Binkaputt
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Ich bin 51 Jahre alt und habe zwei Kinder (18 und 15). Vor etwa zehn Monaten habe ich eine Frau kennengelernt, die heute 37 ist. Zwischen uns entstand etwas, das für mich unglaublich besonders war. Offiziell waren wir nie ein Paar, aber wir waren weit mehr als Freunde. Wir haben fast täglich geschrieben, telefoniert, uns regelmäßig gesehen, hatten eine sehr schöne körperliche Beziehung und waren emotional sehr eng.
Ich habe sie nie gedrängt, eine feste Beziehung mit mir einzugehen. Ehrlich gesagt war ich lange Zeit mit dem glücklich, was wir hatten. Ich dachte: Vielleicht entwickelt sich das einfach irgendwann von selbst.
Ein wichtiger Punkt war für mich auch, dass ihr Partner erst etwa sechs Monate zuvor nach sechs gemeinsamen Jahren völlig unerwartet verstorben war. Die beiden hatten bereits über Heirat, Familie und Kinder gesprochen. Deshalb war für mich völlig klar, dass ich ihr Zeit geben musste. Ich wollte sie niemals unter Druck setzen.
Von Anfang an war sie ehrlich. Sie sagte mir, dass sie sich unbedingt ein eigenes Kind wünscht. Ich dagegen habe bereits zwei Kinder und wollte mit 51 eigentlich kein weiteres mehr – aus Altersgründen, finanziell und weil ich das Gefühl habe, dass dieser Lebensabschnitt für mich abgeschlossen ist.
Sie kann auf natürlichem Weg keine Kinder bekommen und müsste dafür eine Kinderwunschbehandlung machen. Dieser Wunsch begleitet sie schon seit ihrer Kindheit.
Wir hatten außerdem von Anfang an offen darüber gesprochen, dass wir theoretisch auch andere Menschen kennenlernen dürften. Natürlich fand ich den Gedanken nicht schön, aber ich vertraute ihr.
Irgendwann erzählte sie mir, dass sie sich mit einem Mann (nennen wir ihn L.) zum Essen treffen würde. Das wusste ich und hatte damit kein großes Problem.
Dann erzählte sie mir, dass sie mit ihm ein Wochenende an die Ostsee fährt, weil er sie eingeladen hat. Ich hielt das zuerst sogar für einen Scherz und fragte: „Getrennte Zimmer oder komme ich einfach mit?“ Darauf antwortete sie: „Wie naiv bist du denn? Natürlich wird da wahrscheinlich etwas laufen.“
Trotzdem habe ich sie fahren lassen. Nicht, weil ich das gut fand, sondern weil wir genau darüber gesprochen hatten und ich ihr vertraute. Trotz allem war ich bis zuletzt überzeugt, dass sie dieses Wochenende nicht wirklich so verbringen würde.
Das ganze Wochenende ging es mir schlecht.
Als sie zurückkam, sagte sie mir, dass Sex zwischen uns jetzt schwierig sei, weil sie das emotional nicht könne. Sie könne nicht gleichzeitig mit zwei Männern etwas haben. Genau in diesem Moment wurde mir erst richtig bewusst, wie sehr ich sie liebe. Nicht, weil da ein anderer Mann war, sondern weil ich plötzlich merkte, dass ich sie verlieren könnte.
Für mich geht es bis heute gar nicht um „ich oder dieser andere Mann“. Ich glaube ihr, dass ihre eigentliche Entscheidung eine andere ist: Es geht um „ich oder die Zukunft, die sie sich mit einem eigenen Kind immer vorgestellt hat“. Der andere Mann könnte aus meiner Sicht auch jemand anderes sein. Entscheidend ist, dass er sich ein Kind vorstellen kann.
Sie sind bis heute kein Paar. Sie möchte einfach schauen, ob daraus irgendwann mehr entstehen könnte. Gleichzeitig hätte sie mich aber gern weiter in ihrem Leben – als Freund, nur ohne körperliche Nähe. Für sie war das vorstellbar. Für mich leider überhaupt nicht. Ich habe ihr gesagt, dass ich sie liebe und eine Freundschaft für mich nicht funktionieren würde. Wir haben deshalb zweimal versucht, den Kontakt abzubrechen. Beide Male hielt das nur wenige Tage. Sie war jeweils diejenige, die sich wieder meldete. Danach hatten wir wieder täglich Kontakt – obwohl ich merkte, wie schwer es mir fiel, so zu schreiben wie früher.
Rückblickend frage ich mich manchmal, ob ich mich schon viel früher hätte klar zu ihr bekennen sollen. Ich habe mich oft zurückgehalten, weil ich dachte, sie braucht nach dem Tod ihres Partners einfach Zeit. Heute frage ich mich manchmal, ob genau das vielleicht ein Fehler war.
Gestern hatten wir das wohl wichtigste Telefonat unserer ganzen Kennenlernzeit. Ich habe ihr zum ersten Mal gesagt, dass ich sie liebe. Sie hat viel geweint. Sie erklärte mir, wie wichtig ihr Kinderwunsch ist. Gleichzeitig erzählte sie mir auch, dass sie große Verlustängste hat und Menschen nur sehr schwer wirklich an sich heranlässt.
Sie sagte, ich sei ein ganz besonderer Mensch und ich hätte in diesen zehn Monaten unglaublich vieles richtig gemacht. Gleichzeitig sagte sie aber auch, dass sie mich nie ganz an sich herangelassen habe und dass Worte wie „Ich liebe dich“ ihr generell unglaublich schwerfallen.
Heute schreiben wir trotzdem wieder miteinander. Sie fragt mich, wie mein Tag läuft. Ich frage sie, wie es ihr geht. Genau das macht mich so fertig. Einerseits sagt sie, dass sie keinen gemeinsamen Weg sieht, andererseits fühlt sich unser Kontakt immer noch so vertraut an wie vorher.
Ich mache ihr keine Vorwürfe. Mein Kopf versteht ihren Kinderwunsch. Mein Herz versteht ihn überhaupt nicht.
Am Samstag sehen wir uns wahrscheinlich zum letzten Mal. Wir holen gemeinsam mein neues Auto ab und gehen vielleicht noch etwas essen. Für mich fühlt sich dieser Tag wie ein Abschied an.
Das Verrückte ist: Ich bin gar nicht wütend auf sie. Ich glaube ihr jedes Wort. Genau deshalb tut es vielleicht noch mehr weh. Ich habe das Gefühl, wir verlieren etwas Wunderschönes – nicht weil wir uns nicht verstehen oder uns nichts bedeuten, sondern weil unsere Zukunftsvorstellungen unterschiedlich sind.
Deshalb meine Fragen:
Hat jemand schon einmal erlebt, dass eine Beziehung ausschließlich am Kinderwunsch gescheitert ist, obwohl die Gefühle auf beiden Seiten noch da waren?
Kann sich so ein Kinderwunsch irgendwann verändern?
Oder muss ich akzeptieren, dass Liebe manchmal einfach nicht reicht?
Ich freue mich wirklich über jede ehrliche Meinung – auch wenn sie vielleicht nicht das ist, was ich gerade hören möchte. Ich weiß einfach nicht mehr, ob ich weiter kämpfen oder anfangen sollte loszulassen.