Zitat von Martina76:Das ging aber nur, indem ich mich endlich von meinen Eltern löste. Ein schwerer, schmerzhafter Prozess, den ich ohne therapeutische Hilfe nicht geschafft hätte.
Deine Geschichte hat mich sehr beeindruckt, denn Du sprichst jetzt sehr klar darüber. Als Du noch mitten im Trauerprozess warst, konntest Du die Anteile Deiner Eltern und auch ihr Einwirken auf Dich nicht verstehen. Aus Dir spricht eine tiefe Erkenntnis über seelische Verstrickungen, unbewusste Aufträge, die man unbewusst spürt und dann sogar posthum erfüllt.
Ich kann Dich gut verstehen, dass es ein langer und schmerzhafter Prozess war, denn schließlich darf man über die Eltern ja nicht schlecht urteilen. Das bedeutet auch wieder Schuldgefühle. Ich darf das eigentlich nicht fühlen, aber ich nehme es doch war.
Ich verlor meine Mutter als ich 30 war. Unser Verhältnis war in meiner Erinnerung zwiespältig. Sie war über Jahre schwer krank und als sie starb, hatte damals doch keiner damit gerechnet. Jeder wusste, dass sie mit dieser Krankheit keine 80 werden würde, aber der Tod war dann doch ein Schock.
Ich war damals bereits weg von zu Hause und ich trauerte natürlich. Aber ich merkte auch nach einigen Monaten, dass eine Last von mir gefallen war, denn die Angst vor dem nächsten Schub dieser Autoimmunerkrankung war ständig im Hinterkopf. Ich hatte oft Angst, zu Hause anzurufen, denn immer war der Gedanke präsent, was werde ich dieses Mal hören?
Später wurde ich dann oft wütend auf sie, weil ich spürte, dass sie mit ihren gut gemeinten Erziehungsmethoden doch einiges bei mir angerichtet hatte. Aber sie konnte halt auch nicht aus ihrer Haut. Alles in allem brauchte ich an die 20 Jahre, bis ich das alles so halbwegs erkannt und hoffentlich auch aufgearbeitet habe.
Dein Mann ist schon ein Schatz. Er nimmt die getürmte Ehefrau zurück. Bewahre ihn Dir, denn aus seinem Verhalten spricht eine große innere Stärke, die ihm auch Nachsicht ermöglicht. Großes Kino für Dich! Das freut mich für Dich.
Deine Geschichte zeigt aber auch, wie fremdgesteuert man oft agiert, ohne dass es einem bewusst wird. Und diese unbewussten Verstrickungen ans Tageslicht zu holen, tut sehr weh, weil man in die Ursprünge dieses Leids praktisch zurückgeworfen wird. Toll, dass Du das geschafft hast! Du musst heute ein anderer mensch sein als damals.
Begonie