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Was ich ihm gerne sagen würde, viele Jahre danach!

Georgina7

Ich hatte eine Liebe! Vielleicht war es sogar die eine große Liebe. Noch heute, viele Jahre später vergeht kein Tag an dem ich nicht an ihn denke. Ich habe so viele Fehler gemacht damals. Ich hatte einfach keinen Schimmer von den grundlegendsten Regeln der Liebe. Die erste und wichtigste heißt wohl, wenn er sagt, er liebt dich nicht, dann ist das so und wird sich niemals ändern. Er hat es mir gesagt, von Anfang an und immer wieder. Aber ich dachte, wenn ich ihm nur alles Recht mache, wenn ich mich im besten Licht zeige und mich für ihn total verbiege, dann wird er mich schon irgendwann lieben können. Also tat ich alles, was in meiner Macht stand. Ja, ich ging sogar weit über das machbare und über alle Grenzen hinaus. Ich begab mich in große Gefahr für ihn, ja sogar in Lebensgefahr. Vergeblich!

Alles was er mir geben konnte waren ein paar gestohlene Minuten der Nähe. Ein falsches Lächeln. Trockene Küsse. Liebloser S.. Ein paar abgeschmackte Zärtlichkeiten die auf mir verdampften wie Wassertropfen auf einer heißen Herdplatte. Er verletzte mich immer und immer wieder. Er wollte mir helfen, über ihn hinweg zu kommen. Für diese Absicht bin ich ihm dankbar, doch wie sollte gerade er mir das ermöglichen? Ich selbst war dem ja machtlos ausgeliefert. Ich verletzte mich und die Menschen, die mich lieben für ihn.

Heute ist das schlimmste vorbei. Doch bleiben wird etwas für immer. Meine Ehe ist nicht mehr das, was sie war. Sie wird es nie wieder sein. Ich selbst bin nicht mehr die Frau die ich vor ihm war. Ich bin klüger heute, erfahrener. Durch Schaden wird man klug, sagt man und dieser Schaden war unermesslich groß. Ich glaube nicht mehr an die Liebe, ich glaube nur noch an Entscheidungen. Und wir haben uns entschieden, trotz allem weiter zu machen. Er gehört nicht mehr in mein Leben. Ich habe ihn viele Jahre nicht mehr gesehen. Er hatte keine Schuld an dem, was ich uns antat. Dafür war und bin ich selbst verantwortlich.

Den Menschen, die mich lieben wünsche ich, dass sie die Ruinen und das Schlachtfeld, dass das alles in mir hinterlassen hat, niemals sehen müssen. Ich wünsche ihnen, dass sie mich so sehen können, wie ich einmal war. Dafür trage ich jeden Tag diese undurchdringliche Maske meiner selbst.

Ihm wünsche ich, dass er mich vergessen kann. Dass er wieder weiterleben kann, ungestört und unbesorgt. Ich wünsche ihm Glück mit seiner Frau, die er hoffentlich wieder gewinnen koMir nnte. Und ihnen beiden wünsche ich ein langes Leben.

Mir wünsche ich inneren Frieden und Ruhe. Ich wünsche mir, dass ich mir vergeben kann, so wie meine Familie mir vergeben hat. Meine Liebe und meinen Glauben habe ich verloren. Vielleicht bleibt mir wenigstens die Hoffnung auf Frieden.

Danke!

07.07.2020 13:45 • x 4 #1


Benita


Zitat von Georgina7:
Ich glaube nicht mehr an die Liebe, ich glaube nur noch an Entscheidungen.

Liebe ist auch eine Entscheidung.

07.07.2020 14:48 • x 1 #2



Was ich ihm gerne sagen würde, viele Jahre danach!

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Georgina7


Ja richtig! Im Moment ersetzt die Entscheidung das Gefühl. Dieses Gefühl zu lieben und geliebt zu werden, was ich einfach im Moment nicht spüren kann. Etwas in mir ist gestorben mit der Hoffnung auf ihn.

Warum ich all meine Sehnsucht, meine Hoffnung und meine Kraft in diesen einen Menschen investierte, kann ich nur vermuten. Ich denke er war Stellvertreter für jemand anderes. Einen anderen wichtigen Mann in meinem Leben, den ich über alles liebte und der das ebenfalls nie beantworten geschweige denn erwidern konnte. Heute ist mir das klar. Die Trauer und Entäuschung darüber sitzt tief. Und sie manifestierte sich in diesem Liebeskummer, den ich seit Jahren nicht loswerde. Weil die Leere die dadurch entstehen würde alles zerstören könnte. Ein Vakuum dieser Größe würde mich implodieren lassen. Dann wäre nichts mehr von mir übrig. Nichtmal meine Hülle, die jetzt noch da ist und funktioniert, weil ich sie mit Schmerz gefüllt habe.

Doch eines Tages werde ich loslassen. Und ich werde daran nicht zerbrechen. Weil es Menschen gibt, die mich lieben, die sich für mich entschieden haben. Trotz allem!

Danke!

08.07.2020 10:19 • x 1 #3


Butterblume63


1923
1
4252
Georgina mir tut es so leid was du erlebt hast und nach wie vielen? Jahren immer er noch im Gefühlschaos gefangen bist.
Gehe ich richtig in der Annahme,dass du und dieser Mann eine Affaire hattet obwohl ihr anderweitig gebunden ward(seidl).
Wenn ja,hast du grosses Glück,dass dein Mann an deiner Seite geblieben ist. Dies zeigt von menschlicher Größe und vor allem Liebe zu dir.
In deinem Fall wäre eine Gesprächstherapie empfehlenswert um die Ketten die du um deine Gefühle geschlungen hast zu sprengen.
Dir wünsche ich alle Gute und dass du die Liebe wieder in dein Leben zurück lässt.

08.07.2020 11:09 • #4


Georgina7


Ja du vermutest richtig Butterblume. Ich hatte eine Affäre mit diesem Mann. Ich weiß mein Mann liebt mich sehr. Mein Kopf weiß das alles. Aber mein Herz kann diese Gefühle noch nicht wieder zulassen. Ich bin in einer Therapie und habe dadurch schon viel verstanden. Kopfmäßig. Der Bauch hinkt noch hinterher. 5 Jahre sind vergangen seit der Affäre. Ich hab keine Ahnung wie lange ich das noch durchkauen muss. Ich bilde mir ein das es vorwärts geht. Doch manchmal....

08.07.2020 12:27 • #5


Butterblume63


1923
1
4252
Georgina, denke mal über Hypnose nach. Mir half sie nach dem Tod meines Mannes. Psychisch war ich am Ende, monatelange Sterbebegleitung die Kinder im Schmerz auffangen und dann noch einen stressigen Job.Ich habe eine gute Bekannte die einen Dr. in Psychologie hat und seit Jahrzehnten auch mit Hypnose arbeitet.Mir hat es geholfen wieder zu einer inneren Stärke zurück zu finden.
Mit deinem "Panzer" läufst du Gefahr eines Tages deinen Mann zu verlieren. Denn irgendwann wenn er merkt,dass seine Liebe nicht für euch Beide mehr reicht. Wenn immer nur einer gibt und der Andere nimmt.....

08.07.2020 12:43 • #6


Georgina7


Hypnose habe ich schon einige male in meiner Therapie bekommen. Sie hat mir geholfen, meine Kindheit loszulassen. Dadurch konnte ich mich von meinem Elternhaus lösen, dass so ja gar nicht mehr existiert. Meine Eltern sind tot und all die ungelösten Konflikte haben sie mir da gelassen. Ich habe in Hypnose verstanden, dass viele ihrer Probleme nichts mit mir zu tun hatten. Sie haben sie mir aber übergestülpt, weil sie sich geweigert haben, sie zu bearbeiten. Als Folge dieser Loslösung habe ich mich eine Zeit lang gefühlt, wie eine Blume, der man die Wurzeln gekappt hat. Diese Wurzeln mussten erst langsam wieder nachwachsen und zwar in einem anderen Nährboden. Dieser Nährboden ist meine Ehe und meine eigene Familie und schließlich die Energie, die ich aus mir selbst ziehen kann. Ich bin nicht mehr ganz jung. Ich habe viele Schwierigkeiten schon aus eigener Kraft bewältigt. Ich hatte auch immer Menschen, die mir dabei zur Seite standen. Lehrer zum Beispiel oder gute Freunde oder die Eltern meiner Freunde. Sie habe an mich geglaubt und haben mir dadurch die Kraft gegeben, weiter zu leben.

Als ich meiner Affäre begegnete war da plötzlich eine riesig große Bedürftigkeit. Mein Vater war kurz zuvor verstorben und mein Mann konnte dieses Loch, das er hinterlassen hatte trotz aller Bemühungen nicht füllen. Also schmiss ich mich mit Haut und Haaren in diese Affäre ohne jede Vorsichtsmaßnahme. Und ich landete in einem Fleischwolf. Dieser Mann nahm sich, was ich ihm bot ohne mir auch nur einen winzigen Krümel Liebe entgegenzubringen. Er machte da auch gar keinen Hehl draus. Dennoch rannte ich immerwieder und mit voller Wucht gegen seine Mauern. Dieses mal wollte ich es unbedingt schaffen, jemandes Liebe zu erobern, der mir so unerreichbar schien. So unerreichbar, wie mein Vater es für mich war. Doch auch diesmal scheiterte ich. Mein Mann nahm mich trotzdem wieder auf, weil er mich liebte und immernoch liebt.

Mir ist klar, dass auch seine Kraft nicht unerschöplich ist. Deshalb trage ich diese Maske. Deshalb funktioniere ich jeden Tag wieder so gut ich kann. Ich weiß, dass das nicht ausreichen könnte und ich habe große Angst vor den Konsequenzen. Aber egal was auch immer kommt, mehr kann ich zur Zeit nicht geben, als nur mein Versprechen, nie wieder zuzulassen, dass uns jemand derart verletzt. Vorerst muss dieses Versprechen reichen. Vorerst gilt nur diese Entscheidung. Alles andere steht in den Sternen!

08.07.2020 13:21 • x 1 #7


Benita


Zitat von Georgina7:
Ich denke er war Stellvertreter für jemand anderes. Einen anderen wichtigen Mann in meinem Leben, den ich über alles liebte und der das ebenfalls nie beantworten geschweige denn erwidern konnte.

Die Trauer und Entäuschung darüber sitzt tief. Und sie manifestierte sich in diesem Liebeskummer, den ich seit Jahren nicht loswerde. Weil die Leere die dadurch entstehen würde alles zerstören könnte.

Du erwähnst ihn in Zusammenhang mit deinem Vater, von dem du auch nicht die Liebe bekamst, die du verdient hast. Die Erfahrungen mit den Beiden musst du trennen können und deine Abhängigkeit von deinen Erwartungen, Hoffnungen an sie aufgeben, denn sie konnten dir nicht die Liebe geben nach der du dich sehnst, dein Mann aber wohl und den hast du ausgeschlossen.
Wahrscheinlich ist das der Trigger, der dich nicht losgelassen hat und auslösend war für den alten, ganz frühen Schmerz, der immer noch in dir wühlt.

Zitat:
Der Psychiater, Psychotherapeut Morgan Scott Peck schrieb in seinem in deutsch übersetzen Buch "Der wunderbare Weg":
"Wahre Liebe ist kein Gefühl, von dem wir überwältigt werden.
Sie ist eine verbindliche, wohlüberlegte Entscheidung." Und:
"Die Liebe ist ein Akt des Willens - das bedeutet, sie ist sowohl eine Absicht als auch eine Handlung. Willen bedeutet ebenso, eine Wahl zu haben.
Wir müssen nicht lieben, aber wir können uns dafür entscheiden zu lieben."


Verliere nicht den Glauben an die Liebe, sonst bist du verloren. Hast du genug Eigenliebe in dir, kannst du heilen und vergeben, auch dir.

Wer wirklich liebt kann sich auf den Partner einlassen und sich immer wieder bewusst neu für ihn entscheiden, kann ihn als eigenständiges Wesen sehen und ihn mit seinen Macken akzeptieren, er entscheidet sich Zeit und Wege zu finden die gemeinsam gegangen werden können.
Liebe bedeutet auch Freiheit, du bist noch gefangen, in alten Mustern.

Konntest du trauern um deinen Vater, um all die Versäumnisse an dir und das, was er dir vorenthalten hat ? Das Loch in dir musst du selbst stopfen können, denn egal wieviel Liebe dir andere entgegenbringen, du wirst sie nicht annehmen können, bevor du selbst nicht offen dafür bist und dich für wertvoll und liebenswürdig hälst.

Kannst du erkennen, daß seine Unfähigkeit dich so zu lieben wie du es verdienst nichts mit dir, sondern mit seiner eigenen Unzulänglichkeit zu tun hat ? - wahrscheinlich hat er selbst auch darunter gelitten.

Um zu heilen gehe auf deine "verlassene Kindheitsebene", fühle deinen Schmerz, deine Verlassenheit und unerfüllten Sehnsüchte und umsorge dich mit deinen inneren "fürsorgenden Elternanteilen", so kannst du auf die Erwachsenenebene kommen, akzeptieren, was gewesen ist und loslassen, was dich unfrei macht.
Das ist ein oft langer Prozess, der geschieht wenn du bereit dafür bist.

Viel Glück und das Beste für dich !

08.07.2020 14:59 • x 1 #8


Flügelchen


Zitat:
Und ich landete in einem Fleischwolf. Dieser Mann nahm sich, was ich ihm bot ohne mir auch nur einen winzigen Krümel Liebe entgegenzubringen. Er machte da auch gar keinen Hehl draus. Dennoch rannte ich immerwieder und mit voller Wucht gegen seine Mauern. Dieses mal wollte ich es unbedingt schaffen, jemandes Liebe zu erobern, der mir so unerreichbar schien. So unerreichbar, wie mein Vater es für mich war. Doch auch diesmal scheiterte ich


Ersetze "Vater" durch "Mutter" und du hast 1:1 meine Geschichte.
Ehrlich gesagt, bin ich grade ziemlich erschüttert. Ich kann deinen Schmerz richtiggehend fühlen. Und auch ich habe das Gefühl, dass er (der Schmerz) mich nie wieder wirklich verlassen wird. Weil er einfach schon mein Leben lang da ist.

Es hat mich unendliche Kraft gekostet, Abstand zu meiner Mutter zu bekommen, mich einfach nicht mehr von ihr verletzen zu lassen. Habe versucht, mich selbst zu überzeugen, dass es nicht meine Schuld ist, dass sie mich nicht lieben kann. Dass ich trotzdem ein wertvoller Mensch bin. Und dann passiert eigentlich das Gleiche noch einmal. Mit einem Mann.

Ich bin auch nicht mehr jung. Meine Ehe hat es nicht überlebt. Weil ich das Gefühl hatte, ums überleben zu kämpfen und nicht ein einziges Fitzelchen Kraft mehr aufbringen konnte, um diese Ehe vielleicht zu retten.

10.08.2020 14:11 • #9



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