Margerite
Mitglied
- Beiträge:
- 3682
- Danke erhalten:
- 9542
- Mitglied seit:
Zitat von DerNorde:Das Schicksal will mich einfach Mental demolieren!
Nein, das tust du dir schon selbst an. Das ist nicht das imaginäre Schicksal das dich demolieren will. Was hätte das Schicksal denn auch davon dich fertig zu machen?
Es sind deine inneren Mechanismen, es sind die Trennungsschmerzen die dir dein Leben schwer machen und die dauern nun mal. Die Gefühle sind viel langsamer als der Verstand.
Der Verstand sagt dir, du musst sie los lassen, die Beziehung war schwierig und problematisch und aus der Sackgasse kommen wir nicht raus und tun uns nur gegenseitig weh.
Und dann jammern die Gefühle, die ja für Argumente nicht zugänglich sind, dazwischen und sagen dir, so schlimm war es doch gar nicht. Wir haben Sehnsucht, wir wollen wieder in den Glückszustand von früher zurück und suggerieren dir, dass dazu ausgerechnet deine Problemfrau nötig ist.
Der Verstand weiß was Sache ist, aber wenn man ihn verdrängt, ist er leider machtlos. Außerdem ist es doch völlig "normal" dass man nach einer Beziehung, auch wenn sie alles andere als gut lief, nicht schadlos herauskommt. Die Schmerzen brauchen auch ihren Raum und vor allem ihre Zeit. Sie wollen durchlebt werden, den sie sind wahrscheinlich wichtig für eine seelische Gesundung.
Und dass man dann in einen Zustand gerät, in der anscheinend nichts richtig läuft und vor allem die Gefühle Achterbahn fahren, ist nun mal auch so. Einen Tag geht es einem schon besser und man denkt sich hoffnungsvoll, das Schlimmste ist überstanden, um am nächsten wieder vom Schmerz überrollt zu werden. Dass man oft auch körperliche Symptome wahrnimmt, liegt schlichtweg daran, dass die Seele sich auf den Körper und das Nervensystem maßgeblich auswirkt.
Also, jetzt mal Drama weg. Man kann Liebeskummer und Trennungsschmerzen überwinden. Das kann der Mensch, denn es ist in ihm schon aufgrund von Jahrtausenden Erfahrung so angelegt, denn auch unsere Urururvorfahren aus der Steinzeit mussten damit fertig werden, dass der ein oder andere nciht mehr von der Jagd zurückkam oder von einer Krankheit dahin gerafft wurde.Dass das alles seine Zeit braucht, weil jetzt schlichtweg eine riesige Lücke klafft, die so leicht nicht wieder aufgefüllt werden wird, ist nichts Neues.
Der Mensch stellt sich nicht so schnell auf neue Lebenslagen ein, das braucht seine Zeit, bis man wieder eine neue Routine entwickelt. Und dafür braucht es auch Geduld, denn da lässt sich mit Tempo leider gar nichts bewerkstelligen.
Schon die amerikanische Urbevölkerung, die dem Menschsein ja viel mehr Raum gab und auch viel klüger mit sich und der Umwelt umging, ehe die weißen Siedler alles kaputt machten, wusste das. Bei manchen Stämmen war es üblich, dass sich ein Trauender die Haare abschnitt und dann gab man ihm seine Zeit. Und nach einem Jahr waren die Haare wieder lang und ein Trauerjahr war vorbei, in dem man alle Feste, Geburtstage etc. durchlebt hatte. Und danach ging es wieder besser.
Das ist das Trauerjahr von dem man heute noch spricht. Nach einem Jahr hat man alles durch und es geht wieder aufwärts, was nicht bedeuten muss, dass die Trauer ganz weg ist..
Aber anscheinend meinen die Menschen heutzutage, sie müssten wie ein Automat funktionieren. Heute Beziehung beendet, morgen fröhlich und schwungvoll, das funktioniert leider nicht.
Lass dir bloß nicht einfallen dass ein Revival eine gute Idee ist. Nach der anfänglichen Glückseligkeit würden sehr schnell wieder die bekannten Mechanismen greifen und das Drama wiederholt sich. Nur Gulasch und Eintöpfe schmecken aufgewärmt besser.
Ihr hattet schließlich eure Gründe, warum ihr die Beziehung in den Sand gesetzt habt. Und diese Gründe bzw. seelischen Mechanismen sind ja immer noch da und keinesfalls bewältigt.
Zu den Telefonanrufen. Es ist wahrscheinlich, dass es sie ist. Es sind hilflose Versuche, wieder eine Art von Scheinnähe herzustellen. Ich ruf bloß mal an und schaue ob er abnimmt, zu Hause ist. Ich will doch bloß mal seine Stimme hören. Das sind zwar kindliche Verhaltensweisen, aber zu denen greifen auch Erwachsene. Oder du hast den unbezähmbaren Drang bei ihrer Wohnung vorbei zu fahren, hoffst zwar, dass du nicht gesehen wirst, aber fühlst dich dem Menschen wieder für zwei Sekunden nahe. So was lässt aber auch nach, wenn man mehr Distanz gewonnen hat.
Ich hatte Monate nach einer Trennung, als ich dachte, ich sei weitgehend über den Berg, oft den umbezähmbaren Drang ihm zu schreiben. Bloß mal scheinheilig fragen, wollte nur mal fragen, wie es dir so geht. Noch durchsichtiger geht es ja nicht.
Es war wirklich die Hölle. Dann bildete ich mir ein, er müsse den Wunsch haben, wieder Kontakt zu mir aufzunehmen, aber das geschah nicht.
Ich machte mir die 24-h-Regel. Ich schreibe jetzt nicht, denn ich warte genau 24 Stunden. Wenn der Drang immer noch so groß ist, dann kann ich von Neuem überlegen. Nach 24 Stunden war der immense Drang entweder weg oder ich half mir mit den nächsten 24 Stunden.
Das exerzierte ich eine Zeitlang, bis der Drang von selbst verschwunden war und die Seele wieder ihre Ruhe gefunden hatte.
Übrigens kann man dem Anrufer auch sagen, er soll künftig nicht mehr anrufen. Vielleicht würde es ja was helfen, dass sie mit diesem erbärmlichen Tun aufhört.
Vielleicht solltest du damit anfangen dich selbst ein wenig an die Hand zu nehmen. Stell dir vor, du gehst auf dich zu, nimmst deine Hand und sagst, steh auf, wir gehen jetzt mal eine Runde spazieren oder in die Kneipe und gönnen uns ein Bierchen. Und halte Kontakte zu Freunden. ja, viele haben ihr eigenes Leben und laufen in ihrem Hamsterrad ihre Runden, aber man kann ja mal anrufen und sagen, wollen wir nicht mal wieder eine Runde miteinander quatschen so wie früher. Und dann redet Ihr, aber bitte nicht DARÜBER. Menschen hören sich schon einiges an, aber wenn ständig dieselbe selbstmitleidige Litanei runtergebetet wird, dann spüren sie Überdruss und das ginge dir ja nicht anders. Ablenkung ist erlaubt, ja sogar notwendig, dass man nicht in eine innere Isolation gerät. Man muss schon auch aktiv was tun, um wieder in die Gänge zu kommen.
Und KI nimmt dir Trauer und Seelenschmerz auch nicht weg. Das kann sie zum Glück noch nicht leisten. Sie wird auch aus einem schlechten Menschen keinen besseren machen, das muss der Mensch schon selbst tun.
Du kannst dir selbst helfen, musst nur noch den Schlüssel finden. Dann suche ihn und suche dir deine seelischen Rettungsinseln, die bei jedem anders aussehen können. Lethargie verschlimmert alles und das Suhlen in der ewig selben Suppe auch. Man muss sich selbst auch mal einen Tritt verpassen damit man in die Gänge kommt. Das nimmt den Trennungsschmerz nicht weg, aber es ist ein Signal an sich selbst, dass man sich nicht nur hängen lässt.
Zitat von FrauDrachin:Erstens:
Den Schmerz nicht als Feind sehen.
Der Schmerz ist ein Echo, dass du geliebt und alles gegeben hast.
Der schmerz ist da, weil du ein liebevoller, toller Mensch bist.
Versuch, ihn willkommen zu heißen, ihn möglichst "entspannt" zu erleben, er wird auch wieder weggehen, das weißt du ja inzwischen. Konzentriere dich aufs Atmen, geht nicht in die Abwehr.
Das ist ganz wichtig. Der Schmerz ist nicht dein Feind, er will dir nicht schaden, aber er will ernst genommen werden.
Ich habe die Traurigkeit damals auch angenommen und bastelte mir eine Fantasie. Der Schmerz war ein Mann, dunkel gekleidet, er trug einen Anzug und Lederschuhe, denn er wollte ernst genommen werden Sein Gesicht sah ich nicht, es war auch unwichtig, aber er hatte dunkle Haare.
Wenn ich dann z.B. in der Arbeit saß und mich wieder eine Welle überrrollte, sah ich ihn neben mir sitzen und ich sprach mit ihm. Ich sagte, was willst du denn hier schon wieder? Eben ging es mir noch recht gut, jetzt trabst du wieder an. Dem Schmerz war das egal, er lächelte nur und sagte, Liebes, ich bin bei dir, weil es jetzt meine Zeit ist. Wenn meine Zeit um ist, gehe ich - bis zum nächsten Mal. Du wirst noch eine Zeitlang mit mir vorlieb nehmen müssen.
Was blieb mir übrig? Ich ging mit dem Schmerz, egal wo es auch hin ging. Er war dabei, er war mein stiller Begleiteru und er saß neben mir im Auto, wenn ich an der roten Ampel wieder mal mit den Tränen kämpfte. Manchmal war er lästig, machmal akzeptierte ich ihn. Und irgendwann blieb er dann weg, weil seine Zeit um war.