Hallo @Achim1
es tut mir sehr leid, dass auch du zu den Menschen gehörst, denen so etwas widerfahren ist. 31 Ehejahre, das ist eine unglaublich lange Zeit, und dass deine Frau zu einem anderen Mann gezogen ist, ist einfach nur hart. Mir ist Ähnliches passiert, bei mir nach 30 gemeinsamen Jahren. Genau wie bei dir kam es völlig überraschend, ohne Vorwarnung, ohne dass ich vorher echte Anzeichen gesehen hätte. Unsere beiden Kinder waren damals 20 und 18 und sind ebenfalls bei mir geblieben. Deshalb kann ich sehr gut nachvollziehen, wenn du schreibst, dass die Lebensfreude weg ist, dass du dich gebrochen und total überfordert fühlst.
Dieses Gefühl der Überforderung ist absolut nachvollziehbar. Von einem Tag auf den anderen musst du alles allein stemmen. Dinge, die man jahrzehntelang gemeinsam geregelt hat, bleiben plötzlich an dir hängen, neben dem emotionalen Chaos. Wohnung, Alltag, Organisation, Verantwortung, und das alles in einer Situation, in der man selbst kaum Kraft hat. Besonders wichtig erscheint mir gerade deine 15-jährige Tochter. Ihre Mutter hat sich nicht nur von dir, sondern auch von ihr getrennt. In diesem Alter braucht eine Tochter ihre Mutter eigentlich ganz besonders, und sie ist gerade nicht da. Das ist für dein Kind extrem schwer, und für dich als Vater ebenfalls. Du kannst das Leid deiner Tochter nicht wegnehmen, aber allein dass du da bist, präsent bleibst und sie ernst nimmst, ist unglaublich wertvoll.
Dass deine Frau den Kontakt zu den Kindern weitgehend abgebrochen hat, ist sehr schmerzhaft. Ich kann dir aus eigener Erfahrung sagen, dass sich das manchmal mit der Zeit wieder etwas einpendelt. Meine Tochter war damals sehr wütend und verbittert gegenüber ihrer Mutter. Es hat lange gedauert, aber irgendwann kam wieder ein vorsichtiger Kontakt zustande, der heute wieder ganz okay ist. Das braucht Zeit, Geduld und oft auch Abstand.
Du schreibst, dass du überfordert bist. Darf ich dir einen Gedanken dalassen: Schau, ob du dir Hilfe holen kannst. Wie bist du im Freundeskreis eingebettet? Gibt es Menschen, die euch unterstützen können, sei es praktisch oder einfach durch Zuhören? Auch Familie kann eine wichtige Stütze sein. Man muss da nicht alleine durch, auch wenn es sich oft so anfühlt.
Zu deiner Frage, ob du die Trennung akzeptieren oder versuchen sollst, sie zurückzugewinnen: Ich habe damals auch gekämpft, zumindest in den ersten Monaten. Allerdings wusste ich zu Beginn nicht, dass es bereits einen anderen Mann gab. Hätte ich das gewusst, hätte ich diese Energie nicht mehr investiert, auch nach so vielen gemeinsamen Jahren nicht. Hier im Forum wirst du Menschen finden, die gekämpft haben und wieder zusammengekommen sind. Davor habe ich großen Respekt. Für mich persönlich wäre das nicht möglich gewesen. Vertrauen ist für mich ein ganz zentraler Punkt. Ich habe meiner Frau immer vertraut, es gab in der Ehe keinen Betrug, jedenfalls nicht, dass ich wüsste. Genau deshalb wäre dieses Vertrauen für mich nach einem Seitensprung nicht mehr herstellbar gewesen. Jeder muss für sich selbst spüren, was er leisten kann und wo seine Grenze ist.
Du schreibst auch, dass deine Frau sagt, sie habe etwas verpasst. Dieser Satz kam bei uns in der Trennung ebenfalls, sogar beim Therapeuten: Das kann doch noch nicht alles gewesen sein. Dieser Satz hängt mir bis heute im Kopf. Wenn ich heute darüber nachdenke, denke ich mir: Wir waren gesund, wir hatten zwei Kinder, ein Haus, Arbeit, ein funktionierendes Leben. Mehr geht immer, ja, aber reicht das, um alles aufzugeben? Vielleicht steckt dahinter das Gefühl, etwas verpasst zu haben, vielleicht auch sexuell, vielleicht ein Bedürfnis nach einem anderen Leben. Mir persönlich hat das, was wir hatten, gereicht. Es war nicht perfekt, aber gut genug. Dinge, die fehlten, hätte man ansprechen können. Für mich wäre das nie ein Grund gewesen, alles hinzuschmeißen.
Der Schmerz, den du jetzt spürst, wird nicht schnell verschwinden. Dein Selbstwertgefühl ist vermutlich gerade im Keller, das ist nach so einer überraschenden Trennung ganz normal. Im Moment ist es vermutlich kaum vorstellbar, aber ich möchte dir trotzdem sagen: Es gibt da draußen wieder Menschen, die zu dir passen können. Wenn du irgendwann mit dieser Phase abgeschlossen hast, wirst du wieder jemanden finden können. Ich hätte das früher selbst nicht geglaubt, aber ich bin heute ein Beispiel dafür, dass es möglich ist.
Ein ganz praktischer Punkt, der mir im Nachhinein sehr wichtig erscheint: Kümmere dich frühzeitig um die rechtlichen und wirtschaftlichen Themen. Ein erstes Beratungsgespräch bei einem Fachanwalt für Familienrecht kann sehr helfen, einfach um Klarheit zu bekommen. Gerade weil deine Tochter bei dir lebt, ist es wichtig zu wissen, wie es mit Unterhalt aussieht, mit Rentenpunkten, mit Trennungsunterhalt. Informationen schaden nie. Ich war damals relativ früh beim Anwalt, wir haben auch zeitnah die Konten getrennt. Das hat mir zumindest in diesem Bereich etwas Sicherheit gegeben. Wenn ihr noch miteinander reden könnt, wäre ein gemeinsamer Anwalt vielleicht eine Option, um Kosten zu sparen und einen Rosenkrieg zu vermeiden. Wenn das nicht möglich ist, wird es schwieriger und teurer, aber auch das lässt sich bewältigen.
Und zum Schluss noch einmal: Rede viel mit deiner Tochter. Sei für sie da, auch für die ältere, selbst wenn sie nicht mehr bei euch lebt. Diese Trennung betrifft eure Kinder genauso wie dich. Du musst nicht perfekt funktionieren. Es reicht, wenn du bleibst, zuhörst und ehrlich bist.
Du bist nicht allein mit diesem Schicksal, auch wenn es sich gerade genau so anfühlt. Ich wünsche dir viel Kraft für die nächste Zeit