KBR
Mitglied
- Beiträge:
- 11265
- Themen:
- 5
- Danke erhalten:
- 20487
- Mitglied seit:
Ich bin fast 50 Jarhe alt und lebe mein Leben lang allein. Ich hatte mehrjährige Beziehungen und wilde Zeiten, aber vor allem hatte ich niemals im Leben das Bedürfnis, meine Unabhängigkeit aufzugeben. Das hatte sich im letzten 3/4 Jahr geändert.
Natürlich habe ich im Leben eine Reihe von schönen und unschönen Erfahrungen gemacht. In den letzten Jahren hatte ich eher Gelegenheitsbekanntschaften zur Erfüllung vorrangig körperlicher Bedürfnisse und glaubte nicht, dass ich mich noch einmal ernsthaft auf jemanden einlassen würde.
Anfang Mai letzten Jahres lernte ich über ein Internetforum einen Mann kennen. Von dem vereinbarten Treffen versprach ich mir eigentlich gar nichts und wollte eher seiner freundlichen Hartnäckigkeit honorieren. Ich dachte mir, ein Drink und ein bisschen Aufregung an einem Frühlingstag könnten ja nicht schaden.
So trafen wir uns. Im ersten Moment dachte ich "OMG, DAS ist doch wohl hoffentlich nicht der Typ, mit dem ich mich verabredet habe", den rein optisch wirkte er auf mich nicht anziehend. Doch er gewann im Gespräch. Wir stellten viele Gemeinsamkeiten fest (ähnlicher Beruf, ähnliche Sozialisation, ähnliche Familienverhältnisse etc.). Er war seit 5 Jahren geschieden und hatte einen Sohn im Teenageralter. Als ich auf dem Heimweg war, wusste ich, ohne diesen Mann möchte ich nicht mehr sein. Das war verrückt, denn ich bin ansonsten vorsichtig und habe miene Gefühle gut im Griff. Vielleicht häufig zu gut.
Vom Moment unserer nächsten Verabredung waren wir zusammen. Es war fast 9 Monate lang relativ perfekt. Die nicht so perfekten Punkte gab es natürlich auch. Aber im Großen und Ganzen waren wir wie Ar. auf Eimer und beide davon vollkommen überrascht und auch davon begeistert. Auch mit seinem Sohn klappte es hervorragend .. und das mir, die ich nie Kinder haben wollte. Wir bastelten an unserer gemeinsamen Zeit und in mancherlei Hinsicht an der Zukunft. Ich vertraute ihm fast alles an, was mir im Leben begegnet war und er mir umgekehrt auch. Wir entwickelten uns miteinander. Wir waren neugierig und eröffneten uns gegenseitig neue Erlebenswerlten. Wir ließen uns gegenseitig Freiraum. Wir waren aufmerksam und unternahmen viel. Ich habe niemals einen aufmerksameren, zugewandteren, empathischeren, großzügigeren, gut gelaunten aber auch durchaus ehrlichen und konfrontativen Partner gehabt. Und noch nie habe ich andere so schnell und überzeugt daran teilhaben lassen.
Unsere Beziehung gab ihm Auftrieb. Er veränderte sich optisch zu seinem Vorteil und wurde agiler, als er es wohl zuvor gewesen war. Er nahm ab. Er hatte seine voran gegangenen Beziehungen verarbeitet und wir hatten uns somit genau im richtigen Moment getroffen. Ich bemerkte, dass seine Wirkung auf Frauen sich veränderte, aber ich machte mir überhaupt keine Sorgen, dass er mich hintergehen könnte, denn ich war mir total sicher, dass es zwischen uns passt.
Ich habe mich riesig gefreut, dass ich in meinem Alter noch jemanden getroffen hatte, mit dem ich mir eine Zukunft bis hin zum Zusammenleben vorstellen konnte. ... und ihm ging es genauso. Nochmal zur Erinnerung: zuvor habe ich nie jemanden getroffen, mit dem ich auch hätte leben wollen. Auch habe ich vorher noch nie jemanden getroffen, der mich ohne wenn und aber in allem unterstützt hat. Ich musste wirklich erst auf die 50 zugehen, um diese Erfahrung machen zu dürfen. Ich konnte somit auch mal loslassen und war nicht mehr für alles alleine zuständig.
Seit ein paar Wochen zeichnete sich ab, dass wir ein paar ernsthaftere Probleme würden angehen müssen. Das beschäftigte mich und ich fragte mich, wann der richtige Zeitpunkt dafür wäre, diese Dinge anzugehen. Ich wollte jedoch die erforderliche Ruhe dazu und darum wollte ich warten, bis sein Umzug in eine neue Wohnung abgewickelt wäre. .. also ungefähr am kommenden Wochenende.
Bis nach Silvester war noch alles okay bzw. sehr, sehr schön. Doch dann veränderte er sich leicht. Ich hoffte, der Umzug und die Renovierung wären dafür verantwortlich, aber inzwischen bin ich schlauer. Er fuhr wohl seitdem zweigleisig und bändelte mit einer Kollegin an. Ab wann genau das läuft, weiß ich nicht und das will ich auch gar nicht wissen.
Vorgestern eröffnete er mir dann, dass er sich trennen wolle. Die 14 Tage zuvor - also als er schon mit der Kollegin anbändelte - hatte ich mit ihm in seiner neuen Wohnung renoviert; Möbel geschleppt, geputzt und Möbelhäuser unsicher gemacht etc. Nun fühle ich mich natürlich ausgenutzt und hintergangen und unfair behandelt.
Was mich aber eigentlich umtreibt:
Ich habe keine Beziehung mehr, die dazu beiträgt, dass ich allen Konfliktfeldern des Lebens gegenüber (unerträgliche Arbeitssituation, finanzielle Verpflichtungen, Depressionen, Trennung von der Herkunftsfamilie, zwei anstehende OPs) resistenter bin.
Genau genommen habe ich kein Lebensfeld, auf dem es gerade gut oder wenigstens normal laufen würde (wenn man mal von ein paar Freundschaften absieht, die unfassbar wichtig, aber eben nicht ausreichend sind, damit das Leben sich rund anfühlt). Ohne jetzt irgendwie depressiv rüberkommen zu wollen: ich habe auch keine Hoffnung, dass sich an all diesen Dingen noch mal etwas ändern wird. Am wahrscheinlichsten ist, dass doch irgendwann mal ein neuer Job ergattert werden kann.
Was kommt da noch mit fast 50, wenn man definitiv nicht die Energie hat, immer wieder neu anzufangen und es immer schwerer wird, Vertrauen zu fassen?