Stille Trennung

Kaktusblüte

Hallo!
Gestern habe ich schon mal versucht zu schreiben, aber irgendwie war der Text weg, glaube ich. Nun gut. Dann halt noch mal.

Ich habe mich von meinem Mann getrennt. Das ist jetzt ungefähr 3 Monate her. Wir waren 16 Jahre zusammen, davon 10 Jahre verheiratet.

Und unsere Trennung war eine "stille Trennung". Wir haben nicht gestritten, nicht getobt. Nicht bei der Trennung. Nicht beim Aufteilen der Sachen. Nicht bei meinem Auszug. Und auch jetzt nicht. Das ist gut so. Und es ist ein bisschen komisch. Manchmal habe ich das Gefühl, es hat sich nichts verändert. Wir sind Freunde, nur dass wir nicht mehr zusammen leben. Aber arbeiten, wir sind Kollegen.

Irgendwie haben wir uns entfremdet. Jeder von uns hatte seine eigene Art damit umzugehen. Ich konnte es irgendwann nicht mehr aushalten. Wir leben in einem Haus und ich fühle mich so einsam. Das war nicht schön. Wir konnten - und können immer noch - uns gut unterhalten. Aber das war auch schon alles. Wir haben nicht mehr zusammen gegessen. Nichts gemeinsam unternommen. Noch nicht mal mehr füreinander eingekauft. Es war wie eine WG. Aber so stell ich mir meine Ehe einfach nicht vor.

Ich habe unglaublich schnell eine Wohnung gefunden. Damit habe ich nicht gerechnet. Ich konnte schon nach 3 Tagen umziehen. So schnell war alles gar nicht zu schaffen. Und ich liebe meine Wohnung und mein Stadtviertel.
Dann habe ich meine Wohnung renoviert, gearbeitet und mich auf meine Prüfung vorbereitet. Die war vor einer Woche. Und seit dem komme ich aus meinem Loch oft nicht heraus. Ich habe gerade Urlaub und kann eigentlich fast nichts. Ich liege viel im Bett, ich sehe fern, lese, gehe raus. Und vor allem bin ich viel traurig. Oder unruhig.

Die Entscheidung zur Trennung war richtig. Für mich. Und für meinen Mann auch. Wir versuchen, das Beste zu behalten. Mal sehn, wie lange es gelingt.
Aber jetzt kommt ziemlich stürmisch die Angst vor der Zukunft. Ich fühle mich so ungeliebt. Habe Angst, dass es für immer so bleibt. Ich fühle mich allein, will aber auch nicht unter Menschen. Manchmal bin ich wie ein Fass ohne Boden. Wenn Freunde für mich da sind, geht es mir besser, es wird gelindert. Aber sobald sie weg sind ist alles wie vorher. Die Besuche, Gespräche wirken fast nicht nach. Ich versuche mich, deshalb ein bisschen zurück zu halten. Ich kann ja auch die Ressourcen der anderen nicht "fressen".

Ich fühle mich ungeliebt. Das war schon während meiner Ehe so. Sehr lange ehrlich gesagt. Schade. Wenn man zurück blickt, wie lange man das aushält, bin ich erschrocken. Und jetzt spitzt es sich einfach zu. Irgendwie war ich es nicht wert, dass mein Mann es mit mir noch mal versucht. Ich habe viel vorgeschlagen. Hab auf seine Impulse gewartet. Aber da war nichts. Ich will es nicht rückgängig machen. Es tut mir leid, weil wir es mal sehr schön hatten. Aber das ist lange her. Und ich glaube, es zu viel Arbeit, das wieder zu bekommen. Die letzten Jahre möchte ich nicht zurück.
Ich habe überlegt, ob mir eine Affäre nicht gut tun könnte. Genau genommen ist mir da jemand auf die Füße gefallen. Das ist sehr reizvoll. Die Komplimente tun natürlich gut. Aber sonst ist es nichts für mich. Jetzt versuche ich zurück zu rudern. Das ist nicht ganz so einfach. Ich bin da nicht deutlich genug. Wie auch? Ich möchte geliebt werden - das strahle ich ganz sicher aus. Da reichen die restlichen Worte irgendwie nicht. Auch wenn die deutlich sind. So ist es jetzt erst mal in Ordnung.

Was mich überrascht, ist wie es sich entwickelt hat. Ich hatte schon ganz tolle Wochen. Ich ganz für mich allein. Sehr kraftvoll. Da konnte ich meine Möglichkeiten alle sehen. Jetzt wo ich nur noch für mich sorgen muss und nicht mehr für meinen Mann. Berufliche Möglichkeiten, Entwicklungsmöglichkeiten, so was halt. Aber das ist grad alles weg. Übrig bleibt eben die Trauer.

Ja, so sieht es gerade bei mir aus. Ich hoffe, es bleibt nicht so. Und ich hätte gerne ein Datum, wann es anders ist. Das würde mir helfen. So lange kann ich es sicher aushalten. Aber das unbestimmte ist schwierig.
Liebe Grüße Kaktusblüte

10.09.2014 14:08 • #1


Ruwen

Ruwen


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Hallo Kaktusblüte,

Mhh ich kann dir gar keinen guten Tipp geben. Im Grunde hast du deine Situation für dich ja schon sehr gut reflektiert und deine Entscheidungen getroffen.

Mach dir mal klar, woher deine Angst resultiert?!
Wenn du ausstrahlst, das du gelibet werden möchtest, dann ziehst du natürlich auch jene Menschen an, die dich lieben wollen. Allerdings solltest du erstmal wieder zu dir finden. Wo ist deine Eigenliebe, dein Selbst?

Ein Partner gehört zwar zum Leben, um dein eigenes Leben zu bereichern, sollte aber niemals die Grundfeste DEINES Glückes darstellen. Du scheinst mir aber gerade auf diesem Weg zu sein.

Natürlich ist es toll, umschwärmt zu werden, aber es ist der falsche Zeitpunkt. Aus Fairness zu deiner Affäre solltest du mit offenen Karten spielen.

Nimm dir erstmal Zeit für dich und dein Sellenheil.

Ich wünsche dir dabei viel Kraft

Liebe Grüße
Ruwen

10.09.2014 15:07 • #2



Hallo Kaktusblüte,

Stille Trennung

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Kaktusblüte


Hallo Ruwen!

Vielen Dank für deine Rückmeldung.
Ja, erst mal ist mein Seelenheil dran. Und es ist erstaunlich, dass allein das Aufschreiben schon hilfreich ist. Ich war nach dem Schreiben mit dem Hund draußen. Ich glaube, es kommt grad alles so geballt, einfach weil Zeit und Raum dafür ist. Ich muss nicht arbeiten, nicht lernen, habe keine Verpflichtungen, nur Termine die ich möchte. Wann sonst sollte es möglich sein, sich so bodenlos zu fühlen.
Der Gedanke war schon ziemlich hilfreich. Ich fühle mich zwar immer noch wie vorher. Aber ich habe nicht mehr das Gefühl, ich mache was falsch, steigere mich unnötig rein, dreh mich nur um Krisenthemen. Es ist jetzt die Zeit dafür. Und wenn sie nicht mehr da ist, hört es wieder auf.

Rund um die Affäre bin ich tatsächlich offen und fair. Und wie gesagt, ich rudere es auch gerade zurück. Hab selbst die Sorge, dass ich da angeschlagener raus gehe als rein.

Meine Eigenliebe. Die ist gerade sehr angekratzt. Das kann ich nicht anders sagen. Vielleicht stimmt das auch so nicht. Sie ist definitiv da. Aber gerade überlagert. Als wäre Decken drüber gelegt. Die Decke des Versagens. Die Decke der Ablehnung. Die Decke der Verzweiflung. So was halt.
Es gibt auch viel, was mir was bedeutet. Nur gerade kann ich das nicht gut sehen.

Wo kommt meine Angst her. Ich habe im Alltag gerade eher den Blick auf die Defizite der Situation. Zum Beispiel streiche ich gerade meine Möbel neu. - Neu ist immer gut ... passt einfach zur Trennung - Und ein Möbelstück ist sehr schwer. Dann habe ich zwei Möglichkeiten. Entweder ich bekomme alleine die Folie drunter oder ich frage jemanden, der mich dafür besucht. Oder rund um meinen Hund. Sie ist ein großer Hund und hatte was mit den Gelenken. Wenn das wieder kommt, kann ich noch nicht mal zum Tierarzt, weil ich sie die Treppe nicht runter bekomme.
Ich weiß, dafür gibt es eine Lösung. Meine Freundin hat mich ganz entrüstet angeguckt, als ich ihr das erzählt habe. Aber so was macht das Gefühl so groß. Dabei muss ich einfach noch sagen, auch bei meinem Mann hätte ich das Möbelstück alleine auf Folie stellen müssen, weil er mir bei viel nicht mehr geholfen hat.
Ja, gut. Ich werde mich weiter mit der ollen Angst beschäftigen. Brummel! Dabei würde ich viel lieber etwas anderes tun

Also, ich freu mich, dass ich hier schreiben kann ... und lesen natürlich.

10.09.2014 16:08 • #3


Ruwen

Ruwen


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Zitat von Kaktusblüte:
Ich muss nicht arbeiten, nicht lernen, habe keine Verpflichtungen, nur Termine die ich möchte. Wann sonst sollte es möglich sein, sich so bodenlos zu fühlen.


Versuche mal deine Gefühle anzunehmen wie sie sind. Sage dir selbst, es ist in Ordnung, in diesem Moment so zu fühlen. Dann sollte es für den Moment zumindest schon etwas besser gehen. Es geht nicht darum sich abzulenken, um sich nicht bodenlos zu fühlen. Du musst deine Gefühle verarbeiten und nicht verdrängen.

Zitat von Kaktusblüte:
Rund um die Affäre bin ich tatsächlich offen und fair. Und wie gesagt, ich rudere es auch gerade zurück. Hab selbst die Sorge, dass ich da angeschlagener raus gehe als rein.


Mhh, schweres Thema, du magst zwar offen sein, aber wenn du es wirklich bist, dürfen keine Gefühle im Spiel sein. Von beiden Seiten. Dein Kopf ist noch voll von deinem Ex. Wenn es deine Affäre weiß, dann ist es wirklich nur S., oder er hat sich verliebt und hält das (noch) aus. Darüber solltest du dir auch mal klar werden.

Zitat von Kaktusblüte:
Als wäre Decken drüber gelegt. Die Decke des Versagens. Die Decke der Ablehnung. Die Decke der Verzweiflung. So was halt.


Du hast aber nicht versagt. Keine Beziehung ist gescheitert. Jede Beziehung hatte in deinem Leben einen Sinn. Es war gut wie sie verlaufen ist, denn am Ende macht sie dich zu dem Menschen der du bist. Ihr hattet vermutlich eine tolle Beziehung und intensive Gefühle. Daran ist nichts gescheitert. Nur hat das Leben nun mit dir etwas anderes vor. Es beginnt ein neuer Lebensabschnitt. Deshalb ist aber die Vergangenheit nicht aus Versgagen geprägt.

Die Angst ist ein ständiger Begleiter in unserem Leben. Eigentlich ist die Angst für ganz viele Gefühle verantwortlich. Und wenn ich mir deine Ängste so anschau, dann kommt mir sofort in den Sinn, dass deine größte Angst darin besteht allein zu sein. Aber du bist nicht allein, du hast Freunde und Familie. Du hast nur gerade keinen Partner mehr. Aber er hat ja sowieso nicht geholfen. Mach dir also bitte nochmal darüber Gedanken, ob es das Alleinsein ist oder dein Ex den du vermisst.

Ja ihr hattet eine lange Zeit, aber jetzt ist eben was Neues dran. Fang an im Hier und Jetzt zu leben. Die Vergangenheit kannst du nicht mehr ändern und die Zukunft ist ungewiß.
Was zählt bist DU und zwar in dem Moment!

Viel Kraft auf deinem Weg.

Lieber Gruß Ruwen

11.09.2014 05:51 • #4


Kaktusblüte


Hallo!

Danke für deine Worte, Ruwen!

Heute habe ich ein auf und ab. Immerhin heute auch mal ein auf. Ich hatte gestern einen sehr schönen Abend, der mich abgelenkt hat und der vor allem meinen Blick in die Zukunft gelenkt hat. Das war heute morgen auch noch sehr deutlich zu spüren. Vorfreude. So viele Möglichkeiten. Viel mehr Möglichkeiten als während meiner Ehe. Das hat mir sehr gut getan, dass es wieder da war.
Dann war ich plötzlich kaputt. Boah! Was bin ich müde! Wenn alle Energie weg ist, bleiben auch nicht mehr viele positiven Gefühle. Alles fühlt sich schwer an. Nun gut. So ist es halt.
Ich schnappe mir jetzt den Hund und geh eine Runde raus. Das ist eigentlich nie ein Fehler. Ob ich mich dann ausruhe oder Möbel streiche, das kann ich ja noch überlegen. Streichen und Hörbuch hören hat tatsächlich auch was meditatives.

Liebe Grüße, Kaktusblüte

11.09.2014 15:31 • #5


Kaktusblüte


Guten morgen!

Ich habe mich gestern für meditatives Streichen entschieden. Das tut mir gut. Heute noch und dann habe ich es erst mal geschafft. Hurra!

Ich bewege gerade oft Worte. Ich habe festgestellt, dass ich noch "mein Mann" sage und denke. Den Ehering habe ich abgenommen. Das ist mir recht leicht gefallen. Wenn ich nicht mein Mann sage, dann benutze ich den Vornamen und erkläre dazu einfach nichts. Es fühlt sich so aber nicht richtig an. Er ist nicht mehr mein Mann. Aber "Ex" will ich auch nicht sagen. Das ist ein Wort, das mir zum einen fremd ist und zum anderen gar nicht angenehm. Getrennt lebender Mann. Das ist lang. Noch-Mann. Wir haben nicht die Scheidung eingereicht. Mehr fällt mir gerade nicht ein. Aber ich hätte gerne eine neue Bezeichnung. Ich finde, es wäre Zeit dafür.
Mal sehn. Vielleicht findet sich ja was. Oder ich finde mich mit einer Bezeichnung ab, die ich oben genannt habe. Vielleicht muss man das nur tun und dann wird es zur Gewohnheit.

Heute mache ich mich auf die Reise. Familienbesuche und Freunde auch. Zum Glück schöne. Ohne Druck. Ich erwarte schöne Gespräche und gemütliche Abende. Da freu ich mich drauf. Und ich merke, dass es viele negative Gefühle in den Hintergrund rückt.
Es ist auch gar nicht schwer, alleine zu fahren. Schon seit Jahren kam mein Mann nicht mehr mit. Zu erdrückend, zu fordernd. Ich verplane ihn. Und dann bin ich alleine gefahren. Jetzt ist das gar nicht schlecht. Denn es fühlt sich gar nicht fremd an.

Eins schönes Wochenende! Liebe Grüße, Kaktusblüte

12.09.2014 08:40 • #6


Summer1979


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Hallo Kaktusblüte!

Es ist sicher schwer, sich nach 16 Jahren wieder umzuorientieren.
Auch wenn Du Dich allein gefühlt hast, alleine warst Du eben doch nicht.
Man hört jemanden mal im Bad rumoren, ein Scheppern in der Küche...
Und sollte etwas sein, ist ja doch jemand da, der einem helfen kann.

Und nun ist es still. Und keiner ist da. Natürlich fühlt es sich komisch an.
Das ist völlig normal. Ging mir genauso.

Das dauert dann etwas, bis man sich dran gewöhnt...
aber dann...dann ist es toll!

Ich fühle mich heute richtig frei. Auch, weil ich mich von meinen Ängsten befreit habe.

Alleinsein und Selbstliebe waren auch mein großes Thema.

Ich war früher immer auf Freunde auf meinen Partner angewiesen. Ich alleine was machen...niemals!

Ich geh heute sogar allein ins Kino. Oder treffe mich mit Leuten, die ich noch nie vorher gesehen habe. Und es ist toll. Man hat so viele Möglichkeiten. Und abends zünde ich mir schöne Kerzen an, lese ein Buch, trinke ein Glas Wein. Bin bei mir und fühle mich komischerweise weniger einsam als früher.

Und ich hab angefangen mich selbst zu lieben. Und wenn man dann an dem Punkt ist, braucht man auch keine Liebe mehr von außen. Dann ist es natürlich schön, wenn man sie bekommt. Aber nicht mehr darauf angewiesen.

Lass Dir Zeit dafür. Und tu all die Dinge, die Du vorher noch nie gemacht hast.

Lauf barfuß über eine Wiese, mach eine Städte oder Gruppenreise, geh zu einem Malkurs, genieße es einfach der Herr Deines Lebens zu sein und lenke es in die Richtung, die Du willst. Und dafür brauchst Du niemanden an Deiner Seite!

Viel Spaß auf Deiner ganz persönlichen Entdeckungsreise.

12.09.2014 08:55 • #7


löwenherz


Hallo Kaktusblüte, mir geht es ähnlich wie dir und das nun schon seit 4 Jahren.Ich habe meinen Mann und meine Kinder für einen Menschen verlassen,der nicht Beziehungsfähig ist und mich z.T.wie einen Fußabtreter behandelt. Und nun bin ich mal wieder an dem Punkt, dem ein Ende zu setzten.Wir wohnen nicht zusammen.Aber diese Gefühle die du so gut beschreibst, stecken auch in mir.Ich kann nicht alleine sein und mich nicht annehmen,obwohl ich auch viele nette Freunde habe(die das schon nicht mehr hören können) und auch alleine in den Urlaub fahre,falle ich dann irgendwann wieder in das tiefe Loch der Einsamkeit und melde mich dann bei IHM.Ich habe auch versucht mich mit anderen Männern zu treffen,doch ich empfinde einfach nix nur diese tiefe Sehnsucht nach meinem Freund. Ihr habt euch getrennt,weil ihr wie in einer WG gelebt habt,das trifft bei mir nicht ganz zu,aber er macht eigentlich nur das,was er gerne möchte und kümmert sich um sich und seine Bedürfnisse. Ich möchte das auch so gerne aushalten, lernen und annehmen.Übrigens habe ich auch einen kleinen Hund,der sehr anhänglich ist und mir vie Liebe gibt.
Ich wünsche dir die Kraft das durchzuhalten und zu überstehen. Dann wird auch eine neue Liebe auftauchen.
LG B.

12.09.2014 09:08 • #8


löwenherz


Hallo Kaktusblüte,
was Sommer1979 geschrieben hat, klingt sooo gut und ich weiß ja auch dass sie Recht hat, doch das Umsetzen ist soooo schwer. Schön dass sie es geschafft hat.
Du schaffst das auch.

12.09.2014 09:24 • #9


Summer1979


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Ich hab auch ganz klein angefangen.

Ganz schlimm war es nach meiner 10-jährigen Beziehung. (wegen der bin ich aber nicht hier).

Ich würde ganz klein anfangen.

Anfangs ist man zu gelähmt vom Schock und der Trauer. Das würde ich aussitzen.
Weinen, nicht schlafen...all das gehört leider dazu.

Und wenn die Phase mal vorbei ist, dann überlegt Euch, was Ihr gerne machen würdet. Ich hab mir immer gewünscht eine wirklich große Reise zu unternehmen. (bin ich gerade dabei). Dann hab ich mir gewünscht auf mehrere Festivals zu gehen (hab ich gemacht!). Dann hab ich mir gewünscht mal nach Dublin zu reisen. Hab ich für nächstes Jahr mit einer Freundin geplant. Habe am Speed-Dating teilgenommen (irre lustig). Habe mit Malen angefangen.
So würde ich mich vortasten.

Es gibt bestimmt vieles, was Ihr gerne machen würdet. Das würde ich in Angriff nehmen.

Es gibt im Übrigen in jeder großen Stadt so Treffen, wo man gemeinsam Dinge unternimmt. Tagesausflüge. Abends ausgehen. Wochenend-Trips. Sind auch altersmäßig aufgeteilt.
Ü20, Ü30, Ü40, Ü50, Ü60.
Das ist bestimmt auch ganz toll!

Glaubt an Euch und habt Mut etwas völlig Neues auszuprobieren! Es geht sehr gut OHNE sie!

12.09.2014 13:14 • #10


Kaktusblüte


Hallo!

Vielen Dank für eure Rückmeldungen. Das hat mir sehr gut getan.

Ich hatte nun ein paar Tag Urlaub und war unterwegs. Ich habe verschiedene Freunde besucht und Familie. Das hat mir sehr gut getan. Mal so richtig raus. Den Kopf frei bekommen. Ich habe viele sehr schöne und viele sehr lustige Sachen erlebt. Das tat mir gut.
Gleichzeitig habe ich einiges gelesen über Trennung und Verarbeitung und so. Auch das hat mir sehr gut getan.
Und jetzt bin ich wieder zu Hause. Ich habe mich sehr gefreut. Ich habe eine schöne Wohnung und hatte meinen Hund nicht mit. Jetzt grade fühle ich mich wieder ein bisschen alleine. Allerdings merke ich, dass darunter auch noch etwas ist.
Wahrscheinlich passt es nicht zur Jahreszeit, sondern eher in den Frühling. Aber wisst ihr noch, wie das aussieht, wenn aus einer Blumenzwiebel etwas wächst, was man noch nicht sehen kann, aber es drückt die Erde schon hoch? So fühlt es sich an. Da ist was. Es hat Kraft, aber ich kann noch nicht sehen, was es ist. Und selbst wenn es grün wird, weiß ich wahrscheinlich noch nicht, was es ist ... ich brauche dazu die Blüte aber ich will das Bild nicht überstrapazieren
Da ist also was. Und ich bin gespannt darauf, wie es weiter geht.
Ich habe Ideen und Freude für einen Urlaub im nächsten Jahr. Das ist sehr gut! Ich kann wieder lesen. Das war auch eine ganze Zeit lang anders. Und ich freu mich, meine Wohnung weiter zu gestalten.
Was ich noch brauche ist ein Plan, damit ich nicht so viel fernsehe. Das füllt die Lücke, tut mir aber nicht gut. Dafür kommt bestimmt auch noch was.

Also, ich wünsche euch einen schönen Abend! Liebe Grüße Kaktusblüte

18.09.2014 20:34 • #11


Kaktusblüte


Hallo!

Heute ist wieder so ein Tag, der sich doof anfühlt. Wahrscheinlich liegt es gar nicht an der Trennung. Denn ich kenne das Gefühl schon viel länger. Dieser Tag hat so gar nichts reizvolles und ich wünschte, ich könnte einfach vorspulen, bis der nächste Tag kommt, der nicht so belanglos ist.
Ich habe mir einen Plan gemacht, damit mir die Stunden nicht so lang vorkommen. Ich muss einkaufen und will heute backen. Aber das reicht irgendwie nicht als "Sinn" für den Tag. Und jetzt fällt es mir schwer, überhaupt wach zu bleiben und einkaufen zu gehen.
Viele meiner Freunde wohnen weiter weg. So sind Treffen fast nicht möglich. Es muss alles immer gut geplant sein und auch mit Übernachtung. Das ist ein ganz anderer Aufwand als mal spontan und kurz. Das sorgt auch dafür, dass ich mich öfter mal alleine fühle. Es fällt mir dann immer alles ganz schwer.
Beschäftigen könnte ich mich. Aber nichts davon ist wichtig oder nötig oder nett, ich meine nett genug.
Wenn ich da richtig reinrutsche, dann reicht mir auch ein kurzes Telefonat nicht. Das ist wie Kopfschmerzen, die sich so zugespitzt haben, dass eine Schmerztablette nicht mehr hilft.
Ich weiß nicht, wie ich damit umgehen soll. Es ärgert mich auch so. Es ist schon länger so und ich habe überhaupt keine Ideen.
Ich hab mal überlegt, ob ich zur Volkshochschule gehen soll oder zu Sportkursen. Aber wenn ich wieder arbeite - gerade habe ich noch frei - dann schaffe ich das zeitlich nicht. Das Gefühl taucht nur auf, wenn zu viel Zeit ist.
Vielleicht hat jemand von euch eine Idee? Kennt das noch jemand?

Gruß Kaktusblüte

20.09.2014 09:31 • #12


Kaktusblüte


Guten morgen!

Ich schreibe einfach mal weiter, auch wenn es sich komisch anfühlt ...

In den letzten Tagen habe ich mich natürlich mit dem Thema der Einsamkeit beschäftigt. Und erst heute ist ein Knötchen geplatzt.
Die Einsamkeit ist gar nicht neu. Ich habe mich in meiner Ehe schon sehr lange einsam gefühlt. Deshalb kommt das Gefühl einsam auch nicht allein. Es ist ganz eng verknüpft mit dem Gefühl der Verlassenheit. Es ist nicht schön, wenn man jemanden um sich hat und sich trotzdem einsam und verlassen fühlt. Gar nicht schön! Es macht genau genommen total traurig. Dazu die Frage, warum ich so verlassen und abgewiesen wurde.
Dabei geht es nicht um das verlassen werden am Ende der Beziehung. Sondern um das Verhalten während der gemeinsamen Zeit.
Und das tut sehr weh. Das geht auch ziemlich ans Selbstwertgefühl. Warum konnte mein Ex sich so distanzieren? Warum konnte er in Kauf nehmen, dass es mir damit so schlecht geht? Ich habe das schon vor Jahren angesprochen. Theoretisch konnte er es also wissen. Ob er es verstanden und nachempfunden hat, weiß ich natürlich nicht.

Kennt ihr das auch, dass sich ein Thema meldet und sich in verschiedenen Facetten zeigt, bis es endlich überläuft? Bis es die Chance hat, sich richtig zu zeigen? Heute habe ich das Gefühl, es ist mit der Einsamkeit so. Es ist viel leichter auszuhalten, keinen Freundeskreis und er Nähe zu haben, als sich emotional verlassen zu fühlen. Irgendwie rollt die Lawine den Berg rauf statt runter und dafür braucht sie viel Power.
Nun gut. Also ist heute ein trauriger Tag. Immerhin weiß ich warum. Das tut auch wieder ganz gut.

Liebe Grüße, Kaktusblüte

24.09.2014 08:36 • #13


Lost-Soul40


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Liebe Kaktusblüte,

ich kann Dir sehr gut nachempfinden und ziehe den Hut vor Deinem Mut zur Verändeung. Wenn die Zeichen gegeben sind, sollte man auf sein Herz hören und für sich das Beste aus dieser Situation machen. Ich stecke mittlerweile seit 2 Jahren in einer unglücklichen Beziehung und habe den Sprung nicht geschafft. Ich bin mit meiner Frau seit 9 Jahren verheiratet, wir haben ein 10j Sohn. Seit meiner Erkrankung vor 2 Jahren ist die Beziehung nur noch ein Scherbenhaufen, etliche Trennungsversuche liegen hinter uns, aber wir haben es beide aus Angst vor dem alleine sein und natürlich den gemeinsamen Kind nicht geschafft.... Die Situation ist zur Zeit nicht mehr auszuhalten.

Meine Verlustängste und die Ängste vor dem Alleinsein sind auch enorm. Dadurch entwickelten sich u. a auch meine Depression. Bitte sei achtsam mit Dir und rutsche nicht in diese Spirale!

Alles Gute!

10.02.2020 11:18 • #14


LostGirl1


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Zitat von Lost-Soul40:
Ich stecke mittlerweile seit 2 Jahren in einer unglücklichen Beziehung und habe den Sprung nicht geschafft.

Lieber Lost-Soul, der Strang hier ist schon etwas älter - von 2014 - und Kaktusblüte war leider nur Gast, ob sie Dein Beitrag noch erreicht ist fraglich. Magst nicht selbst einen Strang aufmachen? Hier gibt es viele Meinungen, die Dir vielleicht eine neue Sicht ermöglichen. Oder falls Du Dich mal nur ausk*tzen willst ist auch gut =)

10.02.2020 14:40 • #15




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