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Völlig orientierungslos

Russ

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Hallo,
bin das erste mal überhaupt in einem Forum, weil ich dachte, ich könnte auf derartige "Hilfen" verzichten. Vielleicht will ich auch einfach nur meine Geschichte niederschreiben.
Vor zwei Tagen hat mich meine Partnerin nach mehr als viereinhalb Jahren engster Beziehung verlassen. Doch bereits seit letzter Woche Montag gehe ich durch die Hölle...

Zunächst will ich aber auf den notwendigen Backround eingehen, um den Forumteilnehmern eine realistische Einschätzung der Lage zu ermöglichen.
Zeit meines Lebens hielt ich mich für beziehungsgestört. Das hatte mehrere familiäre und auch persönliche Gründe, auf die ich nicht näher eingehen will. Einerseits wollte ich immer große Erfahrungen vorweisen können (sowohl s.uell als auch im Umgang mit Frauen allgemein), andererseits sehnte ich mich selbstverständlich nach meinem weiblichen Seelenverwandten.
Ich verliebte mich mit 18 Jahren in eine Klassenkameradin. Ich machte so ziemlich alle Fehler, die man in einer Beziehung machen konnte. Übermütig verabschiedete ich diese junge Dame aus meinem Leben. Ein Fehler, wie sich später herausstellen sollte. Durch Eifersucht und Missgunst getrieben, hatte ich plötzlich das Gefühl, sie zurückgewinnen zu müssen, da ich Angst hatte, sie könnte ohne mich ausschweifende s.uelle Erfahrungen machen und den Spieß umdrehen. Dieser Geschichte folgte ein jahrelanges Hin und Her, bei dem die eine Seite ständig versuchte, die andere Seite zu dominieren. Tolle Beziehung !!! Na ja, schlussendlich endete das Dilemma mit der Folge dass ich aus rasender Eifersucht und manischen Gedankengängen mehrere Jahre ein Trauma durchlebte, bei dem ich mich schließlich völlig aufgab. Es war keine Substanz zum seelischen Wiederaufbau mehr vorhanden. Zum damaligen Zeitpunkt gab es auch andere schwere Verluste (Scheidung mit anschließender Schlammschlacht letzter Güte). Ich war völlig am Boden und hatte keine Ziele mehr. Zum damaligen Zeitpunkt war ich 21 und hatte nur einen mittelmäßigen Handelsabschluss. Ich hatte keine Perspektive mehr und wurde sehr depressiv.
Ich denke, dass ich sehr egozentrisch oder gar -manisch bin, hatte  ich auch Probleme einzusehen, dass ich verlassen werde, nicht mehr gut genug bin.  Hinzu kam der grenzenlose manische Neid auf hemmungslose s.uelle Erlebnisse ihrerseits. Dies war auch, so denke ich, mein Hauptbeweggrund sie zurückgewinnen zu wollen.
In den folgenden Jahren mussten viele Frauen unter meiner Verletzung leiden, da ich mich nur auf diese Weise mit der  Tatsache abfinden konnte, verlassen worden zu sein.
Beruflich absolvierte ich eine handwerkliche Lehre, machte einen Fachoberschulabschluss und wollte zu studieren beginnen. Mein Selbstvertrauen wuchs und wuchs.  Eine Verkettung - für mich glücklicher - Beziehungs- bzw. Affärenereignisse führte schlussendlich zu der Tatsache, dass, dass ich quasi bei Null anfangen konnte. Damit meine ich in erster Linie dass ich bei einem Punkt angelangt war der mich vom anstrengenden Beziehungs-(Affären-)drang erlöste. Ich war frei, mit mir selbst im Reinen. Ich konnte mir vorstellen, die Liebe, frei von irgendwelchen Zwängen, als biologisch-chemische Reaktion zu begreifen. Dies hört sich zwar sehr ernüchternd an, aber jeder der in diesen Genuß gekommen ist, weiß wie losgelöst und zufrieden ich mich in dieser Zeit fühlte. Ich war der Meinung, optimal auf mein großes Ziel, ein Hochschulabschluß, eingestellt zu sein. Hierzu zählt z.B. der Abschluss der oben ausgeführten Beziehung.

Just zu diesem Moment lernte ich ein acht Jahre jüngeres Mädchen kennen, dass seinen Alterskolleginnen jedochJahre voraus war. Sie war spritzig, frech, s.y, hemmungslos, unzähmbar und sehr intelligent. Ich war beeindruckt. Wir verliebten uns sofort ineinander. Ich, der Ältere, musste natürlich eine gewisse Dominanz vorgeben, um ihr eine Orientierung vorzugeben. Schon zum damaligen Zeitpunkt spürte ich, dass diese Frau etwas Gefährliches in sich hatte, das mich an die "Qualitäten" meiner ersten Liebe (s. oben) erinnerte. Ungeachtet dessen zogen wir zusammen. Bisher war ich der Meinung gewesen, nicht mit einer Frau zusammenleben zu können. Es verlief jedoch super. Ich konnte Erfahrungen meiner vergangenen Beziehungen einfliessen lassen, sie war bereit zu lernen. Wir verbrachten die ausgeglichenste Beziehung, die man sich nur vorstellen kann. Wir konnten vier Jahre nicht voneinander lassen und zelebrierten unsere Liebe. Erstmals in meinem Leben stand ich zu einer Frau und zu unserer Liebe. Alles war so schön und ungewöhnlich einfach. Streitigkeiten wurden als Herausforderung begriffen und gelöst. Ich unterstützte die Beziehungsarbeit sowohl durch Metaphern als auch Sprichwörter wie : Was du nicht willst, was man dir tu, das.... Es funktionierte! Im Laufe der Zeit richteten wir uns, mit dem wenigen Geld dass wir hatten (Meine Fähigkeit), Kreativität (Ihre Fähigkeit) und handwerklichem Geschick eine gemeinsame Zukunft ein. Uns stand die Welt offen.
Parallel hierzu wuchs jedoch in mir die Gewissheit, etwas zu vernachlässigen, das sich im Resultat aus meiner Erfahrung als Bedrohung erweisen könnte. Ich konnte mich nicht dazu durchringen, ihr Freiheiten einzugestehen. Grund hierfür war die Angst, dass wenn sie mal das Blut der Freiheit gekostet hat, nicht mehr zu kontrollieren sei. Ich vertraute ihr nicht und engte sie immer mehr ein.
Die Beziehungsarbeit wurde immer einseitiger.Meine Studienabschlussarbeit, auf die ich mich konzentrieren musste, ließ mich erahnen, dass aufgrund meines zu erwartenden Zeitmangels die Beziehung  wiederum leiden könnte.
Ich machte ihr klar, dass nun, mehr oder weniger, Sie an der Reihe wäre, aktiv an der Beziehungsarbeit mitzuwirken. Ihre Reaktion ließ mich innerlich Schlimmes erahnen.
Bereits zu Anfang meiner wissenschaftlichen Tätigkeit musste ich erkennen, dass wir uns entzweien. Hieraus erwuchs die erste ernstzunehmende Krise unserer Beziehung. Meine Partnerin wollte, ihrem Alter entsprechend, ausgehen, bei Freundinnen schlafen usw. usw.. Ich reagierte aggressiv, da ich dachte, es sei eine Unverschämtheit mich während meiner Diplomarbeit mit derartigen Anforderungen zu belasten. Das Unglück nahm seinen Lauf. Zerfressen von Ehrgeiz und Panik konzentrierte ich mich fast nur noch auf die Anfertigung der Arbeit. Abends war ich oft mürrisch und unzufrieden. Im Nachhinein muss ich eingestehen: Ungeniessbar. Parallel wuchs, wahrscheinlich schon zum damaligen Zeitpunkt, in Innern meiner Freundin der Gedanke unabhängig sein zu wollen und mich verlassen zu wollen. Ich ignorierte dies dummerweise. Innerhalb ihrer freizeitlichen Aktivitäten trat plötzlich ein Mann in unseren Kreis, der wesentlich älter ist als sie (Sie: 23, Ich: 31, Er: 37). Sie unternahmen viele Aktivitäten und ich reagierte eifersüchtig. Längst vergessene und abgeschlossene manische Gefühle traten in meiner Psyche zu tage. Ich bekam Angst und verteufelte die Tatsache, dass meine Freundin mehr Zeit mit ihm verbrachte als mit mir.
Er hat viel Geld, Charisma, dickes Auto, gute Beziehungen blablabla.....Ein Blender. Bekannte warnten mich vor ihm, doch ich wehrte im Sinne meiner Freundin ab. Niemand dachte dass sie sich von seiner oberflächlichen billigen Art und Weise beeindrucken ließe.....Ein Trugschluss.
In einem gemeinsamen Urlaub mit ihm, seiner Freundin, mir, meiner Freundin und einer Bekannten wuchsen in mir konkrete Bedenken. Nach einem kleinen Streit machte meine Freundin mir klar, dass sie Bedenken hinsichtlich einer gemeinsamen Zukunft habe. Ich reagierte panisch. Ich beschimpfte sie, unterstellte ihr (wie sich später  herausstellt: zu recht) eine Affäre. Die Situation eskalierte. Ein Sturm altbekannter manischer Gefühle ( Neid, rasende Eifersucht, s.uelle Obsession) brach über mich herein. Da sie noch eine Woche "Bedenkzeit" verlangte, machte ich mir meine Gedanken. Die folgende Woche sollte die quälenste Woche meines Lebens werden. Ich gab mich auf, war verzweifelt, vertraute  in die Stärke unserer Liebe, und versuchte es ihr irgendwie recht zu machen. Ich ahnte, dass sie mich betrügt. Nach 5 Tagen machte sie am Handy (Alptraum!) mit mir Schluss. Sie beteuerte aber, bisher nichts mit ihm gehabt zu haben, sie seinen lediglich verliebt. Seiner Freundin erzählte er zunächst eine andere Version. Angeblich aus Rücksicht. Doch ich ließ nicht ab und überführte sie schließlich der Untreue. Meine Welt brach zusammen. Ich stellte mich stur und verweigerte jeden Kontakt in der Hoffnung sie käme aus Reue zu mir zurück. Nichts passierte. Ich wurde in einen Sog der Qual und Zweifel gezogen. Sie sagte, sie müsse ein paar Tage allein sein und nachdenken. Hierzu würde sie eine Freundin zu einem Bewerbungsgespräch in eine weiter gelegene Stadt begleiten. Sie müsse u.a. über uns nachdenken. In Wirklichkeit jedoch war sie mit ihm auf einer Geschäftsreise. Sie sagt, sich nun endlich selbst verwirklichen zu können, frei zu sein, mit ihm zusammen das große Geld zu scheffeln und glücklich zu sein. Ohne Rücksicht auf Verluste log und betrog sie mich, ihren Bekanntenkreis und ihre Eltern. Meine (Unsere) bisherigen Orientierungspunkte werden gnadenlos weggeworfen. Ich denke, sie will mir nicht mehr unter die Augen treten, weil sie mir gegenüber ihr Gesicht verloren hat. Ich empfinde nur noch Leere. Mein Mädchen in den Händen eines Anderen. Sie scheint glücklich zu sein. Gedanken an das Ausleben ihrer s.uellen Unersättlichkeit macht mich handlungsunfähig. Sie ist kalt, hinterlistig und berechnend. Und das einen Monat vor Abschluss meines Studiums. Ich habe an uns geglaubt. Deshalb kann ich jetzt auch meine Liebe zu ihr nicht einfach abschalten. Das, was sie momentan mit mir anstellt, ist nur als seelische Grausamkeit zu bezeichnen. Ich habe begriffen, dass dieser Schaden irreparabel ist. Jedoch richtet sich jeder Gedanke ausschließlich an sie. Ich fühle mich so verraten. Ich habe mein Studium doch auch deshalb abgeschlossen um uns eine gemeinsame Zukunft zu ermöglichen.

Ich weiss einfach nicht mehr weiter.

Hilfe!!!!!!!!!!!!!!!!

08.11.2005 14:44 • #1


Russ


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Hallo ihr Leidenden,
bitte seid nicht böse, dass ich so viel geschrieben habe. Ich musste mir aber meinen ganzen Frust von der Seele schreiben. Die derzeitige Situation macht mich völlig fertig. Ich weiß weder ein noch aus. Bitte berücksichtigt dies und antwortet. Die Wunde ist noch ganz frisch.

P.S.: Da ich keinerlei Erfahrungen mit Foren dieser Art habe, könnt ihr mir ja auch ein paar Tips geben, wie ich besser oder gezielter schreiben soll.

Im Voraus schon vielen Dank

08.11.2005 15:40 • #2



Völlig orientierungslos

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urploetzlich


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Hallo Russ,

ich erkenne mich zu einem guten Stück in deinen Ausführungen wieder.
Mir geht es selber gerade sehr schlecht, deswegen werde ich mich kurz fassen. Ich bin auch Student, stand Anfang September kurz vor einer Abschlussprüfung und eine Woche davor erbat sich meine jüngere Freundin "Bedenkzeit". An Lernen war nicht mehr zu denken. Ich hatte viel gearbeitet in der semesterfreien Zeit und hatte geplant - wie immer - die letzte Woche non-stop zu lernen. Auf dem Abendspaziergang nach einem arbeitsintensiven Wochenende von mir meinte sie, wir müssten über unsere Beziehung sprechen. Ich war total abgekämpft, stand vollkommen auf dem falschen Fuss und sie hatte ihre Hausaufgaben gemacht. Nach drei Stunden war ich fix und fertig und wusste nicht mehr wo mir der Kopf stand. Ich hatte sie auch mehrfach gefragt, ob es einen anderen gibt die Antwort war aber entschieden 'Nein'. Sie bräuchte erstmal Zeit. Nach anfänglichem Kampf gegen Windmühlen akzeptierte ich schliesslich "die Pause" und redete mir ein, dass die Zeit auf unserer Seite sein würde. Ich hielt still, rief nicht an, mailte nicht und stand nachts nicht unter ihrem Fenster. Ich dachte wirklich, dass sie sich Gedanken über uns macht. Nach einer Woche meldete sie sich wieder. Ich schöpfte Hoffnung, hatte ich doch die Tage bis dahin gelitten wie ein Hund. Doch die Luft war raus und sie hatte eigentlich schon mit mir abgeschlossen. Ich sah das aber noch nicht, bemühte mich wie ein Wahnsinniger, beteuerte, an mir arbeiten zu wollen in gewisser Hinsicht, mich mehr um sie zu kümmern etc. Sie registrierte es scheinbar regungslos. Wieder beschwichtigte ich mich mit der Zeitformel. Ich dachte: lass ihr noch mehr Zeit. Am Ende der Woche fand ich durch einen dummen Zufall heraus, dass sie einen Tag, nachdem sie sich die "Bedenkzeit" erbeten hatte, mit einem anderen Mann in Kontakt getreten und mit ihm dann auch recht schnell in der Horizontalen gelandet war.
Er 42, gutaussehend, erfolgreich, sportlich - Sie 23. Soviel zum Thema. Sie wird mit ihm keine Beziehung haben, weil er sie nur flachlegen wollte, aber es hat genügt, um ihr Gefühl für mich (die letzte Zeit war schwer für uns beide gewesen) zu killen.

Ich denke Du hast schon erkannt woran es liegt bei euch und das musste ich schmerzlicherweise auch.
Ich habe aufgrund meiner "Lebenserfahrung" das Wesentliche mißachtet, wenn man mit einer jüngeren Frau zusammen ist:

- Du kannst/darfst ihnen keine Erfahrungen abnehmen (wenn sie in die Disko will, lass sie, freu dich mit ihr oder geh mit. Wenn sie bei Freundinnen übernachten will, lass sie, oder geh mit, aber sag nicht, das sei Blödsinn, unreif etc...) weil Du nämlich in dem Alter ähnlich getickt hast.

Wenn Du dies nicht kannst, ohne Dich zu sehr zu verdrehen und/oder wenn sie irgendwann auf den Selbstverwirklichungstrip kommt und das Gefühl hat, dass das Leben noch wesentlich mehr zu bieten hat, dann ist die Beziehung nicht mehr lebensfähig und alles, was Du und ich jetzt sehen (anderer Mann etc) und als Hochverrat an den gemeinsamen Zielen und Gefühlen betrachten, ist nur die traurige Konsequenz aus etwas, das in den meisten Fällen schon viel früher und schleichend kaputt gegangen ist.

Russ, bei mir ist die Sache jetzt 2 Monate und vier Tage her und mir geht es physisch und psychisch nicht gut, aber die Ernüchterung hilft mir, die Dinge langsam etwas rationaler zu sehen. Es tut sehr weh, dass die Frau, die von mir ihre Kinder haben wollte, sich nun doch für ein Leben ohne mich entschieden hat.

Ich wünsch Dir viel Kraft und hoffe, dass Du Dein Studium fertig machen kannst. Das machst Du für Dich und für niemanden sonst.

jo

08.11.2005 22:33 • #3


Russ


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Hallo Jo,
es hilft mir sehr, dass es auch andere gibt, die - mehr oder weniger - in einer derartigen Situation stecken. Da die Sache bei mir noch sehr frisch ist, schwelgen meine Gedanken nur  zwischen Hass, Traurigkeit, Angst, Neid und Eifersucht. Es eröffnet sich ein Leidensweg ohne Ziel. Deprimierend. Jedoch weiss ich auch dass ich momentan vor einem wichtigen Punkt in meinem Leben stehe - in vielerlei Hinsicht. Diese Erkenntnis kann sich sowohl positiv als auch negativ auf meine Zukunft auswirken.


In der Woche Bedenkzeit, die sie erbat, hat sie mich ohne Rücksicht auf Verluste betrogen, hintergangen und verletzt. Ich gab mir wirklich Mühe und bin dabei fast wahnsinnig geworden. Sie motivierte mich über meinen Schatten zu springen, sagte sogar, dass sie stolz auf mich sei, wenn ich auch mal alleine weg gehe. Ich entdeckte sogar, dass sie zu einem gewissen Teil recht hat( man lässt sich halt gerne hängen). Doch sie hatte die Sache schon abgeschlossen und war nur zu feige um mir das einzugestehen. Ich bin aufs Übelste verletzt und entäuscht. Sie hat das Ergebnis von jahrelangen Bemühungen und Gedanken einfach so auf den Müll geworfen und hat mir dabei noch mit einem Grinsen ein Messer in den Rücken gestossen. Nach jahrelanger quälender Meinungsbildung in Sachen Liebe, hat sie mir gezeigt, dass es keine wahre Liebe nach meinem Geschmack gibt. Das ist sehr ernüchternd. Ich hatte letztendlich gedacht, dass es möglich ist, mit viel aktiver Beziehungsarbeit, eine echte, reine Liebe zu zelebrieren. Ohne zeitliche Schranken. Sie wusste genau, dass sie jetzt an der Reihe ist, aktiv die Beziehung mitzugestalten. Ich hätte gedacht, dass nach meiner Vorarbeit der vergangenen Jahre, bei ihr endlich der "Motor anspringt". Doch weit gefehlt. Ich habe nunmehr den Eindruck, dass ich mir die vergangenen Jahre alles nur vorgemacht habe und die Beziehung auf meine Kosten so gut lief. Das ist desillusionierend. Ich habe momentan das Gefühl, dass ich im Leben nur dann glücklich werden kann, wenn ich mich wieder auf den quälenden Pfad der Ruh- und Rastlosen begebe. Vielleicht komme ich irgendwann ja wieder an die Stelle in meinem Leben, bevor diese Beziehung begann. Mit der Erkenntnis, das Verliebtsein nichts anderes ist als ein Sturm der Hormone, der auch wieder abklingt, lässt sichs gut leben. Aber lässt es sich so auch gut LIEBEN? Nach biologisch-chemischen Erkenntnissen ist der Mensch eigentlich nicht für eine monogame Beziehung auf Lebenszeit geschaffen. Das s.uell dominantere Lebewesen ist die Frau( Ja, Ja, es ist wahr!!!!). Nüchtern betrachtet sind also viele Beziehungsprobleme nichts anderes als das Verweigern von natürlichen Signalen, sich nun einen anderen (vielleicht potenteren) Partner zu suchen. In diesem Forum stosse ich mit derartigen Behauptungen sicher auf taube Ohren, es ist aber letztlich nicht zu verleugnen. Da diese wissenschaftlichen Studien jedoch in erster Linie auf den Untersuchungen von menschnahen Lebensformen basieren, ist dies natürlich nicht eins zu eins auf die menschliche Gesellschaft zu übertragen. Es ist aber einen Gedanken wert um so manches Balz- bzw. ****Verhalten von manchen Zeitgenossen oder Beziehungspartnern zu verstehen.

Ich weiss, ich habe jetzt eine sehr schwere Zeit vor mir. Es ist vorbei!!!. Auf diese Tatsache einlassen kann ich mich jedoch nicht. Wenn ich Sie dass erste Mal (allein oder noch schlimmer: mit Ihm) wieder sehe, weiss ich nicht wie ich reagiere. Sie fehlt mir so. Andererseits weiss ich, dass ich nur meinen Frieden finden kann, wenn ich sie beginne zu verachten. Eine Freundschaft will ich nicht, obwohl sie Zeit unserer Beziehung meine beste Freundin war. Ich liebe sie immer noch, ob ich will oder nicht, obwohl klar ist, dass wir keine gemeinsame Zukunft haben. Ich bin hin und hergerissen. Sie ist noch nicht ausgezogen, weil sie immer noch mit IHM auf Geschäfts- oder ****** Reise ist. Wie auch immer.
Immerhin habe ich schon die Fotos aussortiert und ihre Bilder abgehangen.  Schlimm ist auch dass ihre Eltern, mit denen ich die letzten vier Jahre relativ viel Kontakt hatte, zu ihrer Tochter stehen egal was sie macht. Die Modebranche, in die meine Ex-Freundin als Geschäftsfrau einsteigen will, ist eine harte Umgebung. Okay, sie ist auch eine sehr toughe Frau. Trotzdem, ich habe irgendwie Angst um sie. Sie war einfach die für mich tollste Frau der Welt. Ihre Eltern kommen aus eher kleinbürgerlichen Verhältnissen. Dies erklärt auch, warum sie auf einmal auf diesen Blender hereinfällt. Ihre Eltern können nicht verstehen, oder besser, wollen nicht verstehen was gerade mit ihrer Tochter passiert. In der Familie gab es einen Todesfall (Ihr Bruder), über den sie nie wirklich hinweggekommen ist. Ich verstand, dass ich ihr deshalb auch eine starke Schulter bieten musste. Vielleicht war ich deshalb immer etwas herrisch zu ihr gewesen, wenn ich der Meinung war, dass sie den Bogen überspannt. Dies ist auch der Grund warum ihre Eltern, alles was die nunmehr einzige Tochter macht, gutheißen, ohne auf den Hintergrund oder die möglichen Folgen zu achten.

Sie will von ihrer alten Umgebung mit ihren alten Werten nichts mehr wissen. Alle Mühen waren umsonst. Eine bittere Erkenntis, die mich für die Zukunft nicht unbedingt motiviert, so weiterzumachen wie bisher. Ich habe solange auf das Ziel hingearbeitet das Studium zu beenden. Dann hätte ich mir ein LEBEN (das letzte halbe Jahr war alles andere) mit ihr zusammen verdient. Die finanzielle Situation hätte sich geändert und ich wäre auch mit Sicherheit lockerer geworden, da der Druck weg wäre. Mit Sicherheit. Obwohl sie das gewusst hat, hat sie den Anforderungen nicht standhalten können und hat sich verführen lassen.

Ich bin einfach nur zutiefst entäuscht.

Schreibt bitte, ich merke dass mir der Austausch mit LeidengenossInnen gut tut.




09.11.2005 09:39 • #4


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Giten Morgen,

mal andersherum, meiner hat sein Studium gerade abgeschlossen und eine Woche später fällt ihm ein, dass er mich nicht mehr liebt. Ich habe später mit meinem Studium begonnen, da wir zwei Kinder haben und stecke jetzt noch mittendrin, alleine!
Ja die Entäuschung war gigantisch!
Ich glaube fest, dass man die Motive des Menschen der geht nie wirklich nachvollziehen kann, vielleicht in ein paar Jahren mal.
Man braucht lange zum realisieren, lange zum verarbeiten und sicher auch lange für den eigenen Neuanfang, aber ich kann sagen, dass sich all die Gefühle des Zorns, der Traurigkeit, der Ohnmächtigkeit langsam legen und man um einiges ruhiger wird.
Noch bist du gedanklich sehr bei ihr, aber mach dir mal klar, dass es hier jetzt nicht um sie geht, sondern um dich!
Deine Gefühle, dein Leben, deine Zukunft, deine Vorstellung, deine Meinung, deine Welt!!!
Du bist zwar ohnmächtig in Bezug auf sie, aber nicht in Bezug auf dich. Du bist ja immer noch da und dein Leben ja auch, nur sie ist weg. Der Verlust fühlt sich zwar enorm an, aber du wirst ihn überwinden, ganz klar!

Viel Kraft und gute Nächte,
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09.11.2005 10:45 • x 1 #5




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