Kirsche2016
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ich bin nun seit fast 9 Jahren mit meinem Mann zusammen. Seit knapp 3 Jahren sind wir verheiratet. Wir haben zwei kleine Kinder.
Schon seit Jahren läuft es nicht mehr gut. Auch am Anfang der Beziehung hatte ich schon immer wieder Zweifel, da er mir doch oft mein Selbstbewusstsein genommen hat. Er hat immer wieder gestichelt, alles würde ich falsch machen, mein Verstand wäre etwas langsam und was ich in meinem Leben erreicht hätte, wäre nichts wert. Dazu muss man sagen, dass ich aus einer Arbeiterfamilie komme, studiert habe und darauf eigentlich immer stolz war. Auch meine Familie kann er nicht leiden. Mit meinen Freunden lief es ähnlich. Ich habe ihn oft darauf angesprochen, dass es mir sehr weh tut, wenn er so mit mir redet. Er hat es aber fast immer ignoriert. Irgendwann fragt man sich, warum man zu diesem Zeitpunkt geblieben ist. Geblieben bin ich, da er in schwierigen Situationen immer 100% für mich da war, weil wir viele gemeinsame Interessen hatten und ich ihn trotzdem geliebt habe. Es gab ja auch wieder gute Zeiten, in denen er mir beteuert hat, wie sehr er mich liebt und das er solche Dinge manchmal nur so dahin sagen würde.
Geändert hat sich über die Jahre aber nichts. Es lief immer so weiter. Die Beleidigungen wurden zur Routine. Irgendwann habe ich sie einfach nicht mehr gehört. Habe es als eine Macke von ihm akzeptiert. Habe mir eingeredet, sonst liefe es ja gut. Aber ich habe mich sehr dadurch beeinflussen lassen. Mein Selbstbewusstsein wurde immer schwächer und der Kontakt zu meinen Freunden und zu meiner Familie immer seltener. Ich habe mich zurückgezogen und habe zum Teil sogar angefangen, zu glauben, was er gesagt hat.
Über die ganze Zeit hinweg wollte er unbedingt Kinder haben. Ich wollte mein Studium abschließen und zuerst ein paar Jahre Arbeitserfahrung sammeln. Bis zu dem Moment, in dem ich ungeplant nach ein paar Monaten in meiner ersten Arbeitsstelle schwanger wurde. Damals waren wir gerade 5 Jahre zusammen. Plötzlich sagte er, ich hätte sein Leben zerstört. Dass er inzwischen andere Pläne (Hausbau, Geld sparen) hätte. Das ich ihm das Kind untergeschoben hätte, damit ich nicht arbeiten müsste. Ich hatte diese Schwangerschaft auch nicht geplant. Schuld war keiner von uns beiden. Daher waren die ersten Monate der Schwangerschaft sehr schwer. Er hat mich kaum unterstützt. Ich hatte starke Schwangerschaftsübelkeit, habe Vollzeit gearbeitet und war daher immer sehr müde. Er stand oft nur neben mir und sagte: Das hätte ich mir selbst zuzuschreiben!
Daraufhin wollte ich ihn verlassen. Innerhalb weniger Tage hat er dann sein komplettes Verhalten umgestellt, mir geholfen und auch die Beleidigungen gelassen. Ich gab dem Ganzen noch eine Chance. UnsereTochter kam krank zur Welt - ich hatte einen Kaiserschnitt. Und auch hier konnte ich mich wirklich auf ihn verlassen. Er hat sich in dieser Zeit um sehr viel gekümmert. Er war immer für uns da. Deswegen habe ich ihn dann auch geheiratet und wir haben noch ein Kind bekommen. Er liebt die beiden über alles und ist auch insgesamt etwas ruhiger geworden.
Im Nachhinein stelle ich mir aber nun wieder die Frage, ob die Beziehung richtig ist. Die Beleidigungen nehmen seit der Geburt unseres zweiten Kindes wieder zu. Manchmal droht er mir inzwischen sogar, wenn etwas nicht nach seiner Meinung läuft (z.B. er erzählt irgendwelchen Leuten sehr private Dinge oder im Extremfall würde er irgendeinen Weg finden, mir die Kinder wegzunehmen). Im Nachhinein war das dann alles wieder nicht ernst gemeint, sagt er.
Im letzten Jahr habe ich mir darüber viele Gedanken gemacht und auch gedacht, dass ja viele Eltern Probleme haben/ überfordert sind, wenn sie sich um zwei so kleine Kinder kümmern müssen. Aber tatsächlich waren unsere Probleme ja schon immer da. Aufgrund der Kinder wollte ich aber keine vorschnelle Entscheidung bzgl. einer Trennung treffen und mir Zeit lassen. Auch weil er sie so sehr liebt und das auch wirklich zeigt.
Daraufhin fing ich erst einmal an, andere Lebensbereiche von mir aufzuräumen. Also bin ich die übrigen Schwangerschaftskilos losgeworden, habe mir einen Teilzeitjob gesucht und habe angefangen wieder mehr Kontakt mit meiner besten Freundin aufzubauen.
Persönlich glücklicher bin ich geworden – gleichzeitig hat mir das alles aber auch das verlorene Selbstbewusstsein zurückgebracht. Und nun denke ich: Was habe ich da nur alles mit mir machen lassen. Umso länger ich nachdenke, umso mehr Gemeinheiten fallen mir ein. Zudem gehört mein Mann zu den Männern, die eine traditionelle Beziehung leben wollen; d.h. Frau macht den kompletten Haushalt und nahezu alles mit den Kindern und der Mann geht auf die Arbeit und legt sich danach auf die Couch. Hieran arbeiten wir aber mit den ersten Erfolgen.
Natürlich gibt es immer zwei Seiten. Ich habe das auch mit mir machen lassen und bin geblieben. So langsam bin ich das alles aber einfach leid. Ich habe so lange gekämpft, habe ihm immer wieder erklärt, dass er mir mit seinen Worten sehr weh tut. Ich glaube, es geht einfach nicht mehr so weiter. Meine Liebe für ihn hat durch diese Erkenntnis auch stark nachgelassen.
Jetzt frage ich mich, ob es sich überhaupt noch lohnt, für diese Beziehung zu kämpfen.