Zitat von saxana:Liebe kleine Mausi,
du rührst mich so sehr, dass ich dich jetzt am liebsten ganz doll in den Arm nehmen möchte.
Warum ich jetzt doch hier schreibe, liegt daran, dass ich finde, dass alle Hilfesuchenden von anderen Geschichten und Antworten lesen und für sich selbst lernen können. Wenn jeder nur privatmails schreibt, hat das ganze Forum ja keinen Sinn.
Mal vorab - Herr Holzer schreibt wirklich sehr sehr einfühlsam und hilfreich - wa? Was für ein Mensch
Warum nur gibst du dir so viel Schuld am Scheitern der Beziehung? Du bist so selbstkritisch und klug und kannst dir die Dinge alle selbst erklären. Theoretisch...
Aber du schreibst, dass du auch mächtig verletzend sein kannst und austeilst ohne Ende. Das ist dein Selbstschutz, deine Mauer, die da rausbricht!
Eine Beziehung stelle ich mir so vor: Du kennst doch sicher das Baby-Spielzeug, wo man Vierecke in die dafür vorgesehene Viereckaussparung stecken muss. Und Dreiecke, und Kreise...
Wenn man versucht, ein Viereck durch eine Dreieckform zu stecken, klappt das nicht.
Im Idealfall ist die Passform gleich. Ganz ganz oft ist die Form annähernd und manchmal aber total gegensätzlich. Man kann es versuchen, mit viel brachialer Gewalt oder auch mit viel viel Geduld. Bis sich die Kanten der Formen angleichen. Bis dahin sind aber leide heftige Schäden vorprogrammiert.
Und weil du klug bist, weißt du jetzt sicher, auf was ich abziele. Manchmal scheint es so, als ob es klappen könnte und merkt erst später, dass es Schrammen und Verletzte gibt. Es nützt auch nichts, dass sich eine "Form" ändert. Die Abschürfungen liegen dann nur auf einem lastend.
Dein Ex müsste eine Dame kennenlernen, die noch freiheitsliebender ist als er selbst. Dann weiß er, wie weh das tut. Erst, wenn man im selben Boot rudert, kommen Erkenntnisse.
Ihr habt offenbar nicht so gut zusammengepasst - nicht von Hause aus - und deshalb diese Konflikte. Anfangs ist alles rosarot und jeder passt sich ein bisschen an. Aber nach einer gewissen Zeit kommt doch die echte Persönlichkeit hervor und dann geht es los.
Du schreibst, dass du auch schreckliche Dinge gesagt und getan hast, wo du fürchtest, dass wir dich dann verachten. Ich bin auch so - das kann ich dir sagen. Ich bin schrecklich bösartig zuweilen. Das geschieht aus lauter Angst, dass mir meine Verletzungen der vergangenen Beziehungen wieder passieren könnten. Ich will es nicht und es tut im Nachhinein weh, aber es passiert. Ich sehe dann nur noch Rot.
Jeder Mensch wird zwar perfekt geboren, bekommt aber im Laufe seines Lebens hässliche Narben.
Mein 2. Ehemann hat mir oft körperlich wehgetan und geschwiegen als Machtmittel. Einmal sogar 3 Monate lang. Ich habe ein tüchtiges Ding davon wegbekommen.
Mein 1. Ehmann hat mich, als ich im 7. Monat war, einfach so betrogen (der hatte nicht mal Sexentzug als Entschuldigung). Er sagte, die andere sieht einfach besser aus (die war ne Bohnenstange).
Das sind die zwei Beziehungsrucksäcke. Du kannst mir glauben, dass man daran heftig buckelt.
Warum habe ich mir solche unsensiblen Typen gesucht? Naklar, wegen der gelernten und abgeguckten Beziehung meiner Eltern. Mein Vater ist ein Narzisst durch und durch und hat Mutti echt aufs schärfste verletzt. Und weil Mutti sich nicht anders helfen konnte, war ich ihre Freundin. Schon mit 11 Jahren an...
Aha, da liegt der Hase begraben. Wichtigkeit habe ich mir schon als Kind erarbeiten müssen - folglich bin ich sehr hilfsbereit. Zu geduldig, zu gebend, emotional bestens geschult usw.
In den Streits, die wir (mein aktueller Ex und ich) hatten, kam immer wieder das verletzte Kind in mir zum Vorschein - mit dem Mut und der Berliner Schnauze einer Erwachsenen. Im Grunde habe ich doch aber nur Angst vor weiteren Verletzungen.
Naja, und mal unter uns - er ist leider ein Abklatsch meines Vater - ich Idiotin. Kann ich nicht besser hinsehen? Tja, gelernt ist gelernt...
Anscheinend gibt es bei dir auch ein inneres verletztes Kind, welches überhöht "zuschlägt" und sich nachher über sich selbst erschrickt.
Erstens, liebe Mausi, ist keiner perfekt. Warum du dann ausgeklinkt bist, wird ebenfalls seine Gründe haben. Du hast dich bestimmt nicht wertgeschätzt genug gefühlt. Versprechungen wurden nicht gehalten, du warst ihm nicht so wichtig, wie du es brauchtest. Deswegen hast du überreagiert. Sei nicht so hart mit dir selbst.
Was wäre, wenn du ein passendes "Bausteinchen" gefunden hättest. Dann wäre doch das, was du jetzt so an dir verurteilst, nicht getriggert worden, oder? Pieke jemanden mit einer großen Nadel im empfindlichsten Bereich an - und derjenige wird aufschreien und sich zur Wehr setzen.
Du idealisierst vielleicht auch ein bisschen deinen Ex, weil du es so sehr wolltest, dass ihr passt. Nun, einige Dinge waren ja auch schön - aber es gab halt mindestens eine für dich schädliche Nadelstelle.
Gib ihm Zeit, herauszufinden, dass du seine Königin bist und vorallem, gib dir Zeit, herauszufinden, wo deine Triggerpunkte liegen. Behandle dich selbst am Nachsichtigsten. Vielleicht gibt es einen Neuanfang, vielleicht aber auch einen ganz anderen Menschen, der besser auf dich aufpasst.
LG Saxana
Liebe Saxana,
danke für deine mitfühlenden Worte.
Aber ich finde es nicht richtig, meine schwerwiegenden Fehler auf Kränkungen in der Vergangenheit zurückzuführen. Dort liegen definitiv die Ursachen, ich weiß auch genau, wie, was, wo, wieso. Aber das wusste ich schon vor ihm. Ich hätte mir eingestehen müssen, dass ich noch immer nicht soweit bin, eine Beziehung einzugehen.
Ich schiebe mir nicht die Schuld zu, aber ich sehe inzwischen stark, wie oft auch ich ihn enttäuscht haben muss, auch wenn ich immer dachte, das könne ich gar nicht, ist es doch so stark. Schlussendlich war immer alles von mir und meinen Launen abhängig, hätte ich nicht ständig alles abgelehnt und nieder gemacht, hätte er sich vielleicht auch nicht immer mehr zurückgezogen, hätte vielleicht auch Lust gehabt, Dinge mit mir zu unternehmen.
Ich schreibe hier, wir haben nichts zusammen gemacht. Ja, das stimmt. Aber wieso war das so?
Sind wir feiern gegangen, bin ich wegen irgendwas ausgetickt, einmal einfach gegangen, ihn vor seinen Freunden wie Dreck behandelt, ihn verhöhnt. Mir ging´s nicht gut, aber ich hätte anders damit umgehen müssen. Immer, wirklich immer war irgendwas.
Vielleicht wäre auch alles so gekommen, wie es jetzt ist, hätte ich mich großteils "richtig" verhalten.
Wir hatten das potential so wundervoll miteinander zu sprechen, zumindest fühlte es sich für mich so an. Gegen Ende haben wir das genutzt, mehr gesprochen als manch anderes Paar in 10 Jahren, nehme ich an. Und vor allem besser, rücksichtsvoll, liebevoll, reflektiert. Aber in den ansatzweise guten Zeiten kam es selten zu Gesprächen. Das ist sehr schade.
Außerdem wollte er keine Beziehung (nicht, weil er mit anderen Frauen schlafen wollten, es war klar für uns treu zu sein). Das habe ich irgendwann einfach übergangen. Er hat mich geliebt, wollte aber nicht sein ganzes Leben mit mir teilen. Ich denke durchaus, dass das möglich ist. Vor allem bei seiner Geschichte und Persönlichkeit. Aber das hätte für mich nicht funktioniert, das weiß ich.
Ich würde ihm so gerne so vieles schreiben, aber das lasse ich. Ich hab wahnsinnige Angst vor dem Bild, das er inzwischen von mir haben muss. Und es ist leider das richtige Bild. Mein Körper, der ohne, dass man in mich verliebt ist, einfach nur ekelhaft ist. Er wird sich nun vor mit ekeln, da bin ich mir sicher. Ich will nicht näher darauf eingehen, aber er hat allen Grund dazu. Nein, nicht wegen ein paar kilo zu viel auf den Rippen. Das ist mir egal, die hat er auch.
Meine Persönlichkeit, die keine ist. Er wird das jetzt alles mit Abstand klarer sehen. Und mich irgendwann nur noch verachten. Das tut ziemlich weh.
Heute Nacht hat er mir geschrieben. "Frohes Neues, A.". Hätte er das nicht wenigstens ausformulieren können, wenn er mir schon schreibt? Das hat mich sehr aufgewühlt, danach war die party, auf der ich war, für mich gelaufen. Ich habe mich geärgert, dass er meinen Wunsch nach absolut keinem Kontakt übergangen ist, aufgrund der Höflichkeitsfloskel, die er meinte, mir schreiben zu müssen. Er sollte mich so gut kennen, als dass er wissen könnte, dass mich auch sowas bedeutungsloses aus der Bahn wirft. Hat er sich überhaupt länger als 10 Sekunden darüber Gedanken gemacht, ob es klug wäre, mir zu schreiben? Hat er das gemacht, als er irgendwelchen anderen bedeutungslosen Menschen auch schrieb, "Ach, der An. könnt ich auch ein frohes Neues wünschen?" Das Resultat ist dann, dass ich mit stundenlang den Kopf darüber zerbreche. Wieso, weshalb.
Andererseits, hätte ich mir nicht geschriebene, würde ich dann vielleicht nicht hier sitzen und darüber trauern, dass er es nicht tat?
Hab die whats app nachricht dann im affekt sofort gelöscht, also den ganzen chat. Weg,weg,weg. Danach viel geheult, aber es ist wohl okay, das sind situationen, mit denen man klarkommen muss, die zum verarbeiten dazugehören.
Habe ihm dann heute bei Facebook geantwortet, hab seine Schlüssel noch, die ich ihm irgendwie zuschicken muss. "Dir ebenfalls ein frohes neues Jahr. Wollte kurz bescheid sagen, dass das mit den Schlüsseln noch dauern kann, hab gerade kaum Zeit. Werd´s im Laufe der kommenden Woche erledigen."
Antwort: "Okay, danke."
Tut weh so sachlich zu kommunizieren, sind wir doch eigentlich beide emotionale Menschen. Aber so schreibe ich wenigstens nichts, was ich danach bereuen kann.
Ich glaube, es wird bei mir immer schlimmer, desto länger der Trennungszeitpunkt her ist. Jetzt weiß ich, irgendwo bin ich noch bei ihm, ich bin ihm nicht egal, da bin ich mir recht sicher. Ich denke, auch er vermisst mich, vor allem als Menschen, mit dem er anders reden konnte, als mit all den anderen. Vielleicht irre ich mich auch.
Aber in 2,3 Wochen wird er immer weniger an mich denken und die Wahrscheinlichkeit, dass er mit anderen schläft wird immer höher. Sein Körper, der mein Zuhause, meine Zuflucht war, in den Händen einer anderen Frau. Das zerreist mich.
Ich bin mir inzwischen auch nicht wirklich sicher, ob er nicht mit anderen geschlafen hat. Es gab ein paar blöde Situationen. Ja, das würde viel ändern. Er hätte seinen Spaß über mein Wohl gestellt, er wusste, ich würde Jahre brauchen, um über einen Betrug hinwegzukommen, wusste er ja, wie mickrig mein Selbstwert ist. Das wäre dann nicht der Mensch, den ich liebe. Den gibts dann nicht.