auch bin. Mein Bedürfnis habe ich nicht Mal richtig verstanden und ich überschritt damit eine Grenze zur Realität. Die Option das mit meiner Freundin oder Freunden zu teilen gab es für mich nicht, denn ich komme mit diesem Teil von mir selber nicht klar und versuche ihn weg zu schieben und immer stark zu sein. Wirklich treffen, es real werden zu lassen, wollte und will ich nicht. Meine Freundin fand es vor drei Monaten heraus, als ich mit einer Bekannten von ihr schrieb, die es ihr erzählte. Ich hatte damals schon so ein Gefühl und legte es zumindest unterbewusst darauf an. Es gab einen Knall, wir teilten viel und wollten es zusammen hinbekommen. Dass es mir wirklich nicht um jemand anders ging oder mir (S.) etwas fehlt konnte sie aber nie ganz annehmen, was ihr vorher schon sehr schwer fiel. Ein bisschen machten wir danach weiter wie bisher und sprachen in Momenten, in denen es uns schlecht ging oder wir misstrauten, nicht offen über unsere Gefühle und Ängste miteinander. In den Monaten danach unterdrückte ich diesen Impuls, bis zum letzten Samstag, als ich wieder jemandem schrieb. Diesmal einem Mann. Ich brach die Unterhaltung schnell ab und rief meine Freundin an. Das fiel mir sehr schwer aber es half, da sie sehr liebevoll reagierte. Lange Rede, kurzer Sinn: Nach einem wunderschönen Sonntag zusammen fand sie es heraus.

Danach war ich einfach nur Fassungslos. Nicht über die Trennung, ihre Reaktion, sondern darüber was ich mache. Mit ihr, aber auch generell in meinem Leben. Dass ich aus Angst und Scham Chancen nicht nutze, mich ausgeliefert fühle anstatt mein Leben zu gestallten. Ich begreife, erfühle jetzt erst richtig was ich gemacht habe. Das wir eine Verabredung haben was zwischen uns geht und was nicht, dass wir alles zusammen ausmachen oder zumindest nicht so. Das Vertrauen darauf, dass wir zu einander ehrlich sind und uns nicht verletzen die Basis ist. Dass ich mit ihr oder anderen hätte sprechen können oder es zumindest hätte riskieren sollen mich so zu zeigen wie ich eben auch manchmal bin. Fassungslos, dass es so einen Knall brauchte um das zu erkennen.
Das alles liest sich vielleicht jetzt vielleicht sehr gemein, gleichzeitig liebe ich sie sehr und war immer für sie da. Ich bin nie fremdgegangen, auch nicht im Herzen und möchte niemand anders. Ein Teil von mir wäre gerne wütend auf sie und will schreien aber ich bin doch immer da und habe nicht gemacht was Du Dir ausmalst; verändere das jetzt, aber ich habe ja etwas gemacht und kann nicht erwarten, dass sie nochmal Vertrauen zu mir fasst. Ich bin irgendwie dankbar das wenigstens jetzt begriffen zu haben und es tut mir unglaublich leid und weh sie verletzt zu haben, denn ich möchte sie ja eigentlich beschützen. Sie will jetzt erstmal Zeit für sich haben und ich muss das wohl aushalten. Vermisse sie, bin tieftraurig und will davor nicht weglaufen. Und ich sehne mich ja auch danach das anders zu leben, nach echter Nähe und Geborgenheit.

Vielleicht hat der oder die eine ja ähnliche Themen, Ratschlägen oder aufmunternden Worten. Vielen dank fürs Lesen.

24.06.2018 11:50 • #1


leilani1801

Zitat von Traurig321:
Wir beide haben Probleme zu vertrauen und auch immer wieder Probleme weggekuschelt als sie zu klären und daran zusammen zu wachsen.


Wieso habt ihr die?

Zitat von Traurig321:
Für mich ist es so, dass ich mich oftmals in Beziehungen verliere und mir dort gute Gefühle hole, mein restliches Leben etwas schleifen lasse und mich selber in eine Abhängigkeit begebe. Ich bin jetzt seit 4 Jahren in Therapie, habe mich sehr entwickelt und weiss das zumindest kognitiv.


Es ist gut, dass du dir Hilfe holst. Aber wie erfolgreich kann eine vierjährige (!) Therapie sein, wenn du in Zeiten der Unsicherheit folgendes tust:

Zitat von Traurig321:
Es fing vor ca. 5 Monaten an, dass ich in Momenten, in denen ich mich sehr klein, minderwertig, traurig und einsam fühlte anfing online mit anderen Frauen zu schreiben und es dann gleich wieder abzubrechen.


Erwartest du für dieses Verhalten Verständnis? Wie paradox ist das denn, wenn ich selbst Vertrauensprobleme habe und denke ich könnte durch online-Kontakt für Ausgleich sorgen? Schon mal daran gedacht, was du deiner Freundin damit antust?

Was kommt dann als nächstes? Deine Unsicherheit hat dazu geführt mit einer anderen Dame 6 zu haben?

Zitat von Traurig321:
Ein Teil von mir wäre gerne wütend auf sie und will schreien aber ich bin doch immer da und habe nicht gemacht was Du Dir ausmalst


Welchen Grund hast du wütend auf sie zu sein? Definiere Fremdgehen, aber im Netz wahrscheinlich irgendeiner Börse, Kontakte mit anderen Frauen aufzunehmen spricht nicht gerade für deine unabdingbare Treue und große Sensibilität.
Was soll sie denn machen?
Man muss bereits eine ziemlich große Hemmschwelle überwinden, um in einer festen Beziehung, solche Fremdflirtereien durchzuziehen. Für mich wäre das ebenfalls zu krass und ich würde mich lieber nach jemand anderem umsehen.

24.06.2018 12:04 • #2


Traurig321


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Hallo leilani1801,

danke für Deine Antwort. Ich erwarte kein Mitleid, sondern wollte mir das ganz offen von der Seele schreiben und dachte vielleicht gibt es jemanden mit ähnlichen Erfahrungen. Schuldgefühle habe ich selber und ich weiss, dass ich großen Mist gebaut habe und sie sehr, sehr verletzt habe. Ich will das nicht klein schreiben oder rechtfertigen, sondern nur erklären was mich antrieb. Nämlich sehr, sehr große Verzweiflung, in der ich mir irgendwie nicht anders "zu helfen" wusste. Irgendwie nicht richtig begriffen habe kognitiv ja was ich da tue, was ich ihr antue und auch das ich mir die Chance auf eine authentische Beziehung mit ihr verbaue.
Vielleicht kannst Du versuchen es so zu sehen: Da ist ein Mensch der sich sehr nach Nähe und Geborgenheit sehnt und sich eine authentische Beziehung wünscht. Viel für andere da ist. Gleichzeitig so viel Angst davor hat abgelehnt zu werden, dass er sich nicht traut sich auch schwach zu zeigen und dadurch alles kaputt macht.

Zu Deinen Fragen:

1. Wir haben beide in unserer Kindheit und im späteren Leben Erfahrungen gemacht, die es uns nicht so leicht machen Anderen zu vertrauen und sind beide auch selber unsicher als Menschen, "gut genug zu sein". Wenn etwas zwischen uns war wollte ich das zusammen lösen, aber das ist für sie oftmals sehr unangenehm und am Ende konnten wir beide die Dissonanz nicht aushalten.

2. Vielleicht ist das naiv, aber auch wenn das hier ein anonymes online Forum ist fände ich es schön da etwas wertfrei zu bleiben. In der Zeit habe ich mich besser kennengelernt, gelernt Grenzen aufzuzeigen und mich besser zu verstehen. Ich bin in der Zeit sehr viel gelassener geworden, mit mir und Anderen. Es ist zu viel hier aufzuzählen.

4. Ich weiss, dass ich keine Grund habe wütend auf sie zu sein. Ein kleiner Teil von mir wäre es vielleicht gerne, das ist manchmal einfacher als auf sich zu schauen. Es macht mich wahnsinnig traurig und tut sehr weh sie so verletzt zu haben, mich einzufühlen wie sie sich jetzt fühlt. Davor will ein Teil von mir flüchten.
Ich weiss, dass ich eine Grenze überschritten habe. Mit Fremdgehen meine ich, dass ich niemand anders wollte. Weder emotional noch körperlich. Ich habe den Wunsch mich Ihr zu zeigen auch wenn ich mich ganz klein fühle und nicht ausschließlich für sie und andere da und stark sein zu müssen. Ich habe das nicht aus Spaß oder S. Lust gemacht, sondern aus großer Verzweiflung. Vielleicht ist es so etwas verständlich: Vielleicht hast Du Dich mal über jemand oder etwas sehr geärgert und Deinen Zorn dann an jemand anders ausgelassen. Das passiert dann ja nicht "gegen" den den es dann trifft, sondern weil der Druck so groß. Und mir ist klar, dass ich nichts mehr erwarten kann und tue es auch nicht. Aber wünschen.

24.06.2018 12:41 • #3


Heartbreakhotel

Wo Ist denn der Tread hin " Pseudo rationale Selbstsabotage " ? Der war so klasse ich finde ihn nicht mehr . Wäre genau das Richtige für Dich ......

24.06.2018 13:09 • #4


leilani1801

Zitat von Traurig321:
Vielleicht hast Du Dich mal über jemand oder etwas sehr geärgert und Deinen Zorn dann an jemand anders ausgelassen. Das passiert dann ja nicht "gegen" den den es dann trifft, sondern weil der Druck so groß.


Ja, klar habe ich das und bin zu Recht auf die Nase geflogen. Vor allem daraus lernt man, unter Umständen eben auch dadurch, dass Menschen sich von einem abwenden.
Das ist die wichtigste Lektion - dein Handeln hat Konsequenzen!

Finde es gut und richtig, wenn man sich und sein Handeln, seine Beziehungen hinterfragt. Das mag eine mögliche Erklärung sein, darauf kannst du aufbauen.
Hört sich dennoch in meinen Augen etwas nach Selbstmitleid an und nach dem Versuch aus einer banalen Fremdflirterei eine absurde Erklärung zu machen, so ungefähr: "ich habe es aus Liebe getan".

Ich kenne eine ähnliche Situation. Mein Ex hat häufiger gelogen, um mir danach stundenlang zu erklären, dass er das getan um mich "zu schützen".

Das sind Rechtfertigungen, um sich nicht eingestehen zu müssen, dass man Mist gebaut hat und sich wunderweiß für Erklärungen zurechtlegt, um noch in den Spiegel schauen zu können.

Lügen oder Fremdflirtereien sind keine Liebesbeweise sondern das genaue Gegenteil.

Wir haben alle unsere Baustellen für die der Rest der Welt nix kann und trotzdem muss man sich an bestimmte Regeln halten oder die entsprechenden Konsequenzen tragen.

24.06.2018 13:28 • #5




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