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Verliebt in vergebenen Mann

Calendula7

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Ich lese hier seit einiger Zeit still mit. Ich schreibe nun auch einen Beitrag, da ich mit meiner Situation nicht klarkomme.

Da es eventuell für das Verständnis eine Rolle spielt, kurz etwas zu meiner Vorgeschichte:

Ich bin 40 Jahre alt. Im Alter von 14 Jahren wurde ich Opfer eines Übergriffes mit Vergewaltigungsversuch. Der Mann war Südländer und sehr männlich mit starkem dunklem Bartwuchs. Bis zum Äußersten kam es nicht, da ich mich mit aller meiner Körperkraft befreien und noch rechtzeitig entkommen konnte. Ich hatte zu dieser Zeit gerade meinen ersten Freund.

In den Folgejahren hatte ich kürzere „Beziehungen“, aber ich wollte keinen S. (auch aus anderen Gründen, aber ich denke der s.uelle Übergriff spielt da auch eine Rolle). Teilweise war ich recht verliebt, aber so wie der Mann sich mir körperlich näherte, erloschen die Gefühle und die Beziehung hielt nicht mehr lange.

Es gab dann einen Mann, in den ich mich verliebte, der recht weibliche Züge hatte. Mit ihm klappte es ganz gut, bei ihm hatte ich ein Bedürfnis nach S., was auch während der ganzen Beziehung erhalten blieb. Die Beziehung scheiterte aus anderen Gründen.

Wenn ich mich mit Männern gut verstand, dann waren das eher weiblich wirkende Männer oder der Typ „Künstler“.
Lange Zeit hatte ich das Gefühl, ich werde keine erfüllende Partnerschaft führen können, da ich mit dem männlichen Körper Probleme habe.

Nun treffe ich IHN. Er hat mich völlig umgehauen und zieht mich wahnsinnig an. Er ist verheiratet.
Ich versuche ihn mir auszureden, aber ich kam in einen völligen Ausnahmezustand wie noch nie in meinem Leben. Ich fühlte mich wie auf Dro., habe mehrere Wochen nur drei Stunden geschlafen, war dauerhappy.
Es dauerte eine Weile, bis ich überhaupt kapierte, dass dieser Zustand wohl durch eine Verliebtheit zu ihm entstanden ist. Ich fühle mich selten jemandem richtig nahe, auch bei guten Freunden, die ich schon lange kenne, ist das schwierig bei mir. Wenn ich ihn sehe, fühle ich so eine Nähe, so eine starke Vertrautheit zu ihm.

Die Happyphase ist rum, mittlerweile ist der Herzschmerz groß.
Diese Sehnsucht nach ihm zerreißt mich. Dieses Wissen: wir werden uns nie wirklich nah sein.
Nun erlebe ich nach 40 Jahren zum ersten Mal so ein gigantisches Gefühl und dann wird es ungelebt bleiben.
Er fühlt sich so richtig an. Er wirkt auf mich so leidenschaftlich, so lebenslustig, so voller Gefühl, ich würde so gerne mit ihm eins werden.
Mit ihm wünsche ich mir so sehr einen näheren Kontakt.
Meine Gedanken sind schwachsinnig, weil es nie dazu kommen wird.

Ich weiß nicht, wie ich mit diesem Schmerz umgehen soll. Eine große Liebe zu leben ist sicherlich nicht der einzige Lebenssinn, aber im Moment kommt es mir so vor, als sei alles sinnlos ohne ihn, ohne die Gefühle mit ihm ausleben zu können. Ohne mit ihm verbunden zu sein.

Fühle mich endlich „zuhause“, und er ist ein Mann, auf den ich auch körperlich Lust habe.
Wir hatten uns ein paar Wochen nicht mehr gesehen, als ich ihn wieder sah, zog mich alles zu ihm, wie gerne hätte ich ihn berührt, gestreichelt, geküsst, seinen ganzen Körper gespürt.

Gleichzeitig verurteile ich mich für diese Gefühle, da seine Frau zu ihm gehört. Ich möchte nicht jemanden begehren, der zu jemand anderem gehört. Und ich weiß, dass ich seiner Frau nie das Wasser reichen könnte und er bei ihr viel besser aufgehoben ist, als er es bei mir wäre. Also passt ja alles.

Doch wie gehe ich bloß mit diesem Schmerz um, nach 40 Jahren solch intensive Gefühle erleben zu können, wie ich sie vielleicht nie mehr erleben werde, sie aber nie ausleben kann?

Hätte ich schon öfter so etwas fühlen können, dann hätte ich die Hoffnung und das Vertrauen, dass irgendwann jemand anderes kommt (das ist ja dann irgendwann eine Erfahrung), für den ich ebenfalls starke Gefühle empfinden kann. Da ich aber bisher noch nie in meinem Leben so gefühlt habe, macht mich das völlig fertig. Es zeigt mir, wie schön es sein kann und gleichzeitig deprimiert es mich, weil ich über zwei Jahrzehnte nicht annähernd so etwas für einen Mann fühlen konnte und es nun nicht gelebt werden darf.

Versuche mich seit Monaten immer wieder abzulenken, aber diese Magnetwirkung wird nicht kleiner, nur der Schmerz wird größer, weil ich weiß, ich werde sterben, ohne ihm je nah gewesen zu sein.
Ich hätte es so gerne ein Mal in meinem Leben gespürt, wie es ist, sich ohne Distanzgefühl, sondern mit starken Gefühlen füreinander und Leidenschaft zu lieben, eins zu werden.
Ich komme mit dem Schmerz nicht klar, habe das Gefühl, der Schmerz zerreißt mich innerlich. Mir ist ständig hundeelend, ich kann kaum noch etwas essen, es schmerzt innerlich so.

Liebe Grüße
Calendula

10.09.2016 10:02 • #1


Zoe00


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Liebe Calendula (schöner Name ),
ich hatte nun erwartet, dass es sich bei deiner Liebe um einen Südländer handelt oä. Jedenfalls habe ich mich beim Lesen die ganze Zeit gefragt, wann diese Beschreibung noch relevant wird
Aber wahrscheinlich geht es dir einfach darum, dass du später dann eher den Kontakt zu eher femininen Männern gesucht hast...?

Es ist doch einfach schon eine mal ein sehr schönes Zeichen, dass du nach all diesen Jahren auch wirklich starke pjositive Gefühle für einen Mann empfinden kannst. Genau so solltest du versuchen das Erlebnis und den Kontakt mit diesem Mann einzuordnen- ein Erwachen/ Aufblühen deiner Gefühle! Das ist doch wirklich ganz ganz toll! Vielleicht konnten die Gefühle aber auch gerade erst dadurch zustande kommen, weil von Anfang an klar war, dass sich hier nicht mehr entwickeln kann und wird. Du warst hier also in einer sicheren Position und konntest das Vertrauen und die Nähe zulassen, was du bei einem freien Mann so nie hättest leben können?! Du solltest versuchen, deine Gefühle genau zu ergründen und dich selbst zu reflektieren.

10.09.2016 10:12 • #2


VictoriaSiempre

VictoriaSiempre


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Liebe Calendula,

wow - Dich hat es ja voll erwischt. Aber hast Du mal drüber nachgedacht, dass Du Dich vielleicht so dermaßen verknallt hast, gerade WEIL dieser Mann unerreichbar ist (oder zu sein scheint)? Du packst alle Deine Wünsche und Sehnsüchte auf diesen Mann, der Dich ganz offensichtlich in jeder Beziehung antörnt: Das nennt sich Projektion.

Gibt es denn Anzeichen, dass er auch an Dir interessiert ist (und nein - ich meine nicht freundschaftlich)? Ich lass mal die Tatsache, dass er verheiratet ist, außen vor, denn "gehören" tut er seiner Frau sicher nicht. Wenn es mit Euch sein soll, dann kann er sich auch trennen. Die schlechtere Alternative wäre eine Affäre, bei der Du im Schatten bleibst. Aber ich lese Dich so, als ob das alles sehr einseitig, von Deiner Seite aus, läuft.

Es ist sehr bitter, wenn man sich verliebt und die Gefühle nicht erwidert werden. An Deiner Stelle würde ich aus Eigenschutz den Kontakt abbrechen oder sehr einschränken.

Ich gehöre nicht zu denjenigen, die für alles und jeden sofort nach einer Therapie rufen. Aber Dein Erlebnis in der Teenie-Zeit war ja offensichtlich sehr traumatisch für Dich. Bist Du das mit professioneller Hilfe mal angegangen?

Ich wünsche Dir alles Gute!

10.09.2016 10:16 • x 2 #3


Calendula7


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Liebe Zoe,

herzlichen Dank für Deine schnelle Antwort.

Ja genau, ich habe das mit dem Südländer erwähnt, weil ich lange Zeit vermutete, dass ich deshalb Probleme mit „normalen“ Männern habe.
Dieser Mann nun wirkt sehr weiblich. Als ich letzt einem Bekannten Fotos von ihm zeigte, meinte er: das ist doch eine Frau. Er sieht mehr wie eine Frau als wie ein Mann aus. Er muss sich nicht rasieren, weil er keinen Bartwuchs hat, aber es ist ja nun mal normalerweise ein sekundäres Geschlechtsmerkmal von Männern, dass sie Bartwuchs haben.
Daher habe ich Angst, dass ich solche Gefühle nie mehr spüren kann, weil ich ehrlich gesagt sonst noch nie so einen Mann wie ihn getroffen habe und es nun 40Jahre gedauert hat.

Ich genieße jede Berührung von ihm und tief im Inneren wünsche ich mir, dass es eine für alle Beteiligten schöne Variante gibt. Z.B. seine Frau verliebt sich in jemand anderen, will die Scheidung, er verliebt sich gleichzeitig in mich und ihm tut deshalb die Trennung nicht weh und wir können ein glückliches Paar werden. Blödsinn, ich weiß, sie sind ja sicherlich glücklich miteinander und prinzipiell freue ich mich da sehr für die beiden. Blöd halt, wenn man selbst dann so Gefühle hat.

Ich denke, ich würde die Nähe gut mit ihm leben können. So wie ich sie damals mit dem einen eher weiblichen Partner auch gut leben konnte.

Die Berührungen, die sich ergeben, genieße ich wahnsinnig, weil es sich so vertraut anfühlt. Doch letztlich bleibt ein großer Schmerz, wie ein Entzug, gerade noch berührt und dann ist da ein Nichts. Weg ist er und ich sitze wie ein Häufchen Elend da. Er ist generell jemand, der andere viel berührt, unabhängig davon ob Mann oder Frau. Er geht auf andere sehr offen zu, auch mit Körperkontakt.

Ich gehe durchs Leben, schaue mir Männer an und spüre, dass sich da nichts entwickeln könnte, weil die „Optik Mann“ es bei mir leider verhindert. Ich fühle da nichts. Schön wäre es, wenn es anders wäre.

Danke für Deine Gedanken!

10.09.2016 11:28 • x 1 #4


Calendula7


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Liebe VictoriaSiempre,

ja, es hat mich echt arg erwischt, das war für mich selbst überwältigend, wie schon geschrieben, wie auf Dauerdroge, noch nie so einen Zustand gehabt.

Auch Du gibst den Denkanstoß, ob ich mich so verknallt habe, WEIL er unerreichbar ist.
Ich denke nicht, aber ich werde darüber nochmal nachdenken.
Am Anfang hoffte ich ja noch, dass er erreichbar ist und vielleicht war ich so happy, weil ich dachte, es wird etwas. Aber wohl nur, weil ich diese Nähe und Vertrautheit spürte, die er ja wahrscheinlich gar nicht spürt. Aber ja, den Ehering hatte ich relativ bald gesehen.
Wenn seine Ehefrau es „gestatten“ würde, dass wir uns körperlich nahe sein könnten, dann wäre ich sofort dabei, ohne erst mal mehr (Beziehung, Ehe, gemeinsames Wohnen) zu wollen. Ich würde es für ihn denke ich wollen, dass er bei seiner Frau bleibt, da sie ihm viel mehr geben kann, ihm wird es mit ihr besser als mit mir gehen.

Zuerst hatte ich das Gefühl, dass er mich sehr mag. Ja, das war sicherlich so. Als er mir mal eine Mail von einem gemeinsamen Account von sich und seiner Frau schickte, antwortete ich auch dorthin (sonst lief der Emailkontakt über einen anderen Mailaccount, aber vielleicht nutzen den auch beide). Es war eine recht lange Mail (allerdings ohne privaten Inhalt). Seit dem ist er distanzierter als vorher, er hatte auf diese Mail auch nicht mehr geantwortet und seit dem ist unser Mailkontakt erloschen. Sonst hatte er immer postwendend geantwortet und wenn es nur ein „Danke für die Info“ o.ä. war. Ich schreibe seit dem nicht mehr, da es für mich ein Zeichen war, dass er zwei Mails von mir unbeantwortet ließ, vorher aber immer postwendend und sehr nett geschrieben hat. Ich wollte mich bei unserer letzten Begegnung entschuldigen, dass ich wohl mit meiner Mail etwas erschlagen habe, aber am Anfang hatte ich das Gefühl, gleich einen Herzkasper zu bekommen und konnte gar nichts sagen, später waren wir nicht mehr alleine.

Ich glaube, wäre er „frei“, hätte ich eine Chance gehabt.
Zu kommt: er ist streng katholisch. Für ihn gibt es keine Trennung, keine Scheidung. Die Frau, die er geheiratet hat, bleibt immer seine Frau. Falls die Beziehung nicht gut läuft, dann wird zeitlebens daran gearbeitet. Finde ich prinzipiell eine gute Einstellung, allerdings bin ich für eine Trennung, wenn man vieles versucht hat und es trotzdem nicht mehr funktioniert, ehe man kaputt daran geht.
Davon abgesehen glaube ich jedoch, dass er mit ihr glücklich ist, aber ich weiß über ihre Ehe nichts. Er ist immer sehr gut gelaunt, lacht viel, gibt sehr viel (viel Gefühl, Fürsorge, Interesse an anderen, Freundlichkeit, Offenheit zu anderen), ich habe das Gefühl, bei ihm in der Ehe muss es gut laufen, sonst wäre er nicht so dermaßen gut und locker drauf. Und sie sind beide zusammen in vielen Bereichen sehr engagiert, mir kommt es vor wie eine Bilderbuchehe.

Wegen seines Glaubens (und seines Engagements in der Kirche mit seiner Frau zusammen) würde er sicherlich auch keine Affäre beginnen. Ehrlich gesagt würde ich mir erst mal eine Affäre wünschen (aber eben nur, wenn es seine Frau nicht verletzten würde und das ist unwahrscheinlich), denn ich wäre ihm körperlich so gerne nah. Sicherlich hätte ich auch darüber hinaus gerne Kontakt zu ihm, aber ich weiß, dass ich ihm nie das bieten könnte, was seine Frau ihm bietet. Sie hält ihm den Rücken frei, ist eine prima Hausfrau, sie leben zusammen intensiv ihren Glauben uvm. Ich könnte das gar nicht hinbekommen, bin dazu wahrscheinlich viel zu verjunggesellt.

Ich bin mir unsicher, ob es wirklich dieses Erlebnis war, warum ich so bin. Ich habe es mit zwei Psychotherapeuten besprochen, einer meinte, es läge daran und wir haben es in gewissem Sinne aufgearbeitet. Aber es änderte nichts daran, dass ich keinerlei körperliche Anziehung zu den meisten Männern fühle. Dann war er ratlos. Ein anderer Therapeut fragte mich, ob ich mich zu Frauen hingezogen fühlen würde.
Ich war mal in eine Frau verliebt (was wahrscheinlich manche Frauen mal sind ohne gleichgeschlechtlich zu sein), aber ich glaube nicht, dass ich gleichgeschlechtlich bin, denn ich denke ja an ihn als Mann und mit diesem einen weiblicheren Mann fand ich Nähe ganz toll. Vom Körperbau wirkt er auch eher nicht weiblich, er ist eher kräftig, aber eben sein Gesicht und seine Stimme sind sehr weiblich.

Ich werde über Deine Idee der Projektion nachdenken. Ich habe nicht so sehr das Gefühl, dass ich alles auf ihn packe, weil es erst mal diese riesige körperliche Anziehungskraft ist, mich jede Berührung von ihm elektrisiert, wenn wir uns in die Augen schauen, das ist Wahnsinn für mich. Das würde ich gerne ausleben.
Ob da noch mehr wäre und wie es mit uns als Paar wäre, darüber bin ich mir unsicher, da ich ihn viel zu wenig kenne. Ich stelle es mir schön vor, da wir beide in unserem Kontakt versuchen, dem anderen zu helfen, ihm Dinge zu erleichtern, fürsorglich sind, aber selbst wenn er frei wäre, würde ich schauen wollen, wie sich das entwickelt und dass es im Alltag nicht funktionieren würde, würde ich auch in Betracht ziehen.
Aber dass er körperlich wahnsinnig leidenschaftlich wäre, projiziere ich ja ein gewisses Stück weit, wer weiß, wie es mit ihm körperlich wäre. Da er im Beruf so leidenschaftlich ist, mit Menschen so engagiert, offen umgeht, stelle ich mir das andere halt auch so vor

Aber danke für diesen Gedankenanstoß, ich werde versuchen, mir das genauer anzuschauen und das Erkennen von Projektionen schafft ja vielleicht auch schon sein Stückchen Distanz.

Liebe Grüße
Calendula

10.09.2016 11:37 • x 3 #5




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