hallo highländer
du fragst in einem deiner beiträge ob man wirklich auseinander leben und doch zusammen sein kann - meine antwort darauf: ich glaube schon ... dazu meine geschichte:
seit februar 2004 lebe ich nach12jährigem zusammenleben mit meiner frau und ihrer tochter (mein sohn ist vor 2 1/2 jahren in eine eigene wohnung gezogen) in einer eigenen wohnung. ich bin ausgezogen, weil meine frau mir mitgeteilt hat, dass sie s.uelle kontakte zu anderen mänern haben will / wird - also - ich habe mich vorerst mal von ihr getrennt (konnte mit ihrem wunsch überhaupt nichts anfangen) nach einigem hin und her (hatte bereits wohnung ...) haben meine frau und ich uns darauf geeinigt, dass wir wieder zusammen sein können, wenn
1) ich in meine eigene wohnung ziehen werde und
2) sie mich mit allfälligen kontakten zu männern in ruhe lässt (motto: genieße - aber schweige)
ich habe mich auf dieses beziehungssetting eingelassen, weil ich im grunde genommen meine frau gut verstehen kann (1) sie ist dabei, ihren s.uellen missbrauch aus ihrer kindheit auf zu arbeiten; (2)sie braucht jetzt eben zeit, raum und freiheit in einem besonderen maß und (3) auch, weil ich sie aus tiefem herzen liebe und sie in ihrem sein respektiere und auf ihrem weg begleiten möchte ....
soweit die geschichte - mir selber ist es eine zeitlang wirklich schlecht gegangen: wollte mich trennen, habe geglaubt, dass ich alles verlieren werde (alltag mit frau und (stief)tochter, die wirklich einen platz in meinem herzen gefunden hat; nähe, kontakt und austausch; ....) - mit anderen worten: ALL DAS, WAS MIR WICHTIG GEWESEN IST! auch nachdem ich bereits in meiner eigenen wohnung zu leben begonnen habe, hatte ich diese empfindungen - mittlerweile (ich lebe jetzt seit zwei monaten in meiner wohnung) hat sich dies zu verschieben begonnen:
- ich lebe erstmals in meinem leben alleine, nur auf mich gestellt und ich kann es genießen
- meine frau hat weiterhin einen wichtigen platz in meinem leben...
- kontakte zwischen uns sind jetzt befreit von alltäglichem "kleinkram"
- wenn wir uns jetzt begegnen, dann befreiter und offener
- ich beginne mich meinen freundInnen mehr zu öffnen als zuvor und es wird auch mehr "neue" menschen in meinem leben geben
- es ist alles "einfacher und komplizierter" geworden

mir ist klar, dass unser beziehungssetting ungewöhnlich ist und ich weiß auch nicht wirklich, ob ich auf dauer so leben möchte und wie es mir gehen wird, wenn ich einmal mitbekomme, dass und mit wem meine frau einen s.uellen kontakt hat ... das steht in den sternen...
wir sind jedenfalls mitten drinnen, unser auseinander - zusammensein zu gestalten. wir sind dabei, eine für uns passende FORM zu finden (wie oft pro woche sehen wir uns - machen wir regelmäßig - und wenn ja wie oft - besondere sachen miteinander - zb städtereisen, wandern etc.?).
um nochmals auf deine frage zurück zu kommen: ja - ich glaube, paare können zusammen sein, sich lieben und achten und doch nicht zusammen leben. was ist wichtig dabei:
- es sollte für beide passen
- gegenseitige achtung, wertschätzung und liebe einander zeigen
- bereitschaft, sich auf neues ein zu lassen
- vielleicht auch: hinschauen, was man in so einem setting "gewinnen" kann anstatt groß das "minus" hervor zu streichen
lieber highländer - ich möchte dir gerne fragen stellen bzw. dir anregungen mitgeben:
- weißt du genau, warum deine "süße" in ihr haus ziehen wollte?
- wenn ja - kannst du dir denken: "da ist was dran - kann ich verstehen und sie auch lassen..."
- sie hat sicher ihre gründe dafür gehabt, in ihr eigenes häuschen zu ziehen.... je mehr du ihr signalisierst, dass das für dich nicht passt und du entsprechenden druck machst, desto mehr wird sie sich zurück ziehen (müssen)
- vielleicht schaffst du es, keinen druck zu machen und zu schauen, was geschieht ...
- möglicher weise kannst du so auf keinen fall leben: dann ist es notwendig, dass du deines weges ziehst und du dich von ihr trennst .... ich weiß, das sagt sich so leicht - aber ich glaube, dass das ende mit schrecken dem schrecken ohne ende vor zu ziehen ist
natürlich gäbe es hier noch einiges zu sagen / erzählen ...
ich habe hier noch ein gedicht von hermann hesse angefügt("stufen") - ich finde, es hat einiges an tröstendem zum inhalt und auch so manches nachdenkenswertes - ich finde, es passt gut hier in dieses forum....
ich wünsche dir alles gute und viel kraft für das, was kommen wird
manta
Hermann Hesse:
Stufen
Wie jede Blüte welkt und jede Jugend
Dem Alter weicht, blüht jede Lebensstufe,
Blüht jede Weisheit auch und jede Tugend
Zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern.
Es muß das Herz bei jedem Lebensrufe
Bereit zum Abschied sein und Neubeginne,
Um sich in Tapferkeit und ohne Trauern
In andre, neue Bindungen zu geben.
Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
Der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.
Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten,
An keinem wie an einer Heimat hängen,
Der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen,
Er will uns Stuf' um Stufe heben, weiten.
Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise
Und traulich eingewohnt, so droht Erschlaffen,
Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise,
Mag lähmender Gewöhnung sich entraffen.
Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde
Uns neuen Räumen jung entgegen senden,
Des Lebens Ruf an uns wird niemals enden...
Wohlan denn, Herz, mimm Abschied und gesunde!