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Selbstliebe oder brauchen wir doch andere?

St_Jappi

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Selbstliebe – oder brauchen wir doch die Liebe eines anderen Menschen?
Vor einiger Zeit bin ich über einen Text gestolpert, der den Titel trug:

„Die große Lüge von der Selbstliebe“.

Damals hat mich dieser Text ziemlich getroffen. Nicht, weil ich Selbstliebe für etwas Schlechtes halte. Im Gegenteil. Aber weil ich mich in einem Gedanken wiedergefunden habe, den ich bis heute interessant finde:

Nach einer Trennung wird einem sehr schnell gesagt, man müsse erst einmal lernen, sich selbst zu lieben. Man müsse mit sich selbst glücklich sein. Man dürfe nicht von einem anderen Menschen abhängig sein. Und wenn man sich selbst genug liebt, dann würde die Trennung irgendwann nicht mehr so weh tun.
Aber stimmt das wirklich?

Ich frage mich inzwischen, ob wir mit dem Begriff „Selbstliebe“ nicht manchmal etwas zu viel erklären wollen.
Denn was passiert denn tatsächlich nach einer Trennung?
Da ist ein Mensch plötzlich nicht mehr da. Jemand, mit dem man gesprochen, gelacht, gegessen, geschlafen, geplant und vielleicht Jahre seines Lebens geteilt hat. Da fehlt nicht einfach nur ein bisschen Selbstliebe.
Da fehlt ein anderer Mensch.

Und natürlich kann es wichtig sein, wieder zu sich selbst zu finden. Sich nicht völlig über den anderen zu definieren. Sich selbst wertzuschätzen und irgendwann auch wieder alleine zurechtzukommen.
Aber bedeutet das gleichzeitig, dass unser Wunsch nach Nähe falsch ist?

Ich glaube inzwischen: Nein.

Wir Menschen sind soziale Wesen. Wir brauchen andere Menschen. Wir brauchen Nähe, Zuneigung, Berührung, Gespräche und das Gefühl, für jemanden wichtig zu sein.
Und vielleicht ist es sogar ein bisschen unfair, einem Menschen nach einer Trennung zu sagen: „Du musst dich nur selbst lieben, dann brauchst du niemanden mehr.“

Vielleicht brauchen wir gerade dann andere Menschen.
Nicht irgendeinen Menschen. Nicht jemanden, der die entstandene Lücke möglichst schnell wieder füllt. Sondern Menschen, bei denen wir uns angenommen fühlen. Freunde, Familie, vielleicht irgendwann wieder einen Partner oder eine Partnerin.
Selbstliebe und die Liebe eines anderen Menschen müssen sich doch eigentlich gar nicht ausschließen.
Vielleicht ist Selbstliebe eher das Fundament.
Aber ein Fundament ist noch kein Haus.
Und vielleicht gehört zu einem erfüllten Leben eben auch, dass jemand neben uns steht.
Ich frage mich deshalb:
Ist „Selbstliebe“ nach einer Trennung wirklich die Lösung – oder ist sie nur ein Teil der Antwort?
Und kann man sich selbst durchaus mögen, achten und akzeptieren und sich trotzdem ganz schrecklich nach einem anderen Menschen sehnen?
Wie seht ihr das?

• x 3 #1


A
Für mich ist Selbstliebe auch nicht"die Lösung", natürlich kann man sich nach einem anderen Menschen sehnen,den man liebt und begehrt. Ich kann mir nicht alles alleine geben und finde es auch sehr schön, gemeinsame Erlebnisse zu teilen, Gespräche zu führen, Berührungen zu erleben. Geht auch mit Familienmitgliedern oder Freunden,ist aber für mich doch etwas anderes.
Es geht um Gefühle füreinander,denke ich.

• x 3 #2


A


Selbstliebe oder brauchen wir doch andere?

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Ameise_78
Ich glaube auch, dass manche da weit übers Ziel hinausschießen. Natürlich gibt es Fälle (kenne im realen Leben einige), die nach einer langen, schwierigen oder auch generell nervenaufreibenden Beziehung keine Nerven für eine neue Partnerschaft haben. Was ja auch legitim ist. Und dann ja auch sinnvoller, man gibt und nimmt sich die Zeit für sich selbst.
Aber man kann das nicht auf den Rest der Menschheit übertragen.
Die Sehnsucht/der Wunsch nach Zweisamkeit ist normal, menschlich und berechtigt.

• x 3 #3


Liv225
Da bin ich auch bei Dir.

Selbstliebe ist wichtig, gerade nach einer schlimmen Erfahrung, sich selber wieder spüren, auf sich zu achten, sich Gutes tun.
Man kann so schon glücklich leben.

Ich finde aber auch:
Die Nähe zu einem besonderen Menschen, bei dem man sich wirklich gut und aufgehoben fühlt, und das umgekehrt genauso gilt, füllt die Seele noch mehr auf.

• x 5 #4


Blind-Meg
Zitat von St_Jappi:
Und kann man sich selbst durchaus mögen, achten und akzeptieren und sich trotzdem ganz schrecklich nach einem anderen Menschen sehnen?
Wie seht ihr das?

Ich sehe darin überhaupt keinen Widerspruch.
Man kann beides fühlen, und es ist völlig legitim, sich nach einem (neuen) Partner zu sehnen.
Ich denke aber, die Grenze ist erreicht, wenn man meint, einen Partner zu brauchen.
Menschen brauchen Menschen, Menschen sind Herdentiere und alleine (fast) nicht überlebensfähig. Aber das bedeutet nicht zwingend, dass man einen Partner braucht. Freunde oder Familienangehörige tun es auch. Mit denen kann man seine sozialen Bedürfnisse decken und hat Hilfe, wenn man sie benötigt.
Und wenn zu viele Bedürfnisse und zu viel von einem selbst in einen Partner projiziert werden und jemand meint, ohne einen Partner nicht leben zu können, sollte so eine Person, finde ich, tatsächlich erstmal eine Weile alleine bleiben. Nicht um sich selbst mehr lieben zu lernen, sondern um die Erfahrung zu machen, dass man auch eigenständig und ohne Partner klarkommt, dass man unabhängig ist. Für mich besteht darin der entscheidende Unterscheid, der echte Augenhöhe überhaupt erst möglich macht: den Partner zu wollen, aber ihn nicht zu brauchen. Denn wenn einer den anderen ein bisschen mehr braucht als umgekehrt, wird das irgendwann, früher oder später, zu übermäßiger Anpassung oder Bedürfnisverleugnung oder anderem ungesunden Verhalten führen und die Augenhöhe ist zerstört. Und Beziehungen ohne Augenhöhe machen gesunde Menschen meiner Ansicht nach nicht glücklich.

• x 4 #5


Worrior
Es geht ja nicht darum irgendeine Beziehung mit irgendjemandem zu führen nur damit jemand da ist.
Es geht darum seine Muster zu erkennen den Seelensperrmüll zu entfernen und mit sich selbst klar zu kommen.
Was nützt es mit allerhand Altbeständen in eine neue Beziehung zu stolpern, nur um dann zu merken dass es übereilt war?
Andere Menschen sind keine Sondermülldeponien, Theeapeuten oder Bespaßer.
Der Weg geht nun halt erst mal über sich selbst.

• x 5 #6


St_Jappi
@Blind-Meg Danke für deine ausführliche Antwort. Die Unterscheidung zwischen „jemanden wollen“ und „jemanden brauchen“ finde ich tatsächlich sehr interessant. Vielleicht liegt genau dort die Grenze. Ich kann mir selbst genug sein und mich trotzdem von Herzen nach einem Menschen sehnen. Und vielleicht ist es gerade etwas anderes, wenn aus „Ich möchte dich in meinem Leben“ ein „Ich kann ohne dich nicht leben“ wird. Darüber muss ich tatsächlich noch ein bisschen nachdenken.

• x 4 #7


FoolishHeart
Ich denke, das Konzept "Selbstliebe" geht am eigentlichen Problem vorbei. Nicht immer, aber oft.

Wenn jemand in einer Beziehung gelebt hat, in der er/sie vom Partner "klein" gemacht wurde, in der das eigene Selbstbewußtsein, die eigenen Bedürfnisse unterdrückt und zerstört wurden, dann stimmt dieses Bild wohl. Dann ist das Wichtigste tatsächlich, wieder zu lernen, sich selbst zu lieben.
Aber das ist nicht die Regel, auch wenn man bei vielen Beispielen hier im Forum diesen Eindruck bekommen kann.

In der Mehrzahl der Fälle ist es wohl eher so, das einer - oder beide Partner - sich "entliebt", um das mal so zu beschreiben. Die emotionale Verbindung ist im Laufe der Beziehung unterwegs verloren gegangen. Unter diesen Umständen ist das Problem nicht das zurückgewinnen der "Selbstliebe". In dieser Konstellation ist nicht das "Selbst" verletzt worden, der Schmerz ist der Verlust, die Enttäuschung. Natürlich wurde auch das eigene Ego beschädigt. Sicherlich stellt man sich die Frage Was habe ich falsch gemacht? Habe ich etwas falsch gemacht? Aber das steht - mMn - nicht so sehr im Vordergrund.
Zitat von St_Jappi:
Wir Menschen sind soziale Wesen. Wir brauchen andere Menschen. Wir brauchen Nähe, Zuneigung, Berührung, Gespräche und das Gefühl, für jemanden wichtig zu sein.

Richtig. Wir brauchen ein soziales Umfeld und zwar unabhängig davon, ob wir in einer Partnerschaft leben oder nicht. Freunde, Familie, Bekannte, Kollegen bilden das soziale Netz, das uns mental unterstützt und uns hilft uns wohlzufühlen. Im Idealfall ist der Partner/die Partnerin darin mit einbezogen. Aber es bleibt auch dann vorhanden, wenn du keinen Partner hast.

Zitat von St_Jappi:
Und kann man sich selbst durchaus mögen, achten und akzeptieren und sich trotzdem ganz schrecklich nach einem anderen Menschen sehnen?

Das ist aus meiner Sicht durchaus möglich. Wenn man mit Nähe, Zärtlichkeit und Liebe aufgewachsen ist, das auch in der Partnerschaft erlebt hat und derjenige ist, der verlassen wurde - dann ist die Sehnsucht nach einem anderen Menschen groß. Insbesondere dann, wenn man den größten Teil seines bisherigen Lebens so erlebt hat.

Etwas anderes ist es, wenn jemand einen großen Teil seines Lebens als Single erlebt hat. Wenn man daran gewöhnt ist, alleine zu sein, seine Entscheidungen für sich selbst zu treffen. Dann ist - auch nach einer gescheiterten Beziehung - die Sehnsucht nicht so groß, nicht so schmerzhaft, nicht so danach ausgerichtet, schnellst möglich wieder einen Partner zu finden.

Es ist also eine Frage der jeweiligen Lebenserfahrung, ob jemand wieder nach einem Partner sucht oder ob nicht und wie schnell er/sie sich nach einer neuen Beziehung sehnt.

• x 3 #8


St_Jappi
@Worrior Ich glaube, genau da treffen sich unsere beiden Sichtweisen. Ich sehe inzwischen auch einen Unterschied zwischen „Ich sehne mich nach einem Menschen“ und „Ich brauche einen Menschen, damit es mir gut geht“. Das eine halte ich für zutiefst menschlich, beim zweiten wird es schwierig. Und ja, seinen eigenen Seelensperrmüll sollte man möglichst nicht beim nächsten Menschen abladen. 😉

Gleichzeitig glaube ich aber nicht, dass wir erst völlig „fertig“ mit uns selbst sein müssen, bevor wir wieder lieben dürfen. Ein bisschen Altbestand gehört wahrscheinlich zu jedem von uns. Entscheidend ist vielleicht, ob wir bereit sind, ihn selbst anzuschauen – statt vom neuen Partner zu erwarten, dass er ihn für uns entsorgt.

• x 2 #9


Worrior
Es geht auch nicht nur um Selbstliebe, es geht darum seine Muster zu erkennen, aus dem Verhaltenskarussell auszusteigen, mit sich selbst was anfangen zu können.
Das ist auch eine große Entlastung für den künftigen Partner.

• x 4 #10


Blind-Meg
Zitat von St_Jappi:
Gleichzeitig glaube ich aber nicht, dass wir erst völlig „fertig“ mit uns selbst sein müssen, bevor wir wieder lieben dürfen.

"Fertig" (mit sich) und 100% im Reinen ist man sowieso nie, auch wenn es immer mal wieder Phasen im Leben gibt, in denen man sich einbildet, man wäre es.

Zitat von St_Jappi:
Ein bisschen Altbestand gehört wahrscheinlich zu jedem von uns.

Der "Altbestand" hat uns zu dem gemacht, der wir sind. Es wäre höchst verwunderlich, wenn sämtliche Lebenserfahrung keinerlei Spuren hinterließe.

• x 2 #11


Arnika
@St_Jappi Ist nur Teil der Antwort - hat aber nie jemand was anderes behauptet. Sonst würde es ja heißen: “Lebe fortan alleine im Wald als Eremit - das ist die Antwort.“ 😉

• x 1 #12


Blindfisch
Zitat von St_Jappi:
Ich frage mich inzwischen, ob wir mit dem Begriff „Selbstliebe“ nicht manchmal etwas zu viel erklären wollen.

Ich frage mich, was Selbstliebe ist. Was soll das sein? Ich kann meine Kinder lieben. Ich kann meine Frau lieben. Ich liebe eine Sportart, ich liebe das Lesen.....Wie aber drückt sich Selbstliebe aus?
Zitat von St_Jappi:
Wir Menschen sind soziale Wesen. Wir brauchen andere Menschen. Wir brauchen Nähe, Zuneigung, Berührung, Gespräche und das Gefühl, für jemanden wichtig zu sein.
Und vielleicht ist es sogar ein bisschen unfair, einem Menschen nach einer Trennung zu sagen: „Du musst dich nur selbst lieben, dann brauchst du niemanden mehr.“

Das sehe ich auch so. Klar, nach einer Trennung sollte man eine Weile allein bleiben um über den Ex hinwegzukommen. Reflektieren was die eigenen Anteile am Scheitern der Beziehung sind. Selbstkritisch auf sich schauen. Wenn man aber zu lange allein ist, sich selbst zu lange optimiert, lernt alles allein machen zu müssen/können, kann man "Beziehungsunfähig" werden. "Ich brauche keinen Partner aber ich möchte einen Partner". Klingt gut, klingt vernünftig. Was steckt aber dahinter? Ein Mindset das es sehr schwer macht, wieder loszulassen und Aufgaben zu verteilen. Vertrauen in seinem Partner haben ohne ständig ein Auge auf seine Aufgaben zu werfen. Man wird zum "Einsiedler", auch in einer späteren Beziehung. Man zieht nicht mehr zusammen, man sieht sich nicht täglich. Man hat praktisch 2 Leben parallel. Man freut sich auf die gemeinsame Zeit und ist auch wieder froh, Zeit für sich zu haben. Eine tiefe Verbindung ist was anderes. Es ist Bedürfniserfüllung auf Zeit. Und bevor eine gewisse Tiefe erreicht werden kann, zieht man sich zurück. Weil alte Verletzungen nicht verarbeitet wurden. Das Hirn wurde durch schlechte Erfahrungen so programmiert, sich selbst zu schützen. Dazu ist es nötig, ein gewisses Misstrauen gegenüber anderen aufzubauen und tiefe Nähe zu anderen Menschen nicht mehr zuzulassen. Man ist nicht mehr in der Lage 100% zu vertrauen und sich fallen zu lassen. Ich will damit jetzt nicht sagen, das es schlecht wäre. Wenn jemand so leben möchte, dann ist es völlig okay. Und dazu gibt es heutzutage eine ganze Industrie der Selbstführsorge und der "Selbstliebe".

• x 1 #13


GreenTara
Sich selbst lieben, bedeutet sich selbst den gleichen Stellenwert zu geben wie dem Partner, auf seine Grenzen zu achten, und Selbstrespekt zu pflegen.
Es bedeutet, sich nach einer Beziehung zu reflektieren und sich zu sortieren.
Ich bezeichne es für mich eher, dass ich mit mir im Reinen bin, mich mit mir selbst wohl fühle.
Aber klar, braucht man andere Menschen. Es ist ein schönes Gefühl, wenn alle recht ausgeglichen sind. Wir brauchen den Austausch, und die Unterstützung untereinander. Gesunde Beziehungen halt.

• x 3 #14


Stella31
Zitat von St_Jappi:
Du musst dich nur selbst lieben, dann brauchst du niemanden mehr.“

Den Satz halte ich für absolut falsch!

Deine Gedanken kann ich alle nachvollziehen und denke ebenfalls, dass es einerseits sicher sinnvoll ist, auch ohne Partner klarzukommen, gleichzeitig aber der Wunsch trotzdem da sein kann, weil der Mensch nicht dafür gemacht ist, als Eremit zu leben.

Es ist erwiesen, dass körperliche Nähe ein Grundbedürfnis ist, man aber auch mit sich selbst glücklich sein kann.

Wir sind ja schon aus der Evolution heraus auf andere Menschen in gewisser Weise angewiesen. Und Geselligkeit ist bei dem einen mehr und dem anderen weniger ausgeprägt.
Wichtig ist doch nur, dass man sich nicht aufgrund von Bedürftigkeit gleich wieder in die nächste Katastrophe stürzt, sondern auch mal alle Gefühle aushält, die so aufkommen.

Und dazu gehört auch, mal auszuhalten, alleine zu sein. Denn auch daraus kann man viel über sich selbst lernen.

Und heutzutage gibt es so viele Möglichkeiten, mit Menschen in Kontakt zu kommen ohne gleich dem OD zu verfallen.

• x 1 #15


A


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