Coloneltw
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ich habe ja schon einige Themen eröffnet und habe lange überlegt, ob ich noch eins eröffnen sollte. Aber ich denke es ist vielleicht gut andere Stimmen zu hören/zu lesen.
Im Februar 2017 hat sich meine Frau von mir getrennt und gegen einen anderen Mann eingetauscht. Es waren schlimme Monate, da sie sofort einen Anwalt nahm mit allen auf mich schoss was da war. Sie versuchte mir die Kinder wegzunehmen machte mich fertig.
Seit 18 Monaten führe ich daher einen leider erbitterten Feldzug um die Reste meines Lebens zu bewahren.
Ich bin sehr verstandsmäßig einegstellt, das liegt in meiner Vergangenheit begründet. Ich wurde früher viel gemobbt in der Schule und musste meine Gefühle immer unterdrücken. Ich habe seinerzeit angefangen meinem Verstand die Oberhand über mein Leben zu geben.
Was in vielen Bereichen destruktiv ist ist hier positiv gewesen. Ich konnte bisher alle Angriffe erfolgreich zurückschlagen und mit Ruhe und Geduld bzw. sachlichen Argumenten ihren Lügen entgegentreten.
Jetzt nähert sich die Scheidung dem Ende, es gibt einen Scheidungstermin, die meisten Sachen sind geklärt. Ich habe genug vorgearbeitet, dass eigentlich nichts mehr groß passieren kann.
Ich habe letztes Frühjahr auch recht schnell mit einer Partnersuche angefangen. Vermutlich zu früh aber mir schien es damals das Richtige zu sein. Ich habe dann auch recht schnell jemanden kennengelernt. Es gab viele Differenzen, ich glaube sie war noch weniger bereit für einen mann in ihrem Leben als ich eine neue Partnerschaft aufzubauen. Es endete im Sommer 2017. Aber die Tatsache, dass sich jemand für mich interessierte machte mir Hoffnung, Hoffnung das es besser werden würde.
Zudem bekam ich meine Eigentumswohnung zurück, meine Frau zog in ihre Wohnung. Ich renovierte sie komplett durch, bekam von einer lieben Kollegen super viele Möbel und von Freunden Lampen und andere Gegenstände. Ich hatte wieder eine richtig schöne Wohnung zum Wohlfühlen.
Also konzentrierte ich mich darauf, dass ich am Ende der Geschichte die Wohnung auch behalten kann. Im herbst 2017 war ich zwar allein aber irgendwie auch glücklich. Dazu kam, dass ich über ein portal eine Frau kennenlernte die als F+ in Frage kam. Wir konnten uns super gut unterhalten, verstanden uns super und hatten nebenher ab und an Spaß trotz großer Entfernung.
Parallel habe ich in meiner Nachbarschaft eine junge Frau kennengelernt. Es war für mich bei dem Altersunterschied definitiv klar, dass dies keine Zukunft hat und nur auf F+ hinauslaufen kann.
Wir sprachen offen darüber, soe wohnte im Prinzip sofort bei mir. Aber meine gefühle machten da nicht mit.
Ich verliebte mich in sie, nur blieb das unerwiedert.
Sie chattete mit einem Anderen, indem sie sich verguckt hatte und nach 8 Wochen erwischte ich sie mit ihm mehr oder minder im Bett. Eine Welt brach für mich zusammen. Die Wochen danach waren kaum zu ertragen.
Letztendlich hat sie nichts falsch gemacht. Wir waren offiziell nicht zusammen, sie hat sich an das F+ gehalten.
Nun ein paar Monate später weiß ich ehrlich gesagt nicht mehr richtig, was ich noch tun soll. ich führe an so vielen Fronten Krieg auch gegen mich selbst, ich bin komplett überfordert.
Ich versuche es mal bildhaft darzustellen was mich derzeit bedrückt.
Auf der einen Seite kämpfe ich das Scheidungsverfahren durch, versuche ein Ergebnis zu erziehlen, was es mir erlaubt meine Wohnung, und somit mein soziales Umfeld zu erhalten. Das Verfahren hat bisher so viel Raum eingenommen, dass meine anderen Baustellen im Untergrund schlummerten.
Parallel finde ich mich nicht sonderlich attraktiv. Ich bin etwas übergewichtig und meine Röllchen stören mich sehr. Ich bin aber sehr rational und versuche immer ratonale Lösungen zu finden. Darum gehe ich seit Monaten täglich 1.000m schwimmen und esse Abends nur noch Salat. Ich reduziere meine Essenszufuhr. Es ist häufig ein kampf gegen meinen inneren Schweinehund das so durchzuziehen.
Aber ab und an überfällt mich der Drang nach einem Kakao oder einer Pizza, weil die anderen Verfahren und Baustellen viele Nerven kosten.
Dazu kommt, dass ich 2 Kinder mit meiner Ex Frau habe. Ich war nicht immer ein guter Papa, nicht so leidenschaftlich wie ich es hätte sein müssen. Also versucht mein Verstand die zeit aktiver zu gestalten. Ich kämpfe quasi mal wieder gegen mich selbst um mich aufzuraffen und mit den beiden was Praktisches zu unternehmen. Ich habe meinem Großen das Schwimmen beigebracht und meinem Kleinen geholfen Fahrradfahren zu lernen. Aber es ist jedesmal viel Überwindung nötig um die Kraft aufzubringen eben nicht vorm TV zu enden.
Meine Scheidung nähert sich jetzt dem Ende, die Zahlen sehen gut aus. Gegen eine Waffe hat meine Ex Frau nicht die geringste Chance und die setze ich gnadenlos ein. Ich gehe arbeiten! Sie hat ihren Job aufgegeben und weigert sich zu arbeiten. Das Jobcenter hat sie schon lange aufgegeben.
Ich gehe weiterhin arbeiten und habe beschlossen meinen Job zu nutzen um die Scheidungsfolgen zu kompensieren. ich versuche über gute Arbeit am Ende eine Lohnerhöhung zu erhalten, die mein Nettoverlust durch den Steuerklassenwechsel abfedert.
Ich will wieder eine Freundin und weiß, das es jetzt nicht klappen kann. Welche Frau will schon einen etwas übergewichtigen Typen, der sein ganzes Geld in den Unterhalt stecken muss?
Aber auch hier muss ich gegen mich selbst kämpfen, da mir häufig der Elan ausgeht. Ich bin einfach müde und abgekämpft.
Ich weiß, dass ich so niemanden kennenlernen werde. Ich muss lernen allein zu leben, mit mir selbst glücklich zu werden. Ich habe daher angefangen die Tage intensiver zu nutzen. Ich gehe nach dem Schwimmen auf die Wiese und Sonne mich. Ich habe ein freies Wochenende genutzt um mal wieder Fahrrad zu fahren - allein. Ich habe ein altes Hobby reaktiviert, viel Geld für mich ausgegeben. Es ist geplant im Oktober nach Mallorca zu fliegen (mit meinen Eltern) und nächstes Jahr möchte ich eine Woche nach Griechenland fliegen - geführter Urlaub - wo man nicht so allein ist.
Ich würde auch gern tanzen lernen, das habe ich mir für den Herbst vorgenommen.
So gesehen alles auf einen richtigen Weg gebracht. Bilde ich mir zumindest ein.
Ich gehe seit 18 Monaten regelmäßig zu ProFamilia um meine Vergangenheit zu bewältigen.
Und dann sehe ich heute ein Whatsapp Status von der jungen Frau, wie sie glücklich im Urlaub ist und frage mich wo mein Leben ist.
Klar kann ich das einfach abschalten, sie löschen, aus meinem Leben verbannen. Für sie war ich nur eine Randnotiz. Sie ist weg.
Aber dieser Status zeigte mir auch was noch vor mir liegt.
Mein Verstand kann rational Probleme erkennen und angehen. Ich denke ich habe auch genug finanzielle Ressourcen gesammelt um einen Feldzug gegen mein Privatleben führen zu können. Nur glaube ich nicht daran. Mein Herz, meine Seele sprechen eine andere Sprache. Die Einsamkeit wird immer stärker. Ich beziehe keine Stärke aus den Erfolgen meinem Großen das Schwimmen beigebracht zu haben oder meine Wohnung behalten zu können.
Gefühlsmäßig bin ich niedergeschlagen und abgekämpft.
Ich bin gerade dabei das Abschiedsgeschenk für meine Ex Frau aufzubauen. Sie hat keinen PC oder Laptop und ich tausende an Bildern unserer gemeinsamen Kinder. Ich habe daher einen digiatlen Bilderrahmen gekauft und ziehe die Bilder darauf, damit, sie diese auch hat. Ich lösche Bilder raus, wo nur ich drauf bin, sowas will sie bestimmt nicht haben und sehe da auch Bilder aus der gemeinsamen Zeit mit ihr. Ich sehe wie unattraktiv ich bin und kann gut verstehen warum sie mich verließ.
Wie dem auch sei. Gefühlsmäßig glaube ich nicht daran, dass ich in zusehender Zeit mein Leben in den Griff bekomme und glücklich werde. Meine Parship Mitgliedschaft läuft im Oktober aus und derzeit halten sich die Optionen daraus arg in Grenzen. Mir ist auch die Lust vergangen in einem Kaufhauskatalog nach einer Frau zu suchen.
Nur anders lerne ich niemanden kennen. Ich bin allein, ich gehe auf keine Partys oder Klubs. Ich habe keinen Freundeskreis. Das einzige was ich habe ist ein wenig Musik und meine Kopfhörer um mich von dieser Welt abzuschotten.
Ich gebe nicht auf, ich kämpfe weiter. Wie das Murmeltier stehe ich jeden Morgen um 5 auf, verlasse 5:30 das Haus, gehe auf Arbeit, dann schwimmen, etwas sonnen, dann tue ich meine weiteren Pflichten wie Wäsche waschen, Bude aufräumen, esse meinen Salat, schaue noch 1-2 Serien an und gehe schlafen und hoffe, dass ich mal ohne Schlaftabletten einschlafen kann.
Jeden Tag.
Mir fehlt die positive Grundeinstellung aus dem Inneren heraus, wenn ihr versteht was ich meine. Ich habe 25 Jahre lang meine Gefühle unterdrückt oder ignoriert. Viele Jahre eine unglückliche Ehe geführt und mich nie getrennt, weil ich wusste welches Verfahren da auf mich zukommt und es war sogar schlimmer als ausgemahlt.
Ich bin meiner Frau dankbar, dass sie die Trennung eingeleitet hat, sonst wäre das noch weiter gegangen. Ich hatte nie die Kraft und den Mut es zu beenden. Ich kann nicht mal behaupten das für mich das Glas immer halb leer statt halb voll ist. in vielen Bereichen, in den rationalen Bereichen habe ich eine gute Zuversicht.
Ich errechne mir gerade ob es günstiger ist meine Frau auszuzahlen oder Unterhalt zu leisten. Wenn ich die Summen sehe müsste ich eigentlich zusammenbrechen. Sie erhält 40.000 Euro an Rentenpunkten aus der ges. Rente, weitere 16.000 Euro an priv. Renten. ich erhalte 18.000 Euro an Rentenpunkten von ihr.
Ich werde in den kommenden 4 Jahren zw. 33.000 Euro und 40.000 Euro an Unterhaltsleistungen zahlen müssen und doch juckt mich das nicht, da ich weiß, das ich das irgendwie tragen kann. Ich habe meinen Job - es geht nur noch um Details.
Aber wenn ich an den Whatsapp Status denke. Die junge Frau ist im Urlaub, mit ihrem Freund. Und ich bleibe zurück.
Und so kommen weitere Erinnerungen hoch.
Ich hatte mal einen Bekannten. Der wusste nicht, was er aus seinen Leben machen sollte. Hat etwas studiert, wieder aufgehört und dann hing er nur noch bei seinen Eltern rum. Alle anderen fingen an ihr Leben aufzubauen. Einer studierte und ich machte eine Ausbildung, fing an mit arbeiten. Wir entwickelten uns weiter, er blieb stehen.
Der Kontakt brach ab. Und nun sehe ich mich an seiner statt. Sie entwickelt sich weiter, führt ihr Leben. Ich spiele in diesem keinerlei Rolle mehr. Sie macht ihre Ausbildung und fährt mit ihrem Freund in den Urlaub. Ich blicke zurück wo ich so jung war. .und da ist nur Traurigkeit.
Als ich 19-22 war, war ich in Ausbildung, Single und Einsam. Habe häufig geweint. Ich bin jedes Wochenende in die Klubs gefahren um jemanden kennenzulernen - Erfolg = 0
Irgendwann war ich fast soweit es zu beenden. Aber Jobmäßig lief es super, hatte guten Anschluss, das baute mich auf.
Dann lernte ich meine Frau kennen und 12 Jahre folgten. 12 Jahre voller Entbehrungen, Katastrophen. Wir hatten in diesen 12 Jahren kaum Paarleben, nur einen richtigen Urlaub (gleich am Anfang). Der gedanke an die Einsamkeit zwang mich bei ihr zu bleiben.
Nun bin ich Mitte/Ende dreißig und sehe was ich alles verpasst habe, wieviele Baustellen noch offen sind und ich habe keine Lösungen. Ich kann meine Gefühle nicht rational beeinflussen oder gar ändern. Es muss aus mir selbst kommen und das tut es einfach nicht. Zu viele Jahre habe ich sie unterdrückt und klein gehalten, sie ignoriert, meine Seele hat gelitten.
Meine Ex-Frau vermisse ich nicht. ich bin auch nicht eifersüchtig auf ihren mittlerweile dritten Freund - überhaupt nicht. Ich will sie auch nicht zurück und habe ihre Avancen der letzten Monate habe ich zurückgewiesen.
Aber ich will glücklich werden, Glück erfahren. Und hier kann mir mein Verstand nicht helfen und mein Herz ist geschunden.
Heute ist halt ein schlechter Tag, ein trauriger Tag. Ich hoffe Morgen wird es wieder besser.
Ist jemanden von euch auch schonmal so ergangen? Was hat geholfen? Standet ihr auch kurz vo dem Zusammenbruch? Wo man einfach nicht mehr kämpfen kann, weil man zu ausgelaugt ist? Oder kann man das ständig so weiterführen?
Vielen Dank
