Begonie
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Zitat von Acht:Das sind echt immer alles so schöne idealisierte Vorstellungen, das Leben ist aber nicht immer händelbar und man schwingt auch nicht immer mit gleicher Kraft, um es anderen leichter mit einem zu machen.
Das hast Du gut gesagt. Es stimmt, dass in vielen Ratgebern steht oder auch andere sagen, die es gerade gut haben, kümmere Dich um Dich und Deine Balance. So als ob man alles im Leben steuern könnte und im Griff hätte.
Das stimmt zum Teil, denn es gibt auch Phasen im Leben in denen das nicht gelingen kann, weil man nur mit Überleben beschäftigt ist oder eben wieder mal vor Augen geführt bekommt, dass in jedem Leben Schicksalsschläge wie Meteoriten einschlagen, die alles in Frage stellen, auch das eigene Selbstbild.
Meine Schwester erkankte im März schwer. Völlig unscharfe Symptome wie Mattigkeit, Schlaflosigkeit und massive Kurzatmigkeit. Ich dachte an Corona. Der Arzt bei dem sie war, schickte sie umgehend ins Krankenhaus. Dort wurde eine massive Anämie festgestellt, ausgelöst durch die Nieren. Intensivstation, Bluttransfusionen am laufenden Band, Beatmung, Punktierung der Lunge um das Wasser rauszuziehen. Schläuche all überall und ständiges Piep-piep-piep.
Ich wusste nicht ob sie es überleben würde. Dann stellten sie noch beidseitig Tumore an den Nieren fest. Sah nach Nierenkrebs aus. Ich war am Ende - und nicht nur ich!
Nach zwei Wochen war sie OP-fähig und die Tumore wurden entfernt und stellten sich glücklicherweise als gutartig heraus. Alles gut? Nein, sie ist ein Fall für die Dialyse und stellt gerade von Hämo- auf Bauchfelldialyse um. Sie muss damit leben.
Aber sie geht bewundernswert damit um. Nach anfänglichen Weinanfällen kommt ihr Naturell wieder durch und sie akzeptiert ihre Behinderung und zieht dennoch viel Positives aus ihrem Leben. Sie war schon immer so, dass sie sich eher der Sonnenseite des Lebens zuwandte. Und sie hat einen Mann, der alles für sie tut. Sie ist seine "Königin", schon weil sie immer an sich glaubt.
Und jetzt ist noch die Lieblingsenkelin der zweiten Frau meines Vaters gestorben, mit 35. Sie hatte Diabetes mit 8 Jahren bekommen und später kam noch eine MS dazu, die sie auf den Rollstuhl zwang. Sie hatte einen guten Mann, einen mittlerweile 14-jährigem Sohn und sie fuhren nach 14 Jahren das erste Mal in den Urlaub an den Gardasee in eine behindertengerechte Unterkunft. Am dritten Tag klagte sie über Atemnot und wurde bewusstlos. Notarzt, Reanimationen bewirken nichts, sie war tot. Orgenversagen. Am Montag ist Beisetzung.
Das betrifft mich nicht unmittelbar, aber ich bin oft bei meinem Vater und verstehe mich auch mit seiner zweiten Frau gut, also geht es mich indirekt doch was an.
Für dieses Jahr reicht es mir mit Schicksalsschlägen, aber das Jahr hat ja noch einige Monate ....
Aber dennoch: ich muss Dinge annehmen die ich nicht ändern kann und lasse es mir nach Möglichkeit doch einigermaßen gut gehen.
Was wurde aus Deiner Nierenkrankheit?
