Hallo zusammen,
ich schreibe hier weil ich eine Art Erleichterung suche. Und sicherlich auch Austausch bzw. Tipps.
Zu meiner Situation: ich bin Ende dreißig und seit 13 Jahren mit meinem Mann zusammen. Rückblickend muss ich sagen, dass ich seit Beginn unserer Beziehung mich stark an seine Wünsche angepasst habe. Zu Beginn waren es Sachen wie, dass es ihm nicht gepasst hat, dass ich gerne ausgegangen bin und auch gerne getrunken habe. Also habe ich beides eingestellt. Alles eher Kleinigkeiten, aber ich habe mich angepasst. Nach zwei Jahren sind wir dann zusammen gezogen. Er hat ein Kind aus einer vorherigen Beziehung, das zum Zeitpunkt unseres Zusammenziehens 6 Jahre als war. Ich habe mich mit dem „kleinen“ immer gut verstanden, auch weil er ein super liebes Kind war und mittlerweile eine toller Jugendlicher. Kurz nach unserem Zusammenziehen kam es leider dazu, dass seine Mama in Schwierigkeiten geraten ist (sie kam schon immer mit dem Leben nicht so zurecht). Also ist er zu uns gezogen und es folgte ein Gerichtsstreit ums Aufenthaltsbestimmungsrecht etc. Jetzt nach all den Jahren hat sich die Situation mit seiner Mama schon lange beruhigt, er lebt weiterhin bei uns, ist regelmäßig Tagweise bei seiner Mama und ein ganz toller fast erwachsener Kerl

Für mich war die Situation damals nicht immer einfach, ich hätte zu dem Zeitpunkt selber noch kein Kind und die einhergehende Verantwortung gewollt. Habe meinen Mann (damals noch Freund) aber immer unterstützt, wenn auch er den größeren Teil der Aufgaben getragen hat.
Mein Mann ist ein sehr starker Charakter und ich war offensichtlich oft sehr unterwürfig. Ich habe von Anfang an gesagt das ich eines Tages selber Kinder haben möchte und er hat es immer abgesegnet. Wir haben dann nach vier Jahren Beziehung geheiratet und ein paar Jahre später unsere Tochter bekommen. Ich habe mich von Beginn an fast alleine um die Kleine gekümmert, so dass es auch zb meiner Familie aufgefallen ist und mich auch die Hebamme darauf angesprochen hat, mein Mann ließe mich alleine. Mein Stiefsohn kam
dann als die Maus 6 Wochen alt war ins Homescooling (Corona) und da fielen dann auch Aussagen von meinem Mann „naja kannst du ja mit ihm machen, bist ja eh daheim“ etc. Es lief so weiter, das er wenig an der „Erziehung“ unsere Tochter beteiligt war, Haushalt habe ich schon immer alleine geführt. Irgendwann kam dann das Thema zweites gemeinsames Kind auf (ich habe immer gesagt ich will zwei und er immer mit Ok geantwortet) als es aber dann soweit war , wollte er plötzlich nicht mehr. Es ging eine ganze Zeit so hin und her, bis er dann eingewilligt hat aber unter meinem Versprechen, dass ich auch bei diesem Kind so gut es geht alles selber mache. Er wolle
solchen Einschränkungen im Leben nicht haben und ihm sei es wichtig, weiterhin zum Sport zu können etc. Als unsere Tochter 2,5 war, kam unsere Sohn auf die Welt. Ich habe weiterhin so gut es geht alles selber gemacht mit und für die Kids. War ganz oft
neidisch auf Familien wo sich die Väter beteiligen und jede Bitte um Hilfe bei meinem Mann war immer ein „Ding“. Ich machte also frühs die Kids fertig, brachte sie in die Kita, ging zur Arbeit, holte die Kids ab und gestalte die Nachmittage und Abende. Mein Mann hat frühs immer mehr oder weniger ausgeschlafen (früh aufstehen mag er nicht), hat dann meist so gegen 9 das Arbeiten angefangen, dementsprechend länger gearbeitet und dann zum Sport. War selten da bevor die Kids ins Bett gehen und zum Abendessen nie. Wenn er dann aber da war bevor sie ins Bett gingen, hat er ihnen meist vorgelesen: allgemein wenn er Zeit mit den Kids verbracht hat, dann war das meist schön und die Kids lieben ihn. Ich weiß dass er sie auch liebt. Mein Mann verdient gut und wir haben dadurch einen ganz guten Lebensstandard. Vor ca einem einem Jahr haben wir ein Haus gebaut. Er lebte mehr oder weniger ein Leben voller Freiheiten (Sport, Urlaub mit Freunden etc.), Ich war voll eingespannt. Es kamen von ihm leider immer wieder Aussagen wie „ich hätte es uns eingebrockt“ als ich zb sagte dass ich sobald die große eingeschult ist, nicht mehr alle Ferien übernehmen kann (habe ja auch nur 6 Wochen Urlaub im Jahr). Um Weihnachten sind ein paar Dinge passiert, nichts großes (zb hat er sich aufgeregt als ich fragte ob ich an Meinem Geburtstag ausschlafen kann) und es ist in mir was zerbrochen. Mein Mann hat auch viele gute Eigenschaften, aber unsere ganze Dynamik fürn A… die ganzen Jahre. Vor ca 1 Monat hatten wir dann ein Gespräch, bei dem ich mich trennen wollte. Mein Mann, den ich die ganzen Jahre nie hab weinen sehen, hat geweint wie ein kleines Kind und mir versprochen sich zu ändern. Seitdem macht er vieles anderes, für die meisten wahrscheinlich das bare Minimum, aber für ihn/uns eine sehr starke Veränderung, macht viel mehr als früher mit den Kids etc. Mein Problem ist aber, ich komme gefühlsmäßig nicht mehr rein. Ich kann mir einfach nicht mehr vorstellen mit ihm alt zu werden, etwas das ich früher nie in Frage gestellt habe. Vielleicht findet sich ja hier jemand der in einer ähnlichen Situation war und mir ein wenig hilft meine Gefühle einzuordnen.