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Wechselbad der Gefühle - merkwürdige Gesetzmäßigkeit

goldbeere

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Ich bin nun seit Ende Oktober getrennt, Kontaktsperre seit 11. November. Mein Mann hat mich ziemlich drastisch und für mich in dieser unerbittlichen Konsequenz überraschend aus seinem Leben geworfen.

Zuerst war da Fassungslosigkeit und Verzweiflung, habe viel über meine Schuld dabei gegrübelt. Dann habe ich eine Liste mit all seinem Verhalten gemacht, das unfair war und mich runtergezogen hat und für Distanz in der Beziehung gesorgt hat. Mit der Schlussfolgerung, dass weiter an der Beziehung zu hängen sinnlos ist, ich besseres verdient habe und froh sein kann, ein Leben ohne ihn in Angriff zu nehmen. Das hat zumindest etwas geholfen.

Dann habe ich in verschiedenen Quellen gelesen, dass Loslassen sehr viel mit Vergebung zu tun hat. Und damit, den eigenen Part zu sehen und diesen sich selbst auch zu vergeben. Das habe ich auch gespürt, also dass dieses "er war unfair zu mir und kann mich jetzt mal" nicht dazu geführt hat, dass ich mich irgendwie großartig erleichtert gefühlt habe. Und ich sehe nun auch klarer, welche Mechanismen auf beiden Seiten für diese Beziehung und ihr Ende gesorgt haben. Das macht mich weicher und versöhnlicher ihm gegenüber, was sich grundsätzlich besser anfühlt als der Groll.

Nun ist es aber so, dass wenn ich mich weicher und versöhnlicher fühle, ich ihn wieder total vermisse. Und der Wunsch hochkommt, mit ihm in Austausch zu gehen, das Ganze gemeinsam zu reflektieren und sich gegenseitig dadurch weiter zu helfen. Das wiederum traue ich mich nicht, weil ich Angst habe, dass das ganz schön in die Hose geht und ich neue Verletzungen dabei erleide.

Also gerade habe ich die Wahl zwischen Groll und sich deshalb als Opfer und nicht gut fühlen und abgeklärte Distanz und Vergebung - und damit wieder brennende Sehnsucht.

Ach, es ist so schwierig ...

10.01.2014 14:31 • #1


Wirbelsturm


Hallo goldbeere.

Fühl Dich mal umarmt

Ich kann das wahnsinnig gut nachempfinden, mir geht es da momentan sehr ähnlich. Ich habe mich auch sehr mit dem "verzeihen" beschäftigt und je mehr ich darüber nachgedacht habe, merkte ich, dass ich mich selbst ein wenig verrannt hab. Denn natürlich kommt dann auch wieder die Sehnsucht in einem hoch und die Hoffnung, dass man vielleicht doch noch gemeinsam an der Beziehung arbeiten könnte.

Deshalb lasse ich jetzt erst einmal die Wut in mir toben und ich denke, wenn die Wut sich erst einmal ausgetobt hat, dann fällt es auch leichter mit dem "verzeihen" und dem "loslassen". Man darf sich natürlich nicht darin verlieren, aber zum "loslassen" gehört auch, dass man seine Gefühle rauslässt. Wir Verlassenen sind diejenigen, die vor den Kopf gestoßen worden sind und bleiben mit all unseren Gefühlen zurück. Die müssen nun erstmal alle raus, bevor man endgültig einen Cut auch von sich aus machen kann. Nimm Dir also die Zeit und verlange nicht zuviel von Dir selbst.

Wenn die Wut erstmal weg ist, dann kannst Du Dich ganz in Ruhe an das "verzeihen" machen und hast Dich vielleicht bis dahin schon viel weiter von all dem distanziert.


Ich wünsche Dir viel Kraft

10.01.2014 14:50 • x 1 #2



Wechselbad der Gefühle - merkwürdige Gesetzmäßigkeit

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groupie

groupie


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Liebe Holdbeere!
Auch ich schwankte hin und her im Wechselbad der Gefühle.
Wut und Trauer waren die vorherrschenden.
Heimliche Sehnsucht und innere Verbundenheit.
Manchmal tat er mir leid und sehr selten
(zu selten?) dachte ich an das Schöne mit ihm
und ertappte mich bei einem Lächeln.

Bei alldem tat mir die KS gut.
Oft war ich davor sie zu brechen.
Ich scheute mich nicht, immer wieder im Forum dies anzusprechen.
Immer wieder wurde ich ermutigt, fie KS einzuhalten.
Es muß langweilig gewesen sein für die anderen.
Aber mir hat es wirklich geholfen.

Es ist kein Haß in mir entstanden.
Die anderen Gefühle sind abgeflacht
und meistens denke ich an anderes,
als an ihn.

Das schaffst Du auch!

10.01.2014 14:56 • x 1 #3


goldbeere

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Danke für Dein Verständnis, Wirbelsturm

Ich glaube, so richtig schön wütend konnte ich noch gar nicht sein. Bin dann immer schnell wieder bei meinem eigenen Fehlverhalten.

10.01.2014 15:03 • #4


goldbeere

goldbeere


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Danke auch Dir, Groupie ! Das hilft mir was Du sagst, nämlich am besten die Kontaktsperre konsequent beibehalten.
Auch dass es Euch genauso geht mit diesem Wechselbad, also anscheinend gehört das zum Prozess dazu, das hilft.

10.01.2014 15:09 • x 1 #5


Wirbelsturm


Ja, ich dachte am Anfang auch ich könnte nicht wütend sein. Habe zuerst nur das Gute an Ihr gesehen und wollte das Schlechte gar nicht sehen. Dann habe ich mir eine Liste gemacht, mit Dingen, die mich wirklich wütend gemacht haben und mich auch sehr verletzt haben. Wie z.B. das Sie mit mir nicht gesprochen hat, dass Sie mit mir noch in den Urlaub gefahren ist obwohl sie da schon wusste, dass Sie mich gar nicht mehr liebt und das sie bei der Trennung eiskalt sagte, sie habe schon mit anderen geflirtet. Mich hat wütend gemacht, dass sie sagte, es würde für sie unerträglich sein, mich so zurücklassen zu müssen um mich dann kurze Zeit später bei Ihrer Familie und Ihren Freunden durch den Dreck zu ziehen.

Diese Liste hat mir geholfen meine Wut wahrzunehmen und sie auch rauszulassen. Ja ich bin wütend, weil fair war das alles nicht!

Natürlich habe ich genauso wie Du auch über meine eigenen Fehler nachgedacht. Das ist auch wichtig so, denn nur dann kannst Du daraus lernen. Ich habe eine strikte Kontaktsperre eingeleitet und in der Zeit angefangen, mich damit zu beschäftigen, aber auch aktiv wieder am Leben teilgenommen. Dieses Forum hat mich einen großen Schritt weitergebracht, da ich hier meinen Kummer aufschreiben konnte und mich auch irgendwie ein wenig davon lösen konnte. Es tut gut zu wissen, dass man nicht alleine ist... auch wenn das nur ein kleiner Trost ist.

Durch diese Kontaktsperre ist mir nun aber auch bewusst geworden, das man manchmal einfach wirklich loslassen muss und sich von dem trennen muss, was einem nicht gut tut. Nutze das neue Jahr um Deine Krone zu richten und in die richtige Richtung zu laufen. Darüber sprechen und auch schreiben wird Dir helfen. Aber suche nicht alle Schuld bei Dir, damit machst Du Dich selbst nur klein.

10.01.2014 15:18 • #6


groupie

groupie


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Wie kommt es nur,
dass die einen wütend sind und die anderen nicht?

Ich war so wütend. Darunter habe ich gelitten.

In Gedanken trat ich ihm vors Schienenbein.
Immer wieder.

Heute murmle ich manchmal vor mich hin:
ich hasse diesen Drecksack,
obwohl ich gar nicht an ihn dachte
und ihn ja auch nicht hasse.

10.01.2014 15:22 • #7


goldbeere

goldbeere


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Die Wut wahrzunehmen und rauszulassen, diesen Schritt habe ich noch nicht so richtig gemacht, nur ansatzweise. Wie kann man die Wut denn dann rauslassen, schreit Ihr oder macht Ihr Sport ?

Und auch das aktiv wieder ins Leben gehen, das habe ich noch nicht nicht geschafft. Ich bin immer noch in meinem Schneckenhaus verschanzt und habe zu nichts Lust, außer zu meist einsamen Spaziergängen mit meinem Hund. Gespräche mit Freunden finden im ganz geschützten Rahmen statt, also nicht in der Kneipe oder so. Wenn ich unter Leuten bin, fühle ich mich ein bisschen wie vom anderen Stern, vollkommen abgetrennt von deren "Normalmodus" und Fröhlichkeit.

10.01.2014 15:29 • #8


groupie

groupie


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Zitat von goldbeere:
Die Wut wahrzunehmen und rauszulassen, diesen Schritt habe ich noch nicht so richtig gemacht, nur ansatzweise. Wie kann man die Wut denn dann rauslassen, schreit Ihr oder macht Ihr Sport ?

.


Ich mach Sport, Mountainbiken!

Die Wut ließ mich kräftig in die Pedale treten.
Ich kam Berge hinauf, die ich friedlich nicht geschafft hätte!
Die Wut gab mir Kraft!

Nach ner Dreiviertelstunde war ich so erschöpft,
dass das Gedankenkreisen aufhörte.

Dann sah ich den Wald, die Bäume, die Blätter.
Das war schön!

Inzwischen sehe ich den Wald und die Nebelschwaden.
Das ist schön.
Ich komm den Berg mit Leidhtigkeit und guter Laune hoch!
Wie von selbst!

Wut tut gut! wandelte sich zu Sport tut gut.

10.01.2014 15:39 • #9


goldbeere

goldbeere


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Das klingt gut, erfrischend erst mal das Dampf ablassen und heilsam in der langfristigen Wirkung

10.01.2014 15:50 • x 1 #10


Zaungast


Zitat:
... das Sie mit mir nicht gesprochen hat, dass Sie mit mir noch in den Urlaub gefahren ist obwohl sie da schon wusste, dass Sie mich gar nicht mehr liebt und das sie bei der Trennung eiskalt sagte, ... Mich hat wütend gemacht, dass sie sagte, es würde für sie unerträglich sein, mich so zurücklassen zu müssen ...


Ist schon irre, wie sehr sich die Bilder doch immer wieder gleichen. Und mit welcher Selbstgefälligkeit die Verlassenden sich dann darin ergehen, sich ihre eigene Absolution zu erteilen... Könnte ich kotzen!

Und ja, Wut herauszulassen, ist wichtig. Wenn sich das anstaut, richtet es Schaden an. Sport hilft auf jeden Fall. Oder im Auto und zu Hause mal richtig auszurasten und herumzubrüllen mit dem Miesestem, was die Deutsche Sprache zu bieten hat. Tut gut!Muß für die anderen Verkehrsteilnehmer sicher lustig ausgesehen habe ...

10.01.2014 17:42 • #11


greta79


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hallo goldbeere,

Bei mir war es auch so, zuerst suchte ich die schuld bei mir, was ich alles falsch gemacht hatte, dass er sich so schäbig benahm, dann kam die wut und ich froh, dass er nicht mehr bei mir war (zwischendurch immer mal wieder die sehnsucht)-jetzt ist er mir egal.
Hab mal was gelesen, das ging ungefähr so: verzeihen heisst nicht, dass man gutheisst, was einem jemand angetan hat, verzeihen heisst, mit dem was war Frieden schliessen können, um weiterzukommen.

Manchmal wenn ich mit jemandem darüber rede, was alles war oder warum es so gekommen ist, fange ich an zu weinen, einfach weil ich es selbst nicht verstehen kann oder will, dass man einander so geliebt hat und sich dann soviele schmerzen zugefügt hat.

Aber meistens ist er mir einfach nur egal, ich lebe mein leben, er soll seines leben.Irgendwie traurig.

lg greta

10.01.2014 17:56 • #12


goldbeere

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@Zaungast
Habe mir gerade vorgestellt, wie Du wild grimassierend Auto fährst und an der Ampel beguckt wirst Guter Tipp mit dem Auto, bei mir im Haus sind die Wände so hellhörig, da wäre ich gehemmt.

@Greta
Ja, ich denke auch es ist dieser Gegensatz, der schwer zusammenzubringen ist. Diese Nähe und Verbundenheit die da war einerseits und dann nur noch Feindseligkeit.

Dass Verzeihen nicht gleich Gutheißen ist finde ich wichtig. Es besteht für mich vor allem darin, sein Verhalten nicht so persönlich zu nehmen. Zu erkennen, dass er das aufgrund seines eigenen Leidens und vielleicht eines Programmes, dessen er sich gar nicht bewusst ist oder im Moment zumindest nichts daran ändern kann, getan hat. Das entschärft irgendwie den Schmerz und schafft auch emotionalen Abstand.

10.01.2014 20:20 • #13



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