toledo
Gast
Ich bin neu hier und suche Rat.
Einige Vorabinformationen: ich bin 29, sie ist 26 Jahre alt, wohnen seit etwas mehr als einem Jahr zusammen, insgesamt etwas mehr als drei Jahre Beziehung.
Ich versuche so kompakt wie möglich die relevantesten Geschehnisse zu beschreiben, innerhalb dieser vergangenen Woche:
Letzten Sonntag haben wir uns nach einwöchigem Anschweigen nach einem Streit in beidseitigem Verlangen getrennt bzw. haben es ausgesprochen. Von meiner Seite aus viel mehr aus Wut, und sie aus Konsequenz dieser Streitereien. Mich hat ihre Entscheidung jedoch hart getroffen, da ich damit nicht gerechnet hatte. Ich habe mir auf der Arbeit am Montag intensive Gedanken gemacht, wollte den drei Jahren noch eine weitere Chance geben.
Sie war davon nicht begeistert und hat ihre Entscheidung bekräftigt. Wir haben wieder gestritten, gegenseitige Schuldzuweisung. Das volle Programm.
Am Mittwoch Abend haben wir wieder auf unserer Couch noch mal über alles gesprochen. Sie hatte bereits das Thema Wohnung suchen auf dem Zettel, wozu ich selbst noch nicht bereit bin.
[…] Schließlich habe ich mich ihr komplett geöffnet, vermutlich auch aus Verzweiflung. Zum ersten Mal habe ich gemerkt, was ich für eine tolle Frau die ganze Zeit eigentlich hatte. Wie konnte das nur alles passieren…
Ich habe ihr zuerst sachlich erklärt, dass ich in den drei Jahren vieles versäumt habe und es gerne wieder gutmachen würde. Bei diesen Gedanken bin ich schon in Tränen ausgebrochen und habe ihr meine Fehler eingestanden, ihr versucht zu erklären, warum ich in gewissen Situationen so reagiert habe oder dass vieles überzogen von mir war.
Es war das erste Mal in den drei Jahren, dass ich mich für mein Fehlverhalten entschuldigt und um Vergebung gebettelt habe.
Das war für mich etwas ganz neues, aber es war auch wichtig. Sie war zwar etwas überrascht, da wir unsere Streitereien sonst nur in Ausschweigen weggeschoben haben, jedoch hat sie meine Offenbarung scheinbar nur in ihrer Meinung gestärkt, so hatte ich das Gefühl.
Sie hat mir kühl geantwortet und weiterhin ihren Standpunkt dargelegt.
Es war das erste Mal, dass ich in unserer Beziehung reumütig war und gesehen habe, was die letzten drei Jahre falsch gelaufen ist. Doch sie mag mir nicht die Chance geben, da sie die Hoffnung aufgegeben hat. Das war Mittwoch.
Ich habe bis Freitag viel über den emotionalen Abend nachgedacht und bin zu der Erkenntnis gekommen, dass ich zwar vieles falsch gemacht hab, aber sie auch nicht unschuldig war. Ich fühlte mich mittlerweile schon fast blöd, da sie nicht auf mich eingegangen ist, als ich ihr unter Tränen meine Reue gezeigt habe.
Und so bin ich zu dem Gedanken bzw. Entschluss gekommen, dass eine Trennung nur Sinn macht, wenn wir uns auch räumlich sofort voneinander trennen.
Ich habe ihr am Freitag mitgeteilt, dass es besser ist, wenn wir die Zeit nicht mehr gemeinsam in der Wohnung verbringen, bzw. dass wir uns erstmal nicht mehr sehen (KS) und ich bei meiner Mutter die nächste Zeit übernachte.
Ich halte es auch nicht daheim aus, alleine schon wegen der Erinnerungen an uns und weil wir uns sehen würden, was nur dazu führt, die Verarbeitung zu blockieren.
Zu meiner Überraschung hat sie mit Verständnislosigkeit reagiert; warf mir Flucht vor, es sähe so aus, als würde sie mich rauswerfen, es ändere sich dadurch nichts.
Jedoch blieb ich bei meiner Entscheidung und so habe ich das Wochenende bei meiner Mutter verbracht.
An diesem Wochenende haben wir kurz und knapp per WhatsApp ausgemacht, dass wir uns am Sonntag (heute) zuhause zusammen setzen und den künftigen Ablauf besprechen (Wohnung suchen, Haushalt auflösen, etc.). Na toll…
Sonntag zu Hause:
[…] Ich habe dann angefangen, in ruhigem Ton, mich hochoffiziell in aller Deutlichkeit für gewisse grobe Situationen in der Vergangenheit zu entschuldigen und gesagt, dass es mir ehrlich leid tut. Das hatte ich ja nie getan.
Sie war sehr gefasst, und hat zum ersten Mal seit der Trennung geweint und nicht verstanden, warum ich jetzt erst so einsichtig bin und auf einmal alles anders machen wollen würde. Ich sagte nochmals: „Ich bereue vieles und würde gerne die Chance nutzen, wenn ich sie bekäme“. Aber sie sieht weiterhin keine Hoffnung, daher mache es keinen Sinn. Sie musste sich etwa 10 min fangen.
Wir haben noch kurz weiter gesprochen. Dann bin ich wieder gegangen. Vorher sagte ich ihr, dass ich eine Umarmung gebrauchen könnte. Bei der Umarmung habe ich ihr noch mal gesagt, wie sehr mir das Geschehene leid tut. Ich wollte damit auch einen gewissen Frieden erreichen und eine letzte innige Situation.
Daher habe ich mich auch noch mal umgedreht, als ich in Richtung Haustür bin, und habe sie geküsst. Sie hat sich nicht gesträubt, aber sie hat auch nicht wirklich mitgemacht, sie war wohl zu sehr überrascht. Sie schien perplex, weder böse, noch froh. Und so habe ich die Wohnung verlassen.
Mir tat der Kuss gut und irgendwie hoffe ich auch, dass er etwas bewirkt hat...
Das ist der Stand bis jetzt. Sie liegt bereits im Bett, ich lege mich nun - wie bisher auch, wenn ich hier war - dazu, und schlafe. Mehr nicht.
Morgen ist Montag und eine neue Woche beginnt. Wo gehe ich nach der Arbeit hin? Ich weiß echt nicht was passieren wird, habe die Befürchtung, dass sie weiterhin hart bleiben wird. Ich traue mich auch nicht, sie noch mal anzusprechen, ihre Entscheidung zu überdenken, da es vielleicht zu früh ist oder ich sowieso nur auf Ablehnung stoße. Ich weiß einfach nicht weiter.
Ich hätte ein ganzes Buch schreiben können. Kürzer konnte ich es kaum noch fassen.
Trotzdem danke fürs Lesen und Zeit nehmen. Vielleicht habt ihr ja einen nützlichen Rat für mich
Gute Nacht

