Zitat von acre: Hatte dein Ex damit "Recht" mit der Trennung und du konntest es nur noch nicht sehen, dass die Beziehung eigentlich nicht mehr gut war?
Ich habe meine Beziehung nicht als "nicht gut" wahrgenommen, weil das war sie auch nicht. Aber ich habe immer mehr Kompromisse gemacht als er. Dies war für mich so langen keine Problem, solange ich dachte, dass mein Partner dies wertschätzt. Mit der Trennung und vor allem der Argumentation danach, hat er dieses Bild völlig zertreten. Es wurde klar, er hat es nicht so wertgeschätzt wie ich es annahm. Damit bewerte ich es rückschauend natürlich ganz anders als zu diesem Zeitpunkt.
Mittlerweile bin ich der Meinung, dass er mir mit der Trennung einen Gefallen getan hat. Schon allein, weil er durch sein Verhalten meine "rosarote Brille" runter gerissen hat. Es sind die kleinen Dinge, die mir auffallen. Wie oft er den Stress der Arbeit daheim ausgelassen hat. Wenn ich hier mit den Kindern allein bin oder komplett allein, ist die Stimmung viel entspannter. Wie oft habe ich meine Termine verschieben müssen, weil er seine Koordination nicht auf die Reihe gekriegt hat. Das Thema hat sich komplett erledigt.
Was für mich echt am Schwierigsten war, war zu sehen, wie wenig er bereit ist in die Verantwortung zu gehen und dafür lieber krude Vorwürfe zu platzieren. Damit ist das Bild von ihm komplett verändert worden. Ich kann dir nicht sagen, ob ich es nicht sehen wollte oder es eine extreme Veränderung nach der Trennung gab. Aber im Endeffekt ist es nicht mehr der Mann den ich geheiratet habe.
Zitat von acre: Betrachtest du es auch eher als ein Gewinn für deine Kinder (wenn ich mich recht erinnere ist er ja erst mit der Trennung in seine Vaterrolle reingewachsen)?
Nicht wirklich. Ein Gewinn für die Kinder wäre gewesen, wenn er in der Partnerschaft seiner Vaterrolle gerecht geworden wäre. Ich glaube Kinder gewinnen nie wirklich bei der Trennung der Eltern, es sei denn es handelt sich um eine toxisches Umfeld.
Aber unsere Kinder wissen zu schätzen, dass er jetzt für sie da ist. Es gibt aber auch immer wieder Situationen, wo ich sie auffangen muss, weil Papa mal eine unbedachte Aussage oder Aktion getätigt hat. Das kranke Kind bei den Großeltern zu platzieren, um das WE mit der Freundin zu verbringen. Dem Teenager sagen, dass er nach Schulabschluss (in 4 Jahren) ausziehen muss. Für mich total unverständlich. Ansprechen tue ich es nicht mehr. Wenn ich was ändern will, mache ich das über meine Schwiegermutter. Ich brauche da nicht mit ihm drüber zu reden, denn dann ist es aus Prinzip schon falsch.