Ehemaliger User
Gast
So zu meiner Geschichte:
Auch ich, heute 49 Jahre, bin nach 14 gemeinsamen Jahren verlassen worden, dies war aber schon am 16.Juni 1998. Die 2. Ehe die auseinander ging. Mit meinem 1. Mann war ich insgesammt nur 6 Jahre zusammen. Aus dieser Ehe habe ich heute eine 21jährige Tochter. Aus meiner 2. Ehe einen heute 6jährigen Sohn.
Warum ist an meiner 2. Trennung alles anders, warum hänge ich hier immer noch fest, kann mich nicht scheiden lassen, ich weiß aber auch nicht, könnte es auch von meiner Seite aus noch mal funktionieren. Ich lebe von Tag zu Tag, Monat zu Monat und Jahr um Jahr und es verändert sich nichts (natürlich weil ich auch nichts ändere)
Zuerst möchte ich ganz deutlich sagen, für das was ich hier noch anschließend so schreibe, ich möchte unseren Sohn auf keinen Fall missen, oder gegen ein gesun- des Kind eintauschen und er hat keinerlei Anteil, daß es mit unsrer Ehe nicht klappt. Er ist das uns anvertraute Kind und wir sollten die verantwortlichen Eltern sein. Nico kam als Frühchen zur Welt. Seine Lungen waren noch nicht reif, er mußte mehrmals über längere Zeit voll oder teilweise beatmet werden. Das 1. ¼ J. verbrachte er auf der Intensivstation, er hatte auch schwere Hirnkrämpfe. Nico ist 100% schwerbehindert. Er muß mit 6 J. noch gefüttert, und gewickelt werden, stehen kann er auch noch nicht, da glaube ich aber, daß noch einiges zu schaffen ist, dieses Jahr hat er das Krabbeln gelernt. Bis heute spricht er 3 Worte mit Papa fing es an, dann Mama und jetzt Gaga soll Sandra heißen. Aber man kann durch seine Gestik auch mit ihm ein wenig kommunizieren. Nico ist der Sonnenschein der ganzen Familie, in seiner Welt ausgeglichen und zufrieden. In seinen Gefühlen wird er immer total ehrlich bleiben, er wird nie Zuneigung oder so spielen, wenn das Gefühl nicht echt da ist. Soweit was unseren Sohn betrifft.
Und jetzt zu mir und meinem Mann.
Wir führten meiner Meinung nach ein harmonisches und rücksichtsvolles Zusam- menleben. Bei Konflikten glaubte ich suchten wir nach für beide begehbaren Wegen und es gab viele Hürden und Aufgaben die wir in den 14 Jahren umgehen mußten.
Meine damals 4j.Tochter hat es meinem Mann am Anfang nicht leicht gemacht, schließlich nahm er in unserem Leben den Platz ein, der eigentlich ihrem Vater vor- behalten war. Mein Mann hat sich um sie gekümmert bis er ihr Freund wurde. Trotz der Trennung, da hat er durch das Fremdgehen viel Achtung, was die Ehrlich- keit betrifft, bei ihr verloren, trotzdem sagt sie heute noch, er hätte ihr kein besserer Vater sein können.
Von 1988-Nov.97 war mein damals 89j.Vater bei uns in der Familie integriert, wie eines unserer Kinder, er war am Schluß wie ein Kind, er hatte Arterienverkalkung. Bis Feb.98 hatten wir ihn dann in ein Pflegeheim gebracht, wir schafften es nicht mehr.
Das Auseinanderleben mit meinem Mann fing an als ich mit Nico aus dem Kranken
haus heim kam. Ich habe damals die 3 Mon. ein Zimmer bei der Klinik gehabt, so daß ich nur an den Wochenenden kurz nach Hause kam um meiner damals 15j. Tochter und meinem Mann Anweisungen betr. Der Versorgung meines Vaters zu geben. Jetzt hatten wir 2 Pflegefälle zu betreuen. Ich weiß nicht war mein Vater ei- fersüchtig auf Nico, jedenfalls ging es ab dieser Zeit rapide mit ihm abwärts. Immer mehr mußte mir mein Mann bei der Pflege meines Vaters helfen, ihn baden, rasieren und auch füttern.
Wenn ich mit Nico in ein Krankenhaus mußte, oder in das Kinderzentrum (das waren dann immer 2 Wo) war es fast wie Erholung, denn jetzt konnte ich mich intensiv um nur um unseren Sohn kümmern und dort auch mit anderen Eltern austauschen, das tat mir immer gut. Ich glaube, daß ich ab da meinen Mann zwar nicht vergessen habe, aber er war doch selbstverständlich da. Mein Interesse galt damals wirklich nur Nico, alles andere mußte halt so funktionieren.
Wenn ich mit meinem Mann über Nico reden wollte, meine Zukunftsängste, oder was wir einmal machen sollen, wenn wir es körperlich nicht mehr schaffen würden, wie es dann weiter gehen könnte - seine Antwort war immer, was machst Du da Gedanken heut ist heut und was in 10 Jahren ist, darum kann man sich heute noch nicht den Kopf zerbrechen. Ich zerbreche mir aber heute noch den Kopf.
Mein Mann ist ein Sportler durch und durch, Fußball -zu alt Fussballtrainer + AH,
Tennis, Skifahren. Heute besitzt er eine Squach-u.Tennishalle. Durch die Frucht- wasseruntersuchung wußten wir recht bald, daß es ein Junge sein wird. Mein Mann träumte davon mit seinem Sohn Fußball zu spielen, im Winter Ski zu fahren. An ihm hätte er jung bleiben können. Diese Träume sind doch für ihn alle auch ge- platzt.
Ich trauerte am Anfang, ich haderte mit dem Schicksal warum unser Kind. Die Fruchtwasseruntersuchung habe ich deshalb machen lassen, ein Kind mit einem offenen Rücken hätte ich ehrlich abtreiben lassen. Warum sollte ich unser Kind nur wegen meines Alters so vielen Operationen aussetzen. Down-Syndrom wäre kein Abtreibungsgrund für mich gewesen. 6 Wochen vor der Geburt hat mir der Arzt gratuliert, es sei ein absolut gesunder Junge. Jeden kann eine Behinderung treffen, aber ich komme nicht damit klar, hätte ich diese Untersuchung nicht machen lassen, wäre Nico vielleicht nicht soviel zu früh zur Welt gekommen. Mein Mann konnte mit mir nicht trauern, er ließ sich selber keine Trauer zu, im Gegenteil er unterstellte mir, ich würde es unserem Sohn übel nehmen daß er nicht gesund ist. Er weigert sich auch zu einer psychologischen Beratung, die in den Kinderzentren angeboten wird mit zu gehen. Ich fahre 2x im Jahr in so ein Zentrum für 14 Tage und der Psychologe dort meint, daß mein Mann einfach einen Deckel auf seine Sorgen gemacht hat um sich selber vor der Enttäuschung oder dem Schmerz zu schützen. Entschuldigt bitte, daß ich auch hier so viel von Nico geschrieben habe.
Am 10. Jan.98 kam der Ehemann von der Freundin meines Mannes zu mir und er-
zählte mir von dem Verhältnis, das mein Mann seit Nov.97 mit seiner Frau hatte. Am selben Abend hat dieser seine Frau aufgefordert die Wohnung zu verlassen. Mein Mann bezeichnete diese Frau als ein Verhältnis und da wäre nichts mit Liebe und Gefühle, für mich hätte nur noch Nicos Krankheit gezählt und diese Frau hätte ihn bewundert das hätte ihn den Frust mit mir vergessen lassen. Ich hätte ihm nicht mehr zugehört, selbst wenn er auf einmal mit lila gefärbten Haaren vor mir gestanden hätte, ich hätte es nicht gemerkt, sondern nur gesagt ... kannst du mal? Ich mußte ihm leider recht geben, aber rechtfertigt dies fremdzugehen? Er hätte auf den Tisch schlagen können und sagen hey ich bin auch noch da. Dazu meinte er, daß dies wohl schon lange nichts mehr geändert hätte, ich hätte mich in meinem Selbstmitleid gesuhlt. Heute glaube ich es, daß ich nichts für unsere Beziehung geändert hätte. Wir kamen damals allein mit reden, nur wir 2, nicht mehr heraus. Für mich war alles zuviel, der Kleine, dann lag in dieser Zeit mein Vater im Sterben, ich hatte keinen klaren Kopf mehr.
Also schlug ich die Eheberatung vor, er hat zugestimmt, er wußte, daß ich sonst schon damals nicht mit ihm weiter zusammen leben könnte.
Nach einer dieser Sitzungen, wollte ich von meinem Mann seinem Handy aus auf der Fahrt meine Tochter anrufen. Ich war nie der Typ der nachspioniert. Aber damals auf den alten Handys zeigte es automatisch immer die 2 letztgewählten An- rufe an. Da war eine Tel.Nr. warum ich weiß es nicht, ich habe sie mir daheim ab- geschrieben und heimlich angerufen. Es war die Nr. der Freundin. Die Wunde von Januar war noch ganz offen und in diese gab es jetzt noch einen Stich. Ich konnte meinen Mann nur noch auffordern zu gehen, egal und wenn er unter eine Brücke gegangen wäre, ich konnte damals nicht anders. Er wollte reden, sie hätte ihn doch immer angerufen, und damit ich nichts merke und nicht wieder ausraste hätte er heimlich bei ihr zurück gerufen und geklärt, daß er bei seiner Familie bleibt. Ich konnte nicht zuhören, habe nur die Stimme in meinem Ohr gehört, wie sich die Frau mit Namen am Tel. gemeldet hat. Ich war ja auch noch gar nicht soweit ihm wieder zu vertrauen. Er ging dann, zu der Frau, mit der er angeblich keine Beziehung wollte. Was ich vergessen hab zu erzählen, als der Mann im Jan. seine Frau aufforderte auszuziehen, rief sie bei uns an, was sie denn machen solle, mein Mann sagte ihr, entweder kämpfst du um deine Ehe, oder such dir eine Wohnung. Darauf drohte sie meinem Mann wenn du mir nicht hilfst - bringe ich mich um. Ich blöde Kuh, sagte damals noch zu ihr - denk doch wenigstens an deine Kinder, die brauchen dich. Hätte ich sein lassen können, die Kinder blieben bei ihrem Mann, sie wollte damals schon meinen Mann erpressen. Da denke ich heute wirklich, hätte ich doch gesagt, Mädchen mach es, sie hätte es bestimmt nicht getan. Diese Frau wirft mir heute am Tel. vor, ich wäre zu faul zu arbeiten, immer wieder fall ich auf ein Gespräch herein, oder sie hat ein Kinderzimmer eingerichtet, da meint sie, ich würde meinem Mann seinen Sohn vorenthalten und würde Nico nur als Spiel einsetzen. Ich bestehe darauf, wenn mein Mann seinen Sohn sehen will, dann nur hier in seiner gewohnten Umgebung. Deshalb schreibe ich auch in diesem Forum über Nico, wie machen es andere Eltern mit behinderten Kindern? Von den Ärzten, Psychologen und vom Kindergarten bekomme ich nur gesagt, das es so wie wir es zur Zeit handhaben für Nico am besten ist. Seit Juli 99 hat jeder Vater das Recht mindestens jedes 2.Wochenende sein Kind zu sich zu holen. Ich war schon auf dem Jugendamt, bei einem Mediator und Rechtsanwalt, ich bekomme es nicht durch, daß im Falle einer Scheidung mein Mann unseren Sohn nicht zu sich nehmen darf. Mein Mann kann Nico, außer Gymnastik, genauso wie ich versorgen, das möchte ich ihm auch gar nicht absprechen. Aber ich hätte es aus zu baden, wenn er hinter-
her durcheinander ist. Auch würde mein Mann bei der Versorgung öfters Nico nachgeben, bis vor kurzem aß er noch Babykost für 1jährige. Das Essen ist ein Kampf, aber da müssen wir hart bleiben da unterstelle ich meinem Mann, daß er bei sich zu hause Nico voll nachgeben würde.
Und ich muß zugeben, ich gönne der Frau auch kein lachen unseres Sohnes, sie soll sich um ihre Kinder kümmern, die sie beim Vater gelassen hat. Da habe ich meinem Mann auch gedroht, solltest Du es einmal versuchen, Nico mit zu dieser Frau zu nehmen würde ich mit Sicherheit durchdrehen, ich könnte es nicht ertra- gen. So kam es, daß uns mein Mann 2x 3 Std. und 2x 5-6 Std. die Woche besucht.
Nach dem ersten ½ Jahr unserer Trennung bekam ich einen Nervenzusammen- bruch, mußte von unsrem Hausarzt aus zu einer Therapie, dort wurden mir auch meine Fehler die ich in unserer Ehe gemacht hatte nochmal klar vor Augen ge- führt. Die Gespräche aus der Eheberatung hatte ich längst weggeschoben, mein Mann war für mich der alleinige Schuft, er hätte nicht fremdgehen brauchen. Da- mals hatte ich nichts gelernt. Doch ab da wo ich auch meine Fehler eingesehen hatte, war ich bereit unserer Ehe noch eine Chance zu geben.
Mein Mann warf mir vor, du hast mich hinausgeschmissen, wer weiß, ob du nicht bei der nächsten Gelegenheit dann gleich wieder so reagierst, ich hätte ihn nie an- gehört, diese Frau hätte mit ihm dann das Geschäft aufgebaut, hätte dadurch ihren gesamten Freundeskreis aufgegeben, sie wäre ohne Forderungen voll hinter ihm ge- standen.
Von einer Angestellten habe ich erfahren, daß er sich letzten Sommer von ihr trennen wollte, dann hätte sie mit Selbstmord gedroht, sie hätte es auch ihr erzählt mein Mann solle mit den Schuldgefühlen nie mehr glücklich werden.
Daß mein Mann mit der Frau nicht glücklich ist, sieht man ihm auch an.
Für mich weiß ich nicht, könnte ich überhaupt noch mal Vertrauen, könnte ich verzeihen, weil er sieht wie mies es mir die letzten 3 Jahre geht. Aber dies könnte ich auch erst entscheiden, wenn diese Frau aus seinem Leben weg wäre. Mein Mann sagt er würde keine Scheidung einreichen. Finanziell würde er bei einer Scheidung sogar besser dastehen, wir haben beide Steuerklasse 4 er ist noch bei mir gemeldet, kann auch keinen Unterhalt absetzen, ich weiß nicht warum er es nicht macht, ich traue mich wegen Nico nicht, und noch meine ich ihn auch noch ein wenig zu lieben, sonst würde es mir doch nicht weh tun, wenn er abends wieder zu der anderen geht. Aber was den Schmerz betrifft, er wird immer weniger.
Nun wenn irgend jemand meine Geschichte gelesen hat, der-oder diejenigen habe ich lange aufgehalten.
Ich habe vergessen zu schreiben, mein Mann meint, wenn er nicht mehr jederzeit hier seinen Sohn besuchen dürfte, würde er das Besuchsrecht einklagen, er möchte auch daß wir uns gemeinsam um Nico kümmern, sonst könnte er ihn ja auch mit zu sich nehmen.