Claudius
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Sowas kenne ich jetzt mit meiner Ex auch. Da werden alte Kamellen ausgepackt und Vorwürfe erhoben. Hätte ich dieses und jenes nicht gemacht, wäre das und dies nicht passiert. Hätte ich nicht mit einer anderen geschrieben, wäre sie nicht mit einem Arbeitskollegen in die Kiste gestiegen. Sie war emotional nur dafür empfänglich, weil sie so verletzt von mir war. Dies hätte unsere Beziehung nie wirklich verdaut, etc etc.
Aus ihrer Sicht ist es so, dass ihre Aktionen aus meinen Taten resultiert haben, und ich daher mitverantwortlich bin. Sie räumt ein, dass es nicht okay war, aber das sie es ja nur gemacht hat, weil ich mich so verhalten habe wie ich es tat.
Mit anderen Worten: Du bist schuld.
Und genau das kann ich nicht leiden. Ich will nicht, dass jemand seine Taten mit denen eines anderen Rechtfertigt. Jemand macht was verbotenes, also darf ich das auch. Nein, darfst du nicht, jedenfalls nicht, wenn du danach noch den Moralfinger erheben willst.
Man macht damit direkt jemand anderen für sein Tun verantwortlich. Um beim Beispiel zu bleiben: Die Entscheidung für den Sex mit einem anderen hat ja sie getroffen, und nicht ich für sie. Sie mag verletzt gewesen sein, aufgewühlt etc. Aber an einem Punkt hat sie entschieden, dass das nun eine gute Idee wäre.
Merke: Man hat immer eine Wahl, wenn man handelt.
Also muss sie für ihre Entscheidung gerade stehen, und das nicht runterspielen indem sie anderen eine Teilschuld zurechnet.
Und überhaupt, was ändert das denn? Im Endresultat sind beide verletzt, unabhängig davon wer Schuld ist.
Die Schuldfrage ist generell völlig überbewertet. Menschen wollen immer wissen wer Schuld ist, und am besten wollen sie wissen, dass sie es nicht selbst sind. Dass es in der Sache nicht hilft zu wissen wer die Schuld hat, das vergessen die Leute immer.
Hör auf nach Schuld zu suchen. Irgendwo in 7 Jahren Beziehung hat jeder sein Päckchen zu tragen. Es bringt nichts, jetzt zu suchen wer wann was gemacht hat, und worauf welche Reaktionen gefolgt sind. Versuche nicht, eine Kausalitätskette aufzubauen. Selbst wenn du erfolg hast, bist du danach genauso mies drauf wie jetzt.