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Vom Zerrissenwordensein

Emma14

Emma14

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Zitat von Mercurius:
Schrieb ihr erst heute morgen zurück, leider in einem "schwachen Moment". Und zwar, dass ich Donnerstag könnte. Kurz darauf kam, dass sie da keine Zeit habe.


Da hilft nur noch eins: Reagiere auf nichts mehr, sie hat dich sonst total im Griff.

11.06.2019 11:29 • x 1 #91


Mercurius


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Ja. Ich hab mich knapp zu verabschieden bemüht. Vorher hat sie mir noch nächste Woche eine Verabredung angeboten, die sie allerdings stressen würde, da sie noch diesen und jenen Termin habe.

Ich bin darauf nicht eingegangen. Dann schrieb sie mir, dass es ihr schlecht ginge und diesdas. Ich musste mich wirklich sehr zusammenreißen, um nicht darauf einzugehen.

In letzter Zeit habe ich herausgefunden, dass ich durch die kindlichen Erfahrungen mit meiner Mutter eine nachvollziehbare Abhängigkeit von Frauen entwickelt habe. Gleichwhol war Papa immer "der Böse". Jedenfalls war ich als Kind immerzu angehalten meine leidende Mutter aufzumuntern. Ich kann es kaum ertragen, wenn es einer Frau schlecht geht. Bei einem Mann ist das total anders. Es widert mich bisweilen an. Und das gilt auch meiner eigenen Person.

Es ist gut, dass ich dazu lerne.

11.06.2019 13:17 • x 1 #92


Mannperspektive

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Zitat von Mercurius:
Gestern schrieb sie mir plötzlich. Zweizeiler: "Blablub. Willst du dich bald mit mir treffen?"
Erstmal war ich erschrocken. Dann nachdenklich. Schließlich überzeugt: Sie will das, was man gemeinhin eine Freundschaft nennt. Schrieb ihr erst heute morgen zurück, leider in einem "schwachen Moment". Und zwar, dass ich Donnerstag könnte.

Kurz darauf kam, dass sie da keine Zeit habe. Außerdem wäre sie nachts aus einem furchtbaren Alptraum aufgewacht, sodass sie gerade noch nicht Lage wäre, nach Alternativterminen zu schauen, würde sich aber melden.

Damit hat sie ihre alte Machtposition wiederhergestellt. Das macht mich zornig. Sie soll meine verdammten Sachen irgendeinem gemeinsamen Bekannten geben, das mache ich mit ihren dann auch. Danach Finito.


Sie spielt ja mit dir, wie ich mit meiner Katze. Die Frage ist doch die. Hast du ihr einmal, von Angesicht zu Angesicht, deine Zerrissenheit mitgeteilt, als sie aufnahmefaehig war (also nicht beide besoffen oder am Fummeln oder so)? Falls ja, und falls sie trotzdem so ist wie sie ist, dann war es das wohl. Denn wenn sie kein Mitleid für dich empfinden kann, dann kann sie Liebe eh nicht empfinden. Dann ist Kontaktabbruch wohl das Beste.

Wenn sie jedoch nur zerrissen und hin- und hergerissen ist, dann geht dieses Spiel noch in die Verlaengerung und in das Elfmeterschiessen.

11.06.2019 16:49 • x 1 #93


Mercurius


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Nein, das habe ich in der Tat nicht. Ich habe meine Gefühle bis zum Trennungstelefonat schön zurückgehalten. Von meinem eigentlichen Leid hat sie kaum was mitbekommen.

Ich hab jetzt wieder eine Kontaktsperre eingeleitet. Mal schauen.

11.06.2019 16:56 • #94


Mannperspektive

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Ich würde ihr schreiben. So und so sind meine Gefühle für dich, so und so sehe ich das, so und so sind meine Erwartungen. Das kann ich dir geben, das möchte ich von dir haben. Und dieses muss ich von dir bekommen. Wenn dir das reicht, was ich dir geben kann und du mir das geben willst/kannst, was ich von dir benötige, dann lass es uns zusammen versuchen. Falls nicht, dann lass uns ENDGÜLTIG auseinandergehen und gebe mir bitte die Chance, über dich hinwegkommen zu können. Wir sind schliesslich keine Katzen; wir haben nur dieses eine Leben.

Sollte ich endgültig das kurze Stöckchen gezogen haben, dann wünsche ich dir bla bla. Wir können uns ja dann am 11.6.2024 mal zu Kaffee treffen. Bis dahin sollten alle Wunden verheilt sein.

So, oder so aehnlich würde ich das schreiben und die Telenova beenden. Aber du bist erwachsen genug, du musst wissen, was du tust.

P.S. Ich spreche aus Erfahrung, da ich das mal so aehnlich hinter mir hatte. Der Schmerz geht trotzdem nicht sofort weg. Aber immerhin wird man dann nicht mehr taeglich am offenen Herzen operiert.

11.06.2019 17:34 • x 1 #95


Mercurius


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Ich habe nicht geschrieben. Bin da blockiert. Möchte warten, was von ihr kommt. Und ihr derartiges vis a vis sagen.

Aber es kommt ja nichts von ihr. Es ist doch eh aus. Und das war ich bereits am akzeptieren. Dass sie sofort fragte, ob ich sie treffen möchte, hatte nicht den Hintergrund, dass sie das wollte. Sondern - das kapier ich jetzt - war es die Überprüfung, ob ich das unbedingt möchte. Als sie darin bestätigt wurde, paddelte sie davon.

Heute treffe ich mich zum ersten Mal mit einer fremden Frau, die ich im Internet kennenlernte. Mal schauen, was das mit mir macht.

Danke nochmal, Mannperspektive

13.06.2019 09:04 • x 1 #96


Mercurius


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Boar Leute...

Gestern rief mich eine unbekannte Nummer an. Ja, sie war es. Sagte, sie wüsste, dass es blöd sei, mich anzurufen, aber sie wolle gerne mit mir über eine Sache sprechen. "Klar, mach".

Ihr Vater stirbt. Er hat seit 15 Jahren Krebs und gilt nun als unheilbar. Die Ärzte geben ihm nicht mehr lange. Das sagte sie, brach in Tränen aus, schrie, fluchte.

Ich hab mich erschrocken, aber sofort wieder gefangen. Stimmte zu, dass es furchtbar sei. Ließ sie weiter sprechen und weinen. Da kam so viel Trauriges und Verzweifeltes hervor, dass es mir immer enger in der Brust wurde. Tatsächlich scheint sie ingesamt in Not zu sein. Nicht nur der Vater, auch andere Lebensbereiche brächen auf, wie sie sagt.

Sie fragte mehrfach, ob es blöd sei, dass sie anrufe. "Ambivalent", meinte ich. Blieb aber gefasst, verständnisvoll und bemüht. Empfahl ihr, professionelle Hilfe zu suchen und wies darauf hin, dass ich halt der Ex-Freund sei und mich auch als solcher verhalten wolle. Als Partner wäre ich subito zu ihr gefahren, das ist mal klar.

Sie erzählte, wie sie auf dem Geburtstag eines Bekannten dessen wundervolle Eltern erlebte. Wie freundlich, warm und wohlgesonnen sie mit ihm umgingen. Das kennt sie nicht. Und wünscht sich, mit ihrem Vater ins Reine zu kommen, ehe er stirbt. Ich wünsche ihr das auch.

Am Ende meinte sie, dass es gut war, mit mir zu sprechen. Vielleicht könnten wir kommenden Mittwoch nochmal reden, auch, um über ein Treffen nachzudenken. Ich meinte "mal schauen".

Das erinnert mich irgendwie an den Film Candy mit Heath Ledger. Aber lassen wir das.

Gestern Abend habe ich stundenlang gegrübelt, wie ich helfen kann und ob ich helfen soll. Ich habe mich bei romantischen Träumereien erwischt und geläutert. Ich kann sie nicht retten. Und sie hat sich nunmal gegen mich, also auch "für andere" entschieden. Ich will keine Freundschaft. Aber ich will auch nicht, dass sie so leidet. So hart das ist, sollte ich mich auf mich besinnen? Leicht gedacht, schwer gemacht.

Dieses bescheuerte Leben, ey...

14.06.2019 09:33 • #97


Mannperspektive

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Haengt man zwischen zwei Antworten fest, die eine vom Herzen, die andere vom Verstand kommend, ist die Entscheidung immer schwer. Die kann dir keiner abnehmen.

Ich habe mich immer für das Herz entschieden. Denn mein Verstand taugt eh nichts.

14.06.2019 09:39 • x 1 #98


Bones

Du bist definitiv da zu tief drin,warum musst du dich dann mit einer Frau treffen, die sich vielleicht mehr wünscht, als eine Ablenkung zu sein?

14.06.2019 09:41 • x 1 #99


Emma14

Emma14

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Zitat von Mercurius:
Aber ich will auch nicht, dass sie so leidet. So hart das ist, sollte ich mich auf mich besinnen? Leicht gedacht, schwer gemacht.


Mach dir eines klar: Du bist nicht der Richtige, der sie jetzt im Leid stützten könnte. Mitfühlende Worte am Telefon sind ja ok und völlig ausreichend. Das Leid muss sie ertragen, wie jeder Mensch in einer solchen Situation. Du hast doch auch dein Leid und solltest es nicht noch vergrößern durch Treffen mit ihr.

14.06.2019 14:48 • x 2 #100


Mercurius


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Ja, und mein Leid steht absolut nicht im Mittelpunkt. In mir ist etwas ihr gegenüber sehr Loyales erwacht, so eine Art Beschützerinstinkt. Dagegen hilft tatsächlich nur 60 Sekunden eiskalt zu duschen.

Immerhin hab ich lange genug sie zu retten versucht. Das war Nonsense. Ich will mal eine starke Frau kennen und lieben lernen. Wo nicht ständig Gefahr droht, in einen bodenlosen Abgrund zu stürzen.

So hart es klingt, aber ich wünsche mir gleichgültig auf meine Ex schauen zu können.

16.06.2019 10:07 • #101


Mercurius


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Ich bin unerträglich traurig. Total verschlungen davon. Habe mich im Büro eingeschlossen, damit mich keiner sieht. Oh Mann ist das alles hart. Immer, wenn ich mich einen Tag gut oder okay gefühlt habe, bricht diese übermächtige Trauer hervor. Zorn kommt nur noch selten. Ich sehne mich nach ihr. Und ich hasse mich dafür. Mein Kopf kann meinem Herzen erzählen, was er will. Alles zieht in ihre Richtung. Und dann das Drama um ihren Vater. Ich will sie da hindurch tragen. Und weiß wie naiv und bescheuert das ist. Aber wenigstens lüge ich dabei nicht.

Diese absolut bescheidene Lebenssituation tut das ihrige, damit ich mich dreckig fühle. Nach wie vor habe ich keinen wirklichen sozialen Kontakt, lebe isoliert, zurückgezogen und nachdenklich. Und natürlich hoffend darauf, dass sie zurück kommt. Umso mehr, wenn ich einen Tag dachte, sie losgelassen zu haben.

Ich kann mich nicht auf andere Frauen einlassen. 0. Hab über eine Singlebörse ein Date arrengiert. Sie war hübsch und klug. Aber alles in mir blockierte. Hätte sie am liebsten davon gejagt.

Also heute wollte meine Ex nochmal mit mir quatschen. Ich habe Angst davor. So sehr. Angst, dass sie sich meldet. Und noch mehr Angst, dass sie es nicht tut. Dass sie sich bei anderen tröstet. Klar, vollkommen normal und legitim. Aber es zerfetzt mich. Weil ich auf absolut nachvollziehbare Weise abhängig von Frauen bin. Oder weil ich einfach noch sehr stark liebe. Keine Ahnung. Psychiastern hilft nicht. Gefühle sind wie Gefühle sind. Aufrdinglich und klarsprechend.

Ich wäre so gerne stark. Ein Fels. Alle Freunde, die so sind, hatten oder haben starke Väter. Mein Vater ist auch auf seine Weise stark. Aber seit jeher milliarden von Kilometern entfernt. Ich trau mich kaum, an ihn heranzutreten. Nie habe ich mich getraut, meinem Vater bedürftig zu begegnen, obwohl ich mich so nach ihm sehne. Und jetzt wäre er Anfang des Jahres beinahe gestorben. Ich sollte, es wäre so gut für mich. Warum tippe ich das hier eigentlich alles hin? Weil ich nicht weiß, wohin sonst damit. Ich kann nicht immer alles an mich selbst adressieren. Und meine Freunde sind so weit weg und zurückgezogen und vor allem in ihren eigenen Kosmen.

Was mach ich denn jetzt? Emma, du hast ja vollkommen Recht. Aber ich kriegs nicht hin. Hänge am Haken, der mir durchs Herz gerammt wurde.

19.06.2019 12:13 • #102


Otto_Feige

Otto_Feige

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Zitat von Mannperspektive:
Ich habe mich immer für das Herz entschieden. Denn mein Verstand taugt eh nichts.


Du hast insofern Recht "Mann", als der Klügere hin und wieder nachgeben sollte. In dem Fall der Verstand. Aber es gibt Situationen wie die vom TE, da kann ich nur sagen: Bauch ausschalten. Kopf benutzen. Unbedingt.

Es gibt solche Frauen und der TE als vielbelesener Mensch wird die "fesche Lola" in "Professor Unrat" von Heinrich Mann kennen. An deren Charakter erinnerte mich in der Eingangspost die Partnerin des TE. Halb zog sie ihn, halb sank er hin. Wobei sie ihn, wie im Thread auch erwähnt, überrollte. Und er sich überrollen lassen wollte. Und dann verfiel er ihr. Und sie spielte mit ihm. Ob sie diese Spielchen bewusst trieb oder ob es vielleicht ihr Naturell ist, mit Männer zu spielen, sei dahin gestellt.
Aber solange der TE nicht seine eigenen Spielregeln aufstellt und sich konsequent daran hält, sondern sich ihren Regeln beugt, wird er weiter leiden.

19.06.2019 12:49 • x 1 #103


Mannperspektive

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Mag ja sogar stimmen. Nur ich für meine Wenigkeit würde lieber in ihren Armen leiden als alleine vor dem Desktop. Aber wie gesagt, ICH würde mich so entscheiden. Menschen sind da unterschiedlich.

19.06.2019 12:59 • x 1 #104


Otto_Feige

Otto_Feige

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Zitat von Mannperspektive:
Mag ja sogar stimmen. Nur ich für meine Wenigkeit würde lieber in ihren Armen leiden als alleine vor dem Desktop. Aber wie gesagt, ICH würde mich so entscheiden. Menschen sind da unterschiedlich.


Nee, ich wollte ganz und gar nicht leiden. Ich möchte, wenn ich morgens in den Spiegel schaue, mein Gesicht mit Aufrichtigkeit und einem gewissen Selbstbewusstsein waschen können.

Eine gewisse Zeit des Leidens, die man als Zeit der Trauer und des Abschiednehmens ansehen kann, ist durchaus in Ordnung. Sich im Leiden verlieren ist Selbstaufgabe.
Ich hab's nicht so mit Sprichwörtern, aber "lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende" hat innerhalb von Beziehungen und Partnerschaften schon eine gewisse Gültigkeit. Die Frage ist eben auch: Wieviel Schrecken lass ich mir gefallen und wieviel Schrecken darf man mir antun.

19.06.2019 13:09 • #105