Rezeptsammlung zum
Wiedergutfühlen
von Schwimmfisch
Weinen:
Wann immer ich konnte, habe ich geheult. Danach war ich angenehm erschöpft.
Das hilft auch gut vor dem Einschlafen. Schlimm ist es, wenn man Schmerzen
fühlt und keine Tränen mehr hat. Dann fängt nämlich
die gefährliche Gedankenspirale an zu arbeiten.
Einschlafhilfen:
Nein! Keine Tabletten! Statt dessen Sport (s.u.), vielleicht neben dem
Bett Liegestützen bis zur Erschöpfung. Das habe ich immer
gemacht, wenn mich nachts die Gefühle zerissen haben. Vielleicht
vorher ein (1!) Bier oder Ausgehen und Party machen bis zum Umfallen.
Gesellschaft:
Soviel Ausgehen und sich in Gesellschaft bewegen wie möglich. Das
hilft mit am allerbesten zum Abschalten und Sich-Nicht-Allein-Vorkommen.
Muß ja nicht immer in einem Trinkgelage enden. Jede Möglichkeit
nutzen, auch wenn Du grade keinen Bock hast, sondern lieber Dein Schmerzsüppchen
köcheln willst: diese Gedanken kommen mit Sicherheit von selbst
wieder (in der Arbeit, beim Einkaufen oder wo auch immer). Wichtig ist
es zunächst, abzuschalten.
Spinnen und
Schreien:
Alles ist erlaubt.
Einen guten
Freund:
...dem man alles sagen kann. Das ist wichtig. Mehr muß ich dazu
nicht sagen. Ach doch: in der letzten Zeit habe ich gemerkt, wem ich
alles etwas anvertrauen kann, und wem nicht. Es waren erstaunlich viele.
Und diese Erfahrung ist doch ganz angenehm.
Sport:
Ich habe an einem Montag die ganze Sauerei herausgefunden, am Freitag
war ich bereits beim Probetraining. Danach konnte ich zum ersten Mal
gütlich über die ganze Sache denken. Seither bin ich dreimal
die Woche beim Training. Ich gehe immer, wenn die Gedankenspirale wieder
losgeht. Während des Trainings muß ich praktisch NIE an sie
denken. Wenigsten 60 Minuten lang nicht. Und das war v.a. am Anfang
einiges wert. Der Nebeneffekt ist, das ich mit dem eigenen Körper
auch viel zufriedener bin.
Briefe an
die Ex:
Ich habe meine Freundin wochenlang überflutet mit Briefen. Immer,
wenn ich mich besonders beschissen gefühlt habe, habe ich mich
hingesetzt und alles aufgeschrieben. Das hat den guten Effekt, daß
ich mir selbst auch mal so richtig zurechtlegen mußte, was es
ist, daß mir wehtut. Es hilft, die Entwicklung der Gedanken zu
beschleunigen - und damit auch die Distanzierung. Man kann hier alles
aufschreiben und WEGschicken. Und noch etwas: auf einen gelungenen Brief
war / bin ich immer mächtig stolz.
Kontaktabbruch:
Das hat mir anfänglich sicherlich mehr weh getan als ihr (wenn
sie das überhaupt irgendwie traurig fand... wer weiß?). Aber
schließlich hat es mich doch angekotzt, daß ich ihr alle
meine intimsten Gedanken in den Briefen anvertraue, sie aber jemand
völlig fremden nun viel näher steht als mir. Ihr neues Glück
hat mich natürlich angekotzt, auch wenn ich ihr gleichzeitig immer
alle Gute wünsche.
Bewußt
selbst Schluß machen:
Ich habe mir vor dem Kontaktabbruch noch einmal - ganz bewußt
- einen gründlichen Korb geholt, der alle meine Stohhalme geknickt
hat; vielmehr - ich habe sie selbst geknickt (in wessen mail habe ich
das neulich gelesen? Vielen Dank für den Satz.). Ich habe ihr in
dem letzten Brief nochmal alle mir offenen Fragen gestellt und bin für
die Antworten zwei Wochen einem einzige Telefonat hinterher gerannt
("Oh.. tut mir Leid. Hab' vergessen, daß wir gestern telefonieren
wollten. Ich rufe Dich morgen um xy Uhr an". Hahaha! Und das 5
mal). Die wichtigsten waren:
Liebst Du mich noch? (Nein.)
Gibt's noch irgendeine Chance für uns? (Nein.)
Dann habe ich Leb' wohl! gesagt. Und es seither auch eingehalten.
Von allem meine Talismanen, z.B. ihr Foto im Portemonaie, habe ich mich
auch ganz bewußt verabschiedet. Teilweise unter Tränen.
Neues tun,
neue Leute kennenlernen:
Ich habe ein paar neue Sachen angefangen, die ich vorher vielleicht
nicht getan hätte oder mich nicht getraut hätte, z.B. einmal
eine Radioshow mitproduziert. Das sind Sachen, die ich unmöglich
mir ihr in Verbindung bringen kann, von denen sie auch nichts weiß
(ihr von dem Training zu erzählen war falsch. Baut Euch ein eigenes,
neues Leben auf, in dem ihr ohne sie Dinge tut).
Schließlich:
Urlaub
Meine Arbeit hier (die Grund für unsere räumlich Trennung
war) ist seit vorgestern zuende. Morgen geht's los! Dann mache ich drei
Wochen Sprachurlaub in Spanien - alleine. Bin schon saumäßig
gespannt, was da passieren wird.
Wasser:
Ein Trick der Hausmachersorte. Kennt Ihr es auch: sobald ich Wasser
im Gesicht spüre, fühle ich mich irgendwie gut. Wenn Euch
also mal düstere Gedanken heimsuchen, Ihr Euch gar selbst verachtet
oder so, dann probiert es aus. Stellt Euch vors Waschbecken und klatsch
Euch ordentlich naß.
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