Parara
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Er war schon immer ein sehr umtriebiger Mann. Damit meine ich, dass er als Vertriebsmensch generell sehr viel unterwegs war und ist. Ich hatte damit nie Probleme, da ich selbst auch öfter auf Dienstreisen war und auch gerne mal ein paar Tage alleine zuhause ohne Partner bin. Aber neben diesem Reisen ist er auch sonst immer viel aktiv. Er braucht immer eine Aufgabe. Am Liebsten irgendetwas handwerkliches. Dabei geht er oftmals an seine körperlichen Grenzen. Wir haben gemeinsam ein Haus gebaut und vieles selbst gemacht (wir waren da immer ein gutes Team). Aber nach Jahren, war ich müde von diesen ständigen Baumaßnahmen und hoffte, dass wir jetzt vielleicht auch mal mehr zusammen unternehmen. Das haben wir auch so besprochen. Wir sind beide Ü60 und da ist man ja generell nicht mehr so fit wie mit 30. Ich habe mir in meiner Freizeit deshalb auch ein paar ruhigere Hobbies gesucht, wie Gartenarbeit, längere Wanderungen mit dem Hund, mehr soziale Aktivitäten, Kurztripps. Eine zeitlang haben wir das auch gemeinsam gemacht und es gefiel uns beiden. Aber plötzlich veränderte sich mein LG. Er war gereizt, noch unruhiger als sonst, überaktiv. Hinzu kamen berufliche Probleme, da immer weniger Aufträge reinkamen. Wenn die Geschäfte gut liefen, gab er das Geld aus für neue Autos. Alle 2 Jahre stand ein neues Auto vor der Tür, hinzu kamen Taktor, Wohnwagen, Wohnmobil. Er ist ein unverbesserlicher Optimist, der immer an eine rosige Zukunft glaubt, auch wenn es ihm wirtschaftlich nicht gut geht. Wird er dann von der Realität eingeholt, zieht er sich zurück und ist sehr gereizt. Ich hatte sehr oft versucht mit ihm darüber zu reden, in der Hoffnung, er würde es einsehen, dass ein bisschen mehr Realismus nicht schaden könnte. Diese Gespräche waren ihm unangenehm. Überhaupt waren ihm Gespräche über Beziehung und Diskussionen zu alltäglichen Dingen, Politik zu viel.
Den Auszug aus unserem gemeinsamen Haus, das eigentlich unsere Altersvorsorge sein sollte, plante er hinter meinem Rücken Monate davor. Nur durch Zufall kam ich ihm auf die Schliche. Er hatte bereits sehr weit weg ein Haus gemietet, kaufte teure Möbel, eine komplette Ausstattung für die Küche. Alles neu, Er bestellte ein neues Auto, einen Spaß-Quad, einen Traktor. Und das alles bei schlechter Auftragslage. Und dafür ist ihm kein Weg zu weit. Er reist auch quer durch die Republik um mal einen Bekannten zu treffen. Wahrscheinlich trifft er sich auch mit Frauen, die quer in Deutschland verteilt sind.
Ich bin ja immer irgendwie davon ausgegangen, dass er im Alter ruhiger und bodenständiger wird. Aber Pustekuchen. Ich hab das Gefühl, es wird immer schlimmer.
Was geht in so einem Menschen vor? Warum braucht man so viel Aktivismus, muß ständig irgendetwas Neues haben?
Ich bin gerade dabei die Trennung zu verarbeiten und frage mich, ob ich da schon am Anfang irgendwelche Anzeichen übersehen habe.