Warum betrügt man eigentlich?

Ehemaliger User

Hallo!

Vielleicht kann mir ja jemand weiterhelfen, der schon mal betrogen hat.

Meine Freunding ist in derselben Situation wie ich , das heißt, sie wurde ebenfalls betrogen, aber das nicht nur einmal sondern mehrfach! Sie hat mit ihrem Freund ebenfalls eine achtjährige Beziehung. Die ersten Jahre (da kannte ich sie noch nicht) der Beziehung waren wohl wirklich gut. Nach ca. 4 Jahren erkrankte meine Freundin an Bulemie, was wohl auch teilweise auf die ständigen Nörgeleien ihres Freundes an ihrer Figur zurückzuführen ist, obwohl sie wirklich nie ein Gramm Fett an ihrem Körper hatte. Es war schließlich so schlimm mit ihrer Krankheit, daß sie professionelle Hilfe in Anspruch nehmen mußte und für zwei Monate in eine Klinik für Essstörungen ging. Als ihr Freund sie das erste Mal besuchen durfte und sie sich beide tierisch über das Wiedersehen gefreut haben, kam er wohl gerade von einer anderen, so wie sie im Nachhinein erfuhr. Finde ich schon erschreckend!
Als sie, Gott sei Dank völlig geheilt, aus der Klinik entlassen wurde, nahm alles seinen Lauf... Mal gute, mal schlechtere Zeiten mit ihrem Freund, doch war eigentlich alles immer sehr harmonisch. Sie wollte nie wahrhaben, daß er sie betrügt oder betrogen hat. Hat immer in einer Scheinwelt gelebt. Irgendwann hat sie dann mal eine SMS bekommen, die aber eigentlich nicht an sie gerichtet war, sondern an das gerade zu der Zeit aktuelle Verhältnis ihres Freundes, da stand dann soviel wie: Ich würde dich gern verwöhnen und bla, bla.
Er hat sich natürlich total blöde Ausreden einfallen lassen, aber sie hat ihm wiedereinmal verziehen. Irgendwann waren dann auch seine Telefonrechnungen und die Einzelnachweise verschwunden, das Handy immer auf lautlos oder aus. Sie konnte ihm also nichts nachweisen und er war auch trotz seiner Affairen immer total lieb zu ihr, also nie abweisend.
Natürlich zerren solche Dinge an den Nerven und am Vertrauen, so daß sie solche Dinge öfters mal wieder angesprochen hat. Dann herrschte natürlich wieder dicke Luft. Irgendwann haben sie sich dann für ein paar Wochen getrennt. Er kam aber wieder an. Hat mir die Ohren vollgeheult, wie leid ihm alles tut und er weiß jetzt wie sehr er sie liebt und er will sie unbedingt zurückhaben. Er hört mit der ganzen schei. auf usw.  Eigentlich ging es ihr schon wieder ganz gut. Klar, waren da noch sehr starke Gefühle für ihn, aber sie konnte sich auch ganz gut alleine beschäftigen. Schließlich sind sie aber doch wieder zusammen gekommen. Vielleicht hat sie einfach gehofft, daß er sich ändert. Er hat ihr dann gesagt, daß er, damit sie merkt, daß mit diesen Frauen nichts mehr läuft, das Fitnessstudio wechselt und in einer anderen Stadt trainieren geht. Gesagt, getan...
Wie auch nicht anders zu erwarten, lernte er dort auch wieder eine Neue kennen. Meine Freundin hat die beiden dann im letzten Jahr erwischt, wie sie zusammen spazieren gegangen sind. Als sie ihn zur Rede stellte, hat er gesagt, daß er das Mädel mit einem Kumpel verkuppeln soll und daß er deswegen mit ihr spazieren gegangen ist. Zwei Wochen später hat er sich dann schließlich wegen dieser Neuen von meiner Freundin getrennt. Er hat gesagt, daß sie ihm etwas gibt, was ihm in der Beziehung fehlt. Meine Freundin ist dann ausgezogen und hat sich eine eigene Wohnung gesucht. Sie war völlig am Ende. Zu wissen, daß man beschissen wird, ist ja schon übelst, aber dann auch noch wegen einer anderen verlassen werden, ist glaube ich doppelt übel...
Sie hat gelitten wie ein Tier. Das Ende vom Lied war, daß er wieder bei allen Leuten auf dem Sofa gesessen hat, sich ausgeheult hat, weil er sich da angeblich in etwas verannt hat, was er gar nicht will und daß er doch nur sie eigentlich will und bla, bla. Er hat jetzt erkannt, was er alles falsch gemacht hat und daß er einfach innerhalb der Beziehung mehr über Probleme reden muß und er hört mit jeglichem Kontakt zu irgendwelchen Frauen auf...
Leider kann er sehr überzeugend reden, so daß selbst ich geglaubt habe, daß er es ernst meint, da ich auch ein Gespräch mit seiner Mutter mitbekommen habe, der er das gleiche gesagt hat.
Sie hat sich dann voller Hoffnung auf ihn eingelassen, jedoch mit der Bedingung, daß er sich ne eigene Wohnung nimmt. Sie hat auch begonnen, mit anderen Männern zu texten, die sie in der Zeit der Trennung kennengelernt hat, mit denen jedoch nie etwas war, da sie bedingt durch ihre damalige Krankheit auch kein sehr gutes Verhältinis zu ihrem Körper hat und es ihr sehr schwer fallen würde, sich vor jemand anderem auszuziehen oder ähnliches. Ihr Freund war auch ihr "Erster" und auch "Letzter". Als sie dann wieder zusammen waren, hat er ihr das mit der Texterei ständig vorgehalten und fing schon wieder damit an, daß wenn sie das nicht läßt, macht er das auch weiter. Sie hat dann gesagt, daß das bei ihr jawohl was ganz anderes ist und daß er erstmal mit seiner Vergangenheit abschließen soll und daß sie immer ehrlich war und ihm gesagt hat, wenn sie jemand angetextet hat und und und...
Letze Woche ist er wieder zu seiner Ex gefahren. Sie hat sein Auto dort gesehen. Er hat es abgestritten, aber das hilft ihm leider auch nicht. Sie ist jetzt soweit, daß sie ihn nicht mehr zurück haben möchte, aber wenn ich mit ihr spreche, dann höre ich immer heraus, daß sie doch irgendwo zweifelt. Sie hat gesagt, daß sie es in den vielen Jahren schon gelernt hat, mit Lügen und Betrügen zu leben. Vielleicht kann man soetwas wirklich irgendwann ertragen. Aber ob man damit leben kann, sei dahin gestellt. Ich verstehe nicht, wie man immer wieder so eine schei. machen kann, obwohl man den anderen doch angeblich noch liebt. Warum tut man soetwas immer und immer wieder??????? Sie hat auch manchmal das Gefühl, daß sie seine Familie ist, weil er niemanden hier hat. Seine Mutter wohnt weit weg und er ist in ihrer Familie praktisch mit aufgewachsen und war für ihre Eltern immer wie ein Sohn. Was empfindet dieser Mensch für sie. Ist da wirklich noch soetwas wie Liebe? Warum will er sie immer zurück haben. Ist das einfach nur "besitzen wollen"? Möchte er nicht,daß sie vielleicht mal mit jemandem anders schläft und vielleicht Spaß daran findet? Was soll man dazu noch sagen. Vielleicht hat jemand von Euch ja ähnliches erlebt, egal auf welcher Seite (Betrüger oder Betrogener) und kann mir und meiner Freundin erklären, warum man so süchtig nach Betrug ist oder warum man das immer wieder tut und dann doch zurückkommt.
Wäre echt lieb, wenn jemand antwortet!

Liebe Grüße
Laura

24.03.2004 20:53 • #1


Ehemaliger User


Hallo Laura,

... vielleicht weil man auf der Suche ist???

Nach was, ist sicherlich total unterschiedlich. Ich habe nach Wärme, Liebe, Zuneigung und Geborgenehit gesucht.

Schwer ist für deine Freundin, dass er ihr erster Freund ist/war. Mein (EX)-Partner war auch der erste und er ist fünf Jahre lang Freundinnen von mir hinterher gelaufen, die natürlich nichts von ihm wollten. Jetzt erklärte er mir die damaligen Motive, er war auf der Suche nach S..

Deine Freundin sollte sich wirklich mal überlegen, ob sie so eine miese Behandlung verdient hat. Sie ist doch viel mehr wert!!! Aber das muss sie sich selbst bewusst machen. Ich denke, sie muss erst einmal zu sich selbst finden und sich selbst akzeptieren, das ist sehr wichtig, habe ich festgestellt!!! Männer mögen keine Frauen, die nicht mit sich selbst zufrieden sind.

Und übrigens: "... die Katze lässt das mausen nicht!"

Liebe Grüße
Venus

25.03.2004 10:05 • #2



Warum betrügt man eigentlich?

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Ehemaliger User


Hallo laura,

meine Beiträge in dem Thread

http://web18.h1430.serverkompetenz.net/cgi-bin/yabb/YaBB.pl?board=Neuanfang;action=display;num=1058443508

erklären etwas dazu. Es ist zwar schwere Kost aber wohl Tatsache. Lies Dir den gesamten Thread durch, hier wurde schon diskutiert zu dem Thema. Gruß, Gerd

25.03.2004 13:07 • #3


Ehemaliger User


Hallo Laura,

tja, der Grund weshalb man betrügt ist der, dass einem in der bestehenden Beziehung etwas fehlt. Sei es der S., was sicherelich am häufigsten der Pinkt ist, oder einfach Gepräche.

Ich habe selbst mehrfach betrogen, bzw. hatte eine 1 jährige Beziehung neben meiner eigentlichen.

Ich habe betrogen, da mir meine Liebschaft Dinge gegben hat, die ich in meiner Bezihung nicht gefunden habe. Sei es S., mit einem anderen Menschen zu sprechen, oder einfach nur unbeschwert zu leben und "lieben"

Wenn der Freund deiner Freundin sie andauert betrügt, ist die Beziehung kaputt. Diese wird man nicht mehr retten können. Ihm fehlt was. So leid es mir auch tut, aber deine Freundin wird mit diesem Menschen niemals glücklich werden.

Oder hast du schon mal gesehen, dass ein frisch verliebtes Pärchen sich betrügt?

29.03.2004 12:42 • #4


Ehemaliger User


Hallo Gucci,

ich habe schon mal gesehen, dass ein frisch verliebtes Pärchen sich betrügt, ja das gibt es!
Und zwar erst vorgestern, hat meine Freundin ihren Freund mit dem sie erst 3 Monate zusammen ist betrogen.
Zwar nur mit einem anderen und EINER anderen rumgeknutscht an einem Fest aber für mich ist das auch schon betrügen!!!

Shally!

02.05.2004 15:09 • #5


Ehemaliger User


hallo laura,

wovon du da schreibst scheint mir 100%ig das zu sein, was ich erlebt habe.
mein freund hat in den 3 Jahren Beziehung, die wir haben/hatten, oft genug etwas mit anderen gehabt. Auf die Frage, warum, konnte er mir nur sagen, dass es GAR NICHTS mit unserer Beziehung zu tun hätte. Es fehle ihm nichts. Das konnte ich nie wirklich verstehen und nachdem ich ihm offensichtlich klar gemacht hatte, dass es mir einfach nur weh tut, kamen sprüche wie: "ich werde das nie wieder machen" ... Hat letztendlich nicht funktioniert, klar. Ich hatte auch oft das Gefühl, dass er sich einfach nur Bestätigung für sich selbst holen wollte. Die Aufmerksamkeit der anderen und das Begehren schienen ihm wohl einen Push für sein Ego zu geben. Manchmal kam es mir schon wie eine Sucht vor, denn er sagte auch, dass er das eigentlich gar nicht wolle... Verstehen kann ich das bis heute nicht, weil mir ein flüchtiger Flirt sicherlich genauso viel geben kann. Ich muss nicht mit anderen rumknutschen oder schlafen, nur damit ich weiß, welchen "marktwert" ich noch habe.
Wie auch immer, ich habe das auch immer wieder verziehen, soweit das geht, denn ein Stück davon bleibt IMMER. Und so sehr man auch versucht die augen davor zu verschließen, dieses Misstrauen wächst und wächst und endet schließlich darin, dass man alles sofort negativ auffasst sobald es nur die Spur einer Vermutung gibt. Und dagegen ankämpfen ist fast unmöglich.
Warum deine Freundin das mitmacht, erscheint MIR sehr klar. Sie liebt diesen Mann und will ihn keinesfalls verlieren. Dabei sieht sie aber nicht - und das kann man ihr gar nicht zum vorwurf machen - dass sie sich stück für stück selbst verliert. und genau das ist der punkt. sie gibt lieber ein teil ihrer bedürfnisse auf, als diesen mann, der ja im grund immer lieb zu ihr ist. und diese "glücklichen momente" sind ihr wichtiger als der streit um sein fremdgehen. man verlernt mit der zeit in einer beziehung auch, wie man eigentlich allein ist, wer man alleine ist, wenn man sich mit haut und haaren da hinein stürzt. weiß nicht, ob das so schlecht ist, wenn man freunde hat, die einem helfen, sich auch ab und zu mal wieder kennenzulernen! im nachhinein kann ich nur sagen, dass diese momente mit wachsendem misstrauen immer seltener werden und irgendwann wird sicher auch sie sehen, dass es ihr nicht mehr genügt. aber das braucht zeit! und selbst wenn man das erkannt hat, ist es gar nicht so leicht. so geht es mir gerade. ich weiß, dass ich so nicht weitermachen will. er sagt zwar, dass er kapiert hat, wie wichtig ihm diese beziehung ist und dass er seit ewigkeiten treu ist, aber selbst wenn es so ist, ist mein misstrauen beim kleinsten vorfall auf 180. und genau das ist es, was mir sagt, es geht nicht weiter, kann es nicht. nachdem ich ihm das gesagt habe, hat er versucht zu kämpfen was das zeug hält und ich hab einfach nur noch geblockt, wollte ihn nicht mehr an mich ranlassen. das dumme daran ist, dass wir noch zusammen leben und das macht es nur noch schwerer. erst vor 2 tagen hat er mir dann gesagt, dass er wohl jetzt auch der meinung sei, eine trennung sei das beste, auch wenn er eine andere basis für etwas gemeinsames haben möchte, auf der wir uns begegnen können. er liebe mich, und will nicht, dass ich aus seinem leben verschwinde. soll also wohl als eine art WG weiterlaufen, ich versteh es nicht. und jetzt werde ich wieder unsicher. denn im grund möchte ich diesen menschen ja gar nicht als partner verlieren. (sagt der bauch) aber anders geht es nicht (sagt der kopf). jetzt versucht er ganz klar zu machen, dass es nicht mehr funktioniert... und damit komme ich irgendwie auch nicht klar. vielleicht hast du dazu ja einen tipp für mich?!

aber um deine frage zu beantworten: ich glaube nicht, dass es um besitzen geht. vielmehr und die sicherheit, dass es jemanden gibt, der einen liebt, bedingungslos, auch wenn man schei. baut. und das ist ja auch so schön bequem, denn egal was man macht, der andere wird einem verzeihen und bei einem sein... es geht hier meiner meinung nach nur um sicherheiten, denn wenn es nur um den s. ginge, könnte er das als single doch viel besser ausleben.
und deine freundin scheint mir angst zu haben, alleine dazustehen und den lebensinhalt zu verlieren, zu dem sie ihren freund selbst gemacht hat. verständlich, oder?!

lieben gruß
mb

04.05.2004 11:50 • #6


Ehemaliger User


Hallo,

nur soviel...

...Es gibt viele Dinge, die wir am liebsten wegwerfen sollten,
fürchteten wir nicht, daß andere sie aufheben...

mmmhhh  :-/

05.05.2004 17:20 • #7


Ehemaliger User


Hallo Laura26,

vielleicht ein paar mögliche Antworten auf Deine Frage nach dem WARUM.

Solange man es doch immer wieder tut und dem augenblicklichen Kick oder momentanen Begehren wider besserem Wissen und Wollen verfällt, war es einfach noch nicht genug.

Ich glaube, jeder Mensch, der diese Erfahrungen macht, macht sie solange, bis er davon genug hat. Es gibt auch Menschen, die es instinktiv schaffen, sich vom ersten Augenblick ihres Lebens an damit weitgehend zu verschonen. Und es gibt Menschen, denen reicht eine einzige Erfahrung dieser Art. Und es gibt Menschen, die sehen nach hundert derartigen Erlebnissen immer noch keine Veranlassung, was anders zu machen.

Wie lange und wie oft es jemand tut, das hängt davon ab, wieviel Kraft und Energie er darauf verwenden kann und möchte abgesehen davon wie er aufgewachsen ist und wer oder was ihn gebildet hat. Irgendwann glaube ich aber, wird es jedem genug sein, früher oder später.

Du hast die Frage nach dem WARUM eines Betruges gestellt.
Das klingt jetzt irgendwie vielleicht manchen etwas zu erhaben, weil es ja "nur" ums Fremdgehen geht.
Ein Reizwort ja, die meisten verbinden sehr heftige Emotionen damit vor denen sie selber schon erschrocken sind. Denen kommt man am Besten mit sehr viel Verstand bei!  

Und inwiefern ist eigentlich Fremdgehen Betrug? Sind wir nur Opfer törichter Vorstellungen und naiver Illusionen, die wir uns selber unnötig angewöhnt haben oder auferlegen?

Unser Glück wird aber von Gefühlen bestimmt und wie entstehen die Gefühle?
Können wir sie beherrschen, irgendwie vorbeugen? Nur ziemlich bedingt und wenn dann nur oberflächlich glaube ich.

Versuch auch mal, die Frage vom S. zu lösen.
Warum betrügen Menschen einander, und werden betrogen, warum finden und verlieren sie sich wieder, warum helfen und warum verweigern sie sich, warum bauen sie auf und zerstören dann wieder und warum immer wieder Waffen?
Das ist wohl Menschheitsgeschichte und tief verwurzelt.

Es geht um Glaube, Vertrauen, sich selbst finden, andere Menschen finden, Zusammenleben mit anderen Menschen, Zusammenleben in Partnerschaften. Es geht darum eigene Wege zu finden genau wie die Gemeinschaft und das Zusammenleben mit anderen zu erfahren und dabei zu lernen: nicht das ICH ist der Angelpunkt.

Deine Frage habe ich mir auch schon gestellt, verzweifelt und unfähig, zu verstehen sowohl als Betrügende wie auch als Betrogene. Wobei letzteres mich zwar mit kurzfristiger Heftigkeit so ziemlich hingeschmissen hat, ersteres jedoch für mich wie zäher Sirup viel schwerer zu verarbeiten ist.

Klar  wird jetzt so mancher kluge Kopf in Frage stellen, ob es Betrug überhaupt ist, wenn wir uns mit Körper, Herz oder Seele auf einen anderen Menschen einlassen, während wir dies alles gleichzeitig mit dem Menschen teilen, den wir einmal an unsere Seite gewählt haben. Wir gehen doch schliesslich nur unseren menschlichen Bedürfnissen nach und weil das so schön einfach ist, wird es in unserer Zeit bis zum letzten offen propagiert und S. wird hochstilisiert und der kleine harmlose Seitensprung bis hin zur leidenschaftlichen Affäre wird kultiviert.

In unserer mitteleuropäischen Gesellschaft und Kultur, hat sich "die offene gegenseitige Vereinbarung" für viele sogar als eine praktikable Lösungs-Methode herausgestellt: und damit können wir diese Klippe doch prima umschiffen!

Das funktioniert bestimmt auch irgendwie, wenn wir es schaffen, unsere Vernunft und den Verstand im Oberwasser zu halten. Für unseren Bauch und unseren tiefsten Punkt wird es für uns - egal wie die Vereinbarung aussieht - IMMER einen Schmerz bereiten, wenn ein langjähriger Gefährte, ein geliebter Mensch uns auf irgendeine Art verlässt oder aussperrt und sei es nach Jahren Partnerschaft oder Ehe, in der er vielleicht jede einzelne Nacht bei Dir verbracht hat und Du es oft genug ihn mit seinem Pubsen und Schnarchen auch nicht gerade aufregend gefunden hast. Letztlich hast Du es sogar irgendwie liebgewonnen, Dich dran gewöhnt und Du konntest Dich drauf verlassen, dass er da ist. In der - sagen wir mal - Routine liegt auch sehr viel Kraft, Ruhe, Vertrauen, Sicherheit, Geborgenheit. Und gerade das hat sehr viel Innigkeit, wenn Du es zulässt und das Gute und Besondere immer wieder darin sehen kannst, dann kann diese "Routine" den S. ebensogut ergiebig und erfüllend machen wie sie es auch schaffen könnte, ihn lahmzulegen.

Und wenn Du nun auf einmal weisst, dass seine Hände eine andere Haut genauso berühren und seine Lippen nicht nur Deine küssen und wenn Du dann denkst, dass die dauerhafte Erfüllung Dir nicht gelingt, wenn Du daran denkst, wie sich sich Dein Partner anderswie anderswo vereinigt als du es von ihm kennst, denkst, wünschst, dann macht das was bewegendes mit uns.

Auch wenn viele behaupten, sie könnten gut damit umgehen, letztlich ist das nur ein Arrangement mit dem Kopf, dem sie dann folgen. Der Schmerz darüber trifft glaube ich zunächst und auch doch immer wieder JEDEN Menschen, der diese Situation erlebt.

Das ist so, weil wir uns in einer Partnerschaft immer auf irgendeine Art mit dem Anderen vereinigen und verbinden. Und damit verpflichten wir uns aber auch einander, wir übernehmen emotionale Verantwortung und wollen ihr gerecht werden. Das eine geht nicht ohne das andere.

Wir gehen mit einer Partnerschaft einen Bund ein, den wir schwächen, wenn wir das Band lösen, sei es auch nur an einer Stelle oder nur vorübergehend zur Lustbefriedigung. Wo bleibt da unsere Phantasie? Getötet vom allgegenwärtigem Überfluss? Wir brechen ein Versprechen, selbst wenn wir es so nie in Worte gefasst haben, unsere Augen und Hände  haben es im Stillen irgendwie doch getan.  

Die Frage nun ist eigentlich nicht WARUM. Diese Frage kann eigentlich nicht so recht beantwortet werden, weil sie uns zur Natur des Menschen führt. Es gibt auf diese Frage auch sicher 1000 verschiedene Antwortversuche, die jeder für sich ein bisschen wahr sind.

Ich glaube, es ist wichtiger zu fragen, wie können wir damit zurechtkommen, wenn wir betrogen wurden oder betrogen haben auf welche Art auch immer.

Für mich ist es am Wichtigsten zu wissen, was ich mir selber wünsche. Und indem ich es meinem Partner genauso gebe, kann er mit mir fühlen. Und irgendwann wird es - so stelle ich es mir vor - ein gegenseitiges Zeigen, Geben, Nehmen, Erfüllen, Erfüllt sein. Geschafft hab ich das noch nicht ganz aber die Ansätze sind gar nicht so übel muss ich mal sagen  :D

Irgendwann werden Verletzungen auch immer schwerer, seien es nun welche, die man austeilt oder einsteckt. Und das meinte ich am Anfang mit dem "Genug sein". Irgendwann fragen wir uns ernsthaft, wie wir nur so sein konnten, dieses oder jenes tun konnten. Die Konsequenzen haben wir genau vor Augen, manchmal waren sie ziemlich hart und bitter.

Ich weiss nicht ob der Zustand anhält, glaube aber nicht, es sich bei mir nochmal grundlegend ändern wird.
Vertrauen und Treue sind für mich essentiell in einer Partnerschaft. S. Hingabe an einen "Nebenpartner" krieg ich für mich nicht auf die Reihe und  ich bin froh darüber, dass ich Respekt gewonnen habe. Ich fühle mich viel ruhiger und freier auf diese Art als ich es auf die andere war. Bei mir war das "GENUG" denke ich erreicht.

Und mein Glaube ist, dass es möglich ist, für jeden möglich ist, einen Menschen zu finden, der in dieser Hinsicht ähnlich fühlt und denkt. Wenn Du oft genug gesprungen bist, dann ist AUCH DAS irgendwann langweilig und es ist glaube ich natürlich, dass wir mit der Zeit auch alles in allem ruhiger werden, wir haben viel gefunden und ständig noch mehr Suchen kann sehr ermüden.
Uups - da fällt mir der Spruch ein, "je oller je doller"  ::) hmmh, da bleibe ich jetzt auch hängen. Vielleicht äusser ich mich ja in 20 Jahren ja auch nochmal zum Thema  :o

Also ich glaube eher daran, dass es mit der Zeit oder irgendwann bei jedem so sein müsste wie bei dem zufriedenen glücklichen Mönch, der jahrzehntelang tagaus tagein dasselbe Stückchen Kies glattkehrt und dem kein bisschen langweilig dabei ist (danke GerdS für den Verweis auf den sehr guten Thread zum Thema und danke Mick für die kleine Geschichte mit dem Mönch).

Ui, das ist ja jetzt eine ganz schöne Abhandlung geworden, das wars halt, was mir zum Thema eingefallen ist und heute war auch genau der Tag, an dem es rausmusste.

Lieben Gruss
Gia

06.05.2004 01:27 • #8




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