Frostfeuer21
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ich hätte nie geglaubt, dass ich hier einmal selbst landen würde; bisher war ich stille Mitleserin. Jetzt brauche ich Eure Hilfe und Euren Rat, um bestimmte Dinge besser einordnen zu können. Es wird vermutlich ein längerer Text.
Vor 17 Jahren traf ich im Rahmen der Planung eines Klassentreffens einen ehemaligen Mitschüler wieder. Ich hatte zu diesem Zeitpunkt gerade eine schwere Krebserkrankung und eine langwierige Behandlung hinter mir und war froh über die Ablenkung.
Nach dem Klassentreffen hielten wir Kontakt und sahen uns ca. dreimal im Jahr zum Kaffeetrinken, Eis essen und zu weiteren harmlosen Unternehmungen. Ich wusste, dass er verheiratet ist und vier erwachsene Kinder hat.
Mit der Zeit änderten sich meine Gefühle für ihn, und ihm schien es ähnlich zu gehen, so dachte ich zumindest. Als verheirateter Mann war er allerdings für mich tabu.
Dann bot er mir eines Tages ganz unverblümt die Rolle seiner Geliebten an; das wollte ich nicht, und es ist auch niemals zu irgendeiner Art körperlicher Annäherung gekommen. Ich habe ihm allerdings ganz klar gesagt, wie ich für ihn empfinde und dass ich nur eine Zukunft sehe, wenn er sich von seiner Frau trennen würde. Das hat er (natürlich) abgelehnt.
Es folgte ein jahrelanges stetiges Hin und Her; ich habe es nie geschafft, wirklich loszulassen. Allerdings wurden sämtliche Unternehmungen mit mir sofort eingestellt, und ich durfte mir pausenlos und permanent anhören, wie lieb doch seine Ehefrau sei und wie schwer traumatisiert durch diverse Kindheitserlebnisse, sodass er niemals in Betracht zöge, sich von ihr zu trennen.
Er weiß, dass ich auf eine schwere Angsterkrankung und Depressionen voll erwerbsgemindert und berentet bin und seit Jahren darum kämpfe (Therapien, Medikamente, Klinikaufenthalte) wieder einigermaßen auf die Beine zu kommen. Seine Ehefrau tut laut seiner Aussage nichts dergleichen: Ihr "Trauma" ist eine Selbstdiagnose, zu Therapeuten geht sie nicht, es reicht ihr, wenn ihr Mann sie permanent tröstet und ihr alles Mögliche abnimmt, was sie aus angeblicher Angst nicht kann.
Als wir uns nach 2 Jahren zu einem kurzen Treffen wiedergesehen haben, pfiff sie ihn telefonisch zurück, und er sprang sofort.
Ich bekomme seitenlange E-Mails, in denen er immer wieder bedauert, dass uns das "Schicksal keine Chance gelassen habe"; auf die Idee, dass er das jederzeit ändern könnte, so er denn wollte, kommt er nicht. Er gefällt sich in der Rolle des Retters und starken Mannes, was ich beides nicht brauche; ich rette mich allein.
Meine E-Mails hat er nach eigener Aussage ausgedruckt und archiviert! Eine Buchhaltung der Gefühle; ich war fassungslos. Seine Mails kenne ich so in- und auswendig, dass ich nichts nachzulesen bräuchte (alle sind gelöscht).
Das Fass zum Überlaufen brachte eine letzte Mail, in der er meine Erkrankung mit den "Seelenqualen" seiner Frau verglich und mir unterstellte, nicht annähernd so depressiv und traumatisiert wie seine Frau zu sein.
Ich habe ihm daraufhin ganz klar mitgeteilt, was ich von seinem ewigen Geschwafel und seinen Spinnereien halte, und den Kontakt endgültig beendet.
Nun sitze ich vor einem emotionalen Scherbenhaufen und kann alleine sehen, wie ich den Dreck wegfege. Wir haben uns immer blind verstanden und hatten auch tiefe Einblicke in das Seelenleben des jeweils anderen, aber gegen seine für ihn "perfekte" Ehefrau komme ich nicht an.
Leider bin ich sozial seit meinen Erkrankungen ziemlich isoliert; berufliches Umfeld und Freundschaften sind komplett weggebrochen. Für vieles fehlt mir die Zeit, da ich mich trotz allem allein um meine schwer pflegebedürftige Mutter kümmere. Aber auch dort bin ich nicht viel mehr als das "Mädchen für alles", und nie ist es genug.
Ich habe das Gefühl, mein Leben ist vorbei.
Kann mir bitte jemand helfen, das Verhalten dieses Mannes zu verstehen? Warum steht man nicht auf und geht, wenn man merkt, es entsteht etwas, was man nicht will? Warum redet und schreibt man ellenlang von "Liebe", tut aber nichts und schwärmt im gleichen Atemzug von seiner Ehefrau?
Danke für' s Lesen!