Vor meiner Ehe war ich 12 Jahre lang Single ... und das war ich gerne und mir fehlte nichts. Es war nicht dieses Klischee Singledasein bei dem man 7 verscheidene Frauen an 7 Wochentagen mit nach Hause nimmt und man einfach nicht Erwachsen sein will, sondern etwas vollkommen bodenständiges.
Ich habe es genossen mich auf mich konzentrieren zu können, habe meine Ausbildung verbessert, bin beruflich aufgestiegen und habe meine Hobbies gepflegt. Immer wieder meinten übereifrige Freunde mich mit irgendwem verkuppeln zu wollen, habe diese (dummen !) Versuche aber immer elegant und höflich umschiffen können.
Kurzum: Mir ging es wirklich gut und ich war mit mir und meiner Welt im reinen. Muss dazu sagen das ich aber auch ein ziemlicher Einzelgänger bin der sehr gut allein klar kam und gut damit leben konnte mal keine Leute um sich zu haben.
Dann habe ich meine Frau kennengelernt, absolut zufällig, ungeplant und ungewollt. Es hat gerummst, velriebt, verlobt verheiratet ... zusammengezogen und ein Wunschkind. Es ging alles sehr schnell aber aus dem ehemals überzeugten Single wurde ein genauso überzeigter Familienvater.
Ich habe das Familienleben genauso geliebt wie ich das Singleleben genossen habe. Viele der Dinge die ich am Familienleben genossen habe waren das genaue Gegenteil von dem was ich am Single Leben geliebt habe.
-Am Singleleben fand ich toll absolut Selbstständig zu sein, am Familienleben fand ich toll mich 100 % auf jemanden verlassen zu können.
- Am Singleleben fand ich toll meine Freizeit komplett und ohne Rücksicht auf andere selbst gestalten zu können, am Familienleben fand ich es toll das mich zuhause jemand erwartet hat wenn ich von der Arbeit kam der vielleicht schon etwas tolles geplant hatte
- Am Singleleben fand ich es toll mir sinnige oder unsinnige Wünsche erfüllen zu können ohne mich dafür rechtfertigen zu müssen, am Familienleben habe ich es geliebt meiner Frau oder meinem Sohn wo es nur ging eine Freude zu machen es war für mich vollkommen ok meine eigenen Wünsche vollständig zurück zu stellen.
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könnte das noch so weiter führen , aber es ist wohl inzwischen klar worauf ich hinaus will.
Als sich meine Frau im Februar von mir getrennt hab brach diese Familie vollkommen in sich zusammen.
Mein allererster Wunsch:"Ich will wieder so sein wie früher, will wieder als Single absolut glücklich werden ...."
Aber das ging zum Glück sehr schnell vorbei. Da mein Sohn zum Glück bei mir bleibt und ich den Kleinen über alles Liebe ist ein Weg in das Leben wie es früher hatte so oder so gar nicht möglich, beziehungsweise wäre es nur dann möglich wenn ich ihn vernachlässigen würde .... was sowas von überhaupt gar nicht in Frage käme ... NIE NICHT !
Ich richte mir jetzt ein Leben als alleinerziehender Vater ein. Ob ich mir das jemals gewünscht hätte ? Auf keinen Fall, eigentlich ist dies jetzt das Familienmodell was ich mir von allen am wenigesten gewünscht hätte.
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Aaaber.
Es fühlt sich gar nicht so schlecht an. Ich habe noch immer jemanden den ich liebe und der mich aufrichtig liebt, ich muss niemals eifersüchtig sein und wenn ich nach Hause komme ist da noch immer jemand der sich freut das ich da bin .... Ein paar Dinge die ich am Familienleben geliebt habe sind ja noch da. Es macht mir immer noch Spaß meinem Sohn eine Freude zu machen und wenn wir beiden irgendwas unternehmen sind wir ein tolles Team.
Was soll das ganze Geschreibsel ?
Nun, wie man an meinem Beispiel schön sehen kann gibt es nicht das GUTE und das SCHLECHTE Modell, ob es besser ist Single zu sein oder besser ist in einer Partnerschaft zu sein. Man wächst mit seinen Lebensumständen zusammen, lernt sie zu akzeptieren, sich zu arrangieren und sie zu lieben.
Ob ich mir wieder eine Partnerin vorstellen kann ? Klar, warum nicht ... ich werde nie wieder so dumm sein und mir sagen:"Das ist es jetzt, so komme ich gut klar, das ändere ich nie mehr ..."
Viele die froh sind wenn sie endlich als Single wieder klar kommen werden aus Angst davor verletzt zu werden ein dauerhaftes Singleleben bevorzugen, andere müssen die vergangene Beziehung schnell durch irgend etwas neues ersetzen ... ich glaube beides ist nicht richtig.
Wenn man sein momentanes Leben vollkommen akzeptiert hat und darin klar kommt, dann kann man es am besten akzeptieren wenn es sich ändert und man ist auch wieder bereit Risiken einzugehen.
In irgend einer belanglosen Fernsehserie kam am Ende der Spruch:
"Je eher wir uns von dem Leben verabschieden das wir geplant haben, um so eher können wir das Leben genießen das wir haben ...."
Der Spruch ist mein neues Lebensmotto geworden ....
(Ich muss lernen mich kürzer zu fassen

)