Nordseeliebe
Mitglied
- Beiträge:
- 286
- Themen:
- 3
- Danke erhalten:
- 350
- Mitglied seit:
Ich komme gerade nicht mehr weiter und weiß nicht, mit wem ich darüber sprechen soll. ich bin an einem Punkt angekommen, an dem ich einfach nicht mehr weiter weiß.
Zu meinem Problem: mein Partner und ich sind beide um die 40 Jahre alt und seit 14 Jahren ein Paar. Bis vor 1-2 Jahren hätte ich gesagt, dass ich den liebsten, zuverlässigsten und treuesten Partner habe, den es für mich geben kann. Allerdings konnte er schon immer schlecht mit Kritik umgehen, aber richtig Streit hatten wir deswegen höchstens 1-2 Mal im Jahr. Dennoch: Mir hatte es gefallen, dass er so anders war als meine Ex-Partner. Jetzt wird auch diese Beziehung für mich zu einer altbekannten Hölle.
Seit einem Jahr haben wir, auch außerhalb unserer Beziehung, große Probleme. Meine Eltern sind psychisch schwer krank (sie lassen sich nicht helfen und kommen ausschließlich zu mir), ich trage da viel Verantwortung (was mich ebenfalls psychisch fertig macht) und sein Vater hat aktuell eine Chemo zu bewältigen wegen Darmkrebs. Zudem ist auch er vorerkrankt (MS).
Zeitgleich redet mein Partner seit ca. einem Jahr von einer "Midlife-Crisis", die er verspürt. Er will unbedingt alles anders machen, wieder mit seinen alten Kumpels unterwegs sein, er redet jetzt wie ein 20 Jähriger, macht eins auf "cool" und erzählt mir täglich, dass sein Leben fast vorbei wäre. Und das macht die Sache nicht einfacher. Ich habe ihm schon oft geraten, in Therapie zu gehen, weil ich mir vorstellen kann, dass das schwierig für ihn ist, aber irgendwie denkt jeder in meiner näheren Umgebung, dass es ausreicht, alles an mir auszulassen. Ich bin die einzige, die alle 2 Wochen mit einem Riesen Sack (bepackt zum größten Teil mit den Problemen anderer, die sagen "was soll denn ICH in einer Therapie!?") zur Therapeutin rennt!
Seither trinkt er zu viel (teilweise 1,5 Flaschen Wein an einem Abend, allerdings nicht täglich), will "alte Freundschaften wieder aufbauen", sprich er sitzt in jeder freien Minute, grinsend und lachend an seinem Handy und tippt "mit seinen alten Kumpels" oder wem auch immer, ich hab keine Ahnung, es scheint ihn aber sehr glücklich zu machen. Ich bekomme nur seine schlechte Laune ab und bei gemeinsamen Abenden konzentriert er sich gar nicht mehr auf mich. Alle 2 Wochenenden will er alleine was mit anderen unternehmen. Nachdem er jahrelang fast schon zu viel "an mir geklebt hat". Nicht falsch verstehen bitte, das ist an sich kein Problem für mich, nur wechselt er da von einem Extrem ins andere. Momemtan haben seine Kumpels (oder mit wem auch immer er schreibt) in jeder freien Minute seine volle Aufmerksamkeit.
Mir macht gerade der Alk. Probleme, weil genau das zu den seit jeher Problemen mit meinen Eltern gehört. Ich fühle mich da furchtbar hilflos, wenn er am Wochenende immer stockbesoffen und mich anmotzend durch die Wohnung rennt, das eskaliert jedes Mal. Und das, während ich kurz zuvor bei meinen Eltern war und das Gleiche dort miterleben musste (meine Eltern haben sehr viel Streit, wenn sie getrunken haben). Ich will dann wenigstens zu Hause in Sicherheit sein und mich wohl fühlen.
Seit 3 Monaten versuche ich, das bei ihm anzusprechen. ich sage ihm nicht, was er für Fehler macht, sondern versuche, ihm zu vermitteln, dass mich sein Verhalten verletzt, unsicher oder traurig macht. Und wirklich jedes Mal ist seine Reaktion seit ca 1 Jahr gleich: er wird laut und fies, schiebt sämtliche Schuld auf mich "ich verhalte mich nur so, weil du in der Vergangenheit auch so zu mir warst. Es ist eigentlich alles deine Schuld". Diese Kritik kenne ich aus meiner gesamten Kindheit und Jugend von meinen Eltern. Es war durchweg immer alles meine Schuld. Ich kritisiere etwas und er sagt (teilweise wörtlich)"nein, deine Kritik zählt gerade nicht. Erst will ich über die Probleme reden, die ich jahrelang mit dir hatte. Jetzt bin ich erst wichtig!" Wir kommen aus diesem Teufelskreis einfach nicht heraus. Die Kommunikation funktioniert gar nicht mehr und bei jeder Kleinen Kritik geht er sofort in die Luft.
Ich muss dazu sagen, dass ich mir in unserer Beziehung immer sehr schwer mit Gefühlen getan habe . Ich habe in der Vergangenheit extrem schlechte Beziehungen hinter mir und leide aufgrunddessen unter schweren Traumata. Aber ich gehe seit 10 Jahren fast ununterbrochen in Therapie, bin sehr reflektiert geworden, habe gelernt, Gefühle zu zu lassen (wenn auch sicher nicht perfekt!) und arbeite wirklich hart an mir. Ich habe sehr viel von mir und meinem Charakter für ihn aufgegeben, damit er besser mit mir klar kommt. Zudem rede ich mit ihm sehr viel darüber, warum ich wie bin, dass ich das nicht böse meine und das das nicht sein Fehler ist und wie wir (vorallem ich) es besser machen können im Umgang mit mriner Vergangenheit. Das klappt super. Geht ja auch um Kritik an mir, nicht an ihm.
Mich macht diese Situation extrem fertig. Ich bin auch extrem abhängig von ihm. Auf psychischer Ebene (ich leide sehr stark unter Panikattacken und kann schlecht alleine sein, tagsüber ist das ok, nachts geht neuerdings gar nicht mehr. die momentane Situation macht das natürlich nicht besser), auf körperlicher Ebene (ich habe mehrere körperliche Krankheiten, die ein normales Leben zum Teil unmöglich machen) und auf finanzieller Ebene (ich bekomme eine geringere Erwerbsminderungsrente und kann mir ein Leben alleine nicht leisten. Arbeiten kann ich leider nicht mehr).
Ich kann auch ansonsten nirgends hin. Freunde habe ich keine mehr (was teilweise auch an ihm liegt, längere Geschichte), meine Eltern sind die psychische Hölle für mich und eine eigene Wohnung kann ich mir nicht leisten.
Ich weiß einfach nicht mehr weiter.