Zitat von Ouabain: Doch dahinter kommt die Frage - was hilft mir, die unangenehme Emotion zu regulieren? Wenn ich eben nicht blind einen Angriff raus schießen will.
Es kann tatsächlich sehr helfen, den eigenen Verstand zwischenzuschalten, der einen leicht erkennen lässt, dass unangenehme Emotionen auf der eigenen Seite wirklich oft völlig fehl am Platz sind.
Übertragen wir das aufs Real-Life:
Wenn irgendjemand am Bahnhof steht, wild herumpöbelt und vorbeigehende Passanten beleidigt, dann kommt doch wirklich niemand auf die Idee (zumindest ich käme es nicht), auf ihn zuzugehen, und ihm empört zu erklären, dass man doch gar kein A*loch ist (oder womit immer er einen gerade beleidigen wollte). Man käme auch nicht auf die Idee, ihm lang und breit erklären zu wollen, dass er mit seinen Beleidigungen im Unrecht ist.
Man geht weiter, tippt sich innerlich an die Stirn und denkt: Was für ein Spinner!
Vielleicht denkt man sich auch, dass diese bemitleidenswerte Figur mit sich selbst ohnehin die größten Probleme hat und sein Gegeifere nur eine Projektion nach außen ist.
Wer würde sich da ernsthaft als A*loch angegriffen fühlen?
Im Internet begegnet man noch viel mehr solcher Spinner. Aus verschiedenen Gründen: Die Schamgrenze fällt womöglich wegen der vermeintlichen Anonymität, man befürchtet (teils zu Unrecht) keine Konsequenzen (wie etwa eine Anzeige), man ist nicht körperlich anwesend, so dass man sich auch nicht spontan eine fangen kann (was einem im echten Leben bei manchen Menschen auch passieren könnte).
Ich mache es im Internet also in aller Regel genau so: Ich stelle mir innerlich so einen Bahnhofspöbler vor.
Dann ist mir gleichzeitg klar, dass so jemand höchstwahrscheinlich gar nicht fähig wäre, meine Gegenargumente auch nur aufzunehmen, falls ich sie wirklich an ihn verschwenden wollte.
Und ich weiß drittens, dass allen Umstehenden sowieso dasselbe klar ist wie mir und dass jede Rechtfertigung deshalb überflüssig ist.
Ich muss mich nicht rechtfertigen, wenn ein spinnerter Pöbler mich angreift.
Und wenn es jemandem der Umstehenden nicht klar sein sollte, dann ist dem ebensowenig zu helfen wie dem Pöbler. Rechtfertigungen und Gegenargumente würden dann eh auch wieder ins Leere laufen.
Damit fahre ich gut. An mir prallt das total ab.
Kann sein, dass irgendwann irgendjemand meine Grenze wirklich einmal übersteigt. Dann würde ich aber nicht mit empörten Gegenargumenten reagieren. Dann hätte derjenige einfach eine Anzeige am Hintern. Ohne weitere Vorwarnung.