Schnieps
Gast
Sie erzählte mir, dass sie stolze Besitzerin einer Schlange wäre, und so kamen wir miteinander ins Gespräch. Sympathie war sofort vorhanden, wir tauschten die Nummern und machten uns schließlich ein Date beim Griechen aus, zu dem sie in einem schulterfreien Kleid erschien. Dass ihre Schultern so viel Freiheit sonst nicht kannten, war daran zu sehen, dass sie vom jahrelangen Einschneiden der BH-Träger tief eingekerbt waren. Sicher tut es ihr gut, mal ohne die Träger zu sein, dachte ich, und ich hätte sie gern dort etwas massiert. Aber wirklich atemberaubend fand ich ihr Dekolleté, das vor lauter Sommersprossen richtig dunkel war, so dass ich immer wieder hinschauen musste, zumal dort auch noch eine dicke Goldkette glitzerte. Ich war extrem nervös, in meinem Bauch rumorte es, und gerade als das Essen kam, musste ich pupsen, was bei dem Geräuschpegel hier im Restaurant wohl eh keiner mitbekam. Allerdings kam der Pups leider flüssig, ich sprang auf und rannte zum WC. Zu spät, im Slip hatte ich eine Bremsspur, die schon bis zu meiner beigefarbenen Hose durchgesickert war. Mist, ich versuchte es mit feuchten Tüchern, wollte aber meine Begleitung nicht warten lassen. Als ich wieder kam, war sie weg.
Danke für den Abend! hatte sie auf die Serviette geschrieben. Auf dem weißen Polster meines Stuhles war ein brauner Fleck zu sehen, und auch wenn ich keine Ahnung habe, ob ihn meine Begleitung bemerkt hat, schäme ich mich noch heute entsetzlich. Zuhause löschte ich ihre Nummer und versuchte, das Ganze zu vergessen. Gelang mir nicht. Sicher bin ich inzwischen irgendwie vorgeschädigt, möchte mich aber gleichzeitig niemandem ins Leben drängen. Es ist, als würde irgendeine höhere Macht immer wieder aufs Neue erfolgreich verhindern, die Liebe fürs Leben zu finden.
