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Steht uns die Ex-Beziehung im Weg?

huhu79

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Hi Leute,

ich will mich heute mit der Bitte an Euch wenden, Euch meine Geschichte erzählen zu dürfen und ich erhoffe mir sehr ein paar andere Perspektiven, denn ich komme nicht weiter und finde keinen Abschluss.

Wir haben uns vor vielen Jahren kennengelernt und hatten damals eine große Nähe und viele Gefühle, aber wir kamen nicht zusammen. Dafür gab es Gründe, die ich hier nicht anführen will, aber es hatte nichts mit uns oder unserer Umwelt zu tun. Es waren allerdings wirklich gute Gründe. Nach ein paar wenigen Jahren der "Freundschaft mit Gefühl" haben wir uns nach einer unschönen Geschichte, die hier auch wirklich nichts zur Sache tut, aus den Augen verloren. Es gab keinerlei Kontakt mehr.

Ich habe allerdings in den Jahren immer wieder an ihn gedacht und ihn ausfindig gemacht. Der Kontakt ergab sich wieder und wir trafen uns sehr schnell. Inzwischen wohnen wir sehr weit auseinander und haben uns sehr auf unser Wiedersehen gefreut, das in einem geschützten Raum stattfand, sozusagen. Wir hatten jede Menge Zeit und waren ungestört. Klingt geheimnisvoll, ich weiß.
Die Zeit, die wir zusammen verbracht haben, war wundervoll. Lustig, leicht, ernst, unterhaltsam. Wir haben uns nachmittags getroffen und erst am nächsten Morgen verabschiedet. Gelaufen ist allerdings nichts zwischen uns und das war auch absolut richtig und gut so. Wir haben uns auf freundschaftlichem Boden getroffen, allerdings war schon zu merken, dass er verliebt war. Und ich war ein bisschen verknallt. Die alte Nähe war schon vor unserem Treffen wieder voll zurück, als wir noch über das Handy kommuniziert haben. Das merkt man u. a. an der Art der Gespräche, ihrer Tiefe und daran, dass man den anderen nach so langer Zeit direkt wiedererkennt, nicht?

Ich überspringe mal den Rest des Wiedersehens, auch wenn ich in den leuchtendsten Farben davon erzählen könnte. Es war einfach zauberhaft, wirklich im wahrsten Sinn des Wortes, und seine Gefühle waren ziemlich offensichtlich. Kurze Zeit später haben wir uns dann auch offenbart, was wir füreinander empfinden.
Man darf allerdings leider nicht vergessen zu erwähnen, dass wir beide verheiratet sind. Und wir sind beide getrennt. Er wohnte damals noch mit seiner Ex zusammen, ich ebenfalls in einer gut funktionierenden und sehr harmonischen WG mit meinem Ex-Partner, mit dem ich ein freundschaftliches, verbundenes Verhältnis habe, dem die Liebe völlig fehlt und das auf Freundschaft gründet.
Er hatte damals schon eine neue Wohnung gefunden und der Auszug stand für dieses Jahr an. Aber es ergaben sich in seinem Leben zum damaligen Zeitpunkt noch andere problematische Situationen, auf die ich jetzt wiederum nicht eingehen möchte. Das würde zu weit gehen. Tatsache ist jedenfalls, dass er Probleme bekommen hat, die man bei einer anstehenden Scheidung, einem Auszug aus dem gewohnten Umfeld und der Lösung aus einer wohl noch nicht ganz verarbeiteten Ex-Beziehung nicht auch noch braucht.

Als wir uns also anvertraut haben, was wir genau füreinander empfinden, kam die Frage auf, ob wir eine Beziehung versuchen wollen. Eine Beziehung auf eine recht große Entfernung, aber wir sind beide mobil. Er hat deutlich gemacht, dass die Entfernung ein Problem für ihn ist, dass er sie jedenfalls als Problem erkennt. Ich habe das weniger problematisch gesehen, weil wir beide vollzeitberufstätig sind und unter der Woche damit ziemlich eingespannt. Er war der Meinung, dass er eigentlich erstmal seine alte Beziehung hinter sich lassen muss, aber die Entfernung ihm dabei wohl helfen wird. Vom Herzen her hat er sich eine Beziehung mit mir gewünscht.

Und ich war bereit, ihm Zeit zu geben, das Alte zu verdauen. Denn: Er war immer ehrlich, teilweise regelrecht schonungslos. Er hat mir sehr viel von seiner Ehe erzählt, auch wie es dazu kam und wie die Beziehung verlaufen ist, dass er Rückschläge hatte, was die guten Zeiten mit seiner Ex anging und all sowas. Ich konnte es ehrlich gesagt nachvollziehen, weil ich weiß, wie es ist, sich aus einer Ehe zu lösen. Man verliert einfach viel: Sicherheit durch Gewohntes, Struktur. Man verliert aber auch einen Menschen aus seinem Leben, dem man eng verbunden sein kann, ohne ihn partnerschaftlich zu lieben. Man hatte so lange Verantwortung, war fürsorglich. Das endet nicht zwingend einfach nur mit dem Ausspruch einer Trennung. Und die gemeinsamen Erlebnisse über die lange Zeit erinnern eben auch immer wieder an die schönen Zeiten. Das darf aber auch alles sein, und ich finde, man muss jedem das Recht zugestehen, das in seinem Tempo aufzulösen. Und nicht alles muss getrennt werden. Für mich wäre es völlig in Ordnung und ich fände es irgendwie sogar schön, wenn seine Ex-Frau für ihn ein wichtiger Mensch bleiben würde, den er wertschätzt. Denn er hat sie schließlich mal geliebt. Dass er das jetzt nicht mehr tut und sein Herz mir schenken kann, genügt mir.

Wir kamen also zusammen und hatten nur ein paar Wochen miteinander, die sich anfühlten wie ein halbes Jahr. Die Verbindung zwischen uns war unheimlich tief und wir haben beide immer wieder unsere Verwunderung darüber ausgedrückt, wie viel Nähe wir empfinden können, wenn wir beispielsweise nur telefonieren. Ich kenne das auf diese Weise tatsächlich mit niemand anderem. Er war zwischenzeitlich ausgezogen und hat seine Wohnung so eingerichtet, dass ich mich dort wohlfühle. Ohne meine Mitentscheidung hat er nur die Klobürste und die Schlafzimmerlampe gekauft. Bei allem anderen hat er mich miteinbezogen und wollte meine Meinung dazu wissen. Was ich nicht gut fand, wurde nicht genommen. Er hat immer darauf geachtet, dass es uns beiden gefällt. Die ersten Male unserer Beziehung haben wir uns in einem Hotel in unserer Mitte getroffen. Dann, als er ausgezogen war, habe ich ihn bei sich besucht.

Es war nicht immer leicht für uns, unsere Beziehung war kein reines Himmelhochjauchzen. Wir hatten es auch schwer, vielleicht schwerer als nötig, anfangs, weil er mich viel mit seiner Ex verglichen hat und immer mal wieder ein Verhalten von mir erwartet hat, das er von ihr kannte. Vor allem in Situationen, in denen "Probleme" aufgetaucht sind und er sein Verhalten als nicht optimal angesehen hat. Für mich war das gar kein Problem, weil ich finde, jeder braucht seinen Freiraum. Für ihn war es ein Problem, weil er mit ihr ein Problem bekommen hätte in einer solchen Situation. Wir haben viel über solche Dinge gesprochen und es wurde immer vertrauensvoller zwischen uns.

Dann kam das letzte Wochenende unserer Beziehung. Wir hatten in der Woche davor auf seinen Vorschlag hin die Videotelefonie eingeführt. Es war unglaublich, wie viel Nähe wir dadurch hatten und was für eine gute, bereichernde Zeit. Wir haben uns super unterhalten und viel zusammen gelacht und es war ein bisschen so wie Zusammensein ohne Anfassen. Das wiederum hat den entscheidenden Vorteil, dass man echt mal miteinander redet! Sieh an! Wenn wir zusammen waren, kam das Unterhalten das eine oder andere Mal durchaus zum Erliegen, obwohl wir definitiv keine reine Bettgeschichte hatten. Absolut nicht.

Das letzte Wochenende war dann irgendwie anders als alles zuvor zwischen uns Gewesene. Er hat meine beste Freundin kennengelernt und wir haben eine Unternehmung gemacht, die für ihn bis dato neu war. Das war ein Vorschlag von mir gewesen und er fand es total gut, man hat ihm angesehen und angemerkt, wie glücklich er war und dass ihm dieses Erlebnis auch sehr dabei geholfen hat, seinen momentan schwierigen Alltag mal links liegen zu lassen. Wir waren zusammen Essen und hatten in der Nacht noch Ihr wisst schon was. Es war atemberaubend. Eine Offenbarung. Und tatsächlich weiß ich erst durch ihn, was eine Offenbarung überhaupt ist. Wir waren uns so nah wie nie zuvor, in jeder Hinsicht und auf jeder Ebene. Zwischen uns war so viel Nähe und Intensität.

Es folgten ein paar Tage der Distanz von seiner Seite, er war total ruhig geworden. Ich ahnte, dass Absicht dahintersteckte. Darauf angesprochen sagte er, dass es zwischen uns an jenem Wochenende enger war als zuvor. Dass das Gefühl zu tief war und er es nicht erträgt, weil er eine Enttäuschung wie zuvor erlebt nicht noch einmal verkraften würde. Auf meine Frage nach einer Lösung für dieses Problem sagte er, er müsste seine Gefühle wieder runterschrauben auf das, was wir zuvor hatten.

Wir haben anschließend telefoniert. Auf meine Verständnisfragen reagierte er gereizt, meinte, er müsse jetzt erstmal alleine klarkommen und sei dann wieder offen für etwas Neues. Und damit meinte er uns, das war schon zu verstehen. Ich war perplex, schockiert und traurig und sagte ihm, dass er mir damit mitteilt, dass er die Beziehung nicht mehr will. Ich legte auf.
Kurze Zeit später schrieb er mich in Whatsapp an und erklärte, dass es ihm wirklich leid tut und dass es nicht an mir liege, er packe es einfach momentan nicht. Es folgte dann noch ein kurzes Gespräch, das ich mit einer Verabschiedung und einer Blockierung beendet habe, weil ich mich einfach schützen musste. Das ging mir viel zu tief und viel zu weit. Das konnte ich dann mal nicht ertragen.

Ich hatte einige Zeit später das Gefühl, dass er mir in diesem Gespräch noch einen Lösungsweg vorschlagen wollte, den wir hätten gehen können an diesem Abend, um doch noch einmal weiterzukommen. Es war sehr vage und ich bin bis heute nicht sicher, dass das ein Lösungsansatz gewesen ist. Aber es könnte sein. Auf jeden Fall hat er sich diesem Gespräch nicht nur gestellt, er hat es gesucht. Nicht ich habe mich bei ihm gemeldet, sondern er sich bei mir.

Ein paar Tage später habe ich ihn nochmal per Whatsapp kontaktiert, nachdem ich ihn wieder entblockt habe, weil ich das Zeichen irgendwie zu krass fand und auch nicht alle Türen für immer verschließen wollte. Er reagierte nach ein paar Stunden, und zwar ziemlich emotional. Er bedauerte, meine Einladung, die ich ausgesprochen hatte, ablehnen zu müssen, weil er "nicht kann" und sagte wieder etwas von "erstmal". Ich bat ihn, zu telefonieren und er sagte, er will nicht, dass es noch schwerer wird. Ich fragte, ob er bereit ist, uns eine neue Chance zu geben, wenn er zu sich gefunden hat. Er antwortete, dass er es nicht weiß. Ich will mich daran aufhängen, dass das kein Nein ist. Ich will mich aber nicht an eine Hoffnung klammern, die es nicht gibt. Auf diese Aussage hin schrieb ich ihm noch, dass er dann wohl nicht glücklich war, obwohl er es so oft gesagt hatte, dass wir unbedingt reden sollten. Und dass er, wenn er es nicht weiß, auch nicht wissen kann, ob seine Gefühle für mich echt waren. Ich bereue, dass ich das geschrieben habe. Aber genau so hat es sich für mich dargestellt, ganz ehrlich. Wenn ich nicht weiß, ob ich mir eine neue Chance wenigstens wünsche, ob ich bereit bin, sie zu geben, wie wichtig war oder ist mir dann diese Beziehung?

Knapp drei Wochen nach der daraufhin eingetretenen Funkstille habe ich ihm einen Brief geschickt. Inzwischen war seine Scheidung gelaufen und ich fand den Zeitpunkt richtig, ihm ein paar Dinge zu sagen, die ich nicht mehr sagen konnte, weil er sich in diesem Telefonat von mir getrennt hatte, bevor ich sagen durfte, was mir wichtig war. Ich finde, dieses Recht soll eigentlich jeder haben, ob Trenner oder Getrennter. Dem sollte man sich stellen, wenn man für jemanden etwas empfunden hat, auch wenn es einem schwerfällt. Das nötigt einem schon der Respekt ab, finde ich jedenfalls.

Meinen Brief habe ich mehrere Tage lang geschrieben und auch ein paarmal gelesen, bevor ich ihn abgeschickt habe. Ich bin sicher, dass er ihn nicht gelesen hat. Eine Antwort wollte ich nicht, eine Reaktion kam ebenfalls nicht. Allerdings hat er mich auch nicht in Whatsapp blockiert. Soziale Netzwerke nutzt er nicht. Ich kann ihn also nach wie vor kontaktieren, eingeschränkt hat er das nicht.

So. Jetzt bin ich fertig mit meinem ewig langen Text. Ich wollte gar nicht so ins Detail gehen, hat wohl nicht geklappt.
Ihr könnt Euch denken, was in mir vorgeht, ich denke viel nach, träume jede Nacht von ihm. Ja, ich will ihn zurück. Aber ich will Freiwilligkeit. Ich will keine Spielchen - weder spielen noch mit oder an mir gespielt sehen.

Was will ich wissen? Ich will wissen, ob ich mein Versprechen an ihn, ihm Zeit zu geben, aufrecht erhalten sollte.
Wir sind beide nicht mehr die Allerjüngsten, das könnt Ihr meinem Nick schon entnehmen. Ich will warten, wenn das Warten nicht ein Tod auf Raten ist. Ich will ihn nicht unter Druck setzen, deshalb habe ich mit meinem Brief versucht, auch Dinge anzusprechen, von denen ich weiß, dass sie für ihn immens wichtig sind. Sollte er ihn irgendwann lesen, dann wird er sich freuen - sofern er meine Gefühle noch annehmen kann und es sich für ihn gut anfühlt natürlich.

Ich habe ihn damals schon geliebt und ich liebe ihn auch jetzt wieder. Ich habe mal darüber nachgedacht, wie wahrscheinlich es ist, dass man jemanden zweimal im Leben kennenlernt. Ich glaube, das passiert nicht so oft. Unsere erste Geschichte war schon ziemlich niedlich, die zweite fast filmreif. Und jetzt ist die nicht verarbeitete Vergangenheit Grund dafür, dass seine zu groß gewordenen Gefühle ihm Angst machen und er sich lieber trennt als nochmal enttäuscht zu werden. Er will erstmal wieder zu sich selbst finden. Weil er dann Kraft und Ressourcen hat, um sich auf die Beziehung nochmal einzulassen und die Dämonen seiner Vergangenheit zu bekämpfen quasi? Oder ist das alles eine riesengroße Farce und ich habe noch nicht kapiert, dass ich eine traurige Hauptrolle bekommen habe?

Auf Eure Sichtweisen bin ich gespannt und ich danke jedem Einzelnen, der diesen unendlich scheinenden, aber jetzt doch endenden Text bis hierher gelesen hat.

25.03.2020 16:41 • #1


Kummerkasten007

Kummerkasten007


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Ich denke, Du hast da viel mehr reininterpretiert, idealisiert und erhofft, als es der Realität entsprochen hat.

25.03.2020 17:46 • x 2 #2



Hallo huhu79,

Steht uns die Ex-Beziehung im Weg?

x 3#3


Kaktus2012


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Sehe ich leider auch so.
Und schreib ihm nicht mehr. Erzwinge nichts. Das macht dich unattraktiv.
Wenn er dich will, weiß, wo er dich findet.

Alles Gute.

25.03.2020 18:04 • #3


Merilin


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Vielleicht war er noch nicht fertig mit seiner ehe

25.03.2020 18:46 • #4




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