lucky123
Gast
liebe Kopfweide,
einerseits tut es mir sehr leid für Dich, dass Du es so schwer hattest.
Andererseits hast Du die Kraft zu wachsen und bist dadurch ein Segen für die Mitmenschen auf Deinem Lebensweg, auch für mich.
In jungen Jahren habe ich mir eine buddhistische Weisheit eingeprägt, die sagt: Wer warten kann, zu dem kommt alles mit der Zeit.
Und heute würde ich sagen, so ist es.
Mein Vater war Kriegsteilnehmer. Er sprach nie über den Krieg, war selten zärtlich. Und meine Mutter ist eine Künstlernatur mit narzisstischen Zügen. Meine
Geschwister sind angepasste Menschen, wir haben uns wenig zu sagen. Ich habe friedliche Distanz gewonnen, man sieht sich zufällig
bei Besuchen unserer Mutter, die im Altersheim ist.
Ich wollte im Gegensatz zu meinen Geschwistern dazu lernen. Und das
ist mir gelungen. Dass mir Zärtlichkeit fehlte, wurde mir in einem VHS- Selbsterfahrungskurs klar. Trotzdem heiratete ich meinen Mann mit seinen narzistischen
Zügen.
Mein Exfreund, den ich ein halbes Jahr während der zweijährigen Trennungen hatte, war zärtlich, doch nicht zu viel, mehr hätte ich auch
nicht verkraftet. Ich denke heute, ich musste meine Quelle der Zärtlichkeit erst fließen zu lassen lernen.
Meine Kinder umarmte ich und streichelte sie, sie können das wie zärtlich sein.
Und mir fiel auf, dass sie ihren Vater lassen, aber sich mit ihren Freunden umarmen und mit mir. Mein Mann
umarmt dann auch.
Im privaten Sozialverhalten versucht er uns gegeneinander auszuspielen oder durch Zurückhaltung zu dämpfen oder zu übertrumpfen.
Eine ehemalige Auszubildende von ihm, die ich in einem Kurs kennenlernte, sagte mir, sie hätte
immer Angst vor ihm gehabt.
Heute erkenne ich diesen Typ Mann. Wenige solche sind in meiner
Musikgruppe. Der eine ignorierte mich, bis er sah und hörte dass ich
gut bin, seitdem strahlt er mich übertrieben an, umarmt sich aber
nie von selber mit mir. Früher hätte ich die Initiative ergriffen, heute geh ich ihm aus dem Weg.
Ich freue mich um so mehr über die Männer und Frauen die freundschaftlich zärtlich sein können und mich einfach mögen.
Ich merke aber auch, ich bin gern allein, oder allein unter Menschen, z.B. in einem Café.
Da fällt mir auch auf, wer übertrieben rumschaut oder zu aufdringlich wäre. Das sind die
falschen für mich.
An der buddhistischen Weisheit: Wer warten kann, zu dem kommt
alles mit der Zeit,
tut mir auch die liebevolle Ruhe gut, die daraus spricht.
Unser Musikgruppenleiter kann geduldig und ungeduldig sein, witzig übertrieben kritisieren, zur Ruhe
gemahnen, guten Rat geben, und er ist ein zärtlicher Mann, der einen liebevoll an der Schulter oder Taille
fasst und zugeneigt umarmt mit Kopf an Kopf. Diese Musikgruppe ist ein Geschenk des Himmels für mich.
Seit der Trennung von meinem Exfreund liege ich allein in meinem Zimmer im Bett, und das tut mir
auch gut.
Nur bin ich überzeugt, auch wenn es wieder mehr oder weniger nervt:
Wer warten kann (und wachsen kann), zu dem kommt alles mit der Zeit !
Alles Liebe ...