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Sehr unsicher wie es weitergehen soll

K
Liebe „Zerrissen“,
mir fällt zu dem, was du schilderst, so einiges ein. Und da dir offensichtlich in deiner Beziehung das fehlt, was man gern als „Liebe“ bezeichnet, beginne ich mal damit, diesen Begriff in Bezug auf Beziehungen genauer zu beleuchten.
Der sehr bekannte Paartherapeut Michael Mary (fast 40 Bücher zu diesen Themen) schildert drei Liebes-Formen, die in Beziehungen tragfähig sind. Und natürlich haben sie alle drei nichts mit dem zu tun, was wir in der Verliebtheit/Limerenz erleben. Aber das weißt du.

Die erste Form ist die „partnerschaftliche Liebe“, die am besten dadurch zu beschreiben ist, dass sie „projektbezogen“ ist. Solange also zwei Menschen gemeinsame Projekte finden und miteinander gestalten, haben sie auch die Chance, darin das zu finden, was ihre gemeinsame Lebensgestaltung ausmacht. Es ist die stabilste Form der Liebe, obwohl darin vieles von dem fehlt, was wir allgemein als Liebe bezeichnen. Und mit der romantischen Vorstellung hat das gar nichts zu tun. Die projektbezogene Liebe funktioniert sogar in anderen Kulturen, wo Ehen arrangiert werden. Und zwar dann, wenn die Partner miteinander klar kommen und gemeinsame Ziele finden und erreichen wollen. Hier gilt das Motto „Gleich und Gleich gesellt sich gern“ oder „gemeinsam sind wir stark“.

Die zweite Form ist dann die „leidenschaftliche Liebe“, die von einem gegensätzlichen Motto lebt, nämlich „Gegensätze ziehen sich an“. Die Halbwertzeit ist deutlich kürzer und die Erwartung, dass das ein Leben lang so bleiben sollte, ist unrealistisch. Fast alle dürfen diese Liebe eine Zeit lang erleben, aber nur sehr wenige über ein ganzes Eheleben hinweg.

Die dritte Form ist die „Freundschaftliche Liebe“, bei denen eine gewisse Seelenverwandtschaft die Hauptrolle spielt. Sie funktioniert unabhängig von Projekten und von Leidenschaft. Sie kann sehr stabil sein und führt oft dazu, dass Paare zusammenbleiben, ohne dass sie noch sexuelle Intimität haben und ohne dass sie gemeinsame Projekte haben. Ihr Ende findet diese Form dann meistens, wenn einer der beiden sich außerhalb leidenschaftlich verliebt.

Soviel in Kürze dazu. Form 2 scheint schon sehr lange bei euch keine Rolle mehr zu spielen, und sehr viel Freundschaftliches kann ich auch nicht erkennen. Korrigiere mich bitte, wenn du das anders siehst. Es geht also darum, ob bei euch noch die „projektbezogene partnerschaftliche Liebe“ in einem Maße vorhanden ist, dass es sinnvoll ist zusammen zu bleiben. Bei dieser Form ist man nicht so sehr darauf angewiesen, dass starke Gefühle die Partner miteinander verbinden, sondern man kann vieles finden und neu entdecken, das einen dabei unterstützt, ein lebenswertes partnerschaftliches Familienleben über längeren Zeitpunkt aufrecht zu erhalten. Die Gefahr, dass einer von beiden in der Lebensmitte, also in den Vierzigern, ausbricht und mit jemand anderem Leidenschaft erleben möchte, ist groß. Aber bis dahin kann es gut funktionieren. Aktuell scheint keiern von euch beiden aus diesem Grund ausbrechen zu wollen. Und das erzeugt zunächst einmal eine relativ ruhige Umgebung für das, was vor euch liegen könnte.

Soweit ich es erkenne, hast du durch deine massive Intervention einen Status erreicht, der dem, was ich geschildert habe, recht nahe kommt. Dir fehlt nur fast alles, was die anderen beiden Formen angeht. Dazu sollte man wissen, dass „Alles mit einem für immer“ sowieso eine Illusion ist, und dass viele Paare mit einer dieser drei Formen eine stabile Lebenspartnerschaft führen können und wollen. Wenn du dieses Ziel für erreichbar hältst, wäre es eure Aufgabe, nach weiteren gemeinsamen Projekten Ausschau zu halten, die euch miteinander verbinden und die euch beiden gleichermaßen gut tun. Sich aufzuopfern, damit der andere sein Leben leben kann, das ist gescheitert. Du hast zu viel gegeben und hast unbewusst das Bedürfnis, jetzt endlich „zurück zu bekommen“, was du gegeben hast. Das wird nicht in ausreichendem Maße geschehen. Du müsstest deine Vorleistung also eher als Investition sehen in das, was noch gemeinsam erreichbar ist. Wohl aber kann Neues entstehen, das euch miteinander verbindet. Ob ihr das gemeinsam ohne professionelle Hilfe schafft, kann ich nicht beurteilen. Aber es bleibt euch ja immer noch der Weg zu einer guten Paarberatung.

Was seinen Schrecken unbedingt verlieren sollte, ist die Möglichkeit der Trennung. Wenn ihr zusammen bleibt, dann geschieht das von beiden FREIWILLIG und nicht wegen des Zwanges, eine Trennung unbedingt vermeiden zu müssen. Egal wie schwierig sie ist, sie kann die bessere Lösung sein, auch für die Kinder. Aber sie ist eben nicht die EINZIGE Lösung. Wenn du Fragen dazu hast, beantworte ich dir die gerne.

Herzliche Grüße

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J
Zitat von Liebeleben:
Er meinte er würde mich noch lieben. Ich habe ihm das irgendwie nicht ganz abgekauft, denn so wie es die letzten Jahre gelaufen ist, hatte das mit Liebe nichts für mich zu tun. Eher mit Gewohnheit und dem gemütlichen Nest, dass man ja ungerne verlassen möchte.

Wir müssen lerne uns in die anderen Person einzudenken, denn jede Person liebt auf seine Art. Er hat es geliebt, das gemachte Nest und es wurde nie daran gerüttelt. Viele Menschen sind "Gewohnheitsmenschen", genau so wie man es selber erlebt hat (in der Kindheit) und ja nichts ändern. Dadurch verbiegt man sich, statt von Anfang an darüber zu sprechen und Kompromisse zu suchen.

Zitat von Liebeleben:
Wenn die Gefühle weg sind und man nicht mehr liebt, dann kann man nichts mehr tun. Da hilft dann auch keine Therapie - es sei denn man möchte in einer Beziehung bleiben mit jemandem, den man nicht liebt, aus anderen Gründen dann geht das vielleicht. Aber wenn man andere Ansprüche hat, dann bleibt nur das Ende.

Das sieht auch jeder anders, eine Beziehung ohne Liebe. Kleine Gegenfrage, was ist Liebe? Da jeder von uns Liebe anders definiert kann es sein, dass man von außen denkt, dass in der Beziehung keine Liebe ist, doch das Paar möchte das so haben. Wenn beide einsehen, dass sie Fehler gemacht habe und auch dem anderen verzeihen können, dann gibt es noch gute Chancen sich erneut in einander zu verlieben. Beide müssen dann ehrlich sein und daran arbeiten.

Zitat von Zerissen_:
Mir ist bewusst, dass wir beide zu der Situation beigetragen haben (wenn auch meiner Meinung nach nicht zu gleichen Anteilen)

Ich denke das kann man nicht mit Anteilen aufzeigen, den jede Person sieht es anders.
Viel wichtiger ist, dass ihr beide aus den Fehler gelernt habt und diese nicht wiederholt, bei dir zum Beispiel dich zu verbiegen, das wird den Bogen wieder spannen und er wird wieder brechen.

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