Desaströs
Gast
ich melde mich hier mit meiner Geschichte weil sie mich und meine Beziehung ganz schön in die sch*** geritten hat und ich mich gerade frage, wie wir da gemeinsam wieder rauskommen können.
Mein Mann und ich (seit 10 Jahren verheiratet) hatten beide eine (oder mehrere) Außenbeziehungen. Nachdem seine durch einen blöden Zufall herausgekommen ist und es mir den Boden unter den Füßen weg zog, war ich wohl der Meinung ihm auch reinen Wein einschenken zu müssen.
Nach einigem hin und her und vielen Tränen, sind wir nun an dem Punkt angekommen, an dem wir verstanden haben, was uns dazu bewegt hat, Nähe, Geborgenheit und Wertschätzung bei einem anderen Menschen zu suchen als uns. Wir hatten uns wohl klamm heimlich auseinander gelebt, waren beide unglücklich und so sehr mit uns selbst beschäftigt, dass wir uns und unsere Beziehung aus den Augen verloren haben.
Es war ein langer und harter Weg der Erkenntnis und natürlich immer die Frage, wenn wir beide so etwas gemacht haben, hat dann das alles noch einen Sinn?
Vom Ablauf war es so, dass zuerst ich mich anderweitig umgesehen habe (und gefunden) und dann er. Er hatte keinen S. mit der Frau. Wir beide hatten keine Gefühle für unsere Affären. Es war eher ein Hilferuf glaube ich.
Nun ist der aktuelle Stand so, dass wir uns beide sicher sind, den Weg weiter gemeinsam gehen zu wollen, nicht wegen der Kinder, nicht wegen Haus, Auto, Arbeit, sondern weil wir uns eine gemeinsame Zukunft miteinander wünschen. Wir sind uns unserer Liebe zueinander sicher und sehen das Geschehene wie eine Chance für einen Neuanfang.
Soweit so gut.
Trotzdem gehen wir mit der Vergangenheit komplett anders um. Er ist im Verdrängungsmodus und eigentlich nicht daran interessiert darüber zu reden was war. Bietet mir aber an, jederzeit mit ihm darüber zu sprechen, wenn ich es brauche.
Ich möchte es verarbeiten, es macht mich traurig was wir uns beide angetan haben und immer wieder kommen Bilder in mir hoch. Ich habe Nachrichten gelesen die er sich mit der Frau geschrieben hat, die sich in mein Hirn gebrannt haben. Ich verbinde Orte mit den beiden, wo ich weiß, dass sie dort gemeinsam waren. Bei dem Gedanken dreht sich mir der Magen um. Ich habe fast Panikattacken wenn ich das Gefühl habe meinem AM über den Weg laufen zu können.
Wenn wir darüber sprechen was war, fange immer ich an. Dabei geht es hauptsächlich um meine Gefühle, meine Ängste und meine Gedanken dazu. Mein Mann steht mir zwar bei, von ihm kommt aber recht wenig. Er hatte kurz nachdem ich es erzählt habe, ein paar Ausraster und seitdem hat er keine Lust mehr sich den schlechten Gedanken hinzugeben.
In meinem Kopf ist ständig die Frage, ob ich das Recht habe mich schlecht zu fühlen, denn er tut es ja auch nicht. Er geht damit komplett anders um.
Das macht die ganze Sache super kompliziert. Ich möchte so gerne darüber sprechen, habe aber das Gefühl, dass wir das gar nicht gemeinsam aufarbeiten können weil er so anders mit der Situation umgeht.
Meine Gefühle beschränken sich auch nicht darauf, was bei ihm und seiner AF war, es geht um alles! Um die Zeit damals, was alles passiert ist bei uns beiden. Was wir vergessen haben, warum wir uns nicht mehr gesehen haben, warum unsere Liebe so in den Hintergrund gerutscht ist, dass wir uns beide jemand anderem zugewendet haben.
Aber natürlich sind es auch viele Dinge die seine Affäre betreffen die mich beschäftigen.
Ihn scheint nichts zu beschäftigen und ich weiß nicht wie ich damit umgehen soll... ich habe das Gefühl es nur noch mit mir ausmachen zu können. Das wiederum scheint irgendwie in meinen Augen der falsche Weg zu sein wenn wir uns doch wieder finden wollen... ist es nicht wichtig, die Thematik dann gemeinsam zu bearbeiten?
Wenn nur einer der Betrüger ist, scheint die Rollenverteilung klarer... so ist es ein switchen und ich fühle mich sowohl in der Verantwortung seine Bedürfnisse zur Verarbeitung wahr zu nehmen und zu respektieren, sowie ich aber auch das Bedürfnis habe, dass er auf meine Erwartungen Rücksicht nimmt.
Das ist ziemlich verzwickt.
Sonst ist unsere Beziehung sehr harmonisch, das mag unter den Gesichtspunkten fast absurd klingen, aber es geht uns so gut wie schon lange nicht mehr. Wir unternehmen viel gemeinsam, wir haben uns unsere Inseln geschaffen, aber auch unsere Hobbys die wir alleine genießen. Wir lachen gemeinsam, wir sind ein gutes Team und uns einig, dass so etwas nie wieder passiert, dass wir vorher miteinander reden und uns zuhören. Der Schmerz den wir uns gegenseitig zugefügt haben war der blanke Horror.
Nur bei der Verarbeitung sind wir an unterschiedlichen Punkten.
Daher meine Frage: Erwarte ich zuviel?
Muss ich das einfach für mich alleine klären? Vielleicht brauche ich ihn nicht dafür?
Soll ich ihn in Ruhe lassen?
Aber trotzdem auf mein Bedürfnis hören wenn ich darüber sprechen möchte und es ansprechen?
Vielleicht ist er ja wirklich im Reinen mit sich und der Situation?