Zwei Welten und die große Liebe??

Hopy

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Ich brauche Euren Rat.
3 Jahre lang war ich mit X. zusammen. Er ist Franzose und war damals beruflich schon fast 9 Monate in Deutschland. Er wohnte im Hotel, flog immer am Wochenende nach Hause, als ich ihn kennenlernte. Er ist geschieden, 30 Jahre Ehe hinter sich, 3 Töchter, Ehescheidung mit allem Drum und Dran, wie man es so aus schlechten Filmen kennt. Der Kontakt zu seinen Töchern war nicht vorhanden, als ich ihn kennenlernte. Sie verweigerten das total.

Geschieden bin ich auch (seit 2000), 3 Kinder habe ich auch - im fast selben Alter wie er (26,23,21). Allerdings habe ich mit meinem Exmann nach 20jähriger Beziehung eine freundschaftliche Trennung hingekriegt und wir kommen bis heute gut miteinander aus. Klar haben unsere Kinder die Scheidung nur schwer verdaut, aber es ging dann trotzdem ganz gut. Sie haben eben getrennte Eltern, aber sie haben immer noch welche.

Aber das nur zur Erklärung der Ausgangssituation. Zwischen X. und mir liegen 12 Jahre Altersunterschied. Er kommt aus einem Umfeld, wo man Familie zwar großschreibt, aber trotzdem auf Distanz achtet. Familiendramen (Schwere Krankheit, Sterben von Kindern, Selbstmord, Kinder die "abstürzen") werden irgendwie unter den Teppich gekehrt. Fand ich immer irgendwie seltsam, aber na gut. Trotzdem hat er eine große und tolle Familie und ich mochte sie alle sehr gerne.

Unsere Beziehung allerdings war 3 Jahre lang eine Achterbahnfahrt der ersten Güte. Anfangs waren da massive Sprachlücken. Ich konnte kaum französisch und sein Deutsch war unteres Mittelmaß. Und weil er unbedingt in Deutschland bleiben wollte (auch aus beruflichen Gründen) und ich auch unbedingt wollte, dass er blieb, lehrte ich ihn Deutsch bis zum Erbrechen. Heute beherrscht er es ziemlich gut.
Am Anfang (so die ersten 6 Monate) war es Liebe pur. Ich glaube, ich war noch nie so glücklich. Aber man lebt ja nicht im luftleeren Raum. Und je besser er Deutsch konnte (und mein franzöisch ein bisschen besser wurde), desto verletzender wurde das, was er von sich gab, weil ich es nun verstand.
Ich war nicht gewohnt, beschimpft zu werden und als ich merkte, dass er zum Beispiel sagte "Du kotzt mich an", wenn er wütend war, da war ich entsetzt. Aber er findet so etwas gar nicht schlimm. Solche Beispiele gibts noch viele.
Plötzlich fand er eine endlose Liste von Fehlern an mir. Ich war unberechenbar, anspruchsvoll, habe einen schlechten Charakter, bin egoistisch, unsicher, stur,... und noch vieles mehr. Ich fragte ihn, dass er doch jemanden, der so mies sei, wohl nicht lieben könnte. Antwort: Ich hätte kein Vertrauen zu ihm.

Wow, so ging das 3 Jahre. Wir waren seit dem 07.01.2003 zusammen und so Ende Januar zog er bei mr ein. Zwischen Phasen mit himmelhochjauchzender Liebe wurden die Phasen mit abgrundtiefer Traurigkeit immer häufiger und länger. Mein Temperament ist nicht gerade das einer geruhsamen Stilrose und ich versuche immer, über Kommunikation Probleme anzugehen. Nur ist das schwer mit jemandem, der Deutsch nicht in seinen Feinheiten erfassen kann, aber meint, er kann alles verstehen.

Dazu kam, dass er in regelmäßigen Abständen, ohne Rücksicht auf meine Bedürfnisse, nach Frankreich reiste. Natürlich nicht, um Urlaub zu machen, sondern um wichtige Termine wahrzunehmen. Diese Planungen machte er nur für sich alleine und ich war immer ausgeschlossen. Wir fuhren ein paar Mal zusammen, aber ich konnte nicht alle 2 Monate 1 bis 2 Wochen einfach wegfahren. So viel Urlaub habe ich einfach nicht und ich war damals in einer sehr schwierigen beruflichen und finanziellen Situation, die mir das sowieso nicht ermöglichte. Dazu kommt, dass ich leider jemand bin, der mit dem Thema Trennung schwer umgeht und ihm dieses ständige Wegfahren echt übel nahm.

Ja und dann wurde er immer kälter und gleichgültiger. Fing an, Klavier zu lernen, danach Gitarre, Italienischkurse zu belegen und Spanisch. Damit verbrachte er seine Abende und Wochenenden. Und ich war alleine und wartete wie ein gehorsamer Hund, dass er mich endlich auch mal wahrnahm. Und tat er es dann, wedelte ich wie ein gehorsamer Hund mit dem *beep* vor Freude (peinlich, gell). Also Würde schrieb ich echt klein. Aber ich wurde natürlich agressiv. Und wie.

Die gemeinsame Wohnung, die wir nach immerhin fast 2 Jahren Zusammenleben in meiner Wohnung, anpeilten, verweigerte er dann einfach. Ich hatte meine auf seinen Wunsch schon gekündigt und mit der Kündigung verlor er dann das Interesse an der gemeinsamen Wohnungssuche. So konnte ich dann eine neue für mich suchen und wusste nicht mal, ob er mitzieht. Er verweigerte jedes Gespräch darüber und ich schwieg irgendwann auch nur noch. Das er dann doch mitging, erkannte ich daran, dass er seine 2 Kartons dann am Umzugstag mit in meine neue Wohnung trug. Er hatte auch beim REnovieren und Einräumen teilweise geholfen, aber nur mißmutig und das meiste konnte ich alleine machen. Es war eine total irre Situation. Und ich fuhr eigentlich täglich Achterbahn und fiel von einer Traurigkeit in die nächste. X. teilte mir fast täglich immer mit, ich wäre psychisch krank. Ich wurde immer stiller (echt untypisch für mich) und hörte mir seine Tiraden über meinen schlechten Charakter und meine erfolglosen Kinder (sie haben alle nicht studiert. Seine Töchter studieren bis heute) und meine doofe Familie nur noch schweigend an. Leider muss ich sagen: Ich lieb(te) diesen Mann über alles. Und ich hatte die totale Angst, ihn zu verlieren und traute mich nix mehr, zu kritisieren. Er hatte schon nach etwa einem Jahr angefangen, bei Konflikten zu drohen, dass er sowieso lieber und besser alleine leben würde. Und ich sei ein Gefängnis für ihn. Mann oh Mann! Meine Angst wurde immer größer. Und ich bin doch eigentlich eine vernünftige und auch durchsetzungsfähige Frau.

Er warf mir vor, wir hätten keine gemeinsamen Ziele, mit mir könne er nichts bauen. Wenn ich ihn ansprach, dass er das gemeinsame Leben verweigert, (er packte doch tatsächlich 3 Jahre lang seinen Waschbeutel nicht aus, wie in einem Hotelaufenthalt) und gemeinsames Leben im Alltag stattfindet und auch in gemeinsamen Verantwortlichkeiten liegt, dann schwieg er einfach oder meinte, ich wäre eben psyschisch krank.

Nun denn, letztes Jahr Ende Juni teilte er mir freudestrahlend mit, dass er jetzt eine eigene Wohnung hat und auszieht. Ich war zuerst wie betäubt. Aber er benahm sich wie immer. Wir machten sogar noch einen tollen Wochenendausflug nach Trier. Und ich konnte nicht glauben, dass er wirklich auszieht. Aber am 07.07. war er weg. Ohne Adresse... einfach weg. Ließ mir noch einen Zettel da, dass er unseren Mißerfolg bedauert und ich ihm ja eine Mail oder SMS schreiben könne, wenn ich Lust hätte.

Ich war wie gelähmt. Der worst case war eingetreten und ich konnte wochenlang kaum die Tage überstehen. Er sendete mir Mails, wie es mir gehe und so. Aber ich war sehr vorsichtig und blieb auf Abstand. Das ging dann bis Ende August so weiter. Anfang September trafen wir uns und sprachen tatsächlich MITEINANDER. Er meinte, er wolle nach Frankreich zurück Ende 2006. Und ob ich mir nciht vorstellen kann, mitzugehen. Ich erzählte ihm, dass ich gerne mitginge, aber ich wolle endlich ein verbindliches gemeinsames Leben. Und ich wolle endlich, dass er bei Konflikten nicht wegrennen würde, sondern eine gemeinsame Lösung bereit ist zu finden. Ich wolle endlich eine Basis bauen können, auf der das gemeinsame Leben stattfinden kann.

Nun denn, er zog wieder bei mir ein. Und er war ganz begeistert und meinte, ich sei nun "renoviert". Diesen Ausdruck fand ich ein bisschen komisch, aber na gut. Ich fing systematisch an, französisch zu lernen. Und wir planten eine Reise nach Frankreich - wie immer, zu seiner Familie und Freunden. Und die Reise war das totale Desaster. Ich war überarbeitet und todmüde, weil ich diese freien Tage vorarbeiten musste und 2 Wochen lang 12 bis 14 Stunden täglich hinter mich brachte. Aber X. verstand das nicht und so eskalierte die Situation schon am 2. Tag in Paris. Wow, und die restlichen 8 Tage hätte ich mir schenken können. Er beachtete mich gar nicht mehr und ich war einfach alleine.

Anfang November teilte er mir dann nachts kurzerhand mit, dass er mit den Managern in Frankreich gesprochen habe und im Frühjahr nach Frankreich zurückginge. Von mir habe er die Nase endgültig voll. Da er das jedoch fast jede Woche einmal sagte, muss man die Aussage unter diesem Aspekt etwas relativieren.

Aber er blieb. Und lebte sein Leben mit Gitarre, Spanischkurs und langen Dienstreisen weiter. Wir waren (zum ersten Mal) sogar noch Anfang Dezember auf einem offiziellen und wichtigen Weihnachtsball. Es war ihm wichtig, dass ich mitging uns so sagte ich ihm zuliebe meine eigene Firmen-Weihnachtsfeier (Murphy gell, kennt Ihr alle, Feiern finden alle am selben Tag statt) ab. Aber natürlich war ich glücklich, dass es ihm wichtig war dass ich mitging. Am 23.01.06 kam er abends ins Wohnzimmer und erklärte mir, dass er ab 01.03. wieder in Brest arbeitet. Und ob ich mitkommen würde. Ich fragte ihn, warum er wolle, dass ich mitkomme. Und die Antwort war:
"So etwas wie Du ist schwer zu finden. Du bist hübsch, intelligent und sympathisch und am Anfang habe ich Dich sogar mal geliebt."

Ich bin nicht mitgegangen. Er ist nun weg und wir haben ein paar Mails getauscht. Ich bin ein ziemlich gerader Mensch und habe ihm geschrieben, dass ich ihn immer noch sehr liebe aber mit dieser "netten" Erklärung nicht leben kann. Und mir mein Leben eben alleine wieder baue. Na ja, das ging so ein bisschen hin und her. Er meinte, es wäre nur ein Sandkorn im Getriebe unserer Beziehung, warum es nicht funktioniert habe. Also ich finde, es ist ne ganze Wüste, aber das habe ich nicht geantwortet, sondern nur gesagt, dass es doch heute keine Rolle mehr spielt. Denn seine Liebe sei doch vorbei. Und ohne die gibt es eben keine Beziehung.

Ja, ich träume immer noch von einem Leben mit ihm. Trotz allem. Doof, oder? Aber meine Erinnerungen an die vielen Verletzungen sind leider alle da und sie sind wie eine Wand. Und auch meine Wut ist da. Über mich, dass ich das 3 Jahre so mitgemacht habe und ihn, dass er so ein eiskalter Hund ist.

Und nun schrieb er mir heute eine Mail, dass er am Donnerstag zu einer Gebäudeeröffnung in Frankfurt sei und sich freut, wenn wir das Wochenende miteinander verbringen könnten. Und ich soll ihm Bescheid geben, damit er das Flugticket entsprechend buchen kann.

WAS SOLL ICH NUR TUN LEUTE! Es geht mir nach echt schweren Monaten gerade mal ein bisschen besser. Nicht viel, aber ich heule nicht mehr ohne Kontrolle bei jeder Gelegenheit und ich habe mir eine neue Wohnung gesucht und bin am renovieren und will am 25.05. umziehen.

Wenn ich mich jetzt mit ihm treffe - von Wochenende miteinander verbringen und ab in die Heia und alles wird gut, bin ich weit entfernt - dann habe ich eine Höllenangst, wieder in die alte Suppe zu fallen.

Vielleicht schätze ich die Situation ja auch falsch ein. Vielleicht bin ich ja wirklich so ein verbohrtes Mensch, den Balken in meinem Auge nicht zu sehen, warum es so schief gegangen ist.

Es grüßt Euch

Hopy

10.05.2006 01:30 • #1


Ehemaliger User


hi hopy,

meine güte, was für eine geschichte. es ist unglaublich, was manche menschen für ein verhalten an den tag legen, und es ist auch unglaublich, was sich andere menschen in ihrer situation verhaftet so alles gefallen lassen.
ich bin mir fast sicher, daß du, wenn dir deine geschichte von einer freundin als die eigene erzählt werden würde, einen sehr klaren und zwar negativen standpunkt dazu hättest, was an dem von X. geplanten frankfurt-wochenende zu passieren hat. wenn man es - so wie ich - als außenstehender liest, dann ist man nur am kopf schütteln und fragt sich: "warum läßt sie sich bloß so unmenschlich und beschissen behandeln?" aber wer im glaushaus sitzt... würde ich meine eigene aktuelle geschichte erzählen, dann wäre der kommentar von anderen wahrscheinlich ein ähnlicher. es ist ja leider so schwer, zu dem, was man gerade selber erlebt, eine kritische distanz einzunehmen, die es einem erlauben würde, "vernünftig" zu handeln.
und dann ist da natürlich immer - als motor des ganzen - die verfluchte hoffnung. "vielleicht wird es ja doch noch was". ich kann mir gut vorstellen, hopy, wie X. in dir durch kleinigkeiten sofort wieder große hoffnung entfacht. aber ich muß ehrlich sagen, daß es für mich überhaupt nicht gut und hoffnungspendend klingt, was du da über eure gemeinsamen jahre schreibst. wenn du sein verhalten nicht total verzerrt dargestellt hast, dann fällt es mir sehr schwer mir vorzustellen, daß jetzt plötzlich alles anders sein soll. für mich sieht es eher so aus: er hat ein wochenende frankfurt, na, da kann man doch mal schauen, ob sich dieses wochenende ein bißchen spaß mit hopy anstellen läßt, und dann bin ich wieder weg!
ich glaube, daß du das tief in dir auch vermutest, aber es natürlich nicht hören möchtest, dir nicht eingestehen möchtest. nur zu verständlich. aber du wolltest unsere ansichten dazu, hier ist meine: laß dich nicht auf dieses wochenende ein! arbeite lieber weiter daran, dich wieder aufzubauen. dieses wochenende würde dich wahrscheinlich einfach nur wieder schlimm zurückwerfen.
ich hoffe, du findest einen für dich gangbaren weg. viele grüße,

siron

10.05.2006 08:00 • #2



Zwei Welten und die große Liebe??

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Phoebe


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Hallo hopy,
versuche dich nicht mit ihm zu treffen und gebe ihm auf gar keinen Fall deine neue Adresse. Wenn du ihn jetzt zulässt weiß er genau, dass er seine Art mit dir umzugehen fortsetzen kann. Wenn du darauf hoffst, dass du diese Beziehung zu ihm auf einer neuen netteren Ebene fortführen kannst, musst du klar deine Meinung sagen und deine Grenzen zeigen. Ich weiß, dass es superhart ist und dass wir alle so furchtbar bedürftig sind. Aber vielleicht bist du danach stolz auf dich, wie jemand, der mit dem Rauchen aufhört und sich keine Zigarrette mehr ansteckt.
Übrigens diese Beschimpfungen von ihm (ich kenne das auch) sind immer versteckte Selbstangriffe.
Und noch ein kluger Satz: Wenn man um jeden Preis zusammen sein will, dann kommt man um den Genuss aus Freude zusammen zu sein.

Versuche hart zu bleiben und wenn ihm tatsächlich etwas an dir liegt, wird er sich wieder melden oder es ist besser er tut es nie, nie wieder.

Wenn er drei so große Kinder hat, scheint er nicht mehr der jüngste zu sein und ob er sich in seinem Alter nochmal ändert, da müsste sich aber dann ja schon sehr viel ändern...

Kümmere dich um dich selbst, heile deine Wunden, lenke dich ab und stärke dich. Viel Glück!

Phoebe

10.05.2006 09:36 • #3


Ehemaliger User


Hey Hopy!

Zitat: "Und ich bin doch eigentlich eine vernünftige und auch durchsetzungsfähige Frau. "!

Wenn dem so ist dann les am besten deinen Text mal in Ruhe und mit Abstand durch,da brauchste dann keine Meinungen und Antworten anderer mehr.
Die Wahrheit tut immer sehr weh man muß sie nur sehen und begreifen und dann dementsprechend handeln..


Gruß

10.05.2006 09:44 • #4


Ehemaliger User


sorry, hopy
aber vieleicht hab ich auch was überlesen, ich hab überhaupt  nicht begriffen was an dem typ so toll war bzw sein soll.... ???
Was erwartest du denn nach der jahrelangen Horrorgeschichte mit dem Menschen?

Die wundersame Wandelung vom Saulus zum Paulus? oweih... ::)

Stehst Du echt auf Ar.?

oder hast du  vieleicht ne masochistische Ader?

ne, ne...nur noch *kopfschüttel*

lg efeu

10.05.2006 09:53 • #5


Hopy


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Hallo,

zuerst mal ganz lieben Dank für Eure Antworten. Ich weiß Eure ehrlichen Meinungen sehr zu schätzen und hatte genau darauf auch gehofft.

Ja, Siron,
irgendwie erscheint mir diese Geschichte auch unglaublich. Wenn ich sie so lese, frage ich mich echt, wie MIR so was passieren konnte. Aber ich habe es auch zugelassen. Und ich mache mir immer wieder klar, dass nur ICH es abstellen kann. Du hast absolut Recht, wenn Du sagst, dass diese "verfluchte Hoffnung" der Motor des ganzen ist. Und die kritische Distanz zu kriegen, um sich selber von außen zu sehen, empfinde ich echt als Drahtseilakt, von dem "frau" täglich runterzufallen droht. Ist auch manchmal richige Schwerstarbeit.
Ich habe mir nochmal überlegt, ob ich das Verhalten von X. verzerrt dargestellt habe. Nee, leider nicht. Es fehlt sogar noch ne ganze Menge. Aber natürlich ist meine Darstellung immer subjektiv und ich trage sicher auch keinen Heiligenschein. Habe auch Türen geknallt, habe hilflos geschwiegen, wo ich vielleicht hätte reden sollen, habe gebettelt um Aufmerksamkeit, wo ich meine Würde besser bewahrt hätte und vieles mehr. Aber ich habe ihn 3 Jahre lang geliebt und war immer für ihn da, wenn er mich gebraucht hat. Und das streitet nicht mal X. ab.   :-/   Nach diesem 23.01. habe ich aber aufgehört zu kämpfen. Das wohl. Und habe ihn nicht aufgehalten, als er am 01.03. ging. Ich bin einfach morgens um 7.30 Uhr zur Arbeit (hatte ne große Steuerprüfung vor mir vom lieben Finanzamt an diesem Tag und entsprechenden Druck) und abends war er dann weg.

Hallo Phoebe,
nein, ich werde ihm nicht meine neue Adresse geben. Die Wohnung, die ich aus der Not vor einem Jahr genommen habe, weil ich blöderweise naiv meine Wohnung gekündigt habe, hasse ich wie die Pest. Ich hatte eine Wohnung, die ich sehr liebte, in einem stabilen sozialen Umfeld. Aber das hat ihn genervt, weil es da eben Leute gab, die ihm ziemlich kritisch begegnet sind. Heute denke ich, er wollte mich einfach isolieren. Ist ihm aber nur teilweise gelungen und das hat auch Ärger gegeben. Nun habe ich wieder eine ähnlich schöne und angenehme Wohnung mit entsprechenden Umfeld gefunden und freue mich darauf.
Dein Vergleich mit der Zig., die man nicht geraucht hat, machte mich schmunzeln (ich rauche gerne, weißt Du). Aber er trifft es absolut. Ob ich darauf hoffe, eine neue und "nettere" Ebene zu finden? Ich weiß nicht. Was 3 Jahre nicht funktioniert hat, funktioniert dann plötzlich? Da habe ich viele Zweifel.
Könnte er sein eigenes Verhalten reflektieren, würden wir heute nicht am selben Punkt stehen. Nur stimmt es, ich sehne mich schon nach seiner Liebe. Aber der Preis ist mir zu hoch geworden. Denn der Preis ist meine Lebensfreude und meine Kraft. X. ist übrigens 55 Jahre alt und ich bin 43 Jahre. Aber unsere Kinder - jeder von uns hat 3 - sind gleich alt. Aber meine sprachen mit ihm und er hatte 3 Jahre Einblick und Anteil an ihrem Leben. Seine Kinder haben eine dicke Wand errichtet.
Was meinst Du, wenn Du sagst, dass diese Beschimpfungen versteckte Selbstangriffe sind?

Hi ,
dass mein Verstand mal so aussetzen könnte, hätte ich nie von mir gedacht. Hört sich vielleicht verrückt an, aber zumindest das war eine neue Erfahrung für mich und hat mich doch von so manch arrogantem Denken befreit nach dem Motto "kann mir nicht passieren". Es ist mir aber passiert. Ich habe mich mit Haut und Haaren verliebt und ohne Vorsicht und ohne Nachdenken. So rundum total. Es stimmt, die Wahrheit tut sehr weh und auch ich habe ganz ganz lange meine Augen zugemacht, um sie nicht zu sehen. Nur frage ich mich: "Was ist die Wahrheit"? Oder ist die Frage nicht relevant? denke ich mir dann. Da knabber ich dran rum und hoffe auf Antworten von Menschen, die das mit Abstand sehen. Denn ich klebe immer noch mit der Nase zu dicht an der Fensterscheibe und habe nicht den wirklichen Blick für das Ganze.  :o Das mit dem konsequenten Handeln ist so ne Sache, wenn man sich immer selber im Wege rumsteht und mit 1000 Fragen quält (z.B. "hätte ich was anders machen können" "wo liegt mein Teil der Verantwortung an diesem Desaster" usw)

Liebe Efeu,
Dein kurzer Satz, ob ich die wundersame Wandlung vom Saulus zum Paulus erhoffe, war ne Punktlandung. Klar erhoffe ich mir die und weiß genau, dass diese Hoffnung idiotisch ist. Na, da liegt doch der Kasus Knaksus. Nein, ich stehe eigentlich nicht auf Ar.. Und wenn ich meinen Exmann fragen würde, ob ich eine masochistische Ader habe, würde er sich lachend an den Bauch fassen. Meine konsequente Haltung und meine Vernunft fand er nämlich total schwierig, weil sie ihm zuwenig Raum für seine Träume ließ, die er heute mit Begeisterung verfolgt und sich nach unserer Scheidung zuerst mal so ordentlich tätowieren ließ und eine wirklich wunderbare Glatze scheren. Na egal, ich mag ihn trotzdem. Es ist ja sein Leben.

X. ist - ich weiß, klingt nicht sehr glaubhaft - ein intelligenter, absolut charmanter und faszinierender Mensch. Und er hat durchaus liebenswerte Seiten. Und wenn er so mit seinem ganzen Gesicht lächelt, könnte ich tot umfallen, echt.  ::) Wäre er ein doofer und langweiliger Volltrottel, wäre es mir einfacher, glaubt mir. Aber es gibt eben auch die anderen Seiten. Leider!!!!

;D ;D ;D
Also, ich habe heute ein "Date" mit ihm für heute (Donnerstag) Abend ausgemacht. Neutraler Boden, Heia-Bett in weiter Ferne. Und ich bin nervös. Und der Frage, wieso ich ihm nicht einfach höflich abgesagt habe, der wage ich mich eigentlich nicht, mich zu stellen. Gut was? Wahrscheinlich kriege ich morgen die volle Breitseite und bin ganz alleine Schuld daran.

Trotzdem, vielleicht könntet ihr mir die Daumen drücken, dass ich nach morgen Abend nicht mit dem ganzen Elend von vorne anfangen muss??? :-/ :-/ :-/

11.05.2006 00:47 • #6


Ehemaliger User


hi hopy,

oha, heute abend ein treffen... ich kann dich nur zu gut verstehen, daß du das machst, ich wäre an deiner stelle wahrscheinlich auch bekloppt/schwach/verzweifelt hoffend/unvernünftig/.../ genug gewesen, mich darauf einzulassen. die von dir geschilderten sorgen sind meiner meinung nach leider nur allzu gerechtfertigt. das heia-bett mag noch so weit entfernt sein: wo ein wille ist, da ist dann auch ein plätzchen dafür, und wenn es dann doch "dazu" kommt, dann ist der mögliche absturz danach nur wieder umso schlimmer. und momentan gibt es ja nur eure vergangenheit als zuverlässige quelle der vorhersage, und die spricht nicht gerade dafür, mit allergrößter zuversicht auf heute abend zu blicken...
hopy, ich will es dir wirklich nicht madig machen, sondern viel eher noch einmal auf die dinge aufmerksam machen, die hier dafür sorgen können, daß du eben doch wieder eine  volle breitseite bekommst. das im kopf wenigstens mitzunehmen schützt vielleicht ein winziges bißchen davor, die breitseite auch noch völlig ungedeckt einschlagen zu lassen.
wie gesagt, ich verstehe dich voll und ganz und würde es genauso machen wie du, wenngleich es sich aus der distanz ganz leicht als kopfschüttelig bezeichnen läßt. ich drücke dir jedenfalls die daumen, daß es so läuft, wie es für dich am besten ist...
viele grüße und bis bald,

siron

11.05.2006 10:06 • #7


marnie


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es bedarf offensichtlich nicht sonderlich viel, um dich wieder weich zu klopfen....
Vielleicht habe ich es überlesen.....aber womit hat er es gleich nochmal verdient, dass du beim ersten anklopfen seinerseits
wieder Gewehr bei Fuss stehst???

naja, am Ende musst du für dich alleine wissen, was du dir wert bist und was du verdient hast...

11.05.2006 10:15 • #8


Ehemaliger User


Tja Marnie!
Guckst du hier!!!!!!!!!

Unter Masochismus versteht man die Tatsache, dass ein Mensch (s.uelle) Lust oder Befriedigung dadurch erlebt, unterdrückt bzw. gedemütigt zu werden oder Schmerzen zu empfinden.
Daraus entstehen im Verhalten zur Umwelt eine ganze Reihe typischer Charaktereigenschaften, Demut und Selbstdemütigung, gewisse Arten asketischer Selbstkasteiung, Schwelgen in Schuld und Minderwertigkeitsgefühlen, willenloser Gehorsam und sklavische Ergebenheit oft gegen bessere Einsicht, kriecherische Unterwürfigkeit, die auch schlechte Behandlung hinnimmt.

Gruß

11.05.2006 11:47 • #9


Ehemaliger User


Hallo Hopy,

Zitat:
. ist - ich weiß, klingt nicht sehr glaubhaft - ein intelligenter, absolut charmanter und faszinierender Mensch. Und er hat durchaus liebenswerte Seiten. Und wenn er so mit seinem ganzen Gesicht lächelt, könnte ich tot umfallen, echt


OH, ja... sowas  dacht ich mir schon, dieser Herr gehört auch zu der Casanova-Schauspieler-Zunft, die ihren Charme gnadenlos dazu benutzen andere einzuwickeln um IHREN Willen zu kriegen. Ein egoistischer Egozentriker erster Güte...

Mag ja sein das er dich nett anstrahlt,  aber was steckt dahinter?  
Die große Liebe ganz bestimmt nicht, nachdem was du hier alles geschrieben hast- von keiner Seite, auch nicht von deiner. Jemanden Lieben heisst auch nicht Selbstaufgabe, und das hast du ja selber gemerkt, welche Folgen das für dich hatte.

Hoffentlich findest du noch irgendwo in Dir die Kraft, dich ihm rechtzeitig zu entziehen.

Du spielst mit dem Feuer... :-X

lg Efeu

11.05.2006 14:29 • #10


Hopy


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Hallo,

tja, es ist Dienstag und das Wochenende ist vorüber. Wie soll ich das beschreiben? Es lief nicht so, wie ich mir das vorgestellt oder befürchtet hatte. Keine Tiraden, keine Arroganz (ich bin Schuld, ich hätte mich ändern müssen), keine "Wenn-Du-Dich-gebessert hast-Sprüche". Nee, damit hätte ich umgehen können.

Mir saß beim Essen (hatte ich sorgfältigst weit von meiner Wohnung weg geplant) ein nachdenklicher und sehr ruhiger X. gegenüber, der von sich aus erzählte, dass wir unsere Kommunikation verbessern müssten und der zuhörte und nachfragte. Der mir erzählte, dass er mich liebt wie ich bin. Und dass er darauf hofft und wartet, dass ich mit ihm nach Frankreich komme. Keine Forderungen, keine Limits nix dergleichen.

Ich habe mich zurückgehalten und mehr beobachtet. Und ich habe (haut mich nicht, bitte!) das Wochenende mit ihm einfach genossen. Am Montag ist er zurückgeflogen. Ich habe keine Zusagen gemacht. Habe ihm aber erzählt, dass ich umziehe. Das hat er mit Fassung getragen und seine HILFE angeboten.  Na, da habe ich ihn doch mal zur Übung Fliesen schleppen lassen. Immer  noch kein Gemecker!?

Ist es nicht ein Hammer. Ich freue mich über sein Verhalten - ohne Ärger und ohne Erwartung -  UND ICH FREUE MICH AUF MEINE NEUE WOHNUNG. Versteh´ mich einer - ich tue es nicht (ich meine, mich verstehen).

Wie findet ihr das?

Hoffe auf Eure kriitischen Meinungen, die mir bei diesem Wochenende übrigens echt geholfen haben.

Viele Grüsse

Hopy

16.05.2006 23:53 • #11



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