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Verletztheit und Zukunftsangst

KittCat

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Hallo ihr lieben,

ich bin neues Mitglied dieses Forums und verfolge viele eurer Beiträge seit einiger Zeit. Zunächst einmal möchte ich sagen, dass ich es unheimlich toll finde, wie ihr euch hier gegenseitig auffangt, Mut macht und euch ernsthaft mit dem Schmerz der anderen auseinandersetzt. Durch eure Beiträge habe ich selbst schon etwas Kraft geschöpft, komme jedoch noch nicht ganz voran.

Lange war ich vom ,,Markt und glücklich verheiratet. In meinem Leben fehlte es an nichts: Freunde, Karriere, Reisen, Hobbies, völlige Sicherheit bei meinem Mann. Nur eine Sache hatte gefehlt, was mir viele Jahre selbst nicht auffiel: Leidenschaft! Mein Mann und ich waren ein hervorragendes Team, jedoch (wie ich mittlerweile weiß) kein gutes Liebespaar. Vieles schlich sich einfach ein und wir schoben Konflikte vor uns her. Im Bett war oft Flaute - meistens ging dies von mir aus. Obwohl ich ihn unfassbar attraktiv fand, ließ mich meine Libido im Stich. Heute weiß ich, dass die gute Anti-Baby-Pille einen erheblichen Anteil dazu beitrug und ich würde dieses Teufelszeug nie wieder anrühren.

Nach 6 Jahren solider Beziehung crashte plötzlich ein Mann in mein Leben, der selbiges völlig auf den Kopf stellte. zu dieser Zeit war ich bereits hormonfrei, sodass ich mich Hals über Kopf in eine Affäre stürzte und sogar dachte ich sei verliebt. Zum ersten Mal in meinem Leben spürte ich meinen Körper und mich als richtige Frau. Kurzer Zeit später warf ich sogar alles über Bord und wollte mit diesem Mann ein neues Leben beginnen. Doch nur ein paar Wochen später wachte ich wieder auf und wollte natürlich alles wieder gut machen. Mein Mann litt wahnsinnig in dieser Zeit und versuchte mich zurückzuholen. Doch ich wollte noch nicht aus diesem ,,Traum erwachen. Und als ich zu ihm zurück wollte, war die Tür leider zu und zwar so richtig. 1 Jahr kämpfte ich um ihn. Doch er wollte überhaupt keinen Kontakt - Aber auch keine Scheidung. Ich starb jeden Tag aufs Neue, fühlte seinen Schmerz, hatte wahnsinnig Schuldgefühle und hörte auf zu leben.

Bis. ein neuer Mann in mein Leben trat. einer, der mein Leben erneut auf den Kopf stellen sollte. Es war Leidenschaft pur. Jedoch gepaart mit jeder Menge Probleme. Er war der erste gleichaltrige Partner, den ich hatte. (Mein Mann war hingegen deutlich älter) Er hatte erst eine ernsthafte, langjährige Beziehung aber nie mit einer Frau zusammengewohnt. Wir kamen aus völlig verschiedenen Welten. Er war viel auf Parties ( öfter auch Dro. genommen), hochverschuldet, noch sehr jungenhaft und dennoch unfassbar charmant und fürsorglich. Ich wusste, dass er mir Ärger bringen würde, doch ich konnte mich seiner Aura nicht entziehen. So ließ ich mich auf ihn ein, half ihm wo ich konnte, damit er sein Leben auf die Reihe bekommt, was er auch größtenteils geschafft hat. Doch die ganze Zeit schwingte in mir eine enorme Unsicherheit mit, die ich vorher in keiner Beziehung, die ich hatte, fühlte. Ich spürte, dass ich nicht 100 prozentig zu ihm durchdringen konnte. er flirtete gern mit anderen Frauen und ließ sich generell unglaublich schnell ablenken. Immer wieder kam es zu Streit. Ich hasste mich dafür, eifersüchtig zu sein. Das kannte ich nicht von mir. Ich bin, ohne arrogant klingen zu wollen, eine sehr attraktive Frau - und zwar geistig und äußerlich. Doch immer mehr schien sein Interesse an mir zu weichen. Obwohl ich mir so sehr eine Zukunft mit ihm wünschte, verglich ich ihn immer mehr mit meinem Mann, der sich mir nie so gegenüber verhalten hätte. und plötzlich war sie da: Die Chance zurück in die Ehe zu gehen - Nach 3 Jahren Trennung! (Es ging von ihm aus) Nun stand ich da. Was mache ich? Meinen Mann liebte ich aus tiefsten Herzen und ich wusste, was mich erwarten würde. Doch in meinen Freund war ich nach 2 Jahren Beziehung immer noch leidenschaftlich verliebt und ich wollte ihn nicht verlieren. Nach einigen Wochen entschied ich mich dann doch für meinen Mann. Es schien mir nur logisch. Mit ihm wollte ich mein ganzes Leben verbringen - Wir hatten uns mal 60 Jahre geschworen. Doch es waren auch 2 Jahre vergangen, wir hatten nix aufgearbeitet und er sich negativ verändert. Nach 3 Tagen bei ihm zog ich erneut die Reißleine und flüchtete eine Woche zu meiner Schwester. Ich schämte mich für meine Gefühle, dachte daran, was ich beiden Männern antat, obwohl keiner von beiden wirklich um mich kämpfte. Ich dachte immer wieder an meinen Freund und wollte ihn zurück, da ich mir nun sicher war, dass ich emotional mit der Ehe abschließen konnte. Wir wollten sogar befreundet bleiben, trotz dessen ich zu meinem Mann zurück gehen wollte. (Mit dem ich letztlich ebenfalls freundschaftlich verblieben bin) Und auch das war für mich ein Zeichen, dass mein Freund an keiner tiefen Beziehung interessiert war oder einfach überfordert, da ich oft unglücklich mit ihm war. Er sagt selbst, er ist ein Spätzünder mit 33 und muss noch einiges für sich lernen. Das akzeptiere ich auch - zumal ich es auch satt hatte, mich so bescheiden behandeln zu lassen als gestandene Frau. Wir behielten die Trennung also bei, wohnten aber noch ein paar Wochen zusammen. Er bemühte sich um ein gutes Miteinander, sagte er liebt mich aber braucht Zeit. verbrachten noch freundschaftlich Weihnachten und Silvester zusammen. und nun bin ich in eigene Wohnung gezogen. So richtig Abstand bekomme ich aber nicht rein. Ich weiß inzwischen, dass er mir, so wie war, nicht gut tut. Und ich laufe ihm auch nicht hinterher- im Gegenteil. Das Maß ist wirklich voll. Ich habe wirklich viele Demütigungen hingenommen und ihm immer wieder verziehen, weil ich irgendwo verstehen konnte, warum er so ist wie er ist. Allerdings hält er weiterhin den Kontakt aufrecht. Bietet immer wieder Hilfe bei der Wohnungseinrichtung an, reagiert auf Social Media Beiträge meinerseits oder meldet sich wegen Belanglosem.

Er wird noch viel Zeit brauchen, um überhaupt zu realisieren, was er da verloren hat. Meine Angst ist nur: Wo werde ich dann stehen? Wiederholt sich das Spiel, dass einer neuer Mann in mein Leben tritt, mein Ex-Freund plötzlich auf der Matte steht und ich wieder zwischen den Stühlen stehe? Kann ich mich überhaupt nochmal auf einen Mann einlassen? 3 Jahre fahre ich nun schon Achterbahn. Ich bin innerlich kaputt. Hasse es, in keinem ,,Team zu sein.

Ich weiß, man sollte auch alleine klar kommen und was Job und Alltag betrifft, ist das auch kein Problem. Aber ich verstehe den Sinn nicht dahinter, etwas allein genießen zu müssen, was zu zweit 1000mal schöner ist. Auch die liebsten Freunde können diese Lücke leider nicht füllen. Ich hasse es, Single zu sein.

Ich hoffe, es ist alles halbwegs plausibel beschrieben und ich freue mich sehr über ein paar Tipps, wie ich vielleicht mein Denkmuster durchbrechen und angstfrei der Zukunft entgegenblicken kann.

Danke euch schon mal

14.01.2020 00:50 • #1


Pexit


Hm vielleicht eine gewisse emotionale Reife entwickeln.

Gestandene Frau und sich wie in der Pubertät verhalten, das beisst sich irgendwie.

Kann durchaus auch an der Pille liegen weil der Körper ja nach langjähriger Einnahme oft auch ewig braucht sich umzustellen wieder.

14.01.2020 02:18 • x 1 #2


VictoriaSiempre

VictoriaSiempre


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Zitat von KittCat:
Ich schämte mich für meine Gefühle, dachte daran, was ich beiden Männern antat, obwohl keiner von beiden wirklich um mich kämpfte.


Hast Du ein Duell erwartet? Wer sollte denn um Dich kämpfen - der Mann, den Du verlassen hast oder der, der Eure Beziehung eher locker-unverbindlich gesehen hat? Das hat schon ein wenig was von Prinzessinnen-Träumen.

Ich schließe mich meinem Vorschreiber an: Besonders reif und erwachsen hörst Du Dich nicht an. Klar ist es meistens schöner, Dinge zu zweit zu erleben. Aber warst Du jemals länger Single oder bist Du immer von Mann zu Mann gehüpft (was sich jetzt gemeiner anhört, als ich es meine). Womöglich ist keiner Deiner bisherigen Partner der richtige für Dich. Und die spüren das und "kämpfen" (ich finde diesen Begriff im Zusammenhang mit einer Liebesbeziehung immer so gruselig) deshalb nicht?

14.01.2020 02:44 • x 2 #3




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