Zitat von Pablo1968: Deshalb auch meine Frage, wie man sich einen geliebten Menschen aus dem Herz reißen kann. Aber gibt es kein Wundermittel.
Ich habe schon Dich gemeint. Tut mir leid, wenn das nicht eindeutig war.
Ja, sich jemanden aus dem Herzen zu reißen, geht nicht. Das dauert einfach seine Zeit, aber ganz ehrlich, die neue Frau hätte Dir ja auch nie das ersetzen können, was Du für sie aufgegeben hättest. Gut, dass Du das erkannt hast. Hinzu kommt die rosa Brille der Verliebtheit, die Dich sicher manches verblendet hat anschauen lassen. Du kennst diese andere ja eigentlich nur bruchstückhaft, aber wie sie in einer vom Alltag geprägten Dauerbeziehung wäre, weißt Du nicht. Sicher wäre es zwischen Euch nicht so wie Du es jetzt empfindest, denn diese Hochgefühle flauen zwangsläufig ab.
Was hiflt: Kontakt einstellen, ganz und gar. Keine Telefonate, kein Geschreibsel und keine persönlichen Begegnungen. Ich weiß jetzt nicht mehr, ob sie eine Kollegin von Dir ist. Dann ist es schwieriger, aber es hilft dann auch, sich nur noch auf sachlicher Ebene zu begegnen. Keine persönlichen Worte mehr, die die Sehnsüchte nur wieder ankurbeln. Das ist ein harter Weg und der geht sich auch nicht leicht.
Ich wusste nach der Affaire, dass es niemals ein Ex-Back geben würde und habe damals noch einige Zeit auf "Freundschaft" gesetzt, was mir im Grund genommen nur wieder Eifersucht und Herzschmerz beschert hat. Verliebtheit und Freundschaft vertragen sich nicht. Ich hätte mich eher gelöst, wenn ich den harten Weg der Kontaktsperre gegangen wäre. So dauerte es halt länger, als ein halbes Jahr später der Kontakt zwischen uns ganz weg blieb. Aus einer seiner verschwurbelten Mails schloß ich, dass er eine Next hatte, mit der er sicher schon vorher unterwegs war. Da waren so seltsame Unternehmungen ... Ich war blöd damals.
Selbst trotz Kontaktsperre mogelte er sich immer wieder in meine Gedanken. Es war wirklich hart. Was mir half, waren, dass ich viel aktiver wurde und viel allein oder mit Freundinnen unternahm. Das schaffte Ablenkung, zeigte mir auch, dass es auch andere nette Orte gibt als ständig über den Ex. zu brüten und sich zu fragen, warum und wieso und was meinte er, als er sagte ...
Und ich schrieb. Wütende, seitenlange Mails, die ich niemals abschickte. Ich beschimpfte ihn, gab ihm zahlreiche Tiernamen etc., sagte ihm voraus, dass sein schei. ein böses Ende nehmen würde usw. Die Wut, die nach der Trauerphase kam, musste irgend wohin und ich lenkte sie dorthin, wo sie keinen Schaden anrichtete. Es war ein Ventil, aber so richtig hilfreich war es auch nicht, weil ich in Gedanken damit ja wieder bei ihm war. Meine Lieblingsfantasie waren zwei schwere Jungs, die ihn vermöbelten und dann würde ich kommen und ihm einen Tritt in seine verdammten ... geben.
Was hätte das geholfen? Nichts, meine Wut wäre kaum vergangen, aber ich hätte mir wohl eine Anzeige wegen Körperverletzung etc. eingehandelt. Außerdem kenne ich keine schweren Jungs.
Es ist ein Auf und Ab und an manchen Tagen denkst Du, Du hast es geschafft, aber einen Tag später haut es Dich wieder zurück.
Ich glaube, was wirklich hilft neben dem Abstand, ist, sich wieder voll und ganz auf sein Leben einzulassen, den Blick auf das Positive zu lenken, was einem gewährt wird.Es sind kleinliche Gedanken, mit denen man einen anderen Menschen, den man nur bruchstückhaft kennt, zur Hauptattraktion des Lebens hochstilisiert. Denn man vergisst darüber die Dinge, die doch viel wichtiger sind.
Nimm Dir Zeit, es kann einige Monate dauern, eher mehr Monate als wenige. Aber doch wirst Du feststellen, dass Du bei allen Rückschlägen allmählich die zwanghaften Gedanken an diesen einen Menschen abstellen kannst. Es geht allmählich, fast unbemerkt.
Ich habe mir damals geholfen, indem ich meinen Kummer personifizierte. Er, der Kummer konnte ja nichts dafür, aber er war da, ob ich ihn wolte oder nicht. Er war männlich, schwarz gekleidet, trug immer Anzug und Lederschuhe und hatte dunkle Haare, aber sein Gesicht kannte ich nicht. Aber er war neben mir, wenn ich durch die Stadt ging, wenn ich im Auto saß und in die Arbeit fuhr, er saß neben mir im Kino. Manchmal blieb er weg, ehe er wieder kam und ich in Gedanken zu ihm sagte: Du schon wieder, wann bleibst Du weg?
Er erwiderte dann immer mit einem kleinen Lächeln: Wenn meine Zeit um ist, gehe ich wieder, aber sie ist noch nicht um. Also musst Du noch einige Zeit mit mir leben.
Was soll man dann dazu sagen? Man sagt, okay, aber schön, dass Du mal 2 Stunden weg warst, ist auch schon was.
Das ist kein Modell, das jedem passt, aber ich denke, man sollte Mechanismen entwickeln, die es einem leichter machen. Kummer ist doch ganz normal, Sehnsucht auch, es gehört zum Leben wie auch Glück und Freude.
Ich freue mich darüber, dass Du diese Entscheidung getroffen hast und erkannt hast, dass Deine Familie ein Gut ist, das Du bewahren willst. Was ist dagegen dieser lächerliche Liebeskummer? Eigentlich nichts, was Dein Leben wirklich beeinträchtigen muss. Erst diese wahnsinnige Freude über diesen neuen Menschen, dann dieser ebenso wahnsinnige Schmerz, wenn man ihn wieder aus dem Leben streichen muss. Es ist halt nichts umsonst auf dieser Welt und alles hat seinen Preis.