Hallo,
ich hatte ja vor einigen Wochen schon mal meine Gedanke in dem Thread
"Nie mehr die Gleiche sein wie vorher" geschrieben.
https://www.trennungsschmerzen.de/niemal ... t5950.html
Und meine schlimmsten Befürchtungen sind eingetreten!
Ich bin verändert, aber im negativen Sinne.
Und dabei habe ich mich in den letzten vier Monaten, seitdem entgültigen aus der Beziehung, nicht versteckt.
Im Gegenteil:
- Ich habe mich "geoutet", bei Freunden und meinem Chef,
- mich mit seiner und meiner Persönlichkeit beschäftigt,
- habe im akuten Fall psychologische Hilfe gesucht,
- habe mit Freunden darüber gesprochen, bin gut aufgefangen worden,
- habe im Forum ausführlich darüber geschrieben
- habe die Tatsache angenommen
- habe irgendwann aufgehört zu fragen "Warum?"
- habe mich mit Leuten getroffen und wir waren "aus"...habe mich also nicht in der Wohnung verkrochen und mich ständig selbstbemitleidet
- war zweimal länger alleine im Urlaub, dass erste Mal sogar drei Wochen nach dem "Knall"
- habe seine Telefonnummern aus meinen Verzeichnissen gestrichen
- habe mich selbst dazu gezwungen, ihn nicht mehr zu kontaktieren, und das habe ich auch geschafft
- habe seine Sachen aus meiner Wohnung entfernt
- habe seine Geschenke in eine Kiste gepackt und in den Keller gestellt...für einen Flohmarkt im Sommer
- habe neue Handtücher und Bettwäsche gekauft und die Alte (wo er jahrelang mit seinem Hinterteil drin lag) entsorgt
- habe Veränderungen in der Wohnung unternommen
- bin, mit ausnahme von drei Tagen ganz am Anfang, wo ich mich habe krank schreiben lassen, jeden Tag zur Arbeit gegangen
Also habe ich eigentlich alles getan, was man tun kann, um am "normalen" Leben teilzunehmen.
Man sagt ja so leicht "Ach, dass Leben geht weiter" oder "Das Leben MUSS weiter gehen" etc.
Ja, mein Leben ist weiter gegangen und ich bin als eine stärkere Frau da raus gekommen. Raus aus dem schwarzen Loch, in das ich ohne Verwarnung (oder war da doch eine und ich wollte sie nicht hören?) reingefallen bin.
Aber diese Stärke hat mich viel viel viel Kraft gekostet und mich verändert. Negativ verändert, so wie es mir jetzt scheint!
Meine Freundinnen meinen, dass ich über den Berg bin.
Meiner Meinung nach habe ich alles gemacht, was frau tun kann.
Über die "Person" bin ich hinweg. Über so manche Dinge von ihm und mit ihm kann ich mittlerweile nur noch lachen. Aber das ist kein Lachen aus Sympathie oder guter Erinnerung, nein, weil er peinlich ist, er und sein Benehmen.
Aber über die Erlebnisse und all das, was nach dem Knall (seinem unfreiwilligem Outing) heraus gekommen ist, darüber komme ich nicht hinweg!
Ich war zwar nie der wirklich überschwengliche Typ Frau, aber ich war lebenslustig. Ich war offen und auch (leider) vertrauensvoll.
Bei mir hatten die Menschen immer schon sofort eine Anzahl von "Credits", die sie dann entweder nacheinander verspielt haben oder ihren Creditsbestand aufgefüllt haben.
Ich war also nie der Typ Frau der gesagt hat "Meinen Respekt/Anerkennung muss man sich verdienen".
Ich habe immer versucht die Menschen so zu nehmen, wie sie sind.
Ich will auch für das gemocht werden was ich bin und möchte nichts vorspielen.
Ich dachte immer, dass man die Menschen so behandeln soll, wie man selber behandelt werden möchte.
Wollte ich verarscht, verlogen und betrogen werden?
NEIN!
In drei Wochen sind es 6 Monate nach dem großen Knall, wo ich meinem Misstrauen nachgegeben habe und hinter ihm hergeforscht habe, und dann 5 Monate nach dem entgültigen Aus und dem Herausfinden der ganzen Abgründe.
Und was ist aus mir geworden, TROTZ meiner ganzen Bemühungen, wieder auf die richtige Spur zu kommen:
- ich bin chronisch müde, die drei Wochen Urlaub, die ich vor zwei Wochen beendet habe, die haben nicht viel Erholung gebracht
- ich bin lethargisch, erwische mich oft, wie ich einfach nur anteilslos irgendwohin starre und auch leer im Kopf bin
- ich bin sehr traurig, aber ich habe keinen Drang zu weinen
- ich fange jetzt an, mich zu Hause einzuigeln
- ich habe keine Lust, mich mit Leuten zu treffen, will alleine sein
- stöpsele mein Telefon aus, weil ich nicht telefonieren möchte und auch nicht "gestört" werden will in meiner selbstgewählten Einsamkeit
(das ist komplett gegen meine "frühere" Persönlichkeit)
- mir kommen Gedanken wie "Solange die Katzen noch am Leben sind, bleibe ich auch am Leben"
- oder "wenn als Ergebnis nach diesem Jahr herauskommt, dass ich z.B. Krebs habe, dann ist es mir auch egal. Ich werde dagegen nicht kämpfen. Bin dann nur froh, wenn ich den ganzen Sc.heiss hier nicht mehr ertragen muss"
- ich denke an das "Tot sein" nach und denke, dass es eine Erleichterung wäre
- ich denke darüber nach, dass ich diese Erlebnisse und Abgründe nie mehr aus dem Kopf bekomme und das so ein Leben nicht schön sein wird
Dazu kommt, dass ich vor ein paar Wochen eine Mann kennengelernt habe, der mich mag und ich mag ihn auch.
Mein jetziges Verhalten, dass ich aber derzeit nicht steuern kann, wird verhindern, dass daraus eine echte Beziehung wird.
Mein Misstrauen ist zu stark.
Er sprach mich auch von sich darauf an, dass er den Eindruck habe, dass ich eine Art Trauma mit mir rumtrage.
Ich habe ihm Auszüge des Erlebten erzählt, er sagte, dass er aber anders sei. Ich solle lernen, ihm zu vertrauen.
Aber wie?
Ich fühle mich seitdem Zusammenbruch des Lügengerüstetes meines Ex-Verlobten so leer.
Letztens habe ich zu mir selbst gesagt "Mein Gott hat dich das kaputt gemacht"...und das stimmt.
Es fühlt sich für mich nach einem irreparablen Schaden in der Seele an und ich weiss nicht, wie ich damit umgehen soll.
Ich weiss nicht, wie ich das in Worte fassen soll, was ich derzeit empfinde.
Es ist so seltsam, es ist Leere und Trauer.
Aber ich kann nicht weinen.
Lethargie ist derzeit die Grundeinstellung.
Ich habe Angst, dass es sich nie mehr ändern wird.
Verdammt, ich habe doch alles getan, damit ich wieder auf die richtige Spur komme. Und auch Verarbeitet!
Was ist nun los?