Hey Paps…
Tut mir sehr leid…
Ich habe es mir schon gedacht, dass das diese Woche noch passiert.
Ich musste Ostern immer wieder daran denken, wie die Ärzte das damals benannt hatten.
„Hört sich hart an, aber Sie sollten darauf vorbereitet sein, was jetzt passiert… er wird jetzt „volllaufen“…“
Und ich fand die Ähnlichkeit erschreckend, wollte es aber nicht ansprechen, er selbst hat irgendwann gesagt:
„Du, das hört sich an, wie bei meinem Papa…“
Und ich habe nichts gesagt, nur genickt.
Und zwei Anrufe direkt nacheinander von dir sind so ungewöhnlich, dass ich es schon wusste, als ich auf das Handy geschaut habe.
Und du bist kein lauter Mensch.
Du bist ein lustiger Mensch, bei dem jede Pointe eines Witzes sitzt.
Du sagst nicht zu viel und nicht zu wenig.
Und als ich zurückgerufen habe (ich war nur kurz draußen), und gefragt habe, was los ist, hast du nichts gesagt.
Musstest du auch nicht.
Dein Kloß im Hals war lauter… 😔
„Ich komme mir wie ein Verräter vor, sitze die ganze Zeit neben ihm, streichle ihm noch den Kopf und hintenrum habe ich mit meinem Anruf das Ende schon besiegelt.“
Ich weiß nicht, ob es dir geholfen hat, dass ich gesagt habe:
„Du, wenn er sprechen könnte, hätte er dich vielleicht darum gebeten. Der Papa von ihm hat das. Er hat gemeint, ich solle den großen Gummihammer ins Krankenhaus schaffen und ihm damit fest auf den Kopf hauen.
Und sei froh, dass du so ein Leid beenden konntest.
Ich konnte nur müde grinsen und sagen, dass ich glaube, dass man in deutschen Krankenhäusern über derartige „Lösungen“ wenig Argumentationsspielraum hat.“
Und ich weiß sehr genau, wie mies das ist… auch wenn ich mich nie traue, das anzusprechen.
Er hat dich begleitet über die Krankheit von Mama und über ihren Tod.
Sogar deine neue Beziehung nach 11 Jahren Alleinsein und Trauer hat er miterlebt.
Und weißt du, eigentlich, obwohl das ein Mistvieh war, vor dem alle Angst hatten, weil der keine Spiele gespielt hat, der hat auch nicht lange gewarnt, der hat einfach zugebissen, wenn ihm was nicht passte, habe ich den genau dafür respektiert.
Das war DEIN Hund.
Und er hat sich selbst auch so gesehen.
Selbst mich hat der mal so heftig gebissen, dass ich geblutet habe und meine Sehnen an der Hand wochenlang wehtaten und die ganze Hand geschwollen war und blau.
Der hat mich einfach völlig krass in die Hand gebissen und mich angestarrt und die auch nicht losgelassen.
Weil ich mich auf einen Sessel setzen wollte, neben dem sein Kauknochen lag…
Nichtiger Grund!
Und ich habe den trotzdem gemocht. Einfach, weil er dir gegenüber absolut loyal war und weil du mit diesem Vieh einfach alles machen konntest.
Ob wir denn den Rasierer noch brauchen könnten, den du benutzt hast um (Achtung!) ihm zwischen den Ballen die Haare zu stutzen!
Der hat jeden angeknurrt, der an ihm vorbei gegangen ist, ins Haus hat der schon mal niemanden gelassen, wenn du nur aus Versehen in seine Richtung geguckt hast, hat der dich angefletscht. 😅
Und du konntest ihm mit einem Elektrorasierer die Haare zwischen den Ballen stutzen.
Kaum zu glauben…
Tut mir sehr leid.
Tut mir wirklich sehr leid.
So leid sogar, dass ich morgen, obwohl das keinen Sinn macht, zu dir fahren möchte, zwei Tankfüllungen dabei verballere, eine Stunde bleiben kann und dann wieder los muss, nur, um dich in den Arm zu nehmen…