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Was tun gegen Einsamkeit nach Trennung, ohne Freunde

Wanderer98

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Hi Leute,

ich hab mich noch nie bei so etwas angemeldet und auch noch nie in solcher Form meine Gefühlslage preisgegeben, aber ich weiß momentan einfach nicht mehr weiter.
Kurz zu mir und meiner Vorgeschichte: Ich bin 23 Jahre alt und habe leider aufgrund damaliger schwieriger Verhältnisse seit ich 16 Jahre alt bin keinen Kontakt mehr zu meiner Familie. Ich lebe dementsprechend alleine und zu alldem bin ich ab morgen auch noch bis auf unbestimmte Zeit in Kurzarbeit. Ich bin ein sehr zurückhaltender Mensch, freunde habe ich 2, aber mit denen mache ich kaum etwas und über solche Themen kann ich mit denen nicht sprechen. Es ist ja auch niemandes Job, sich meine Probleme anzuhören und sich darum zu kümmern.

Im November habe ich über das Online-Dating jemanden kennen gelernt. Sie ist erst 18 Jahre alt und dementsprechend auch etwas unreif und unerfahren. Ich war ihre erste Beziehung. Offenbar habe ich durch vorangegangene Beziehungen und auch durch die Geschichte mit meiner Familie eine starke Anhänglichkeit entwickelt, womit Sie offenbar nicht klar gekommen ist. Ich habe mich emotional abhängig gemacht. Kontraproduktiv war sicherlich, dass wir die ersten 2 Monate fast jeden Tag den ganzen Tag gechattet haben. Getroffen haben wir uns nicht sehr häufig, 1-2mal die Woche höchstens.
Nun sind wir getrennt. Dennoch, trotz der ganzen Warnzeichen, nimmt die Sache mich nun extrem mit. Ich weiß es auch ehrlich gesagt nicht warum. Ich habe mir einfach eine Zukunft ausgemalt, wie ich es bei bisherigen Expartnerinnen scheinbar nicht getan habe.
Der Grund für die Trennung ist der, dass sie sich aufgrund eines Trauerfalls extrem abgekapselt hat und ich damit nur sehr schlecht klar gekommen bin. Mit Ihrer Freundin hat sie nämlich sehr viel über Ihre Situation gesprochen, während ich fast komplett außen vor gewesen bin. Ich dachte einfach, dass man in einer Beziehung füreinander da ist, gerade in solchen Situationen. Jedenfalls hab ich Sie damit weg gestoßen. So weit, dass sie mir gegenüber komplett dicht gemacht hat. Das habe ich nach ein paar Tagen nicht mehr ausgehalten und ihr gesagt, dass ich das so nicht kann. Das hat dann dazu geführt, dass wir uns beinahe sogar "einvernehmlich" getrennt haben.
Sie sagt, sie hat zwar noch Gefühle, aber nicht mehr solche wie zu Anfang. Und 100% sicher ist sie sich auch nicht, mit der Trennung, die Tendenz dahin hat sie aber. Sie möchte aber den Kontakt nicht beenden aufgrund schöner Erinnerungen und weil uns das ein oder andere ein wenig verbindet, und wäre sogar zu einer Freundschaft plus bereit, weil Sie die Intimitäten schön fand.
Ich weiß nicht, was ich mit der ganzen Situation anfangen soll und wie ich mich verhalten soll. Das Problem an der ganzen Sache ist, dass ich sie ja verstehen kann. Aufgrund meiner Art bin ich kein leichter Partner, erst recht in der letzten Zeit wo sie den ganzen Stress hat. Aber ich schaffe es einfach nicht, das ganze abzuschalten. Ich versuche auch schon seit Wochen, einen Termin bei einem Psychologen zu bekommen um Hilfe zu bekommen, aber die sind alle ausgebucht bis in den Sommer und noch weiter. Ich stehe auf 2 Wartelisten aber das dauert noch ewig. Und die Vorstellung, bis dahin alleine in der Wohnung zu hocken halte ich nicht aus. Ich hab um ehrlich zu sein keine Ahnung, was ich überhaupt damit erreichen will, dass ich das hier schreibe, aber ich bin gerade einfach nur maßlos überfordert.

05.04.2021 19:45 • #1


Berlinerin91


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Hey Wanderer98,

erstmal ist es gut, dass du dich hier angemeldet hast und deine Gedanken im Forum teilst. Du wirkst sehr selbstreflektiert und gehst die richtigen Schritte, was du für dich definitiv honorieren kannst! Sich um einen Therapieplatz zu kümmern und sich zu öffnen ist der Anfang vom Weg zu dir selbst - auch, wenn das jetzt etwas cheesy klingen mag.

Ich lese aber auch raus, dass du Angst hast, für jemanden eine Belastung zu sein - würdest du das unterschreiben? Natürlich sind deine Freunde nicht dazu da, deine Probleme zu lösen - aber dir zuhören können sie allemal, und gerade in solchen Zeiten finde ich es wichtig, sich mitzuteilen und auch Unterstützung erfahren zu wollen. Vielleicht wäre ein erster Schritt, ihnen mal von deiner Situation zu berichten und zu schauen, was sie dir sagen?

05.04.2021 20:07 • x 1 #2



Was tun gegen Einsamkeit nach Trennung, ohne Freunde

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Wanderer98


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Hallo, danke für deine Netten Worte und die schnelle Antwort.
Dass ich selbstreflektiert bin würde ich tatsächlich nur bedingt unterschreiben, denn es gibt Phasen in denen ich mir und meinen Problemen halbwegs bewusst und bin und dann wiederum Phasen, in denen ich die Welt nicht verstehe und meine Empfindungen und Gefühle für "richtig" halte. Und dementsprechend handle ich dann auch.

Ich sehe das ein bisschen als Problem. Ich habe die Nettigkeit anderer (unter anderem eine meiner Exfreundinnen) schon mal ausgenutzt, um mich auszuheulen. Ich bin ihr dafür sehr dankbar, aber letzten Endes hat es immer nur für den Moment geholfen, während es für die Person natürlich eine Ziemliche Last gewesen ist. Das möchte ich nicht nochmal tun. Ich weiß, dass meine Freunde mich anhören würden und vermutlich auch versuchen würden mir zu helfen, aber das möchte ich Ihnen nicht abverlangen. Insbesondere unter dem Aspekt, dass ich mir ziemlich sicher bin, dass ich professionelle Hilfe benötige. Als Kind bin ich schon mal in Psychiatrischer Behandlung gewesen, dies lag auch an meiner Familie. Das ist eine schlimme Sache für mich, dass es "einfach nur" an einem Termin scheitert.

05.04.2021 20:22 • #3


Berlinerin91


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Also ich muss sagen, dass ich auch diese Antwort für selbstreflektiert halte, vor allem aber zeugt sie von einer Ehrlichkeit dir selbst gegenübert - und das ist essentiell für eine Heilung deiner Wunden und unheimlich viel wert. Allerdings habe ich auch hier den Eindruck, dass du die Bewältigung deiner Bedürfnisse mit einer Belastung für andere gleichsetzt:

Zitat von Wanderer98:
Ich habe die Nettigkeit anderer (unter anderem eine meiner Exfreundinnen) schon mal ausgenutzt, um mich auszuheulen. Ich bin ihr dafür sehr dankbar, aber letzten Endes hat es immer nur für den Moment geholfen, während es für die Person natürlich eine Ziemliche Last gewesen ist.


Ich denke, dass es helfen kann zu verstehen, dass zwischenmenschliche Beziehungen dazu da sind, sich auch mal "auszuheulen" oder über seine Probleme zu sprechen. Ich weiß natürlich nicht, wie dieses "ausnutzen" deinerseits genau aussah - hat deine Exfreundin denn mal gesagt oder deutlich gemacht, dass ihr das zu viel ist? Im oberen Eintrag steht (wenn ich das richtig verstehe), dass ihr deine Hilfe (also das Gegenteil) zu viel wurde.

Zitat von Wanderer98:
aber das möchte ich Ihnen nicht abverlangen. Insbesondere unter dem Aspekt, dass ich mir ziemlich sicher bin, dass ich professionelle Hilfe benötige.


Da würde ich mehr an dein Selbstbewusstsein appelieren und es einfach mal versuchen. Therapie und Gespräche mit Freunden müssen sich nicht ausschließen, im Gegenteil: Sieh es als eine Ergänzung. Es geht ja nicht darum, dass sie dir einen professionellen Rat geben, sondern dass du Mitgefühl erfährst und Verständnis. Ich nehme an, dass dich Ängste davon abhalten, das zu tun?

05.04.2021 20:35 • x 1 #4


Sallys


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Hallo Wanderer98,
Hmmm,wenn ich es richtig verstanden habe,habt ihr euch getrennt, weil es einen Trauerfall gab und sie sich ihrer Freundin mehr anvertraut hat,als dir und du damit aber nicht umgehen könntest, richtig?
Ich kann verstehen,dass sie mit einer guten Freundin,einer Freundschaft die vielleicht schon viele viele Jahre besteht, so etwas schlimmes eher teilen kann und möchte,als mit einer noch eher kurzen Partnerschaft ( von November bis jez). vielleicht wollte sie dich auch "noch" nicht damit belasten, gerade weil man noch in der "frisch verliebten" Phase ist.
Aber unterm Strich kann man niemanden zwingen sich seinem Gegenüber zu öffnen oder anzuvertrauen- egal ob es sich um den eigenen Partner oder jemand anderen handelt. Du selbst hast ja auch deine Gründe, warum du nicht deine Freunde mit deiner Story "belasten" willst - ich sehe das nicht als Belastungen! Zumal Freunde auch dafür Dasein sollten- und gute Freunde sind das auch gerne.
Versuch es doch einfach mal, zumindest bist du deinen Termin für die Therapie hast- schaden kann es sicher nicht!

05.04.2021 22:53 • x 1 #5


Wanderer98


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@Berlinerin91
Ja, da könntest du eventuell recht haben, dass ich die Bewältigung meiner Probleme als Last für andere sehe. Es ist halt einfach so, dass ich es alleine nicht schaffe. Aber es auch von niemandem verlangen kann mir zu helfen.
Ich bezeichne es als ausnutzen, weil ich für Sie in der Zeit keinen Mehrwert gebracht habe, mich allerdings häufig bei Ihr ausgeheult habe und sie vermutlich zu nett gewesen ist, den Kontakt zu beenden. Im nachhinein glaube ich, dass sie einer der wenigen Menschen ist, der mich wirklich gekannt und verstanden hat. Sie hatte vermutlich Mitleid und hat mir deswegen versucht zu helfen. Das ging so weit, dass ihr neuer Partner sich irgendwann bei Ihr beschwert hat. Da habe ich dann die Reißleine gezogen und den Kontakt beendet. Ihr wurde es zu viel, dass ich bei Ihr Hilfe gesucht habe, nicht dass ich geholfen habe.
Ja, natürlich habe ich Angst davor. Ich möchte nicht die wenigen Personen im Leben auch noch verlieren. Ich sehe halt auch kaum einen Sinn darin, sie damit zu belasten. Weil ich nicht sehe, inwieweit das meine Probleme lösen soll.

@Sallys
Ja, das fasst es glaube ich ziemlich gut zusammen. Ich habe halt offenbar eine andere Bereitschaft gehabt für sie da zu sein, als sie es wollte und auch ggf für mich gehabt hat.

06.04.2021 09:55 • #6


Sallys


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Ja,aber ich würde das nicht negativ sehen. vielleicht war sie einfach noch nicht an dem Punkt, wo sie mit dir darüber reden konnte, du aber schon. Das ist ja auch OK. Es gibt halt Menschen,die öffnen sich schneller andere brauchen etwas länger oder schaffen es manchmal auch aus irgendeinem Grund nie.
Wenn du mit deinen Freunden oder wem auch immer darüber sprichst wird dir leider keiner eine Antwort auf dem Silbertablett servieren können, ABER es hilft schon Mal darüber geredet zu haben und dir wird es von Mal zu Mal leichter fallen. Außerdem bieten Außenstehende oft einen ganz anderen Blickwinkel. Versuch es einfach, bei deiner Therapie machst du dann ja auch nichts anderes. Vor allem sei nicht voreingenommen und behaupte, dass deine Story gleich Balast für jemanden ist. Es gibt auch Menschen,die sich freuen,wenn man sich ihnen anvertraut und sie mit ihrem offenen Ohr jemanden helfen dürfen.
Just give it a try!

06.04.2021 10:30 • x 1 #7




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